Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-06-28 · 26 (28.6.1895) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
26 (28.6.1895)
Date
1895-06-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3021061-3021088--04681-3028879
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 484 Nr. 26 dfjg■~-'1«WbiBl!XH^^JLWKiSaX*.:^ gMJLtfl Dr. Bloch's Wochenschrift. Gerücht, der Mann wolle das Kind entführen, und im Nu Hallen sich viele Leute angesammclt, die den Verdächtigen, als er sich entfernen wollte, anhieltcn. Von etwa 100 Personen begleitet, wurde er auf's Commifsar at Hernals gebracht. Dort legitimirte er sich als ein GeschästScassier ittamens Mathias G r u b e r, zu Bramberg in Salzburg geboren, 59 Jahre alt und Hernals, Schuhmanngasse Nr. 57 wohnhaft. Er ist zwar nicht der Kiuderräuber, ist aber nach § 516 St.-G. (Vergehen gegen die öffentliche Sittlichkeit) dem Bezirksgerichte Hernals angezeigt worden, weil das kleine Mädchen, Namens Marie Maier, das er angesprochen hat, erklärte, Gruber hätte ihm gegenüber eine unsittliche Aeußerung gemacht." Daß Mathias Gruber ein gut katholischer Arier, vergißt das Bergan! blatt u constatiren. Wien. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Löbliche Redaction der „Oesterrcichischen Wochenschrift!" In Nr. 24 Ihres geschätzten Blattes vorn 14. Juni 1895 erschien unter Anderen: auf Seite 440 folgende Notiz: „Aber schon am 0. Juni kam, wie uns ein vollkommen verläßlicher Gewährsmann mittheilt, ein Schulmädchen aus der ersten Classe der Gersthofer Volksschule zu der Hausmeistcrin in der Ladcnburggasse Nr. 20 und sagte ihr: „Denken Sie sich, -Frau Kraft, die Lehrerin hat uns heute gesagt, wir sollen nach 5 Uhr nicht auf der Gasse sein, cs gehen Juden herum, die stehlen die Kinder, weil sie Christenblut brauchen!" Da es in Gersthof nur eine Volksschule, auch nur eine erste Classe Mädchen gibt und ich in dieser seit 11. Jänner 1805 als provisorische Unterlehrerin wirke, so kann ich die Notiz Ihres Blattes nur als auf mich bezugnehmend betrachten. Ich ersuche die löbliche Redaction deshalb, in der nächsten Nummer der „Oesterrcichischen Wochenschrift" berichtigen zu wollen, daß ich eine derartige Aeußerung überhaupt niemals gethan habe. Wien, den 23. Juni 1805. Ludovica R e y m a n n, Lehrerin der ersten Clasie der Gersthofer Volksschule." (Eine de- und wehmüthige Abbitte.) Das „Deutsche Volksblatt" vom 20. Juni publicirt nachstehende Ehre ne r k l ä r u n g. Da die gerichtlichen Erhebungen ergeben haben, daß der von uns in der Nr. 2150 unseres Blattes vom 28. December v. I. unter der Aufschrift: „Auch ein Wohlthäter der Armen" veröffentlichte Artikel, beziehungsweise die im Anschlüsse an diesen Artikel in den Nummern 2157, 2158 und 2107 gebrachten Notizen auf unrichtigen — übrigens nicht von Herrn Franz Straffer erhaltenen — Informationen beruhten und daß gar kein Anlaß vorlag, Herrn Jacob Rot hb e r g e r in seiner geschäftlichen Integrität und sonst in seiner Ehre nahezutreten, so nehmen wir keinen Anstand, hiemit unserem Bedauern über die Veröffentlichung des erwähnten Artikels, beziehungsweise der angeführten Nottzen Ausdruck zu verleihen. Wir bemerken noch, daß in Folge dieser Erklärung die vor dem Schwurgerichte anberaumte Verhandlung entfällt. (Andreas von Rinn.) Man schreibt uns : Die dramatische Fructificirung des heit. Andreas von Rinn ist für Wathens bei Innsbruck keine Neuheit. Wie aus den „Mitiheiluugen des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus" vom 0. August 1893 zu ersehen ist, fand eine derartige Aufführung in Wathens auch am 16. Juli 1893, und zwar zum Besten der Kirche in Reidh statt. Zu der damaligen Aufführung wurde als Hauptzugmittel der Tisch versprochen, auf dem der heil. Andreas vor 350 (!) Jahren von den Juden ermordet worden sein sollte. Da die ersten Nachrichten über den angeblich 1462 erfolgten Mord des heil. Andreas von dem Arzt Guarmoni in Hall herrühren, der 1689, also 157 Jahre nach dieser Zeit von alten Leuten hievon gehört haben will, so war die Vorführung des echten Tisches allerdings eine große Merkwürdigkeit. (Niederrad-Stratzenrennen.) Unter überaus zahlreicher Theilnahme von Mitgliedern und Gästen hat der Wiener Radfahrerclub „Wienerwald" auf der Tullnerstraße vom Orte St. Andrä-Wördcrn aus ein Niederrod-Straßenrennen abgehalten. Am Gästefahren betheiligten sich auch Nichtmitglieder, und gewann in demselben den ersten Preis Herr A. Betz sch lag. Die Distanz, die 30 Kilometer betrug, wurde von demselben in 1 Stunde 1 Minute und 10% Secunden zurückgelegt. Auch das Senior-, Junior- und Meisterschaftsfahren fand unter zahlreicher Betheiligung der Mitglieder statt. Die einzelnen Rennen nahmen folgenden Verlauf: Gästefahren. 30 Kilometer. A. Beyschlag Erster (1 St. 1 M. Or/n Sec.) vor Josef Richtscheit und Pilz. Seniorfahren. 10 Kilometer. Ludwig Fischer Erster (24 M. 164/r> Sec.) vor Krebs und Freund. Meisterschaftsfahren bei 50 Kilometer. Jakob Frankfurter (1 St. 55 M. 22 Sec.) vor Josef Mauersberger, Kollin und Emil Hofer. Juniorfahren. 20 Kilometer. Friedrich Hofer (42 M. (573/5 Sec.) vor Spitz und Wilhelm Frankfurter. (Die Radmeisterschaft von Europa.) Ans Berlin wird berichtet: Bei dem Fahren um die Radfahrermeisterschaft von Europa siegte Maxime Lurion (Wiener Radfahrunion „Vorwärts") vor Merheyn (Paris), Helman, Herty, Opel, Bottin (Paris). Die „Ostdeutsche" hat darüber ihre Freude — wir auch. Aufruf. Glaubensgenossen! Edle W o h l t h ä t e r! Der 5. Juni war für uns ein folgenschwerer Tag! ‘ Mittags 1 Uhr entlud sich über unserer Stadt ein Gewitter mit solchen Wassermassen, daß binnen einer Stunde der ganze Ort überschwemmt war und die beim Bache liegenden Objecte 2 Meter tief im Wasser standen. Mit diesem Gewitter und Wolkenbruch war ein Hagelwetter verbunden, das eine ganze Stunde währte und sämmtliche Feldfrüchte total vernichtete. Mehr als 40 Häuser sind demolirt und drohen mit dem Einsturz. Zwei Brücken wurden weggerissen, Haus- und Wirthfchaftsgeräthe, Bau- und Brennholz, Bretter, Kleider, Wäsche, viele Hausthiere sind sortgeschwemmt, die Wege und Straßen npassirbar, Wiesen mit Schutt bedeckt, Felder mit der Frucht abgeschwemmt, Hunderte von Obstbäumen entwurzelt, und hat diese Ueberschwemmung eine derartige Verwüstung angerichtet, die nicht genug mit Worten geschildert werden kann. Der Schaden ist sehr groß und beträgt an Privateigenthnm mehr als ff. 100.000. Leider befindet sich unter diesen Objecten auch der hiesige Tempel und die Religionsschulc, die innen und außen stark verwüstet sind und einen sehr großen Schaden aufweiseu. Schon bei den Ueberschwemmungen im Jahre 1872 und 1891 sind diese beiden Objecte mit großen Kosten wieder aufgebaut worden, und nun stehen wir abermals vor den Trümmern der Katastrophe vom 5. Juni d. I. Um die Herstellungskosten wieder zu bewältigen, wendet sich die ergebenst gefertigte Cultusgemeinde mit der großen Bitte an Glaubensgenossen und Wohlthäter, uns in solcher trostlosen Lage nicht zu verlassen und mit einem Beitrage, wenn noch so gering, beizustehen, denn speciell das Gotteshaus steht verwüstet, öde und verlassen da. Die zur Gemeinde gehörigen 18 Mitglieder, zumeist unbemittelt, leiden ohnehin großen Schaden durch die Uebcrschwemmung und den furchtbaren Hagelschlag, und sind daher bei der größten Opferwilligkeit nicht im Stande, solche unerwartete große Auslagen zu bestreiten. Glaubensgenossen! Edle Wohlthäter, die Ihr bei jeder Gelegenheit Euere Nächstenliebe bewiesen habt, weiset unsere innigste Bitte nicht zurück, bedenket, daß es zur Ehre Gottes geschieht, und gebe ein Jeder nach seinen Kräften! Gottes Segen möge Euere Gaben tausendfach lohnen! N e t s ch e t i n, am 10. Juni 1895. Im Namen der israelitischen Cultusgeinde: S. Kafka, Moriz Brau n, Richard Herr m a n n.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.