Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 25 (21.6.1895)
- Date
- 1895-06-21
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 25 Dr. Bloch's Wochenschrift. — So wirkungsvoll war die ganze Feier, daß die Anwesenden sich zu der aufgelegten Zeichenliste freiwillig drängten, um dein musterhaft eingerichteten und trefflich geleiteteri Humanitären und cnltnrellen Institute eine Spende zuznsühren. — Eine Bespeisnng der internen und ehernen Zöglinge und Pfleglinge bildete den Schluß der Feier, die einen Lichtpunkt im gegenwärtigen trüben Leben Brodys bildete und uns Allen lange unvergeßlich bleiben wird. L e o H e rz b er g - F r ä n ke l. Berlin, 3. Juni. Der Deutsch-Israelitische G e in e i n d e b u u d vereinnahmte, wie wir der soeben erschienenen Nr. 40 seiner „Mittheilungen" entnehmen, im abgelaufenen Geschäftsjahre M. 71.17300 ldavon At. 41.78-3-20 an Provisionen der B e r si ch e r n n g s - Gesellschaft „B i c t o r i a", M. 10.0020-3 an Beiträgen von Gemeinden re.) und verausgabte M. 07.770-70 (davon für Zwecke des Religionsunterrichtes M. 10.307-31, zur Fürsorge für Gemeindebeamte M. 10.400 n\). Das „Moses Mendelssohn-Stift" in Dessau bilanzirt mit M. 1403-43, die „Deutsch Israelitische Darlehenseasse für Frauen und Jungfrauen" mit M. .3.31« >. Die Zahl der Bundesgemeinden ist um 41 aus 3<so, die deipersönlichen Mitglieder aus .32«; gestiegen. Die Gemeindenntersti'ltzungs-Commlssion ist in Berücksichtigung ihres wachsendell Äufgabenkreises erweitert worden ilnd besteht gegen würtig aus neun Mitgliedern. Den Beschluß der „Mittheilungen" bildet ein interessanter Aussatz des Lehrer M. Ll etter aus Winzenheiln über „Die Berhaltnisse der Enltnsbeamteu in Elsaß-Lothringen". London, 3. Juni. „Jewisli Chronicle" veröffentlicht eine Zuschrift des Herrn I. S. R u b i n ft c i n, Vorsitzenden der Chow:nve /ion in Dublin, welcher am 28. Mai von einer dreimonatlichen Reise nach Palästina zurückgckehrt ist. Er schildert in den lebhaftesten Farben die glänzenden Erfolge der jüdischen Colonien im heiligen Lande, welche aus einer Wüste blühende Gärten gemacht haben, und betont dm günstigen Einfluß, den diese jüdische Einwanderung auf alle Verhältnisse des heiligen Landes ausübt. Er hat für seinen Verein 10.000 Dunam vorzüglichen Getreidelandes in Dschol-m angekauft und nach Art der biblischen Kundschafter Proben der Landesproducte nach England mitgebracht, wo man erklärt, Weizen wie den des Dschobm, gebe es in ganz Europa nicht. Tie Colonisten seien fast ausnahmslos sehr fleißig und mit ihrem Leben als Ballern sehr zufrieden. Eül warm empfundener Dank an die bisherigcn Leiter der Colonisations-Bestrebungen schließt den interessanten Bericht. Padua, in: Juni. Im kommenden Mmiate Juli wird auf dem hiesigeil jüdischen Friedhofe der dem verewigten Gelehrten S a m u c 1 David V uzzatt o errichtete Grabstein feierlich ent hüllt werden, und erwartet man zn dieser Feier mich mehrere Rabbiner aus Oberitalien, ebenso auch einige Schüler und Verehrer des Verstorbenen. Da sich auch in Deutschland und Oesterreich-Ungarn Verehrer L u z z a t t o's befinden, so werden diese hiemit auf diese Feier ausmerksam gemacht. — Wieder steht Italien der Verlust einer kostbaren jüdischen Bibliothek bevor. Tie berühmte Büchersammlung des verstorbenen Oberrabbiners von Mantua, Cavaliere Ac o r t a r ci» wurde nämlich nach Amerika verkauft. Tanger, 4. Juni. Vier Wagenladungen mit eingesalzenen Köpfen befinden sich unterwegs von Marakesch nach Fez. Es sind die Köpfe der allfständischen Rahanmas. In Rabat mußten die Köpfe auf's neue eingesalzcu werden, weil sie der Verwesung nahe waren. Juden mußten die Arbeit zwangsweise verrichten. Feuilleton. Vereint. Novelle von Etile Hrzelzko; ausschließlich autorisirte Uebersetznng aus dem Polnischen von Watwina ZZtumKerg. Die frühe Dämmerung eines Wintertages begann kaum sich aus den Schnee zu senken, der Straßen und Dächer bedeckte, als auch schon die Fenster des großen vornehmen Hauses in hellem Glanz erstrahlten. Durch die Scheiben sah man schöne Gardinen, reiche Möbel, Gruppen exotischer Pflanzen und bewegliche Schatten menschlicher Gestalten. Seite 471 Hin und wieder drangen durch die Doppelsenster gedämpft, die Klänge eines Claviers aus die Straße hinaus. Es war nicht schwer zu errathen, daß man sich in diesen Räumen amüsirte, daß eine zahlreiche Gesellschaft mit Hilfe von Musik und Unterhaltung die flüchtigen Augenblicke angenehm zu verbringen suchte. Vor dem Hausthore stand eine Reihe eleganter Wagen, deren Kutscher mit gesenkten Köpfen schlummerten, oder sich zu erwärmen suchten, indem sic die erstarrten Arme lebhaft um Brust und Schultern schlugen. Ein Dienerim Frack kam aus dem Thorc herbeigeeilt und ertheilte den Kutschern den Befehl, nach Hause zu fahren. Die Pferde durch das lange Stehen ungeduldig gemacht, griffen aus, die Räder knirschten im Schnee und rasch rollten die Wagen die Straße entlang. Dann trat Stille ein. Rur hin und wieder flog ein einspäniger Schlitten mit leisem Glockengeläut vorüber. Die Läden entsendeten helles Licht und in diesem regungslosen, weißen Schimmer glitten, bald einzeln, bald in Gruppen, die Silhouetten der Fußgänger dahin. Da trat aus dem Thore des glänzend erleuchteten Hauses ein ziemlich großgewachsener alter Herr. Der Pelzrock schmiegte sich eng um die etwas gebückte Gestalt: der Mützenrand berührte fast die goldene Brille. Der Anzug, die Bewegungen, selbst Mw Anziehen der Handschuhe ließen deutlich erkennen, daß der Mann den höheren Gesellschastsschichten angehörte. Er ging rasch und die Schnelligkeit seines Schrittes bildete einen einen eigenthümlichen Gegensatz mit der gebückten Haltung, der Fassung der Brille und dem weißen Haar. Dieser Schritt, im Vereine mit einigen hastigen Geberden, verriet!) eine gewisse Ungeduld und das Streben, sich von dem Hause, welches er soeben verlassen, so weit als nur irgend möglich, zuentsernen. Jedesmal, wenn in den Salons seiner Tochter die vornehme Gesellschaft sich versammelte, wenn in den Gemächern seines Schwiegersohnes die grünen Tische ausgeschlagen wurden, empfand er Langeweile, Trauer, ja Widerwillen, und pflegte dann, sobald er nur konnte, aus dem Hause seiner Kinder, das doch auch sein Hans war, fort und in's Freie zn gehen. Hatte er die Liebe zu den Menschen verloren, oder hatte die Welt von ihm sich abgewendet? Beide Vermuthungen enthielten viel Wahrheit. Ihm, dessen Enkel bereits erwachsen, schienen sogar die Väter und Mutter der jetzigen Generation zur Jugend zu gehören. Das ist recht gut; man kann doch die Jugend lieben und von ihr wieder geliebt werden. Nur, daß er für das Leben dieser Generation kein so rechtes Verständniß mehr hat. Er hatte einst geliebte Ideale und bildeten dieselben das Kriterium seines UrtheilS über den Werth der Menschen und Dinge. Mit diesem Maß gemessen, scheinen ihm Tochter, Schwiegersohn und Enkel äußerst kleinen Wuchses. Doch möchte er nicht ungerecht sein und die väterliche Liebe gewinnt die Oberhand. Schlecht sind seine Angehörigen gottlob nicht. Sie besitzen Eigenschaften und Fähigkeiten, aber verständigen kann er sich mit ihnen keineswegs. Andere Ansichten, andere Liebhabereien, andere Erinnerungen. Sie würden vor Langeweile einschlasen, wenn er ansinge, ihnen zu erzählen, was am Tage und des Nachts seine Gedanken beschäftigt. Trotzdem er bei seinen Kindern in Glan; und Luxus lebt, scheint ihm das Dasein düster und die einzelnen Stunden desselben dünken ihm häufig eridlos lang. In diese Gedanken versunken, hatte der alte Herr, fast ohne es zu merken, das vornehme Stadtviertel durchschritten und ein anderes erreicht, in welchem, wenn auch nicht gerade Elend, so doch jedenfalls Armuth und höchstens sehr bescheidene Wohlhabenheit ihren Wohnsitz ausgeschlagen hatten. Dementsprechend sah man hier auch nur kleine Lüden nnd grell bemalte Schilde, die, vom Winde bewegt, über den Häuptern der Vorübergehenden knarrten. Der Blick des alten Herrn siel aus ein Schild, welches eine auf dunklem Grund gemalte Uhr darstellte. Die Uhr