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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-06-14 · 24 (14.6.1895) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
24 (14.6.1895)
Date
1895-06-14
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 24 Dr. Vloch's Wochrrrschrrft. Feuilleton. Eine Episode ans Simon Lebi's Leben von M. A. Koksschmidt an? dem Dänischen von I. Krank:. «Schlup.) Als der Arzt zur festgesetzten Stunde kam und seine Instrumente zurechtlegte, bemerkte Simon, wie er ein Kren; über dieselben machte, woraus der geängstigte Bruder schloß, daß ihm der Ausfall der Operation Sorge machte. Simon wurde dadurch noch aufgeregter, aber er nahm sich zusammen und sagte nur im ruhigsten, bescheidensten Tone: „Entschuldigen Sie, Herr Professor, aber Sie machten da ein Kreuz über Ihr Instrument, werden Sie böse sein, wenn ich frag', warum?" Der Arzt wurde verlegen. Leute seines Schlages tragen ihre Religion nicht zur Schau, am wenigsten Andersgläubigen gegenüber, er erwiderte jedoch freundlich: „Fürchten Sie nichts, es ist nur ein Zeichen, das ich im 9«amen meinem Gottes mache, so oft das Leben eines Menschen in meiner Hand ist." „Ein — ein Zeichen — im Namen Ihres Gottes? .... Herr Professor, möchten Sie mir wohl den Gefallen thun, ein klein bissel mit der Operation zu warten? -Kur ein Angcnblickchen, gleich, gleich bin ich wieder da, Herr- Professor", sagte Simon, und bald darauf konnte man jeden, wie er in seiner Stube unruhig auf- und abging und stark gestieulircnd mit sich selbst sprach. „Was ist denn los?" stieß er hervor, „was willst Du eigentlich? Simon, sei kein Narr, 's ist gar nichts — so ein Nichtiger Mann! Ich Hab' doch ein gut Gewissen Hab' ich nicht das Meinige gethan? Ruhig, ganz ruhig kann ich sein. Ja, er hat das Zeichen gemacht! Was ist ein Zeichen? Ein Zeichen kann man leicht machen, das kost' nichts. Wenn Kranke von Zeichen gesund würden, brauchte man keine Apotheken. Was mach' ich mir für Sorgen! Ein Zeichen schad't doch nicht. Wie ich das so sehen mußte! nein, ich halt's nicht ans, cs macht mich verwirrt, es war, wie wenn noch Einer 'reingetretenwär'. lind wer wäre das? Er sagt sein Gott. Narr, der ich bin! Wenn's ist der richtige Gott, ist es doch mein Gott. — Adonaj Elauheinn, wenn Du cs bist und stehst dabei, wie sie an mein' Gitellcben herumstechen und ziehen und schneiden und Malhamoves steht draußen und Du sagst mit ein' Mal: Warum bezahlt ihr Bruder Simon nicht, was er mir schuldig ist? Schemah Jisrael! Ich halt's nicht aus, ich halt's nicht aus! Was bin ich ihm schuldig? wie viel bin ich ihm schuldig? Dumme Sachen mit dem Legat nach meinem Tod, wenn Er sein Geld haben und Gitcl gesund machen will, muß ich bezahlen bei lebendigem Leibe. Was, wieviel ist's?" Er öffnete eine Schublade, zog Papiere heraus und sing, wenn auch ganz mechanisch, mit großer Umständlichkeit zu rechnen an. Er kannte ja das Facit und brauchte nur eirpen Beschluß zu fassen. Der Arzt, dem Simon's Abwesenheit zu lange währte, öffnete die Thür und sah erstaunt seinen Mann in eine Beschäftigung vertieft, die scheinbar wenig zur Situation paßte. „Entschuldigen Sie", sagte er, „ich kann nicht länger warten, und wenn Sie andere, wichtigere Geschäfte haben." „Wichtigere Geschäfte! Ob es ist ein wichtiges Geschäft! Wichtiger, wie Sie glauben, Herr Professor. Aber jetzt bin ich fertig — ich komm' schon, so, nun ist's geschehen!" Dann ging er an's Krankenbett und sagte: „Gitel, Schwesterleben, jetzt laß' sie nur anfangen in Gott des Allmächtigen Namen. Wenn ich Dir sag' — Du wirst ganz gewiß gesund!" Seite 453 „Wie weißt Du das so bestimmt?" fragte Gitel gedrückt. „Wieso ich weiß? Hör' zu, Gitelchen, leg' Deinen Kops so hieher. Wieso ich weiß?" und flüsternd sagte er ihr in's Ohr: ..Ich Hab' doch Masser bezahlt — Dein Bruder Mortche soll sie haben die 20.000 Thaler und der Erste in der Familie soll er meinetwegen auch bleiben. Dem Allmächtigen Hab' ich meine Schuld bezahlt — noch mehr wie ich ihm schuldig war um Deinetwillen. Nun brauchst Du doch nicht mehr zu zittern, Gitelleben, Gott wird Dir doch beistehen, sürcht Dich mir nicht: Gitelchen, ich sürcht' mich gar nicht." „Simon, Brudcrleben, Gott wird Dir's lohnen." Gitel wurde auch wirklich gesund und Simon Levi fühlte sich, nachdem der drückende Alp von seiner Seele genommen war, glücklicher und freier als je zuvor. Sein im Grunde edles Gemüth drängte ihn zum Wohlthun, wo und wie er nur immer konnte und bald gehörte sein Name zu den geehrtesten i» der Gemeinde. Auch war sein Opfer für Mortche nicht umsonst gebracht, sondern trug reiche Zinsen. Das Geschäft nahm jetzt auf durchaus solider Basis einen neuen Aufschwung, Friedrich vermalte sich mit Nike Jakobson nud als Simon das Paar unter der Ehnppe. Schwefle^- und Bruder und die ganze Familie schön geschmückt und hochbeglückt beisammen sah und daran dachte, daß «das Glück so vieler Bleu scheu von ihm ausgegangen war, machte er die Augen ganz fest zu und sagte leise: „Ich dank' Dir. allmächtiger Gott, daß Du die 2>>.0U) Thaler damals noch von mir angenommen hast und in Zukunft will ich pünktlich und ehrlich zahlen, was ich Dir schulde und noch mehr." Bei Tische wurden Reden gehalten. Zuerst ließ mau das Brautpaar hoch leben, dann die Eltern der Braut, als aber ein Dritter ansstand, um ein „Hoch!" auf die Eltern des Bräutigams auszubringen, ließ ihn Mortche nicht ansreden, sondern sagte: „Halt, mein Bruder Simon geht voran! Warum leugnen, was Jeder weiß? Die ganze Freud' ist doch sein Werk und nech unsere Kindes-Kindeskinder werden fein Andenken segnen. Hoch soll er leben und mit ihm Schwester Gitel, die gute Seel'." Gerührt sahen die beiden Geschwister einander an, ihren Dank aber erstickten Umarmungen und Küsse von Braut uub Bräutigam. Und so gehe es allen guten Menschen, die selbst keine Kinder haben. l Ende.; Citeratur. <Sin Pädagogisch literarisches Jahrbuch Diese bereits im IS. Jahrgänge vorliegende, von Engelbert K c ß l e r sehr umsichtig und tüchtig redigirte Pnbticalion wird sich gewiß wieder zahlreiche neue Leier und Freunde zu den vielen alten hinzu erwerben. Sie ist eine literarisch werthvvtle, von wabrbait menschensreundticher Gesinnung durchwegs erfüllte Sannntliug von Arbeiten in Bers und Prosa ans den besten Federn. Die landesüblichen Anthologien, sie stehen nicht im besten OviOc. Man weis;, wie sie gewacht werden. Mit der langen Papierscheerc und etwas Oummi arabicum. Schauderhaft flüchtig und haarsträubend fehlender- Haft wird oft zu Werke gegangen. Manchmal klebt man den Ans schnitt mit der Unrechten Seite aui, so konnnen dann die guten Sachen in das Buch. Derlei Flick und Stückwerk gehört weit eher indasehrsameEartonnage-Melier als in die 'chöneNteratnr.Hier haben Wien isiO. J,n Selbstverläge.

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