Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 25 (21.6.1895)
- Date
- 1895-06-21
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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'-21.^.US!». ..>^t.U->.«^»L.->«.. . > Seite 472 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 25 sah aus wie ein altes, von Thränen übcrströmtes Gesicht. Die verblichenen Zahlen und Zeiger machten den Eindruck von Runzeln, und die zahllosen schwarzen, durch Staub und Regen gebildeten Punkte gemahnten an Thränen, welche die Zeit getrocknet. Das Schild, vom Winde bewegt, knarrte leise, und dieses Knarren dünkte dem alten Herrn eine freundliche Einladung. Seine Uhr bedarf dringend der Verbesserung. Seit einiger Zeit geht sie zu langsam. Er hat schon selbst Versuche mit ihr angestellt, doch blieben dieselben fruchtlos. Und doch versteht er sich vorzüglich auf Uhren und alle, die nur im Hause vorhanden, sind seiner ausschließlichen Obhut anvertraut. Aber mit dieser ist es etwas Anderes. Für sie muß ärztlicher Rath eingeholt werden. (Fortsetzung folgt.) »riefkasten. Wien. „Alter Lehrer". Die Behauptung der „Ostdeutschen Rundschau" vom 13. d M., ..daß bei uns jüdische Lehrer deutschen Kindern christlichen Religionsunterricht" ertheilen, trägt den Stempel der Verlogenheit deutlich genug an sich. Aul diese alberne, blitzblöde Erfindung möge sich das Käseblatt Musterschutz nehmen. Ihre zweite Anfrage beantworten wir schriftlich. Wien. „Piccolo." Ihre Zuschrift hat uns höchlich belustigt. Es gibt ja leider antiicmitische Wirthe genug, die den antisemitischen Kellner gerne anstellcn werden. Es diirfte diesem bedeutendem Manne ja selbst, sehr peinlich gewesen sein. Trinkgelder aus Judenhänden cntgegenznnchmcn. Wien. Alb. Hrm. Lassen Sie ihn gehen, er ist übergcschnappt und erklärt („Deutsches Volksblatt" dir. 231h) den Wiener Kaufmännischen Verein allen Ernstes für ein — ausübendes Organ der ..Alliance israelite“. Das ist denn doch nicht ernst zu nehmen. Wien. „Mehrere Zuschriften." Sie senden uns Ausschnitte aus hiesigen Antiscmitenblättcrn über die immer neu auftauchenden Blutmärcheugerüchtc in Wien. Das sind elende Wahlmanöver traurigster Sorte der antisemitischen Partei. Nach den Wahlen wird das Nachlassen — früher schwerlich. Wien. „Attila M " lieber „Venedig in Wien" haben wir bereits in Nr. 23 ausführlich berichtet. Wenn Ihnen der Aufsatz nicht ausführlich und genau genug war, so lesen ^ie gefälligst die „Reichspost" vom 25. Mai, wo ein E.J. F. sich auf den „Marcusplatz begibt, vor dem sich ein Riesenbassin mit dahingleitenden schwarzen Gondeln ausdchnt." Der Mann kennt sich aus. Budapest. „Samu Pr." Der Mann ist uns zu herzlich unbedeutend, als daß wir Lust empfänden, uns ausführlich mit seiner Vergangenheit zu beschäftigen. „Von einem Ultramontanismus wird man in unserem Blatte wenig finden", schreibt er gar in seiner „Reichspost" Nr. 119. Laufen lassen .... Hadersdors. „Otto R." Die antisemitischen Poeten stimmen ihre Leiem, um Lueger schauerlich schön zu besingen. Hören Sie mal: „Ein Genie." Was unser Lueger jetzt emsiglich schasst, Dazu braucht's ein Wunder mit heimlicher Kraft (?) 's perpetum mobile hat er erfunden — Das wägt er in sich und gebraucht es mit Geist, Was uns nur zur Ehr' alle Tag' er beweist! Versuchen Sie es, die letzte Zeile dreimal sehr rasch hintereinander taut zu lesen, aber geben Sie Acht, daß Sie sich die Zunge nicht ver- Wieu. „A. K." Ihre Zuschrift enthält manches Beherzigenswerthe, eignet sich aber dennoch wegen der heute herrschenden mißgünstigen Stimmung nicht in ihrer Gänze zur Veröffentlichung. Wir haben sic dem Rabbinate übergeben. Tulln. „I. K." Um einen Juden, der Miene macht, abzusallcn, seinem Glauben zu erhalten, macht man ihn zum Vorsteher?! Das ist ein zumindest sehr — sonderbares Mittel. Sie sehen auch, wie wenig es genützt hat. Wien. „M. S., treuer Leser." Wenn Sie hier gratis getraut zu werden wünschen, so haben Sie ein entsprechendes Gesuch bei der Wiener israelitischen Cultusgemeinde einzureichcn- Wottitz. „I. G." Wir haben Ihnen brieflich das Wiener Beth-ha-Midrasch empfohlen. Gruß. Wien. R.A. „OstdeutscheRundschau" vom 18. d. M.: „Unsere Früheren waren nicht zart; sie waren durchaus nicht prüd. Eine gesunde Derbheit gefiel sich darin, im K o th e zu patsche n, (na also!) und legte los und bloß (Aha!), wo sie zuschlagen wollte. Ohnmächtige Lüsternheit war aber Allen fremd. Die k r ä s t i g st e n Zoten der deutschen Schwanksammlungen find immerhin sittlicher als die frivolen Witzeleien über das eintönigste aller Themen!" (Ansichtssache.) Kolcdziarry (Galizien). Hrn. Elias Rubel. Sie wünschen ein österreichisches, mit Oeffentlichkcitsrecht ausgeflattctes Knaben-Jnstitut (Gymnasium oder Real) mit strengreligiöser Erziehung. Es werden Ihnen Programme zugehen. Böhm. - Leipa, Eduard Altschul. Wir werden das interessante Schreiben der Berathung maßgebender Freunde vorlegen. Wien. E. Kohn. Wir nehmen Ihren Vorschlag gerne zur Kenntniß. Wien II., „K. I. W." Wir danken für Ihr überaus liebenswürdiges Anerbieten. I. Handel, Wien. Wir können uns nicht einverstanden erklären, daß die Juden Kornblumen tragen. Recht haben Sie blos mit der Bemerkung: „Mögen sich die Antisemiten dann blos durch ihre Rohheit vor der Welt kennzeichnen, daran wollen wir sie nicht hindern, sondern im Gegentheil bemüht sein, uns durch Bethätigung vornehmer Sitten möglichst ausfallend von unseren Gegnern zu unterscheiden." Polna (Böhmen). Herr Theodor Ulm er und dessen Gattin Frau Regina U l m e r, geb. Klein, beehren sich hicmit, allen thcilnehmendcn Freunden, Verwandten nnd Bekannten auf diesem Wege Nachricht zu geben von der am 15. d. M. in Wien stattfindendcn Confirmation ihres Sohnes Jacques. COITCUBS. An der concessionirten einclassigen Privat- Voiksschule in Teltsch (Mähren) ist mit 1. September 1. J. die Stelle eines geprüften Lehrers zu besetzen. Derselbe muss befähigt sein, den hebräischen und Religionsunterricht zu ertheilen und hat auch als Cantor nnd Koreh zu fungiren. Derjenige, der in Gemässheit der Minisfcerialverordnung vom 27. December 1891 das Amt eines Rabbiners versehen kann, wird bevorzugt. Jahresgehalt fl. 800 bis fl. 900 nebst freier Wohnung und den üblichen Emolumenten. Diesfällige, mit den erforderlichen Zeugnissen belegte Gesuche nebst Angabe des Alters und Standes sind an den israelitischen Cultusvorstand Teltsch bis zum 15. Juli einzusenden. Nur dem Acceptirten werden die Reisespesen vergütet. Der Cultusvorstand: Moses Metzl. Concurs. Bei der israelitischen Hauptschule in Tarnopol ist der Posten eines Directors zu besetzen. Erfordernisse sind: 1. Oesterreichische Staatsbürgerschaft. 2. Eigenberechtigung. 3. Makelloses Vorleben. 4. Jüdische Religion. 5. Mit gutem Erfolge abgelegte Maturitätsprüfung der Mittelschulen. Candidaten, welche sich mit Zeugnissen über beendigte philosophische Studien (Doctorat der Philosophie) und Lehramtsprüfung für die Volksschulen aus weisen, werden bevorzugt. Candidaten, welche die Lehramtsprüfung für Volksschulen nicht haben, sind verpflichtet, solche innerhalb eines Jahres abzulegen und sieh hierüber auszuweisen. Mit dieser Stelle ist der jährliche Gehalt von fl. 1000, fl. 200 für die Leitung und fl. 300 für Wohnung verbunden. Dieser Directorsposten wird provisorisch auf ein Jahr verliehen, nach Ablauf dessen, bei gehöriger Pflichterfüllung, die Stabilisirung erfolgt. Gehörig instruirte Gesuche sind bis I. September 1895 an den Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Tarnopol zu richten. Tarnopol, den 16. Juni 1895. Dr. Josef Weisstein, Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde. Herausgeber u. verantw. Redacteur: Zleichsrathsabgeordneter Ir. Josef S. ZZkoch. — Druck von L. Bergmann & Comp, in Wien.