Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 25 (21.6.1895)
- Date
- 1895-06-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 25 Dr. Blocks Worhrnschrist. Seite 465 nunmehr erwiesen ist, unterdrückt und durch grundlose Anschuldigungen gequält werde. Ferner wünsche Ich, daß im Sinne Nieines Hatti- Scherifs von Gülhane die Juden biefetbcu Rechte und Vorrechte genießen, wie alle anderen Nationen Unseres Reiches. Ich befehle daher, daß in Zukunft die in allen Theilen Meines Reiches wohnenden Juden wie alle anderen Unterthanen der Hohen Pforte beschützt, und daß ihre religiösen Gebräuche von Niemandem gestört, angegriffen oder ihre Ruhe und Sicherheit gefährdet werden mögen. Dieser Kaiserliche Firman, der am Kopfe die „Tura" trägt und der aus Meiner Kaiserlichen Kanzlei hervorgeht, wird der jüdischen Nation übergeben werden. Du. Chef der Justiz nimm Notiz von dem Inhalte dieses Fermans und achte darauf, ihn zur Ausführung zu bringen. Damit in Zukunft diesem Firman nicht zuwidergehandelt werde, wirst Du ihn in die Archive der Tribunale eintragen und ihn sofort der jüdischen Nation aushündigcn. Achte sehr daraus, daß Mein kaiserlicher Befehl ansgeführt werde. Ich befehle, daß Du bei Empfang dieses Fermans im Sinne Meines kaiserlichen Willens handelst. Gegeben den 12. Ramadan-i-Scherif des Jahres 1256 (6. November 1840). (Der Handel und die russischen Juden.) Der „Woschod" vom 12./24. Februar schreibt: „Um den Antheil, den die Juden an der nationalökonomischen Thätigkeit im Lande nehmen, sowie ihre Mitwirkung an dem Gedeihen der Landwirtyschaft schützen zu können, ist es interessant, einige Ziffern anzuführen, die der offiziellen Statistik des Hafens Rikolajew entnommen find. Im Jahre 1894 sind 87,750,000 Pud Getreide aus diesem Hajen ausgeführt worden, das ist das Doppelte der Zahl aus dem Jahre 1893. Nun haben die jüdischen Getreide firmeil von dieser Totalsumme 63,000,000 Pud ausgeführt, also mehr als -.wei Drittel. Die Stadt Nikolajew lebt nur vom Getreidehandel. Sollte man n cht glauben, daß die Juden hier besser als anderswo behandelt würden? Rein. Die jüdischen Kinder sind in den städtischen Schulen nur in dem Berhältniß von 10 zu 100 Schülern zugelasseu; der Stadtrath verweigert dem jüdischen Krankenhaus jede Unterstützung und hat kürzlich sogar die Bewilligung eines Grundstückes abgelehnt, auf welchem eine jüdische Schule erbaut werden sollte!" (Ein Bestechungsversnch.) Die von allen Tagesblättcrn gemeldete strafgerichtlicheVerhandlung gegen den Gastwirth Dominik Danzinger, Fünfhaus, Felbergasse 6, welcher einen höheren Functionär der österreichischen Staatsbahnen zu bestechen versucht hatte, um dadurch als Offerent bei Verpachtung der Bahnrestaurativn bevorzugt zu werden, endete mit der Berurtheilung des Angeklagten zu einer Geldstrafe von fl. 200, eventuell zu drei Wochen Arrests. Wie wir von glaubwürdiger Seite erfahren, ist Danzinger ein Christlich-Socialer von trübstem Wasser und ein begeisterter Anhänger L u e g e r's. Als dieser erster Bicebürgermeistcr wurde, zahlte er aus Freude darüber Feinen Gästen zehn Liter Wein. Am Tage der Auslösung des Gemeinderathes lvettete er um einen Eimer Wein, daß im neuen Gemeinderathe Lueger mit großer Majorität zum Bürgermeister werde gewählt werden. (Scenen beim Brande vonBrest-Litowsk.) Manschreibt uns aus Petersburg: Zwei Episoden aus deu Schreckenstagen von Brest-Litowsk, welche die hiesigen Blätter publicircn, verdienen die weitestgehende Beachtung. Als das Feuer, das in einer kleinen Hotz- Niederlage ausbrach, sich rasch auszubreiten begann und die Synagoge umzingelte, stürzten einige Juden in dieselbe, um die Thorarollen zu retten. Erst nach Beendigung der Feuersbrunst, als man die Trümmer der Synagoge durchsuchte, wurden unter einem Schutthaufen elf verkohlte Inden herausgezogen; sie alle hielten noch Thorarollen in den Händen. Auf einer anderen Straße drangen zwei Inden in das Haus einer christlichen Witwe, die krank zu Bette lag, um sie und ihre vier kleinen Kinder zu retten. Es gelang den Inden denn auch, das Werk der Nächstenliebe zu vollführen. Die Witwe und ihre Kinder wurden gerettet, aber die beiden Juden bezahlten dies mit ihrem eigenen Leben; das Halls stürzte ein und begrub sie unter den Trüuunern. «Auch fünf Generationen genügen nicht.) Die „Off deutsche Rundschau", welche sich der dankenswerthen Aufgabe unter zieht, die „Berjndung" des Antisemitismus zu erweisen, hat neulich heransgesnnden, daß der Obmann des „Katholischen Schulvereines", Dr. Caspar Schwarz, ein „getaufter Jude" sei. Der brave Mann fühlte sich dadurch, ivie leicht denkbar, auf's Tiefste in seiner Ehre gekränkt und übersandte der „Ostdeutschen Rundschall" eine Berichtigung, adiustirt mit einem Stammbaum, aus dem hervorgeht, daß matrikenmäßig bis zum Jahre 17«;:; zurück die Borfahren des christlichsocialen Dr. Schwarz schon getauft waren. Diese Ehrenrettung genügt aber den rigorosen Raccnsorschern von der „Ostdeutschen Rundschau" nicht. Der ei-levant Berwaltungsrarh und Gründer Paul v. P a ch e r. den eine böswillige Fama übrigens selbst als „Jndeusrämmling" bezeichnet, findet den Stamilibanm, welcher am nahezu fünf Generationen zurückgreiü, für kein hinreichendes Document der Racenreinheit des armen Dr. S ch w a r z und fordert diesen aus, „zur gefälligen Anfnahme in den redactionellen Dheil" des genanllten Blattes auch seine — Photographie einztlsendeu. Paul v. Pacher spielt in undelicater Weise am die „von der Wucht des Semitenthums tiefgebeugte Rase" des christlich-socialen Heer Hauptmannes Schwarz an und hält an der orthodoxen Auffassung fest, daß auch fünf Generationen an der Racenreinheit ge taufier Inden nichts ändern und ans deren Gesichtern das Brandmal der Race nicht wegtilgeu können. Herr Paul v. P a ch e r begibt fiel) da auf ein gefährliches Gebiet. Eine (örenze glaubten selbst Bücket und Ahlwardt anerkennen zu müssen, indem sic sich auf ihrem letzten Parteitage damit begnügten, den Fluch auf Jene z« erstrecken, die sich nicht ans drei Generationen zurück als raceurein ausweisen können. Paul v. Pacher genügen nicht einmal fünf Generationen? Was wird der Barer der Urenkel Schmuel Leeb K o h n's dazu sagen? Derlei Dinge muß er sich noch obendrein in einem aus seinem Geld sacke lebenden Blatte sagen lassen V Armer S ch ö n e r e r! Ein jüdischer Bürgermeister. Der vor Kurzem neugewählte Bürgermeister von San Franeiseo ist ein deutscher Jude, dessen Raine einen guten Klang hat. Adolf Sutro lvurde am 20. April ls:;it zu Aachen als Sohn des Besitzers einer Tuchfabrik geboren und trat schon frühzeitig in das väterliche Geschäft ein. Jur Jahre lsl7 starb der Baker, und die Unruhen von Isis brachten die Fabrik so herunter, daß sie nicht mehr im Staube mar. eine Familie mit elf Kindern zu ernähren. Schnell entschlossen wunderte die Witwe, eine überaus rührige und' thatkräftige Frau, nach Amerika ans und nahm in Baltimore ihren Wohnsitz. Eie Entdeckung des Goldes in Calisornien lockte auch ihren Sohn Adolf dorthin, aber nenn Jahre harter Arbeit förderten ihn nur rvenig. Er faßte nunmehr den Plan, das Amalgamirnngsversahren bei der Rediletion der Silbererze zu verbessern, und ervssnete mit Johann R a md o h r, einem Chemiker und Bergwerks Ingenieur ans dem Harz, nach einer Anzahl geglückter Experimente eine Erzmühle in Tapton, Revada, die sich als sehr einträglich erwies. Mittlerweile war die berühmte Eomstockmine in der Sierra Revada erschlossen worden, und S n t r o, der sie schon von einem früheren Besuche her kannte, ging jetzt an die Ausführung eines großartigen Gedankens, der ihui schon damals gekommen ivar. 1SH5 machte sich in jener Mine das Bedürfniß fühlbar, einen Tunnel durch das Gebirge zu legen, um die Wassermassen zu entsernen, die Schächte und Ouerschläge abzukuhlen und besser zu lüsten, Holz für den Abbau leichter ein und anszusühren und das Erz billiger zu fördern, Rach lieber Windung der furchtbarsten Schwierigkeiten und Beseitigung der Anseinduugen wurde der Tunnel vollendet. Er ist!2 Fuß breit, l>> Fuß hoch und Fuß lang und hat nördliche und südliche Abzweigungen von .'>«;<"> Fuß, so das; seine ganze Länge über fünf englische Meilen beträgt. Die Herstellungskosten beliefen sich einschließlich der Zinsen ans h >.•'«< «o Dollars. Sutro verkaufte feinen Anrheil an dem Werk und siedelte nach San Franeiseo über. Um diese Zeit hatte die sogenannte .Zancl-lost'-Agitation den Werth des Grundbesitzes stark vermindert, allein unser Landsmann sah mit scharsem Blick das Wachsthum und die Entwicklung der Stadt voraus und kaufte so viel an, daß er jetzt der größte Laltdbesitzer in der City und im County ist und zu