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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-06-21 · 25 (21.6.1895) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
25 (21.6.1895)
Date
1895-06-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Blvch's Wochrnfchrifk. Seite 469 Verfassung, der da unter Anderem besagt: „Die Freiheit des religiösen Bekenntnisses, der Vereinigung zu Religionsgesellschasten:c. ist gewährleistet. Der Gennß der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte ist unabhängig von dem religiösen Bekenntnisse?" Nun, wir meinen, es gehöre zu dem Genuß dieser staatsbürgerlichen Rechte, daß Jemand, der seine Qualification für ein Lehramt nachgewiesen hat, diese seine Qualification für alle die Fächer, für die sie erworben ist, respectirt sieht. Daß ihm Andere darin um ihres religiösen Bekenntnisses willen vorgezogen meeden — und eine solche Bevorzugung liegt für die anderen Lehrerinnen darin, die nicht auf einen einzigen Unterrichtsgegenstand beschränkt werden — erscheint uns nicht verträglich mit dein Sinn und Geist der preußischen Verfassung. Wenn der Magistrat zur Ausübung einer derartigen Verfügung von dem Provincialschulcollegium veranlaßt wird, so hat er alle erdenkbaren Rechtsmittel in Anwendung zu bringen, um die Zurücknahme einer derartigen Verfügung zu erzielen. Was hat der Magistrat in dieser Hinsicht bis jetzt gethan? Vermischtes. Wien. (Jubiläum des Professors Stoerk.) Eine herzliche Ovation wurde jüngst dem Vorstande der laryngoiogischen Abtheilung im Allgemeinen Krankeuhause, Professor Dr. Karl Stoerk aus Anlaß seines zwanzigjährigenProfessoren-Iubiläums von seinen Schülern bereitet. Als der Jubilar um die bezeichnete Stunde in seinem Arbeitszimmer erschien, grüßte ihm von der der Thür gegenüberliegenden Wand sein mit sprechender Treue vom Historienmaler Professor Julius Berger künstlerisch ausgeführtes Portrait entgegen, und eine sechsgliederige Deputation harrte des beliebten Professors, um ihn zu seinem Jubiläum namens der großen Schaar seiner Schüler zu beglückwünschen. Als Sprecher der Deputation fungirte der derzeitige Assistent Dr. Hans Ko schier. Professor Stoerk dankte sichtlich freudig bewegt für die ehrend Sympathiekundgebung. (Eine Ehrenbeleidigung gegen Ernst Schneider.) Die Firma Josef Saborsk'y u. Söhne hat gegen den Reichsrathes- und Landtagsabgeordneten Ernst Schneider wegen Aeußerungen,diederselbe anläßlich des letzthin in Wien abgehaltenen Fleischhauer- und Fleischselchertages'machte und durch welche sich die Firma ftir beleidigt erachtet, die E h r e n b eleidigungsklage überreicht. Gleichzeitig wurde das Verfahren wegen Aufhebung der Immunität des genannten Abgeordneten eingeleitet. (Ein „Charakterzug" Ernst Schneider s.) Abgeordneter Schneider hatte vor Kurzem den Todseiner siebenjährigen Tochter zu beklagen. Er erstattete dem magistratischen Bezirksamte pflichtschuldigst die Anzeige von dem Todesfälle und schloß die Anzeige mit den Worten: „Ich bitte, mir keinen j übischen Arzt zur Todtenbeschan in's Haus zu schicken." Das Wort „jüdisch" dreimal unterstrichen. Weiter kann nian die Gemüthsrohheit doch nicht treiven! Wien. (Jüdische akadenusche Lesehalle.) Samstag, den 22. Juni findet in den Lokalitäten der Jüdischen akademischen Lesehalle ein Bortrag von Dr. R. S. Landau über „Judenfrage und soziale Frage" statt. Der Beginn ist aus halb Uhr Abends festgesetzt. Es ist zu erwarten, daß derselbe ebenso gut besucht sein wird, wie der vorwöchentliche, mit ^großem Beifall ansgenommene Bortrag des Herrn Lectors M. F r i e d m a n n. Wien. (Akademischer Verein „Gamala".) Samstag, am 15. d. Mfand ein Vereinsabend statt. Der Präses, Herr stuck, jur. David K ont eröffnet«: die Versammlung mit einem kurzen Nachrufe für den unlängst verstorbenen Oberrabbiner von Bulgarien, Dr. Grünwald, dessen Andenken die Anwesenden durch Erheben von den Sitzen ehrten- Sodann hielt das Vereinsmitglied Herr stuck, pliil. Michael Berkowicz den bereits angekündigten zweiten Theil seines Vortrages „Zur Geschichte der Juden in Oesterreich". Der Vortragende schilderte eingehend und in einer sehr interessanten Weise die Ereignisse vom XVII. Jahrhundert bis aus unsere Zeit, wobei er es auch diesmal nicht unterlief?, Streiflichter ans die unmittelbare Gegenwart zu werfen. Die Versammlung lohnte den Vortrag mit sehr lebhaftem Beifall. Wien. Der literarische Geselligkcitsverein jüdischer Mädchen „M oria" hielt am 9. d. M. einen seiner literarischen Nachmittage ab, der sehr interessant verlier, vrck. N. B e r k o w i tz (Gamals hielt einen lehrreichen Vortrag: „Israel und sein Besitzthuni". Lebhafter Beifall folgte denn auch seinen Worten und die meisten der Anwesenden fühlten sich verpflichtet, persönlich fiir den -Vortrag zu danken. — Kommenden Somnag findet eine Plenarversammlung statt, zu der die Mitglieder gebeten werden, vollzählig zu erscheinen. Wien. Wir erhalten folgende Zuschrift: H o ch g e e h r t er H e r r R e d a c t e u r! Ich bin ein jüdischer Kellner, der vier Sprachen spricht und seit 14 Jahren im Gewerbe thätig ist. Ich kann keinen Posten finden, weil ich das Unglück habe, Jude zu sein. Vor sechs Wochen bewarb ich mich bei einem Restaurateur um eine Oberkellnerstelle. Derselbe erklärte mir, daß er sein Personal durch den antisemitischen Stellenvermittlcr Oser eugagire. Der Letztere wies mich natürlich ab, während hundert antisemitische Kellner, darunter die verbissensten Antisemitenführer, als Zählkellner Unterkunft gefunden haben. Aus den Zeitungen dürften Herr Redacteur ersehen haben welche unerhörte Fälschungen mit Stimmzetteln diese antisemitischen Kellner begangen haben, ein armer ehrlicher Jnde aber findet heutzutage nicht einmal in einer Restauration, die größtentheils von Juden besucht wird, Stellung und muß verhungern. Jüdische Trinkgelder verschmähen auch die antisemitischen Kellner nicht, und meine Glaubensgenossen verschmähen es auch nicht, Locale zu besuchen, wo der Jude verspottet, verhöhnt und beschimpft wird. Indem ich bitte, meine wahrheitsgetreuen Angaben zu prüfen, verbleibe ich mit vollster Hochachtung A. I., Oberkellner. Wien. In Anwesenheit des Gemeinde-Präsidiums, der Herren Marcus R u s s o und Licco A butt und im Beisein eines zahlreichen distinguirten Publicums fand heute in der hiesigen türkischisraelitischen Volks- und Religionsschule die Jahresprüfung und Schlußfeier statt. Herr Direktor Emanuel G r o a g legte diesmal aufs Nene dar, mit welch gewandter, allseitig anerkannter Meisterschast er es versteht, den Kleinen seiner Schule die mannigfachen Lehrgegenstände beizubringen. Es lvar geradezu staunenerregend. was die Kleinen alles zu Wege brachten! Aus der Religionslehre und biblischen Geschichte, der deutschen Sprache, dem Rechnen und der Heimatkunde, ja aus der Geschichte Oesterreichs wußten diese Kleinen so vieles mit Verständnis; zu erklären und zu erzählen, daß sie die Zuhörer förmlich hinrissen. Der Chacham dieser Schule, Herr A l k a l a i, ließ die Kinder Hebräisch und Spanisch lesen. ES geschah dies mit rühmenswerther Geläufigkeit und Ruhe. Auch allerliebste Schullieder wurden von den Kindern mit Harmonium begleitung, unter Leitung ihres Lehrmeisters Herrn Löwit, munter und frisch vorgetragen. Zum Schluß hielt Herr Tirecror G r o a g eine inhaltsreiche Ansprache an die austretenden Zöglinge und betete schließlich für den Kaiser und seine erlauchte Fanülie, für die Gemeinde, für die Lehranstalt, für ihre Lehrer und Zöglinge, worauf die Volkshymne abgesungen wurde. Herr Tirector Groag empfing allseitig warmen, wohlverdienten Dank für seine unermüdliche Sorgsalt, die er seit Jahren diesem Lehrinstitute so hingebungsvoll und so selbstlos widmet. Waidhofen a. d. Thaya, Juni 1^95. (Israelitischer Frauen - Wohlthätigkeitsverein.) Ueber Anregung der Iran Antonie Singer, Gattin unseres Vorstandsmitgliedes Herrn Marcus S i n g e r, hat sich hier ein israelitischer Frauen-Wohlthätigkeitsverein für die Bezirke Waidhofen a. d. Thaya und Zwettl gebildet, der bereits die behördliche Genehmigung erhielt und, Dan den; entwickelten Eifer für die edle Sache, nun schon SO Mitglieder aufweist. In der kurzen Zeit seines Bestandes hat dieser humanitäre Verein, der die verschämte Armuth der Glaubensgenossen, durch Krankheit erwerbsunfähig gewordene Frauen, arme Wöchnerinnen zn unterstützen, und zur Ausstattung armer würdiger Bräute :c. bei" zusteuern bezweckt, so nianche Wohlthaten ausgeübt. Möge ihm weiteres segensreiches Wirken beschieden sein! Zwanzig Sammelkörbchcn in den verschiedenen Ortschaften der oben genannten politischen Bezirke mögen der freundlichen Beachtung unserer diese Gegend bereisenden Glaubensgenossen wärmstens empfohlen sein, sowie über-

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