Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 24 (14.6.1895)
- Date
- 1895-06-14
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 24 Dr. Vlvch's die indischen Blätter vor einiger Zeit über die Königin brachten. Es ist unrichtig, daß dieselbe hebräisch verstehe und sogar hebräische Studien treibe; wahr ist nur, das; sie einmal von Professor E o usolc wünschte, ihr die Töne des Scholar mnsit'alisch vorzutragen. Vrrlnischtes. Wien. (Tranerfeier.) Mittwoch, den 5. Juni d. I. zollte der Vorstand der Cultnsgemeiude Wien seinem einstigen, jüngst verblichenen Präsidenten, Herrn Wilhelm Ritter v. G u tmann, durch ein solennes Requiem den Tribut der Hochschätzung und Verehrung. Nur die fünfte Nachmittagsstnnde füllte sich der imposante Tempelraum in der Leopoldstadt, der Trauerschmuck angelegt hatte, mit Andächtigen. Der Obereantor Herr Goldstein mit feinem trefflich geschulten Chore executirte die rituellen Psalmen und Lieder wie immer in^ergreifender Weise. Der greise, gelehrte Rabbiner, Herr Dr. Schmied l, hielt dem Entseelten einen geistsprühenden Nachruf. Kaleidoskopisch malte er in lose zusammenhängenden Miuiaturbildcheu die ausgezeichneten Tugenden und Verdienste des Entschlafenen in lichten Farben aus, die er sämmtlich dem Bibelspruch anpaßte : „Das ''Andenken des Gerechten ist zum Segen." Anwesend rvaren: Frau Jda v. G u t ut a n n, Herr Max Ritter v. G u tnl a n n, Herr Moriz Ritter v. Gut m a n n, der Bicepräsident der Cnltusgemeinde Herr Gustav S i m o n mit dem^Gesammtvorstande, ferner die Herren Hofschauspieler Ritter v. S o n nent h a l, Rabbiner Dr. G e l b h a u s, Dr. Täglich t, Rabbiner Dr. I. W o l s, Emil H o r n e r, S. M e i s e l s, Jolle s, G. B e t t e l h e i m, Obereantor K lat g e r, der Oberbeamte Herr Lazar mit sämmtlichen Herren Beamten, die Vorsteher des Vereines „Allgemeine Nächstenliebe"; Ignaz Kantor, Philipp W e i u e r und Samuel R i e ß n e r. Wien. Montag, den st. Juni fand unter zahlreicher Betheiligung die Beerdigung des Tempclvorstehers Herrn Moises statt. Im Trauerhause hatte sich Oberrabbiner Dr. G ü d em a n u, der Cultusvorstand mit dem Präsidenten Herrn S i m o n, sowie die Tempelvorsteher eingefunden. Wien, 8. Juni. (Selbstmordversuch eines Rabbinats- Candidaten.) Wie die öffentlichen Blätter melden, stürzte sich heute früh der im zweiten Bezirke, Mühlfeldgafse Nr. Ist wohnhafte Rabbinats-Candidat Dr. Salomon Fuchs in selbstmörderischer Absicht von der Ferdinandsbrücke in den Donancanal, wurde jedoch gerettet und in bewußtlosen! Zustande in das Spital der Barmherzigen Brüder getragen. Hier erholte sich nach wenigen Stunden der ans Kojetein zugereiste Mann und schien Rene über seine That zu zeigen. Um die Mittagszeit aber begab er sich auf den 'Anstaudsort, wo er sich durch Erhängen mittelst der Bentilatioskette zu tobten besuchte. Dank der im Spitale herrschenden musterhaften Ueberwachung wurde er indcß bald bcinerkt, und da er 'Anzeichen einer Geistesstörung gezeigt hatte, der psychriatrischen Klinik des Hofrathes Frcihcrrn v. K r a s f t - E b i n g im Allgemeinen Krankenhause cingcliefert. Hier wurde nunmehr constatirt, daß der Unglückliche in der fixen Wahnvorstellung lebe, von den Kojeteiner Ortsinsassen verfolgt zu werden, und deshalb nach Wien kam. Gewiß ist, daß Fuchs den Selbstmordversuch nicht so sehr wegen drückender Noch als vielmehr in Folge der Geistesgestörtheit geplant hatte. Herr Dr. Salomon F u ch s ist ein Mann von hervorragender Gelehrsamkeit, der bedeutende hebräische Werke herausgcgebcn hat. Sein Unglück erregt allgemeine Theilnahme. Ueber Herrn Dr. Salomon F u ch s schreibt sein Bruder an das „Wiener Tagblatt": „Atem Bruder, ein in der semitischen Literatur rühmlichst bekannter Gelehrter, ist Rabbiner in Kojetein und Doctor der Philosophie. In Folge geistiger Uebcranstrengung leidet er seit einiger Zeit an hochgradiger Nervosität und hat sich daher nach Wien zum Zwecke ärztlicher Behandlung begeben. Ta er einen Selbstmordversuch unternahm, und zwar in meiner Wohnung, begab ich mich mit ihm sofort ins Allgemeine Krankenhaus, um ihn dort untcrzubringen. Bon da jedoch an den Polizei-Bezirksarzt gewiesen, suchten wir denselben in der Polizeidirection auf. Mein armer Bruder, der sich seines luomentanen Leidens bewußt ist, bat den Arzt, ihm ein Zeugnis; behufs 'Aufnahme in eine Heilanstalt ansznsertigcn; ich erklärte noch hierbei, alle nothwcndigen Kosten zu tragen, man möge nur meinen Bruder über 'Nacht in Sicherheit Wochenschrift. Seite 451 bringen, damit er nicht einen neuen Selbstmordversuch unternehme. Allein der Polizei-Bezirksarzt erklärte, daß er mil Rücksicht am die Zuständigkeit nach Mähren nichts thnn könne und daß es nicht niöglich sei, alle Selbstmörder vor sich selbst zu schilpen. Meine neuerliche Bitte, meinen Bruder doch zu untersuchen, wurde abgelehnt. So blieb mir denn nicht Anderes übrig, als meinen Bruder mit mir in meine Wohnung zu nehmen, wo es nicht niöglich war, genügende Sicherheitsmaßregeln zu treffen und daher ein neuer Selbstmord versuch geschah. Ich bin entschlossen, diese Angelegenheit der Behörde zur Kenntnis; zu bringen." Wien. (Aus dem Rothschild-Spital.) Statt des kürzlich aus dem Leben geschiedenen Berwalters des Spitales des israelitischen Enltusg.meinde in Währing (Rothschild- Spital), Dr. Bernhard W o l f l e r, wurde der ehemalige imö durch eine Reihe von Jahren im Rothschild-Äpital thütig gewesene Assistenzarzt De. K o h n, der mit den Verhältnissen dieses Krankenhauses bestens vertraut ist und an dem gründliches ärztliches Wissen wie nicht minder ein ausgesprochenes administratives Talent sehr geschätzt werdenmit der provisoi ischen Leitung des Spitales betraut. Ueber die definitive Ernennung hat der Vorstand der Wiener israelitischen EnltuSgemeinde zu entscheiden. Wie«, ll. Juni. Am 8. Juni n. c. veranstaltete der humanitäre Verein „Z n m A r m envate r" zur Bekleidung armer Schulkinder ohne Unterschied der Eonsession in T e nf c l's Erstem Kaffeehaus k. k. Prater ein Vortragsabend utiö Tanzkränzchen, welcher von einein sehr distingnirten Pltblieum besucht war. Wien. Soniltag, den!>. l. M. fand im Tempel, ll., Leopoldsgaffe, die Trauung des Fräulein Lina R e b e u i ci f t mit Herrn Benno Wo ldsarb statt. Als -Hochzeitsgäste wurden u. A. bemerft: flteichsraths- und Laudwgsabgeordneter Eonstautin N o s k^, k. ll. k. Regimentsarzt i. P. Dr. Leisner, Oberlehrer Josef Fried t, Frau Director S i m o n e k. Sonntag, am in. Juni, 12 Uhr Atittags, nuder im istaelikischen Tempel in der Seitenstettengasse, die Trauung von Frt. Netli B r ü h l, Tochter des verstorbenen gelehrten Rabbiners von Frankfurt ü. ')Ju, mit .Herrn Sicgmnnd Patak statt. — Am selben - Tage findet daselbst die Trauung von Fräulein Hedwig S u b a k mit Herrn Hugo O r n st e i u statt. Strakonitz. Se. Excetlenz Feldzeugmeister Baron B e ck hat auf seiner Studienreise durch das westliche Böhmen mit M hochge stellten Officieren auch Strakonitz mit einem dreitägigen Aufenthalte beehrt. Die Bevölkerung hat Alles anrgeboten, um den (kästen das Verweilen in nuferem Städtchen angenehm zu machen. Der Fabri kantenSgattin, Frau Charlotte Stein, wurde die Ehre zu Theil, vom Eher unseres Gencralstabes angesprochen zu werden und dessen Dank für die herzliche Bewirthung entgegenzunehmeu. Auch die Fezfabrik der Firma M athias Z u ck e r n. E o m p. wurde mit einem Besuche b-ehrt. Se. Excetlenz sprach sich sehr lobend über das Gesehene ans. Jüdische akademische Lesehalle. Samstag, am I st. Juni l. I. findet um '/mS Uhr Abends in den Loealitüten der Indischen akademischen Lesehalle, IX., Harmoniegasfe 8, ein Bortrag des Lectors Herrn M. F rieb nt a n n statt. Gäste sind herzlich willkommen. Akademischer Verein „Gamala". Tic Monte fiore-Feier fand Samstag, den 8. d. Abends vor einer zahlreich erschienenenStudeutenschaft und anderen Gästen in Kbuner's Restaurant statt. Tie jüdisch-nationalen Vereine Kadimah, Unitas, Schlesier, Libanonia waren zahlreich vertreten, ebenso hatte der hiesige Montesiore-Berein seinen Vertreter in der Person des Schriftführers Herrn B o n d p entsandt. Von den Gästerl sahen mir: Herrn Univerfitäts-Tocenten Tr. F e i Iboge n, Prediger Tr. Lbw y. Rabbiner Dr. G r ü n, Rabbiner Dr. Bern st e i u, den Herrn Primararzt der Landes- Irrenanstalt in Brünn, Tr. Kornfeld, Schriftsteller Rüben B r a i n i n, Dr. Nathan B i r n b a u m. der Ehacham der türkischen Gemeinde A l k a l e i u. A. ''Nach Abfingung des Bnndesliedes der „Gamala" ergriff der Präses des Vereines, Herr Dr. jur. K o r n das Wort zur Festrede, worin er in schonen Worten die Bedeutung Montefiore's für das Judenthum würdigte. Tie Ausführungen fanden den lebhaftesten Beifall von Seiten der 'Anwesenden. Es erfolgte nun die Abfingnug des Bnndesliedes der „Kadimah". Sodann hielt das Bereinsmitglied Herr -»kuck. mell. Wolf die Tendenzrede.