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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-06-28 · 26 (28.6.1895) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
26 (28.6.1895)
Date
1895-06-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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uiMH' iwm\ hm...äI Seite 476 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 26 leistete Gleichberechtigung energischer wahre und die Verletzung ihrer Grundrechte kräftiger verhindere als dies bis jetzt geschehen ist." Auf diese Erklärung verwies Bürgermeister v. E n g e l auf sein bereits entlvickeltes Programm, welches keinen Zweifel darüber übrig lasse, wie er über Confessionen und deren Rechte denke. Die Erklärung des Wählers Singer billige er vollinhaltlich, sie enthalte nichts als die richtigen Principien der deutschliberalen Partei, und er erachte sich verpflichtet, als Abgeordneter diese Principien zur Geltung zu bringen und der vernommenen Beschwerde nach Kräften abzuhelfen. Hierauf trat noch Kammerrath Back für die Candidatur E n g e l's in schwungvollen Worten ein. Nach einigen Dankesworten Eugel's und einem neuerlichen Appell an die Wähler schloß die Versammlung. * * Die „Deutsche Zeitung" bemerkt zu der Erklärung des Proßnitzer Cultusvorstaudes, Herrn Josef Singer: „Die Sache ist nichts Anderes als ein schlaues Geschäft! Die jüdischen Wähler in dem vertschechten Bezirke sind nämlich das Zünglein an der Waage, nnd — da wollen sie denn auch etwas dafür haben, wenn sie Herrn v. Engel wählen." — In dem Bestreben der Proßnitzer Juden, durch ihren Erwählten in ihren staatsbürgerlichen Rechten geschützt zu werden, ein Unrecht oder gar ein Geschäft zu erblicken, dazu gehört eben die schuftige Gesinnung der deutschnationalen Antisemiten. Der Vorwurf des politischen Schachers nimmt sich umso sonderbarer aus von einer Partei, die trotz germanischer Ritterlichkeit den Lehrerinnen die Existenz nehmen will, weil sie auf den Egoismus der wahlberechtigten Lehrer speculirt, und die jedem Schuster und Schneider um den Bart geht, um seine Stimme zu ergattern. Die Juden als „Wurzen". Da haben sie jüngst im Stadtparke ein rauschendes Fest gefeiert mit Blumen, Bazaren, dressirten Meerschweinchen, Musik und Wurzenfang, sinnreich „Flicderfest" zubenannt, womit vermuthlich auf die Darbietungen angespielt sein sollte, die, wie man auf Wienerisch sagt, „Holler" waren. Ein aus Damen des Hochadels — Lieblingsparfum Weihrauch — bestehendes Comite war an der Spitze, und das Erträgniß sollte — alle, auch die liberalen Zeitungen verkündeten cs, und an jeder Straßenecke stand es überdeutlich zu lesen — „für die durch das Erdbeben schwerbedrängten Einwohner von Laibach" bestimmt sein. Einen schönen äußeren Erfolg hatte das Fest, und einen ganz ansehnlichen Reinertrag warf es ab. Auch die Wiener Juden und ihre Frauen, welche niemals zurückgeblieben sind, wo es galt, ihren Wohlthätigkektssinn zu bethätigen und den Bedrängten hilfreich beizuspringen, thaten, was in ihrer Macht lag und vielleicht im Uebereifer noch ein wenig darüber, um zu dem vollen Gelingen der Sache beizutragen. Sie griffen thatkräftig zu, sie betheiligten sich an der mühevollen Anordnung und übernahmen am Festtage selbst die undankbarsten und schwierigsten Aufgaben. Sie brachten nicht nur Opfer an Zeit und Geld, selbst ihre Person stellten sie in den Dienst der Sache. Und Laibach ist gerade keine Stadt, wo sonderlich viele Juden wohnen oder die sich besonders judenfreundlich gezeigt hätte. Doch darnach wurde nicht gefragt, denn es galt, bedrängten Mitmenschen beizuspringen und zu helfen. — Bald darnach aber zeigte sich die Reversseile der Medaille, und die sah merkwürdig genug aus. Laibach erhielt nur einen verhältnißmäßig geringen Antheil, aber dafür der liebe „katholische Schulverein" ff. 2000, der christliche Verein adeliger Frauen (!) sl. 1000, der Maria Elisabeth Verein und die Mater admirabilis je ebensoviel. Dazu also ward das den Juden Wiens unter listigen Vorspiegelungen herausgelockte Geld verwendet! Das wagte man ungestraft zu thun und glaubte am Ende noch correct und edel gehandelt und sich eine Stufe in den Himmel gebaut zu haben? Der vielgeschmühte Talmud ist hierüber anderer Meinung und lehrt, daß die einem bestimmten Armen zugedachte Gabe keinem anderen gegeben werden dürfe. Das sähe ja wie — Diebstahl aus! Haben die Juden Wiens ihr Geld für Laibach hergegeben oder für den ihnen feindlichen und antipathischen katholischen Schulverein, der den einzigen jüdischen Schüler, den er hatte, seinerzeit ausschloß? Die primitivsten Grundsätze des Anstandes und der Redlichkeit wurden ignorirt. Wenn ich Jemanden auffordere, mir einen Betrag für die Mater admirabilis anzuvertrauen und ich trage ihn der Talmud-Thora hin, so habe ich nicht Einen blos hintergangen und betrogen, sondern Zwei: die Mater und den Spender. Wie mögen die hocharistokratischen Herrschaften sich in ihren exclusiven Conventikeln über die dummen Juden amusirt haben, die ihnen so prächtig auf den Leim gegangen. Es war ja auch ein zu gelungener Spaß! Die antisemitischen Tagesblätter nahmen die israelitischen Herrschaften gleich des nächsten Morgens in die Arbeit und beschnupperten hämisch alle jüdisch anklingenden Namen der Betheiligten. Ein schöner Dank für die unendliche Mühewaltung. Und war es beim Blumencorso anders? Hat dieses Beispiel etwa genützt und hat cs unsere Wiener Juden klüger gemacht? — Nein! Sie gingen wieder in die Laube und fühlten sich noch am Ende gewaltig geehrt, von irgend einem aristokratischen Schuldenmacher durch das Monocle herablassend angeblinzelt zu werden. Es ist wahrlich sehr an der Zeit, solche uns tief beschämende Dinge gründlich abzustellen. Die Juden sollen ihr Geld jüdis ch e n Zwecken z u w c n d e n. Hundertmal haben wir dies betont. Ihre armen, unglücklichen Glaubensbrüder bedürfen einer werkthätigen Hilfe. Wohin sollen die sich wenden? Die christliche Mildthätigkeit schlägt ihnen die Thür vor der Nase zu. Man haßt und man verfolgt sie, sie haben für das Glück ihrer reicheren Brüder zu büßen, und diese — gehen zum Fliederfest und Blumencorso — lassen sich geduldig den Säckel leeren und bedanken sich noch extra, wenn man sie dafür beschimpft. Das j ü d.i s ch e Geld gehört nicht für den katholischen S ch u l v e r e i n; dieser geht uns Juden nicht das Geringste an! Die Liechtensteine und Schwarzenberge sind reich genug, um ihn zu dotiren. Auch die sogenannten Spenden ohne Unterschied der Confession sind durchaus nicht zeitgemäß. Ja, wenn gerecht und im Sinne der Spender vorgegangen würde! Doch wer ist im Stande, bei der heutigen Unsicherheit des politischen Besitzstandes hiefür Gewähr zu bieten? Das sind einfach jüdische Spenden für — Antisemiten. Man lese einmal, wie hämisch und bodenlos gemein die antisemitische Preßmeute über die Hunderttausende-Spenden unserer Ganz-Großen herfällt. „Das den Christen abgegaunerte Geld" — heißt es da — und „sie wollen sich mit den uns hingeworfenen Brocken loskaufen und abfinden!" Niemals ist Großsinn, Hochherzigkeit und Edelmuth undankbarer und ordinärer aufgefaßt worden. Dre Juden sollen ihre Todfeinde nicht noch mit Geld unterstützen, sie sollen vielmehr ihren armen, der Hilfe bedürftigen Brüdern beispringen. Ist das zu viel von ihnen verlangt? Werden sie denn niemals das sinnlos Thörichte ihrer unüberlegten Handlungsweise begreifen und cinsehen! Wohlthaten, die nicht zweckentsprechend verwendet werden, verdienen den Namen nicht mehr. Wer seinen leiblichen Bruder darben und hungern läßt, hat nicht das Recht, den Fidschi-Insulanern ein Altersversorgungshaus zu errichten; ein schöner Wohlthäter wäre das! „Edel sei dch Mensch, hilfreich und gut", sagt der Dichter, und wahrlich, unsere Glaubensgenossen sind es in hohem Maße. Wir empfehlen ihnen blos, wenn ihr Herz spricht, auch ein wenig ihren Kopf mitreden zu lassen. Die „Arbeiter-Zeitung" schreibt darüber unter dem Schlagwort:

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