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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-06-21 · 25 (21.6.1895) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
25 (21.6.1895)
Date
1895-06-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 468 Dr. Vkoch's Wochettschrifi. Nr. 26 des Herrn Professor Dr. Deutsch, seiner Frau und Familie bildeten eine Kette von Ehrenbezeugungen, die ihm allerseits entgcgengebracht wurden. Am Donnerstag Abend fand zu Ehren des Herrn Professor Dr. Deutsch ein Bankett statt, das sehr zahlreich besucht war. Der Vorsteher. Herr 4. II. Dr. I. S p i tz begrüßte den Gast mit herzlichen Worten, wies auf sein früheres, segensreiches Wirken hin. und betonte, daß er noch vor seiner Abreise nach Amerika, gleich einem Vater für seine Kindes, für die Gemeinde gesorgt habe, indem er der Gemeinde in der Person unseres allverehrten Rabbiners, Herrn Dr. Biach, einen würdigen und tüchtigen Nachfolger verschafft habe, und schloß mit einem Hoch auf den Gast und seine Familie, Hierauf ergriff Se. Ehrwürden, Herr.Rabbiner Dr. Biach das Wort und bemerkte ungefähr Folgendes: „Durch die Ehrenbezeugungen, die Sie heute meinem Amtsvorgänger entgcgenbringen, fühle auch ich mich geehrt. Daß ich aber das Glück habe, in einer Gemeinde zu wirken, in welcher mein Verhältniß zum Vorstande und den Mitgliedern wie das eines Freundes zu Freunden ist, verdanke ich meinem Vvorgänger, Herrn Professor Dr. Deutsch, der mich hieher empfohlen." Der Redner schloß mit einem Hoch auf Herrn und Frau Professor Dr. Deutsch. Hierauf toastirte der Vorsteher der Chewra-Kadischa, Herr Ludwig Black, nachdem er in humoristischer Weise auf die anwesenden Gemeindemitglieder angcspielt hatte, auf Se. Ehrwürden, Herrn Rabbiner Dr. Biach. Herr Obercantor L a w i n toastirte in geistreicher Weise auf den Gast. Bis gegen Mitternacht währte das schöne Fest. Am folgenden Tage, am Freitag Abend, hielt Herr Professor Doctor Deutsch, dem Herr Dr. Biach die Kanzel überließ, im dichtgefüllten Tempel eine Predigt. Es warein weihevoller Moment, als Herr Dr. Deutsch mit thränenerstickter Stimme das Selieliecliejonu machte, die Anwesenden begrüßte und seines Besuches auf dem hiesigen Friedhofe Erwähnung that. Der weitere Inhalt der Predigt, die mehr den Charakter eines Vortrages trug, schilderte uns das amerikanische Judenthum. Als Herr Professor Dr. Deutsch am Montag Früh nach Brünn zum Besuche seiner Angehörigen fuhr, fanden sich am Bahnhof zum Abschiede Sr. Ehrwürden Dr. Herr Biach, sowie zahlreiche andere Freunde unseres lieben Gastes ein. Budapest. (Baron M. -Hirsch.) Wie man uns aus Budapest meldet, wird Baron Moritz H i r s ch von mm an jedes Jahr vier Monate in Ungarn zubringcn. Der Baron läßt auf dem vom Fürstprimas angekausten Terrain von ’/2 Million Joch im Grauer Comitat mehrere prachtvolle Jagdcastelle erbauen, welche bis September nächsten Jahres fertiggestellt sein müssen. Der Vertreter des Baron H i r s ch in Ungarn, der Grundbesitzer David B i s ch i tz, wird demnächst in den ungarischen Adelsstand erhoben. Lemberg, 17. Juni. Gestern Abends fand unter Vorsitz des Landtagsabgeordneten Dr. G o l d m a n n eine Versammlung der israelitischen Kaufleutc statt und wlirde betreffs der Sonntagsruhe beschlossen, sowohl an die Statthalterei als an das Handelsministerium um Abänderung der Sonntagsruhe zu petitioniren. Dieselbe soll itm 3 Uhr Nachmittags beginnen, da der bisherige Modus auf den Handel sehr schädigend einwirkt. Tarnow, 12. Juni. Se. Exccllcnz der Statthalter Gras Badeni, welcher zum ersten Male am 30. Mai d. I. Tarnow mit seinem Besuche beehrte, wurde von der ganzen Bevölkerung mit großeni Enthusiasmus empfangen. Am 31. Mai erthcilte Se. Ezccllcnz Audienzen, zu welchen auch der Vorstand der israelitischen Cultusgcmeinde geladen wurde. Den Vorstand, bestehend aus dem Cultuspräsidenten Herrn Hermann M c rz, den Vorstandsmitgliedern Herrn Hirsch Nt a y e r h o s, David F a st und Julius S i l v i g c r, empfing Se. Excellcnz auf's Freundlichste, beehrte insbesondere den Vorsitzenden, sowie jeden Einzelnen der Vorstandsmitglieder mit Ansprachen. Samstag am 1. Juni Vormittags erschien Se. Excellcnz auf Einladung des Cultuspräsidenten Herrn Hermann M erz in der alten Synagoge und verweilte während der Andacht beinahe eure halbe Stunde. Der städtische Obercantor trug das Gebet für Se. Majestät den Kaiser und die erlauchte kaiserliche Familie erhebend vor, dann cxecutirtc derselbe einen Psalm unter Chorbegleitung und am Schlüsse wurde die Polkshymne abgesungen. ^c, Erccllenz war sichtlich erbaut, äußerte seine vollkommene Zufriedenheit und entfernte sich nach Absingung der Hymne unter Hochrufen der zahlreichen Versammlung. Im Laufe des Nachmittags beehrte Se. Ercellenz in Begleitung des k. k. Bczirkshauptmannes, des Bürgermeisters und eines Mitgliedes der k. k. Schulbehörde die Baron Hirsch-Stistungsschule mit seinem Besuche, sprach sich über Alles äußerst lobend aus, und entschuldigte sich, wegen Zeitmangel die versanunelten Schüler nicht Prüfen zu können. Berlin, 3. Juni. Nach Ausweis der Dienstalterslisten des Kuuze'schen Kalenders für das höhere Schulwesen Preußens, Jahrgang 1805/90 (Breslau, Verlag von Preuß ilnd Jünger) betrügt 1. die Zahl der D i r e c t o r e n jüdischen Glaubens: a) an Vollanstalten 0, b) an Nichtvollanstalten 2 (Dr. B a e r w a l d am Philanthropin (Realschule der israelitischen Gemeinde), Dr. Hirsch an der Stift.-Realschnle der israelitischen Religionsgesellschaft, beide in Frankfurt a. M.). 2. Die Zahl der O b e r l e h r e r jüdischen Glaubens: a) an Vollanstalteu 21, b) au Nichtvollanstalten 28 (zusammen 40). Von diesen 40 führen 0 den Professortitel, und zwar: a) an Votlanstalten 0, b) an Nichtvollanstalten 3, in Westpreußen 1, Posen 3, Schlesien 5, Brandenburg 2, Berlin 18, Sachsen I, Hessen-Nassau 19. 3. Die Zahl der Hilfslehrer jüdischen Glaubens 26. Von diesen sind 3 als Privatlehrer oder Leiter einer Privatschule thätig, 1 ist Assistent an den Elektricitätswerken in Königsberg, O.-Pr. Die übrigen 23 haben zum Theil remunerirte Thätigkeit an öffentlichen Schulen, zum Theil stehen sie mit solchen in unterrichtlichem Zusammenhang. Sie vertheilen sich auf: Posen 1, Berlin 17, Sachsen I, Hessen-Nassau 3, Hamburg 1. 4. Die Zahl der Prob ec a n d i d a t e n jüdischen Glaubens 4 (I Westpreußen, 1 Brandenburg, 2 Berlin.) 5. Die Zahl der Seminarcandid a t e n j ü d i s ch e n G l a n b e n 3 (1 Westpreußen, 1 Berlin, 1 Hessen-Nassau). Summa aller pro facultate docendi geprüften und in den Dienstalterslisten geführten jüdischen Lehrer an den höheren Lehranstalten Preußens 84 (Pros. Toeplitz inLissa ist nicht uiitgerechnet, da er am 1. April 1805 nach 47jähriger Thätigkeit in den Ruhestand getreten ist; er war 10 Jahre Hilfslehrer!). Von den 40 angestellten Oberlehrern kommen auf königliche Anstalten nur 4, und ztvar 1 Westpreußen, 3 Posen. Die Provinzen Pommern, Hannover, Schleswig- Holstein, Westfalen und Rheinprovinz haben keinerlei pro facultate docondi geprüfte Lehrer jüdischen Glaubens an höheren Lehranstalten. Auch ein Beitrag zur Geschichte des modernen Martyriums, ein erneuter Beweis, wie „die volle Consequenz der bürgerlichen Gleichstellung der Juden", zumal soweit es sich um die Anstellung an staatlichen und städtischen Lehranstalten handelt, auf dem Verwaltungswege die weitgehendste „Correctur" erfährt. Es gewährt angesichts dieser Thatsache eine gewisse Beruhigung, daß, wie der genannte Kalender beweist, die Zahl der jüdischen Jünglinge, welche dem Lehrberufe an höheren Unterrichtsanstalten sich widmen, abgenommen und somit der Kreis derer, welche — nach Lage der gegenwärtigen Verhältnisse — einer bitteren Enttäuschung sich aussetzen, im abgelaufenen Jahre sich wiederum vermindert hat: unter 543 Candidaten, welche 1893/94 vor den Königl. wissenchaftlichen Prüfungscommissionen Examen für das Lehramt an höhere Schulen abgelegt haben, waren nur 12 Juden. So bedauerlich es ist, den edlen wissenschaftlichen Eifer der für ihren erhabenen Beruf Begeisterten durch trübe Zukunftsbilder zu lähmen, die sorgenlose Arbeits- und Schaffensfreudigkeit zu zerstören, muß dennoch immer wieder der idealen Begeisterung die reale Wirklichkeit entgegengestellt werden, damit Diejenigen, die es angeht, in gewissenhafter Selbstprüfung sich fragen, ob sie das Verlangen und die Kraft in sich fühlen, dem Martyrium, den Gefahren, welche ihrer harren, Trotz zu bieten, um am Ende einer dornenvollen Bahn das erträumte Glück in Scherben gehen zu sehen. Yestigia terrent! Berlin. (Der städtische Schulboykott gegen jüdische Lehrerinnen.) Es wird uns mitgetheilt, daß dieser Tage eine Verfügung, wie die kürzlich an eine jüdische Lehrerin übermittelte, wonach dieselbe nur dann vertretungsweise beschäftigt werden solle, >venn es sich um den Unterricht in der jüdischen Religion handelt), seitens der städtischen Schuldepntation auch einer jüdischen Lehrerin zugcftellt worden ist, die seit sieben Jahren vertretungsweise in städtischen Schulen unbeanstandet thätig gewesen ist, ohne sich auch nur das Geringste zu Schulden kommen zu lassen. Diese Lehrerin darf nun also auch nicht mehr im Rechnen, Lesen, Schreiben, Natur- - künde ec. unterrichten, trotz ihrer wissenschaftlichen und pädagogischen Qualisication! Wohin steuern wir trotz des Artikels 12 der preußischen

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