Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 26 (28.6.1895)
- Date
- 1895-06-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 26 Dr. Blvch's Wvchenfchrrfl. Seite 477 („Die Wahrheit und Offenheit der Prinzessin Windifchgrätz.") „Einige hochadelige Damen veranstalteten am 5. Mai ein Fest im Stadtpark, das als Wohlthätigkeitsfest hingestellt wurde, mit dem Zwecke, den armen Laibachern Hilfe zu bringen und dem bescheiden angedeuteten Neben^ zweck, dem Maria Elisabeth-Verein einen Beitrag zuzuführen. Das Comits erklärte ausdrücklich, daß der „Reinertrag des Festes der schwer heimgesuchten uothleidenden Bevölkerung Laibachs gewidmet werde". Nun wird die Vertheilung des Reinerträgnisses durch die Leiterin des Festes, Frau Prinzessin Windischgrätz, bekanntgemacht und man erfährt, daß von dem erzielten Reinerträge nach Laibach nur die Hälfte gesandt wurde, wogegen der Katholische Schulvcrein fl. 2000 und drei andere fromme Unterstützungs- Vereine je fl. 1000 erhielten. Die tragikomische Ueberraschung Derjenigen, welche den Betrag aufbrachten, kann man sich leicht vorstellen. Sie sind natürlich nicht hingegangen, um den Laibachern zu helfen, sondern um den adeligen Blumcn- und Cigarrenverkäufern ihre Herablassung dankbar und reichlich zu bezahlen. Aber die Thatsache selbst enthält einen offenbar unverschämten Betrug, wie er als so ordinäre Beutelschnciderei anläßlich der ja genug berüchtigten Wohlthätigkeitsfeste doch wohl noch nicht geübt worden sein dürfte. Das saubere adelige Damen-Comitä hat gewußt, daß ein Beitrag für den Katholischen Schulverein, in's Programm eingestellt, gar Viele abgeschreckt hätte, und hat cs deshalb vorgezogen, auf Kosten der Laibacher die Oeffeutlichkeit zu prellen. Man wird zugeben müssen, daß das Christenthum der Patrone und Patroncssen des katholischen Vereines eine Weitherzigkeit zuläßt, die einen Börsenmakler neidisch machen könnte." Von der rommunal-politischrn Rennbahn. Vor einem Jahre gab es auf der politischen Rennbahn der Inneren Stadt ein interessantes sportliches Ereigniß. Zwei neue Candidaten um das Hindernißrennen des dritten Wahlkörpers erschienen am Pfosten. Die Habitues des politischen Turfs machte große Augen, denn von beiden Rennern wußte man nicht viel mehr, als daß sie die Namen „Silbe rer" und „Gfrorner" trugen und dem gleichen Stalle, jenem des demokratischen Wiener Wählervereines, angehörten. Sie waren nur Halbblut, aber sie befanden sich in guter Condition und die Form „S i l b e r c r's" berechtigte sogar zu der Hoffnung, daß er sich zu einem tüchtigen „Steher" answachsen werde. Nach dem Stammbaum Beider forschte man vergebens. Weder bei „S i l b e r e r" noch bei „Gfrorner" konnte die Abstammung von einem berühmten Vorfahren, wie etwa „Minister", „Hofrath" oder doch wenigstens „Advocat" nachgewiesen werden. Aber über diese genealogischen Mängel gingen die liberalen Turf- und Fortschrittsfreunde angesichts der sonstigen vielversprechenden Vorzüge der beiden Craks hinweg und man ließ sie ohne Pedigree zum Start zu. „Silberer" und „Gfrorner" rechtfertigten anfangs die in sie gesetzten Erwartungen. Sie setzten sich an die Tete des Feldes und gingen lange Zeit Gurt an Gurt, selbst die Vollblut - Concurrenten um die Gunst des Publicums weit hinter sich lassend. Aber den Hindernissen zeigten sie sich nicht in dem Maße gewachsen wie ihre Mitbewerber. Vor dem Graben der Gasgesellschaft verweigerte „Gfrorner" den Sprung und vor der Hürde desReichsrathsmandates für den Hl. Bezirk setzte sich „S i l b e r e v“ auf die Hinterbeine. Schon vorher hatten beide Renner, als sie an der Stadtrathstribüne vorüberkamen, eine bedenkliche Nervosität gezeigt. Als endlich Beide unter der Einwirkung der Peitsche die erwähnten Hindernisse genommen hatten, waren sie von ihren Mitbewerbern weit überflügelt. Mit dem Aufgebot der äußersten Kraft gelang es sowohl „S il b e r e r" als „G f r o r n e r", den Abstand so weit zu verringern, daß ihre Freunde wieder Muth faßten, aber vor dem Teufelsgraben der Bürgermeisterwahl waren sie vollständig aufgepullt und nahmen den Sprung zu kurz, so daß sie zum Sturze kamen, sich überkollerten und ausschlagend einander mit den Hufen arg zurichteten. ■k % * Wir stellen diesen Rennbericht, für dessen Authenticität wir uns verbürgen, Herrn Victor Silberer für seine „Allgemeine Sportzeitung" gratis zur Verfügung. Unsere Leser kennen den Verlauf der jüngsten Generalversammlung des Wiener Wühlervereines, dessen Obmannstelle Herr Silberer anläßlich der Bürgermeisterwahl niedergelegt hat, weil er sich in Widerspruch mit den Anschauungen des Ausschusses befand. Die Herren Silberer und Gfrorner hatten auf das demokratische Programm candidirt, sie waren auf dieses Programm gewählt, und Beide haben bei der Bürgermeisterwahl für Lueger agitirt und gestimmt. Der Ausschuß des Wiener Wählervereines hat in seinem Rechenschaftsberichte über die Haltung seines Obmannes ein vernichtendes Urtheil gefällt. Merkwürdigerweise hatte man Herrn Gfrorner schonend behandelt und ihn sogar zur Wiederwahl in den Ausschuß empfohlen. Das verdroß offenbar Herrn Silberer, und seine Vertheidigungsrede gestaltete sich zu einer wahrhaft zerschmetternden Anklage gegen Herrn G f r o r n e r. Er erzählte der erstaunt aufhorchenden Versammlung, daß sein College Gfrorner, der seinerzeit eine wüthende Agitation gegen die Gasgesellschaft organisirt hatte, sich erfolgreich bei derselben Gesellschaft um eine Anstellung für seinen Bruder bewarb, just zu der Zeit, wo der Gesellschaft jede Stimme im Gemeinderathe von Wichtigkeit war. Er erzählte weiter, wie Herr Gfrorner gerne Stadtrath werden wollte, obgleich die demokratische Partei das Institut der bezahlten Stadträthe bekämpfte. Er beschuldigte Herrn Gfrorner weiter, daß er eines Tages mit einem Beamten der Transport-Gesellschaft bei ihm erschienen sei, obgleich er wußte, daß er (S i l b e r e r) Obmann jener Commission sei, welche die Vorbereitungen für die Uebernahme der Skbaßeusäuberung in eigener Regie zu treffen hatte. Herr S i lderer hatte damit seinen einstigen Freund und Genossen zu Boden geschlagen, aber noch im Falle zerfleischte dieser seinen Angreifer mit den Zähnen. Herr Gfrorner beschuldigte Silberer der persönlichen Streberei; er habe aus Rache darüber, daß die liberale Partei ihm das Reichsrathsmandat des III. Bezirkes verweigerte, für Lueger als Bürgermeister gestimmt. Cs war ein abstoßendes Schauspiel, das diese gegenseitige Hinrichtung bot, und die Vertreter des demokratischen Centralvereines in jener Versammlung thaten sehr wohl daran, gegen den Mißbrauch der demokratischen Flagge zu so unwürdigen Bestrebungen und Machenschaften zu protestiren. Wir können über die Episode im Wiener Wühlerverein die Discussion schließen. Die Herren Silberer und Gfrorner sind in Wien fertig, Niemand wird sich mit diesen Herren noch weiterhin einlassen wollen, und ihre sonderbare Haltung bei der Bürgermeisterwahl wird nach den Enthüllungen, welche Jeder von ihnen über die politische Charakterstärke des Andern machte, vollständig erklärlich. Sowohl Herr Silberer als Herr Gfrorner sind reif für die Aufnahme in die antisemitische Partei, und wir gratuliren der letzteren zu diesem Zuwachs! Der städtische Schulboykott gegen jüdische Lehrerinnen in Berlin. In der Berliner Stadtoerordneten- Versammlung hat Professor Rudolf V i r ch o w einen von 47 Mitgliedern der drei liberalen Fractiouen der Versammlung Unterzeichneten Antrag eingebracht: „Die Stadtverordneten-Versammlung beschließt, den Magistrat um Auskunft zu ersuchen, ob 1. es richtig ist, daß durch Verfügung des königlichen Provinzial-Schul-Collegiums die Anordnung getroffen ist, daß a.) jüdische Lehrer und Lehrerinnen an den hiesigen Gemeindeschulen nur nach Maßgabe des Bedürfnisses des jüdischen