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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-06-28 · 26 (28.6.1895) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
26 (28.6.1895)
Date
1895-06-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 482 Nr. 26 Dr. Blvch's Wochenschrift. hatten es darauf gemünzt, daß sie in Machthaufen bei Anbruch des Tages Israelis Geschlecht zur Blutrache fällten mit den Schwertern für ihre Brüder. Darum ward da in dem Lager Wehcruf erhoben, übel Abendlied. Die Feinde waren trotzig, die kampfblickenden Krieger, bis daß die Kampfstolzen scheuchte ein nachtreicher Engel, der die Menge schützte, so daß die feindlichen Heere fürder sich nicht sehen konnten. 3. Zu Jammer ward das G r o ß t h u n der E g y p t e r. Das Volk war hindurch, die Egypter kamen hinterdrein, aber inmitten überkam sie Fluthangst; mit Tode bedrohte das Meer die tiefbetrübten Geister. Die Berggehängc waren überspritzt mit Blut, der Holm spie Blutgischt; Geheul war in den Wagen, die Wasser angcsüllt; es wogte Todesnebcl. Der Egypter Heer wandte sich um, floh angsterfüllt, da sie die Gefahr erkannten und wollten heerblöde ihre Heimat suchen. Zu Jammer ward ihr Großthun. Entgegensank ihnen der Wogen furchtbares Gewälze; nicht wieder kehrte nach Haus vorn Heer nur Einer, sondern von hinten beschloß sie das Wehgeschick mit Wogen. Wo vorher Wege lagen, da war das Meer nun muthig. Das Machtheer war ertränkt, denn Ströme kamen. Sturm stieg empor hoch zu dem Himmel, das größte Heergeheul. Die Leidigen lärmten, die Luft ward verdüstert. Von den sterbenden Helden durchströmte Blut die Fluth. Die Randburgen waren zerrissen, die Mnthreichen starben in der Schaar des Königs und es schwand die Rückkehr. Die Heerschilde glänzten, hoch über den Helden stieg der Holmwall empor, der Meerstrom muthig. Das Machthcer war fest im Tode gefesselt. Es war die blaue Luft mit Blutgischt untermengt, die Brandung drohte berstend mit Blutschrecken, bis der wahre Schöpfer sie fernhin sagte und fegte mit Todumfassnng. Die Tränkfluth schäumte, die Todgeweihten sanken, das Oceanland zerfiel, in Aufruhr war die Luft, die Wallvesten wichen, die Wogenmauern barsten, da der Machtreiche schlug mit seiner heiligen Hand das verwegene Volk: er verderbt sie mit gellendem Graus. Es grimmte das Meer, aufwallt es, anschlug es, und Angstgraus erhob sich. Es flutheten die Todwunden, bis daß die Schaaren schliefen durch den Schlag des Todes, und die Seelen verlor das sluthbleiche Heer. Die Gegner Gottes empfanden, daß ein machtvollerer Meerfluthenwart mit herber Umfassung den Heerkampf wollte scheiden, ergrimmt und grauenvoll. Von der Aegyptcr Heeresmenge kam Keiner nach Haus, daß er ihr Schicksal sagen dürfte, entbieten in den Burgen die böseste der Stunden, der Hochwarte Hinfall den Heldenfrauen, sondern die Machtschaaren alle verschlang der Meertod, er vergalt ihr Prahlen: sie hatten wider Gott gekämpft. Die biblische Geschichte hat hier eine Metamorphose der seltensten Art erlebt; cs ist die Metamorphose der kindlichen Aneignung, die sich den Schauplatz der iJ.rfa7.sta -rcj ftscü in die eigene germanische Heimat verlegt, um sie inniger, lebhafter zu vergegenwärtigen. Die biblische Geschichte ist in der Poesie und Sitte edler germanischen Stämme eingeklcidet, mit allem Großen und Schönen ausgestattet, was das Herz und Leben dieser Völker zu geben hatte. Was Vilmar vom Heliand rühmt, das gilt auch von den biblischen Epen, die sich an Caedmon's Namen knüpsen: eine tiefe Befriedigung weht, wie ein warmer Frühlingshauch durch den frischgrünen Wald, durch das Epos hindurch; ein Heimatsgcfühl von wunderbarer Stärke und Innigkeit bewegt das Herz des Sängers und ergreift uns Spätlebende mit unwiderstehlicher Gewalt, wie noch in späten Jahren den Mann die Erinnerung an das längst verlassene Vaterhaus und das Grab der Mutter lebhaft bewegt. Zugleich aber ist eine Fülle der frischesten, regsten Bewegung, der lebendigsten Thatkraft, der stärksten, festesten, ja stolzesten Ueberzeugung durch das ganze Epos ausgegvssen, wie sie uns in unserer ganzen Poesie kaum wieder entgegentritt; man sieht cs überall, der Sänger steht überall mit seinem Glauben und Wollen mitten in einer groß.n, durch ernsten, kühnen Sinn, reine Sitte und stolze Haltung ausgezeichneten Volksgemeinschaft, welche die Kraft seines Glaubens und Willens, die ganze Freude an den großen Thaten Gottes theilt. Fürwahr, nach dem Vorausgeschickten dürste es unschwer zu entscheiden sein, wo mehr echte germanische Art liegt : in den in die germanische Volkspoesie übergegangeueu Erzählungen der Bibel oder in den neuen Heilslehren der sogenannten „wissenschaftlichen" Antisemiten, und vollend s d ü r f t e k a u m e i n Z w e i f e l darüber obwalten, in w e s s e n A d e r n e d l e r e s g e r m a n i s ch e S B l n t kreist, in denen d e r h e l d e n h a f t e n Necken Abraham und Mose, wie sie die angelsächsische Dichtung verherrlicht, oder in denen der k l e i n e n u n d k l e i n l i ch e n E p i g o n e n deredlen Urgermanen, de re n N a t i o n a l st o l z sich nur i n b l ö d c m H a ß u n d e k l i g e r S ch e e ls u ch t bekundet. Der heilige Rabbi von Stolac. ° Die „Bosnische Post" vom 14. d.M. schreibt: „Heute ist ein Theil der hiesigen israelitischen Pilger von der Grabstätte des von den Spagniolen als Heiligen verehrten Oberrabbiners Moses D a n o n nach Serajewo zurückgekehrt. Die Schicksale dieses seltsamen Mannes sind für die Art und Weise, wie diese Provinzen vor der Occupation ab und zu verwaltet wurden, so charakteristisch, daß wir schon des Contrastes halber die Erinnerung an diesen jüngsten Heiligen auffrischen zu müssen glauben. Im Jahre 1874 kam N u z d i Pascha, der in Travnik residirte, auf einer Jnspectionsreise auch nach Serajewo. Da bei den damaligen Verkehrsverhältnissen seine Stellung eine uncontrolirbare, seine Machtbefugnisse in Folge dessen unbeschränkt waren, konnte er das Volk willkürlich brandschatzen. Dieses Mal forderte er von der hiesigen spagniolischen Gemeinde eine sehr hohe Contribution. Da für die Gemeinde die verlangte Summe unerschwinglich war, ließ er den Oberrabbiner Moses D a n o n und die sieben Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde im Beluk, der heutigen Philippovics-Kaserne, einkerkern, mit der Drohung, sie hinrichten zu lassen, wenn seine Geldgier nicht befriedigt würde. Um seiner Drohung inehr Nachdruck zu verleihen, ließ erden Opfern seiner Willkür die sogenannten „Trombuci" anlegen. Darunter sind zwei Bretter zu verstehen, welche den Gefangenen an die Unterbeine angeschraubt wurden und ihnen unsägliche Schmerzen bereiteten. Da er auch jetzt den gewünschten Betrag nicht erhielt, ließ er die Gequälten zwei Tage vor der Hinrichtung nach dem sogenannten „Zindan", einem eiskellerartigen, fensterlosen Gefängniß bringen. Diese raffinirten Folterqualen brachten schließlich selbst die hiesigeil Mohamedaner, die den gewaltthätigeu Pascha ohnehin nur mit Unwillen im Weichbilde der Stadt schalten und walten sahen, in Aufruhr. Ihr Barjaktar A h m e d Aga nahm sich der unschuldig Verfolgten in energischer Weise an. Das Volk hielt Ahmed Aga, weil er das sogenannte „Hemdchen", das Chorion, mit dem er geboren wurde, bei sich trug, für unverletzlich. Er mußte sogar, wenn er sich rasiren ließ, dieses „Hemdchen" bei Seite legen, weil sonst selbst das Rasirmesser an seinem Gesichte erfolglos abglitt. Dieser A h m e d Aga haranguirte an dem Samstag, an welchem die erwähnten Israeliten im Hofe der Begovadzamija hingerichtet werden sollten, die zmn Gebete versammelten Glaubensgenossen mit den Worten: „Wer ein Türke ist, folge mir, damit wir die schuldlosen Israeliten befreien!" Daraufhin wurde beschlossen, die drei Zigeuner,

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