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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-06-21 · 25 (21.6.1895) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
25 (21.6.1895)
Date
1895-06-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 464 Dr. Bloch's Wochenschrift. der ehrlichen Kaufleute und Finanzmänner gegen die bösen Juden, die diese armen Schäflein scheercn und ausbeuten, gerade wie diese Schäflei» ihre Arbeiter ausbeuten und den kleinen Leuten das Fell über die Ohren ziehen. „Das freie Wort" (La libre Parole), das Organ der Antisemiten, ist mit dem Gelde der Jesuiten gegründet, welche hier sogar die Weltgcistlichkcit angreisen, mit der sie beständig im Streit liegen. Ihr wohlbekannter Geschäftsführer, Mr. Odelin, war der Verleger tadministrateur) des „Journal“. Um den antisemitischen Feldzug zu führen, fanden sie nichts Besseres, als sich zum General ein Individuum zu wählen, das für einen Juden gilt — ebenso wie der Adel den Juden Mayer vom „Gaulois“ zu seinem Vertreter gewählt hat. Die jüdische Nasse steht ans dem Gesichte Drumont's geschrieben, außerdem verräth schon der Name seinen Ursprung. Er beging die Unvorsichtigkeit, einem geistreichen, israelitischen Schriftsteller vorzuwerieu, daß dessen 'Name Drcyfuß eigentlich „3 Füße" bedeute; Dreifuß antwortete: „Lieber Glaubensgenosse, Ihr Name riecht auf drei Stunden nach Judenthmn und Wucher: Drumond — Drcimond heißt eigentlich drei Monde und kommt von den drei Kugeln, welche die clsässischen Pfandleiher über ihrer Thüre anbrachtcn." In seiner Jugend war Drumont Sekretär des Geldmannes Pereire: er pries in unanständiger Weise diesen Vater der modernen Spccutation. Es wurde also Pereire, der Jude des Südens, von Drumont, dem Juden des Nordens, gepriesen. So wie Drumont, um Antisemit zu werden, seine Rasse abgcstrcift hat, so haben auch die Antisemiten Jesus zum Arier getauft, weil er blond war, obwohl seine Mutter eine Vollblutjüdin; stammte sic doch direct von Abraham ab. Drumont, der so chnisch ist, daß er das Bewußtsein davon verloren hat, ließ, um eine seiner antisemitischen Schriften zu lanciren, in Paris Placate anschlagen, auf denen er als Paladin dargestellt war, der Moses zu Boden schlägt und die vom Sinai geholten Gesetzestafeln unter die Füße tritt. Die katholischen Antisemiten werden zu Ketzern, die alle biblischen Ueberlicicrungen verleugnen- Die Juden und der Ackerbau. Wenn man bedenkt, daß die Juden beinahe zwei Jahrtausende mit Gewalt den mütterlichen Boden und seiner Bearbeitung entrissen waren, daß ihnen die Scholle, auf der sie hätten ackern können, stets genommen wurde, che sie daran denken dursten, sie als heimische Erde zu betrachten, so erweckt das zähe Sttebcn Israels, allen Hindernissen zum Trotz, sich dem Ackerbau zuzuwenden, bei allen gerecht Denkenden und warm Fühlenden auftichtiges Staunen, das zur Bewunderung wird, wenn man die großen Erfolge in's Auge faßt, welche die kürze Zeit der Freiheit schon jetzt bei den Juden gezeitigt hat. Denn wie cs überhaupt nur selten vorkommt, daß der Einzelne das Stadtleben mit seinen größeren Bedürfnissen und reicheren Gcnußmitteln verläßt, um sich dem einfacheren Landleben und dem Landbau zuzuwenden, so kennt die Weltgeschichte überhaupt noch kein Beispiel, daß eine ganze handeltreibende Stadtbevölkerung ihre Umwandlung in eine ackerbautteibende Landbevölkerung vollzogen hätte. Wenn man alle diese Momente mit derjenigen Objectivität betrachtet, die den ruhig urtheilenden Historiker auszeichnen soll, so ist Grund genug vorhanden, die Lebensfähigkeit des israelitischen Stammes auch in dieser Hinsicht anzustaunen. Es wurde schon ötters aus die großen Erfolge hingewicsen, welche ein bedeutender Thcil der von vertriebenen und freiwillig ausgewänderten russischen Juden gegründeten Ackerbaucolonien auszuweisen haben. Heute möge eine aus dem Französischen übersetzte Notiz, ein Auszug aus dcnl Programme des prix proposes et de ceux distribue's et notice des medailles d'encouragemeut donnes par la societe d’agriculture etc. daus sa seance publique du dimauche 5 Avril 1807 als ein vorzüglicher Beweis dienen, wie geneigt und geeignet der Jude sich bewährt, einem Berufe sich zu widmen, in dem seine Urväter das Glück ihres Lebens gesehen hatten, den sie nur unter dern Zwange der brutalen Gewalt aufgaben. Die Notiz lautet: Herr Moses May, ein Kauftnann aus Neuf-Chütel, der als Dcputirtcr des Departements des Vosges an der großen israelitischen Synode theilgenommen hat, kaufte vor zwei Jahren das alte Schloß Landaville, unweit seines Heimatsortcs. Alles wies damals auf die Verwüstung der Kricgszeit und die llnthätigkeit der Menschen hin. Nr. 25 Eingestürzte Mauern, ein grundloser Boden, morastiges und der Fruchtbarkeit unfähiges Wiesengelände, ein dem regellosen Laufe seines Gewässers überlassener Bach, der die Gegend rings umher überschwemmte. Dies war der traurige Zustand dieses Eigenthums. Herr M a y kaufte dieses wüste Pachtgut den 5. Germinal im Jahre 13 (der Revolution). Kaum war der Contract abgeschlossen, als man schon rüstige Hände in rühriger Schaffensfreudigkeit die verfallenen Mauern der Hauptumzäunungen wieder aufführen sah: achtzehnhundert der ausgesuchtesten Obstbäume wurden gepflanzt, verschiedene andere Bäume schmückten das User eines Wasserbehälters, den er in dem niedrigsten Theile graben ließ, theils um den Lauf des Wassers zu erleichtern, theils auch, um das überschwemmte Terrain, welches bisher in einen seichten, sumpfartigen Boden verwandelt war, wieder zu cultiviren. Einige benachbarte Terrains wurden damit vereinigt, für den Honig- und für den Schneckenklee bestimmt. Ueberdies umgab Herr M a y die Felder in eine fünf rheinische Morgen langen Strecke mit Pappeln. Diese Pflanzung, welche an einer überaus betretenen und befahrenen Landstraße angelegt ist, scheint er in der Absicht veranstaltet zu haben, damit der Wanderer ein musterhaftes Beispiel vor Augen habe. Auch geschah es mit weiser Einsicht, daß Herr M. die Verbesserung der Domäne von Landaville mit der Anlegung nützlicher Pflanzungen begann. Endlich zeigte er noch dadurch seine Einsicht, daß er die Armen der Gemeinde von Landaville bei seinen ländlichen Arbeiten in jeder Weise beschäftigte, wodurch er zur Verminderung des Bettelstandes ungemein beitrug. Diese Details stammen aus einer authentischen Mittheilung des Herrn Poullain G rauprcy, Präsidenten des Friedensgerichtes zu Neuf-Chatel, welcher im Aufträge des Herrn Unterpräfecten zu Neuf-Chätel am vergangenen 22. März nach Landaville sich begab. Die Societe d’agriculture hat beschlossen, in ihrer öffentlichen Sitzung der in der Pächterei von Landaville geschehenen Verbesserung rühmlichst zu erwähnen und Herrn Moses M a y die goldene Medaille zu ertheilen. Sie wünscht zu vernehmen, daß dieses Zeichen ihrer Werthschätzung den Herrn Moses M a y noch ferner zur Ausführung seiner ländlichen Verbesserungspläne aufgemuntert und daß besonders sein Bei« spiel unter den Anhängern der Religion Moses' zahlreiche Nachahmer gefunden hat, welche sich der erhabenen Zwecke Napoleon's des Großen, die er zu Gunsten der Juden hegt, desto würdiger machen, je geneigter sie sein werden, durch die That zu beweisen, daß die Umbildung der Völker vorzüglich durch den Landbau bewirkt werden kann. Francois (de Neuf-Chäteau), Präsident. Silvestre, Secretär." (Ein Ferman des Sultans Aödul-Medjid.) In Anerkennung der vortheilhaften Stellung, die die Juden in der Türkei unter den Auspicien der kaiserlichen Negierung haben, veröffentlicht das letzte Bulletin der „Alliance israelite“ in Paris einen Firmau des Sultans Abdul Medjid, ruhmreichen Angedenkens. Wir halten es für interessant, dies historische Schriftstück in Uebersctzung hier nach dem „Stambul" wiederzugeben: „Es besteht ein altes Borurtheil gegen die Juden. Man glaubt allgemein, daß sie Menschenopfer darbringen und zu ihren Ostern Blut benöthigen. Die Juden von Damaskus und Rhodos, Unterthanen Meines Reiches, sind verleumdet und verfolgt worden. Das Gerücht von den Leiden, welche diese Unglücklichen zu ertragen hatten, ist bis zu Meinem kaiserlichen Throne gedrungen, und es wurden vor nicht langer Zeit einige Juden aus Rhodos nach Konstantinopel gebracht und nach dem neuen Gesetze gerichtet; der Gerichtshof erkannte ihre Unschuld und sprach sie frei. Die religiösen Bücher der Juden sind bei dieser Gelegenheit von gebildeten und in den jüdischen Sitten und Gebräuchen erfahrenen Männern einer sorgfältigen Prüfung unterzogen worden. Diese Untersuchung hat bewiesen, daß es den Juden nicht nur verboten ist, Menschenblut zu vergießen, sondern auch das von Thieren. Es ist also Alles, was in dieser Frage über die Juden gesagt wurde, nichts als Lüge und Verleumdung. Da diese Thatsachen endgiltig festgestellt sind, und Wir Unsere Unterthanen alle in gleichem Maße lieben, können Wir nicht erlauben, daß die jüdische Nation, deren Unschuld

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