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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-06-21 · 25 (21.6.1895) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
25 (21.6.1895)
Date
1895-06-21
Page
– (sequence 14)
Language
German
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■ ELM Seite 470 Dr. Bloch's Wochenschrist. _Nr. 25 Haupt alle in der Ferne weilenden Landesgenossen ersucht werden, diesem unter der Leitung der Frauen Antonic Singer und Therese F n r st in Waidhofen a. d. Thaya stehenden Verein ihre fördernde Theilnahmezuzuwenden. E—w- HLcichcnbcrg. (Todesfall). Am 5. d. M. verschied hier im Alter von 84 Jahren der emerirtirte Rabbiner unserer Genieinde, Herr Salomon P o l l a k. Derselbe lvard im Jahre!s:;s als Religionslehrer hierher berufen und war später auch als Rabbiner länger als ein Jahrzehnt thätig. Das Leichenbegängnis; fand am 7. d. M. statt. Der Sarg wurde in den Tempel getragen, wo Se. Hochwürden Herr Dr. EmilH offmann dem Verewigten einem Nachruf hielt und in einer meisterhaften Rede dessen Lebenslauf schilderte. Budapest. Der Primarius und Privatdocent der Augenheilkunde an der Bndapcster Universität, Dr. Wilhelm G o l dz i e h e r, ein auch im Anslande wohlbekannter Fachmann, wurde zum Proscssor an der bezeichnctcn Universität ernannt. - Dem Großgrundbesitzer David Bis ch i tz in Budapest wurde vom Kaiser der erbliche ungarische Adelsstand mit dem Prädikate v. H c v e s verliehen. Erzbischof Samassa und die Inden.) Aus Erlau wird deur ,,P. Ll." geschrieben: Nicht wenig Aufsehen erregte hier dieser Tage ein im „Egri Egyliazmegyei Küzlöny" erschienener Artikel, der in heftigster Tonart gegen die israelitische Religion loszog und mit dem guten Rathschlage schloß, die Juden mögen sammt und sonders zum katholischen Glauben übertreten. Ein anderes Erlancr Blatt befaßte sich mit diesem Artikel und empfahl denselben der Aufmerksamkeit des Herrn Erzbischofs S a m a f f a. Ein Kaufmann, Ludwig F i f ch c r, der für die erzbischöfliche Domäne seit Jahren Geschäfte besorgt, überreichte ein Exemplar dieses letzteren Artikels Herrn Johann S a m a s f a, dem Tireetor der erzbischöflichen Domänen, mit der Bitte, das Blatt dem Erzbischof zu übermitteln. Dircctor Samassa erwiderte: „O, Se. Exccllenz hat den Artikel längst gelesen und auch schon die Antwort darauf gegeben." — „Und wie lautete die Antwort'?" —„Sehrdeutlich. Se. Excellenz hat den Füzes-Abonyer Arzt Dr. M a rku s, einen Israeliten, zum Arzte für die erzbischöflichen Domänen ernannt . . ." Kascha«. Am ll. d. M. ist hier der Stadtrepräsentant und Handclstämmcrrath Herr Philipp B rody im 72. Lebensjahr verschieden. Der Heimgegangene genoß eine hohe Berchrung in allen Kreisen ohne Unterschied der Eonsession. Das Leichenbcgäuguiß fand am t l. d. Ny', unter großer Theilnahme aller Gesellschaftskreise und trotz des strömenden Regens äußerst zahlreicher Begleitung mit würdigem Pompe statt; cs erwies sich so recht augenscheinlich, daß Alles an der Bahre dieses Ehrenmannes trauerte. Beide Rabbiner hielten Trauerreden. Unter den Amvesenden bemerkte man den Obergcspan des Abauj-Tornaer Eomitats, Sigismund v.Pechh, den Bicegcspan F a b i a n, den Bürgermeister der Stadt Kaschau, tönigl. Rath Theodor Bl ü n st c r, den Staatsawvalt der königlichen Tafel, v. P a k s j, eine Abordnung der Handels- und Gewerbctammcr mit dem Herrn Eugen Teil an der Spitze, die Vertretung der T csterr e i ch i s ch - un g a ri sch cu Bank, deren Censor der Verblichene gewesen, Vertreter mehrerer Wiener und Budapcster großer Firmen und viele Andere. Als Beweis seiner Hochherzigkeit und seines Edelsinnes sei hiemit veröffentlicht, daß er mehrere tausend Gulden der hiesigen Gemeinde, der Chevra Kadischa, dem Francnvcrnn, Spital und verschiedenen anderen Wohlthätigkeits-Jnstituten testirte. Unter der Devise „Kranzablösung" spendeten die Frauen Holländer und Spitzer in Miskolcz je fl. 10 zu Gunsten des israelitischen Frauenvereincs und trat das Personale der Firma Philipp B r o d y dcm von Sr. Ehrwürden Dr. Simon Händler ncugcgründcten Vereine „Holz für Arme" mit 200 Kronen als gründendes Mitglied bei. — Aus Pietät für das Andenken des verstorbenen geliebten und verehrten Chefs beschloß ferner das Gesammtpcrfonale über Anregung des Kaustnanns Herrn Mar A r v a i Ovclcher früher ebenfalls demselben angchörtc), von den Gehaltsbczügcn einen gewissen Pcrcentsatz insolangezurückznlasscn und '^davon zu einem Fonds zu sammeln, bis derselbe jährliche fl. 270 Interessen abwerfen würde, welche sodann jährlich am Sterbetage B r o d y's nach Uebereinkunft der Stifter zu wohlthätigen Zwecken verthcilt werden sollen, was auch vom nächsten Jahre an schon jährlich mit T» der von den Gehalten rückgelaffcncn Summe zu geschehen hat. Ueber diese Stiftung, welche ebenso das Andenken des verstorbenen Chefs, wie dessen Personale ehrt, wurde eine rechtskräftige Urkunde verfaßt und in Betracht und Anerkennung des guten Einvernehmens und der Collegialität, welche zwischen Herrn Max A r v a i und seinen früheren Mitbcaniten herrscht, dieser zum Präses der Fondsverwaltung, Herr Mor. Fried m a n n zum Cassier, Herr Otto Groß zum Controlor, Herr Wilhelm V i l l ä n i) t zuui Schriftführer und in den Ausschuß Herr Leo M e i s ch und Simon Jacobovics einhellig gewählt. Sanibor. Am 2. d. M. fand an der, von der hohen k. k. Statthalterei concessionirten Osias G otth eloschen Handelsschule die öffentliche Prüfung der Zöglinge des Fortbildungscourses dieser Anstalt statt. Die Leistungen der Schüler übertrafen alle Erwartungen. Die anwesenden, dem Richter-, Beamten-, Advocaten- und Kauf- Ulansstaude augehörigen Gäste, nahmen durch Fragen, die sie den Schülern stellten, an der Prüfung regen Antheil; die vollkommen cxaten Antworten der Schüler veranlaßten die anwesenden Herren Kaufleute ihren Bedarf an Comptoirkräften nicht, wie bis nun, von auswärts, sondern sofort von den Zöglingen unseres Institutes zn decken, so daß dieselben bereits alle in Condition sind. Auch in diesem Jahre hat die Frequenz sehr zugenommen. Die Einschreibungen für das Schuljahr 1895/96 beginnen am 20. August und dauern bis zuni 10. September l. I. Es sei nun an dieser Stelle gestattet des Curators Herrn N. R a n u n k e l zu erwähnen, der in uneigenniitzer Weise viel zum Gedeihen dieses in Galizien einzigen, somit ungemein wichtigen Institutes beträgt. Zloczow. Sonntag, den 9. d. M. hat ein Fest der hiesigen Sokolisten stattgefunden. Die Kundlnachung davon hat man einige Tage früher durch Placate in den Straßen bekannt gemacht. Als ich in Begleitung eines jungen Mannes die Kundmachung überlas, standen neben uns einige christliche Schüler vom Ghlnnasiuul und sagten höhnisch: „Juden, was lest Ihr? Davon wird Euch nichts herauskommen. Der Eintritt zum Feste ist Jedem gestattet, nur Juden nicht." Das ist doch bezeichnend. Eise nb erg. Brody, 12. Juni. (Einweihung des Waisenhauses.) Es war ein solennes, erhebendes, sehr schönes Fest, das die rührige Verwaltung des israelitischen Waisenhauses uns bot und das - ein Zeugnis; ablegte, was ein guter, ziclbewnßter, mit Energie gepaarter Wille selbst unter ungünstigen Verhältnissen zu leisten vermag. Aus' kleinen Anfängen wuchs das in den besseren Zeiten Brodys entstandene, kümnlerlich dotirte Waisenhaus unter der musterhaften und hingebungsvollen Verwaltung des Herrn Heinrich und der Frau Amalie 9t i r e n st e i n zn einem ansehnlichen Wohlthatigkeitsinstitute empor und man war fast trostlos, als Familie Nirenstein nach Wien nbersiedelte, obschon auch daun auf ihre großniiithige Unterstützung der Anstalt gezählt werden durste. Zum Glücke für dieselbe fand sich noch unter den kargen Resten des ehemaligen besseren Brodys ein anderes Paar, das sich im verwaisten Waisenhaus dein Dienste der Humanität mit vollster Hingabe widmete: Herr und Frau Alter Schapire. Es ist geradezu erstaunlich, was sie leisten und was besonders Herr S chap; r e, von den übrigen Mitgliedern der Verwaltung unterstützt, mit relativ geringen Mitteln und — ausgiebiger Schnorrerci hier und bei ehemaligen Brodyern in der Frcindc zu Wege brachte. An der Stelle des früheren engen Hauses ein großes geräumiges, elegantes, den modernen Anforderungen der Hygiene entsprechendes Gebäude mit Hof und Garten, zweckmäßiger, meist in Eisen ausgeführtcr Einrichtung der Schlaf- und Speisesäle, ausgedehnten Souterrains und Küchcnränmcn, in welchem die halberwachsenen Waisenmädchcn mit Hand anlegen und sich für ihren künftigen Beruf vorbereiten. Am Tage der festlichen Einweihung uhtv das mit Blumen, Festons, Fahnen und Teppichen geschmückte, von einer sehr zahlreichen Menge, worunter viele elegante Damen, überfluthetc Haus splendid und fand ungetheilte Bewunderung, der auch Statthaltereirath Herr Graf R u s s o c k i in einem Toaste lebhaften Ausdruck gab. Die erhebende Feier gestaltete sich folgendermaßen: Herr Alter S ch a p i r e begrüßte die Gäste und gab ein ausführliches Exposö nbr das Entstehen des Waisenhauses; diesem folgte eine Rede des Rabbiners Herrn Isaak CHais, worauf Schuldirector Herr Dr. Leopold H e r z e l als Mitglied der Waisenhausverwaltnng die Festrede hielt; dann sprachen Herr Lehrer Teu Win polnisch und zwei Waisenmädchen, das Eine deutsch, das Andere polnisch. Ein trefflich geschulter Chor trug unter Musikbegleitung mehrere Gesangspiöccn vor und schloß mit der mit Jubel anfgenom menen Hymne

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