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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-06-28 · 26 (28.6.1895) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
26 (28.6.1895)
Date
1895-06-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 26 Dr. Bloch?s Wochenschrift. Seite 483 welche zu Heukeru bestellt waren, niederzusäbeln, und die Israeliten zu befreien. Als bald darauf der Pascha mit seinen Opfern im Hofe erschien, stürmten die Mohamedaner bewaffnet aus der Moschee heraus und bedrohten ihn mit dem Tode, wenn er die Israeliten nicht freiließe. R u z d i Pascha erschrak so heftig, daß er sich ans Serajewo an der Spitze von 500 RizamS, und zwar ohne Schuhe, blos in den üblichen Vederstrümpfen flüchtete. Die so unerwartet Geretteten zogen in Begleitung der Mohamedaner nach der Synagoge, um ihr Dankgebet zu verrichten. Der Oberrabbiner segnete seine Retter und sprach über den Pascha den großen Fluch ans. Zugleich verfaßte er ein Danklied, welches in der Synagoge am Jahrestage noch heute gesungen wird. Diese Feier nennen die Spagniolen Marhesvan. Rach drei Monaten berief Danou seine Glaubensgenossen und erklärte, Gott habe ihm befohlen, eine Pilgerfahrt nach Jerusalem zu unternehmen; zugleich prophezeite er seinen Leidensgenossen, daß sie je einen Sohn bekommen würden. Dies traf in der That ein und diese Söhne leben noch heute in unserer Mitte. Die ganze israelitische Bevölkerung geleitete den frommen Alaun bis Jlidsche, doch entließ er, sich nur zwei Diener ansbittend, die Menge mit dem Segensspruche, mit welchem sich Moses vom israelitischen Volke verabschiedet hatte. „Wohl Dir, Israel, wer ist Dir gleich? O Volk, daß Du durch den Herrn selig wirst, der Deiner Hilfe Schild und das Schwert Deines Sieges ist. Deinen Feinden wird's fehlen, aber Du wirst auf ihrer Höhe einher treten." Zugleich erklärte er, daß er unterwegs sterben würde. Als Danou nach Stolac kam, bat er den dortigen Kadija, im Orte ausruhen zu dürfen, was ihm gestattet wurde. Danou badete sich in einer Quelle und wechselte die Wäsche; dann besuchte er Mehaga's Caffeehans, wo er unter Gebeten sanft im Herrn entschlief. Der Kadija ließ den Leichnam auf einem Hügel außer der Stadt auf einem Staatsgrunde beerdigen. Später erwarb diesen Grund ein Mohamedaner und pflegte sorgfältig das Grab, denn — so sagt die Legende — der von ihm auf genanntem Hügel angepflanzte Weingarten trug ihm selbst in Mißjahren reichliche Frucht. Die Mostarer Israeliten erbaten sich von Ali Pascha Stocanin („dem Stolacer") die Erlaubnis;, Danou ein sarkophagartigcs Denkmal setzen zu dürfen, was ihnen auch bewilligt wurde. Es ist ein viereckiges Prisma, auf dessen dem Wege zugekehrter Fläch? der Name des Verblichenen eingcgraben ist. Zugleich wurde ihnen gestattet, jährlich am Sterbetage zehn Pilger an's Grab, und zwar unter Begleitung von Zaptics schicken zu dürfen. Doch gelang es ihnen nicht, die Grabstätte käuflich an sich zu bringen. Der zur Zeit des Einfallcs Montenegros in die Herzegowina in Mostar sich aufhaltende'Armeelieferant Giuseppe Vita Salom bot dem Eigenthümer eine den Preis des Grundstückes weit übersteigende Summe; doch scheiterten alle Bemühungen an dem Vorurtheil des Mahomedancrs, daß er mit dem Grabe des Heiligen auch sein und der Familie Glück veräußern würde. Erst im verflossenen Jahre erwarb MoseS Daniel Salom d en erwähnten Hügel um einen Betrag, der den wirklichen Werth bei Weitem übersteigt, und ließ neben d:tti Grabe eine schöne Capelle errichten, zu der nun die Israeliten frei wallfahrten dürfen. Schließlich sei noch erwähnt, daß eine Tochter Danon's mit dem Ober-Rabbiner von Jerusalem, Benzijon Pinto, vermalt ist." Vom Jahrmarkt des Lebens. (Wieder eine judeureine Versicherungsgesellschaft, „Unio catholica“.) Die „TJnio eatholica“ ist unter den judenreinen Versicherungs-Gesellschaften die — frömmste; sie trägt den Katholicismus in rer Firma. Dennoch zeigt sich, daß selbst der Clerus kein besonderes Vertrauen zu dieser Gesellschaft hegt, denn ihre geschäftlichen Resultate sind äußerst traurige und im Rechenschaftsbericht selbst wird der Nothschrei ansgestoßen, daß die Geistlichkeit sich für die Entwicklung dieses für sie geschaffenen Unternehmens nicht durch zahlreichen Beitritt interessirt und auch sonst nicht „mit ihrem ganzen moralischen Ansehen für die Förderung dieser humanen, rein christlichen Institution eintrete". Diese Zurückhaltung des Clerus wird vielleicht begreiflicher, wenn man sich die Bilanz der Gesellschaft näher ansieht. Der größte Theil der Activen besteht in werthlosen Außenständen, die Prämien, die Prämienreferven sind gänzlich ohne jede thatsächliche Bedeckung u. s. w. Diese Bedeckung bilden die sogenannten „Activen" — die Außen stände bei den Agenten im Betrage von fl. 20.000, die bekanntlich uneinbringlich sind. Ein besonders drastisches Beispiel der Wirthschaft, welche bei der „Unio catholica“ herrscht, liefert die Thatsache, daß die Gesellschaft mit einem Budapester Fabrikanten mehrere Versicherungsverträge abschloß und sich selbstverständlich auch die Prämien ansbezahlen ließ, als jedoch bei dem betreffenden Fabrikanten ein Brandschaden eintrat, die Auszahlung der Schadcnssumme mit der Begründung verweigerte, daß der Versicherte ein Jude sei, die Gesellschaft nach ihrem Statute aber mit Juden keine Geschäfte mache. Thatsächlich hat sie dabei mit dem Juden ihr allerbestes Geschäft gemacht, denn sie hat von ihm nur Geld genommen — und ausgezahlt wird natürlich an Juden nichts. Die Gesellschaft würde viel besser stehen, wenn es ihr gelingen könnte, noch mehr solcher „Judengeschäfte" zu machen. Allein auch den Versicherten katholischer Consession geht es nicht besser; sie müssen ihre Schäden gerichtlich einklagen und mit kleinen — Ratenzahlungen sich zufrieden geben; die eingezahlten Beiträge sind so gut wie verloren. An der Spitze dieser Gesellschaft stehen Domdechant von St. Stephan Pralat Leopold Stöger als Präsident, Baron Edmund Kalb ermatten als Director: in der Verwaltung sitzt der wegen seiner verhetzenden Täthigkeit beim Verein „Christliche Familie" bekannte Fabrikant Z u l e g e r. In der Generalversammlung vom 25. Juni wurde ein Rechenschaftsbericht verlesen, wie er trauriger kaum gedacht werden kann. Der Rechenschaftsbericht beklagt sich über die harten Vorschriften des Versicherungs-Regulativs und sucht unter allerlei Spitzfindigkerten die Verluste zu verschleiern. Die armen Versicherten werden dadurch zu ihrem Gelbe nicht gelangen. Ein Mitglied der Generalversammlung stellte den Antrag: „Da die Gesellschaft unter solchen Umständen nicht mehr bestehen kann lein Ruf: „So soll sie mit der „Austria" Zusammengehen!" Heiterkeit) — nein, das nicht, aber den Director soll sie wegen Unfähigkeit absetzen! Nur die schlechte Geschäftsführung ist an Allem schuld!" (Erregung. Ein Ruf: „Ja, aber wo ist ein Besserer?"). Der Vorsitzende, Prälat Stöger, erklärt aber, über diesen Antrag nicht abstimmen lassen zu können, weil er schon im Februar, unterstützt von einem Drittel der Versicherten, hätte eingebracht werden müssen. Selbstverständlich wurde während der Generalversammlung viel über die Juden geschimpft. Eine jüdische Versicherunsgesellschaft solchen Genres hätte längst ein Einschreiten der Negierung herbeigeführt. (Der Kiuderräuber von Währing.) Das „Deutsche Volksblatt" vom 26. Juni meldet: „Vorgestern, Abends um 0 Uhr, sahen mehrere Passanten auf dem Zimmei mannsplatze in Währing, wie ein älterer Alaun mit einem kleinen Mädchen längere Zeit sprach. Sogleich verbreitete sich das

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