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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-06-21 · 25 (21.6.1895) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
25 (21.6.1895)
Date
1895-06-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 25 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 467 zeitig aus diesem Verein auszutreten, sondern auch aus die Führung jener Partei zu verzichten, welche bereits in ihrer Mehrheit daran gegangen ist. sich zu Grunde zu richten und dadurch die gerechte Sache unseres Volkes empfindlich zu schädigen. Als dentschnationaler Alaun und somit als Gegner von Allem, was jüdisch ist, muß ich, nach wie vor, überhaupt stets Alles bekämpfen, was undcutsch und was verderbt ist. Ich kann ulich also auch nicht freundlich zu jenen Parteigruppen stellen, die derzeit unter der Leitung Dr. Lueger's stehen, da diese Antiliberalen im „P o l ks b l a tt"-V e r g an i eine „Verkörperung moderner Corruption" als ihre journalistische Vertretung besitzen. Die bisher unter meiner Führung gewesene Partei stand achtunggebietend vor aller Welt da und ist diese Partei nur durch U n t r e u e, A b f a l l, Wort b r n ch und V e r r a t h im eigenen Lager dem Untergange geweiht worden. Al eine wenigen Getreuen sind gewiß, so will ich hossen, mit mir einverstanden, wenn ich zum Abschiede sage: „Besser ist's, um unsere nationalen Ideale ringend, zu erliegen, als in dumpfer Ergebung unter das Gemeine dahin zu wandeln!" Alldeutschland Heil! Schloß Rosenau, 15. Juni 1895. Georg S ch öuerer." Diesem „Manifest" des Georg Schönerer ist als Motto ein Citat aus Dahn's „Kampf um Rom" vorangestellt, welches lautet: „Das Feige siegt — das Edle fällt — Und Treu' und Aluth verderben Die Schurken sind die Herrn der Welt: — Ans, Gothen, laßt uns sterben!" — Die „Ostdeutsche Rundschau" meldet, daß „von Seiten der iu der Schönererpartei maßgebenden Persönlichkeiten die äußersten Anstrengungen gemacht werden. Schönerer von seinem Entschlüsse abzubringcn." Wien. (Der zukünftige Wiener Bürgermeister.) Die „Conservätive Correspondenz" stellt in der letzten Nummer in Aussicht, daß „aus den nächsten Reichsrathewahlen Prinz Alois L i e ch t e n st e i n nominell als Führer der Katholiken Oesterreichs, abgesehen vom Großgrundbesitze, hervorgchen wird, zumal, wenn es vorher gelingt, Seine Durchlaucht auf den Bürgermeisterthron von Wien zu erheben. Der voraussichtliche Weggang des Nuntius A g lia rd i kann darin nichts ändern; denn bei demselben handelt cS sich für Rom und den Prinzen L i e ch t e n st e i n um einen Personen- und keinen Systemwechsel." Da andererseits auch Dr. Pattai um den Bürgermcisterthron sich bewirbt, so bleibt Dr. Lueger aus dem Trockenen. Prinz Liechtenst e i n will sich auf den Thron L u e g c r's und Hohe uw a r t's zugleich setzen, und es dürfte Sr. Durchlaucht die Aufgabe auch gelingen. Wien. Am 12. d. Al. wurde Frau Amalie Benedict, eine der würdigsten Frauen der Gemeinde, unter großer Bctheiligung zll Grabe getragen. Der Familienkreis hatte bereits Anstalten zur Feier ihres achtzigsten Geburtstages getroffen, aber es war ihr nicht mehr beschieden, diesen Tag zu erleben. Frau Benedict stammte aus einer der angesehensten Familien Wiens mtb bethätigte durch ihre Einfachheit und Anspruchslosigkeit, wie durch ihren Wohlthütigkeitssinn den Adel der Gesinnung, welcher jene Familien, die leider nicht blos in der Zahl ihrer Mitglieder sich verringern, auszeichnete. Die Verstorbene war die Schwiegermutter des sel. Dr. Philipp Ritter v. M anthner, des sel. Dr. S chulz und sah Enkel und Urenkel um ihr Sterbebet versammelt. Deni Blindeninstitut hat sie seit der Gründung als eine der thätigsten Vorstandsdamen angehört. Der Director, sowie der Vorstand und seine Zöglinge umgaben in dankbarer Gesinnung ihre Bahre. Die durch Alter und Verdienst gleich verehrungswürdige Frau Regine H i e l d b u r g h ä n s s e r ist ihre ältere Schwester, deren würdiger Gatte gleichfalls unter den zahlreichen Leidtragenden sich befand. Dr. G ü d e m a n n widmete der edlen Frau den wohlverdienten, ihr Lebensbild in warmen Worten zusammenfassenden Nachruf. Wien. Dem Rechenschaftsberichte des Schutzdamen-Comitäs über das israelitische Mädchen-Waisenhaus (Wien, Döbling, Ruthgasse 21) für die einundzwanzigste Berwältungsperiode (1804) entnehmen wir folgende Daten: Im Jahre 1804 ist der bisher höchste.Zöglingsstand erreicht worden. Das Haus beherbergte am 31. December 53 Waisen. Bon diesen besuchen 21 die Volks-, 20 die Bürgerschule, 5 lernen die Schneiderei, 3 Modistenarbeit und 1 Zögling das Weißnähen. In der französischen Sprache erhalten 0, im Clavierspiel 0 Schülerinnen Unterricht. Bon der ansgetretenen Zöglingen sind o verheiratet; 20 sind als Kindergärtnerinnen in befriedigender Weise thätig: 1 ertheilt Unterricht im Kunststicken : 1 ist schrittstellerisch thätig : 1 ist Malerin. Die klebrigen verdienen entweder im Beisammensein mit ihren Müttern oder selbstständig ihren Unterhalt. Das Haus hat bis nun 139 Waifenmädchen in Sb Hut genommen, von denen 4 gestorben sind. Außerdem befanden sich Ende 1391 im Schutze des Vereines liu externer Versorgung» 3^3 Waisen. Die verdienstvolle Hausmutter, Frau Flora B r u ck, erfüllt nach wie vor die wachsenden Anforderungen ihres Amtes in ausgezeichneter Weise und sorgt dafür, daß der Schnterfolg der Zöglinge sich stets ans gleicher Höhe erhält. Rechennnterricht ertheilt der Eoinnmnallehrer Herr Jakob M a u t n e r. In die vielfachen Obliegenheiten des Handarbeits-Unterrichtes, der Beaufsichtigung und Pflege theilten sich die beiden Gehilfinnen Frl. Emma D i c t r i ch st e i n und Frl. Julie G l a t t a n e r. Dem vortrefflichen, in uneigennützigster Weise ertheilten Unterrichte des Herrn Sber-Eantors Singer ist es zu danken, daß die Zöglinge einen tüchtigen Hauschor bilden und, wo der Gesang für ihren künftigen Beruf, z. B. das Kindergartenwesen, einen wichtigen Factor bildet, stets die besten Erfolge haben. Ter Gesundheitzustand der Zöglinge war ein höchst befriedigender; vorkommenden Falles haben der Hausarzt Herr Dr. Hermann H e r tz k a, Herr kais. Rath Tr. Ritter v. W e i l, Herr Dr. K o h n in Döbling Rath und Hilfe geleistet. In eitlem Falle körperlicher Verletzung wurde der Beschädigten im Rudolfincrhause die ambulante Behandlung zu Theil. Herr Tr. B a r d a ch hat sich andauernd um die Zahnpflege der Mädchen sehr verdient gemacht. Ein Zögling wurde zum Enr> gebrauch nach Hall und ein Zögling nach Gleichenberg geschickt. Das Chanukahfest ist, wie stets, festlich begangen rvvrden. Die Schutzdame Frau Sophie B a u e r hat die Mühe des Sammelns mit hohem Eifer übernommen. Tie reichen Gaben an Mannfactnren, die auf diese Weise dem Hause zugeführt wurden, finden zumeist ihre Verwendung bei ben Ausstattungen der ans tretenden Zöglinge. Die Schutzdame Frau Baronin Pella von O p p e n h e i m e r hat auch Heuer die Auswahl der Geschenke besorgt. Tie Kosten wurden bestritten durch Spenden der Schu'tzdamen und von den Zinsen lsl. 253 > des von Frau Sophie v. G u t ln a n n zu diesem Zwecke gewidmeten Eapitals. Im Lause des Jahres wurden dem Hanse folgende bedeutende spenden zu Theil: Von Herrn Baron Hermann v. K v n i g s^ w arte r fl. 5«" >: von Herrn Maximilian P a n l - S ch i f f fl. 500; voll Frarl Sophie v. Gutrilann zu Ehannkah in die Sparbücher der Waisenniädchen fl. 205; von Frau Stephanie Weiß v. W e l l e n st e i n fl. 1<««>: von Frau Rudolfine M 0 r ff u r g 0 fl. 5<>; von Herrn Tr. Richard T a u s s i g sl. 5i>; von Herrn Karl An spitz fl. 200; von Herrn Rudolf Auspitz fl. 20ü. Das Schntzdamen Eomitt gibt deni hohen Bedauern Ausdruck über das am 3. November erfolgte Ableben der Frau Emilie Sing e r, geb. Baumgarten, welche durch fünf Jahre unermüdlich für das Waisenhaus gewirkt und demselben ein Legat von sl. 25.« »«>0 vermacht har. Ferner fiel dem Waisenhause ein Legat des sel. Freiherrn Moriz v. Königs wart er im Betrage von fl. lo.ooo zll. Ter hohe niedervster reichische Landtag hat auch im abgelansenen Jahre dem Vereine eine Subvention von fl. 200 ans dem Kaiser Franz Josef- Regiernngs-Jnbiläumsfonde einen Betrag von fl. 1 Hi gewährt. Mit der speeiellen Widnmng für das Mädchen Waisenhaus ist das Legat des sel. Herrn Jakob M a y e r per fl. I o.nuo sammt fl. 100.07 an Verzugszinsen flüssig geworden und die hohe niederösterreichische Statthalterei hat dem Vereine ans der Josef und Barbara Lichtenhain'fchen Stiftung für 0 im Waisen- Hanse verpflegte Mädchen auch für das Jahr 13!4 st. 12«>0 91gewendet. Ter so überaus segensreich wirkende Verein wurde im abgelansenen Jahre geleitet von Frau Baronin Eharlvtte K ö n i g s w a r t e r als Präsidentin und Frau Sophie v. G n t mann als Vice-Präsidentiil, dann vom sel. Herrn Wilhelm Ritter v. Gutmann als Präses und von Herrn David Ritter v. Gntmann als Präses-Stellvertreter und Easse Verwalter. Brüx, den 18. Juni 1305. Niemals kann eine Gemeinde sich selbst mehr ehren, als wenn sie ihre Lehrer ehrt. Und viel Ehre wurde seitens unserer Gemeinde dem Herrn Professor Dr. G. Deuts ch erwiesen, der als Rabbiner und Seelsorger hier segensreich wirkte und vor vier Iah en einem Rufe als Professor au das Rabbinerseminar nach Eiuein'- nati in Amerika folgte, als er zum Gesuche unserer Gemeinde durch acht Tage hier weilte. Der Empfang, sowie der Aufenthalt

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