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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-06-28 · 26 (28.6.1895) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
26 (28.6.1895)
Date
1895-06-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 486 Nr. 26 Dr. Moch's Wochenschrift. sei die Form derselben noch so höslich - - daß das Rectorat einer Hochschule nicht dazu da ist, um sich an einer Verletzung der Staatsgrundgesetze zu betheiligen, würde gewiß die gewünschte Aenderung in der Textirung sehr rasch herbcisühren. Prag. (Ueber den Gemeindebund der israelitischen Cultusgemeiuden Böhmens) wird berichtet: Ueber Anregung der Cultusgemeinde in Teplitz hat am 14. d. M. in Prag eine von der Prager Cultusgemeinderepräsentanz einberufene Versammlung von Vertretern der Cultusgemeinden Böhmens stattgefundeu, in welcher über die Bildung eines Gemeindebundcs berathen wurde. Der Präsident der Prager Cultusgemeinde, Herr Dr. Arnold R o s e n b a ch e r, begrüßte die anwesenden Vertreter von 37 Gemeinden auf's Herzlichste, worauf zur Wahl der Functionäre geschritten wurde. Zum Vorsitzenden der Versammlung wurde Herr Dr. Arnold Rosenbacher gewählt. Nachdem derselbe die Erklärung abgegeben hatte, die Wahl nicht annehmen zu können, da er die Berichterstattung über die Satzungen des zu gründenden Gemeindebundes innchabe, wurde zum Vorsitzenden der Vicepräsident der Prager israelitischen Cultusgemeinde, Herr Dr. Ludwig B e n d i e n e r, und zu dessen Stellvertretern die Herren Dr. W i l l n e r (Teplitz) und Dr. G u t m a n n (Tabor) gewählt. In der Generaldebatte, welche über den Entwurf der Satzungen geführt wurde, erklärte Herr Leopold Haller, daß die Bildung des Bundes derzeit verfrüht sei; man solle warten, bis die Organisation der Cultusgemeinden, deren Vorstände gegenwärtig nur provisorisch fungiren, durch das zu gewärtigende Statut definitiv erfolgt sein werde. Inzwischen möge ein einzusetzendes Somit« die Vorbereitungen zur Bildung eines Gemeindebundes treffen. Dieser Antrag blieb in der Minorität, worauf in die Berathungen der Satzungen eingegangen wurde. Herr Dr. P o d v i n e z (Kolin) beantragte, es sei innerhalb des Gemeindebundes die Gleichberechtigung der beiden Landessprachen satzungsgemäß sicherzustellen und in die Statuten der Bestimmung aufzunehmen, daß die Aufhebung der Gleichberechtigung die Auflösung des Gemeindebundes zur Folge haben würde. Dieser Antrag wurde angenommen. Die neue Vereinigung führt den Namen „Gemeindebuud der israelischen Cultusgemeinden Böhmens" und hat ihren Sitz in Prag. Als Zweck des Bundes wurde bezeichnet die Förderung der Verwaltungs-, Bildungs- und Wohlthätigkeitsangelegenheiten der israelitischen Gemeinden Böhmens. Bei der Berathung über die Wege zur Erreichung dieses Zweckes entspann sich eine bewegte Debatte, in welcher insbesondere die Herren Siegmund Mauthner (Prag) und S. Neubauer (Karlsbad) unter lebhafter Zustimmung darauf hinwiesen, daß es sich in erster Reihe darum handeln sollte, Rechtsschutz zu finden gegen gesetzwidrige Angriffe auf die Juden und das Judenthum. In verschiedenen Körperschaften, insbesondere im Parlamente, werden gegen die Juden Schmähungen vorgebracht, ohne daß sie die gebührende Zurückweisung erfahren. Es genüge nicht — sagte einer der Redner — die Faust in der Tasche zu ballen, sondern Recht und Pflicht sei es, sich zu wehren, gemeinsame Schritte zu unternehmen und ein Organ zu schaffen, welches mit kräftiger Hand diese Schritte zurückmeist. Als weitere Mittel zur Erreichung des Zweckes des Bundes wurden beschlossen: Die Unterstützung dürftiger Gemeinden in außerordentlichen Fällen, die Förderung der Ausbildung von Religionslehrern, die Altersversorgung von Gcmeindebeamten und die Fürsorge für deren Hinterbliebene, Aufmunterung zur Erziehung der Jugend für Handwerk, Landwirthschaft und technische Gewerbe, Schaffung eines Schiedsgerichtes für Schlichtung von Streitigkeiten der Cultusgemeinden untereinander oder mit ihren Beamten re. Die Behandlung und Erörterung rein religiöser, ritueller, politischer und nationaler Fragen sollen von der Tbätigkeit des Bundes ausgeschlossen sein. Ueber Antrag des Herrn Dr. Alexander Frank (Humpoletz) wurde in die Satzungen auch noch der Passus ausgenommen, daß der Bund die Prüfung und Erstattung von Gutachten über Gesetzvorschläge, welche die Juden betreffen, bezwecken solle. Ebenso wurden die Anträge der Herren Dr. P o d v i n e c und Josef B u n z e l angenommen, W.anderversammlungen und Vorträge zu veranstalten. Im Ganzen erledigte die Versammlung die ersten sechs Paragraphen der Satzungen und beschloß über Antrag der Herren Dr. P o d v i n e c und Dr. Friedrich Duschen e s die Beschlußfassung der anderen Paragraphen des Entwurfes der Satzungen einem zehngliederigen Somit« zu übertragen. Dieses Somit« hat auch die einlaufenden Abänderungsanträge einzelner Gemeinden zu prüfen und wird ermächtigt, um die Genehmigung der Satzungen bei der Behörde einzuschreiten. Der Vorsitzende, Herr Dr. B e ndiener, schloß die Versammlung mit einer Ansprache, in welcher er sagte: „Es ist üblich und entspricht auch unserer loyalen Gesinnung, des erhabenen Monarchen zu gedenken, unter dessen kräftigem Schirm und Schutz wir muthig und getrost der Zukunft entgegensetzen können und der alle seine Unterthanen mit gleicher Liebe umfaßt. Wir müssen den Muth haben, offen und energisch den Angriff unserer Feinde und Gegner cntgegenzutreten. Der Racenhaß ist ungleich verwerflicher, niedriger, gemeiner, als die Verfolgung im Mittelalter. Im Mittelalter war es Glaubensfanatismus, man glaubte seiner Religion zn dienen, wenn man Andersgläubige verfolgte. Es war bei aller Rohheit ein höherer Standpunkt. Der heutige Racenhaß, das heutige Speculiren auf die gemeinsten Triebe und Leidenschaften entspringt der niedrigsten Gesinnung, der Bosheit, dem Streberthum, dem Neid, und da glaube ich, daß eine Vereinigung, wie wir sie heute geplant haben, uns nur kräftigen und stärken kann. Die kleine Gemeinde auf dem Lande erstarkt und kräftigt sich, wenn sie einer größeren Gesellschaft angehört; sagt doch schon der Dichterfürst Goethe: „Immer strebe zum Ganzen, und kannst Du selbst kein Ganzes werden, als dienendes Glied schließe dem Ganzen Dich an." Möge unser Gemeindebund blühen und gedeihen und segensreich wirken für Staat und Land. Lassen Sie uns schließen mit einem dreifachen „Hoch!" auf unseren ritterlichen Monarchen : Sc Majestät Kaiser Franz Josef I. er lebe hoch!" (Begeisterte „Hoch'."-Rufe.) Prag. (Studentenverein „Maccabaea“.) Vorletzten Samstag referirte meä. Karl K a tz über die Brochuren „Wo hinaus" von Paul D i m i d o f f und „Die Juden eine Nation" von Jakob Kammer und ging besonders auf die erstgenannte genauer ein. Referent erläuterte an der Hand derselben die praktische Ausführung der Zionsidee und erkannte darin den einzigen Ausweg für die Tausende unserer unglücklichen Brüder. Hinsichtlich der zweiten Schrift besprach er den Begriff der Nationalität und fand für seine Ausführungen lebhaften Beifall. Samstag, den 15. d. M., fand eine interne Montefiore-Feier statt, bei welcher 6anä. m. n. Julius Weis das Leben des größten Menschenfreundes des Jahrhunderts, seine Bedeutung für das ganze jüdische Volk, speciell für die Jüdisch- Nationalen, und seinen Einfluß auf die damalige Zeit in trefflichen Worten schilderte. Eine sich daran anschließende Discussion beschloß die gelungene Feier. Budapest. Der sechste israelitische Gemeindedistrict hielt am 10. d. M. unter dem Vorsitze Martin S ch w e i g e r's und unter reger Betheiligung der hauptstädtischen und Provinz-Exmittirten seine Generalversammlung. Der vom Präsidenten verlesene Jahresbericht wurde nach kurzer Discussion zur Kenntniß genommen. Hierauf wurden die Wahlen vorgenommen, welche folgendes Resultat ergaben: Districts- Präsidium : Präsident Martin S ch w e i g e r, Präsidentstellvertreter Dr. Samuel K o h n; Mitglieder : Sigmund B r 6 d y, Dr. Franz C h o r i n, Dr. Ludwig Kecskem « ti (Kecskemät), Dr. Franz M ez c h, Dr. Moriz Mez ei, Karl S v a b, Paul Teurer und Dr. Simon Weiß (Kalocsa); Präsident des ersten Schiedsgerichtes: Samuel Deutsch, Präsident-Stellvertreter Dr. Armin N e u m a n u; Präsident des zweiten Schiedsgerichtes: Dr. Alexander U l lm a n n, Vicepräsident Dr. Adolf T a t a i. Hernach wurden

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