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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-06-14 · 24 (14.6.1895) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
24 (14.6.1895)
Date
1895-06-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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V M-Z Seite 448 Dr. Bloch's Wochenfchrist. Nr. 24 „Kleine Presse" ihre Rolle spielen. Die Personell, welche die Briese gelesen haben, werden als Zeugen vorgeladeil werden." (Ein Baron Rothschild als Secundararzt.) Man schreibt dem „Medic.-Chirnrg. Centralbl." ans Paris: Es gibt auch reiche Aerzte, wenn auch deren Zahl im Ganzen nicht allzu groß ist. Einer der reichsten unter ihnen feierte in der Vorwoche seine Vermählung und ließ aus diesenr Anlasse 50.000 Francs an Arme und an Wohlthätigkeitsanstalten vcrtheilen. Der Werth der Hochzeitsgeschenke belief sich aus einige Millionen Francs. Und der Secundararzt? Es ist der 23jährige Baron Henri de R ot h s ch i l d, der sich mit einem Fräulein Mathilde v. W e i ß w i l l e r letzthin in Paris vermählte. Seit einem Jahre „Externer" im Hospital Necker bei dem berühmten Chirurgen D i e u l a s o y, wird Dr. Rothschild, wenn er seine Studien beendet hat, die Leitung eines großen Spitales zu Bec-sur-Mer übernehmen, das seine Mutter gestiftet hat und in lvelchem die Kranken unentgeltlich verpflegt und behandelt werden. Der Secundararzt Dr. Rothschild hat die Miseren seiner Spitalscollegen nicht verkostet, er kennt sie kaum vom Hörensagen. Ans dem Spitale entlasseil und — wie Billroth recht unclassisch einmal gesagt hat — „aus die Menschheit losgelassen", lvinkt ihm ein ehrenvoller Posten, auf lvelchem er viel Ersprießliches zu leisten verinag. JQcv Mörder Emin Pascha's.) Man schreibt aus Brüssel, 3. d. M.: Man wird sich erinnern, daß bei dein Feldzuge der congostaatlichen Armee gegen die Araber des Bezirkes der Fälle und Manyemas die Mörder Emin Pas ch a's und deren Helfershelfer in die Hände der Congotruppen gefallen und hingerichtet tvorden sind. Nirr einer tvar entwischt, der Sultan von Kibonge, K i b o n g e selbst, der die Ermordung E m i n 's anbefohlen hatte. Gegen ihn lvar Commandailt L o t h a i r e mit seinen Truppen ausgezogen, um diesen, dem Congostaate und den Europäern gefährlichsten Gegner zu vernichten. Lothaire zog nach dem Jturi, dem oberen Laufe des Aruhumi, vierzehn Tagemärsche vom Albert Eduard-See eutfernt. Er vernahm, daß Kibonge am Jpoto oder am Kibongo-Lunza stark verschanzt sei, und daß ein Weißer, der den Arabern Pulver und Flinten verkauft, dem Kibonge zu Hilfe gekommen sei. Als Lothaire anmarschirte, wollte Kibonge der Uebermacht weichend fliehen, aber einer seiner Häuptlinge Namens A l u t a übte Verrath und lieferte den Sultan Kibonge dem Commandanten Lothaire in die Hände. Wie Lieutenant B r e c x voln Lindeflusse aus unter dem 9. Jänner d. I. eingehend berichtet, setzte Commandant Lothaire sofort ein Kriegsgericht ein. Kibonge, ein stattlicher, etwa 30 Jahre alter, 1-85 Meterlanger Mann mit schönem Kopse, grüßte stolz das Kriegsgericht. Zwei Stunden hindurch untersuchte der Gerichtshof die erfolgte Ermordung E m i n's in allen ihren Einzelheiten. Zuin Schlüsse sprach Kibonge folgende Worte: „Ja! ich bin es, der Emin getödtet hat. Ich erwarte den Tod und ich verfluche meine verrätherischen Häuptlinge!" Das Kriegsgericht verurtheilte den Sultan zum Tode und Kibonge wurde sofort erschossen. Commandant Lothaire hofft auch des Weißen habhaft zu werden und ist aus dem Marsche nach Nahavi, wo er die Leute Emin's zu treffen hofft. Correspondeiyen. Wien. Das Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung hat in seiner Sitzung vom 28. Mai d. I. die Lehrergehalte einer Nenregulirung unterzogen und dieselben wesentlich verbessert. Es wurden unter Anderem namentlich die Quartiergelder von 10 aus 20 Percent des Stammgehaltes erhöht, dagegen die obligat von einem Lehrer zu ertheilenden Unterrichtsstunden von 30 auf 24 wöchentlich reducirt. Mehrleistungen werden besonders honorirt. In dieser Sitzung wurden weiters sämmtliche Vorbereitungen für die zehn mit Beginn des Schuljahres 1895/90 zu eröffnenden Stiftungsschulen in Sadagöra, Zaleszczyki, Zatosce, Ottynia, Obertyn, Pomorzanh, Gologory, Gliniany, Dukla re. getroffen und ferner beschlossen, sechs wettere Knaben, welche die Stiftungsschulen absolvirt haben, in die Gärtnerschule nach Hannover zu entsenden, damit sie künftig als Lehrkräfte für die von der Stiftung in Aussicht genommenen landwirthschastlichen Schulen, welche auf eigens anzukaufenden Grundstücken etablirt werden sollen, verwendet werden. (Ehrenbeleidigungsproces; gegen den Pfarrer Teckert.) Die Hauptverhandlnng vor dem Schwurgerichte Wien über die Ehrenbeleidigungsklage der Herren Bernhard K ö r n e r, Kaufmann, Johann S t r e i h a m m e r, Gemeindevorsteher, und Johann Berger, Oberlehrer, fämmtliche in Eichhorn bei Zistersdorf, gegen den Pfarrer D e ck ert wird erst im September dieses Jahres stattfinden, nachdem die Aufnahme derselben in das Schwurgerichts Repertoire für die früheren Monate unmöglich war. (Eine Schülerin * es Mechanikers Schneider.) Montag Nachmittags wurde in Währing die Bedienerin Albertine H ö fli n g e r, 42 Jahre alt, verwitwet, XVIII., Säulengasse 25 wohnhaft, von einem Sicherheitswachnmnne arrctirt, weil sie bettelnd von Geschäft zu Geschäft ging und dabei erzählte, ihre zwölfjährige Tochter H e r m i n e sei seit Sonntag abgängig und w a h rsch einlich von Juden gesto h l en worden. Sie habe das Blut ihrer Tochter i m F ü r st e n g a r t e n gesehen. Das Polizei-Commissariat Währing hat sofort über den Verbleib der Tochter der H ö f l i n g e r Erhebungen eingelcitet und sestgestellt, daß sich das Mädchen bei der Mutter aufhielt und sich in den letzten Tagen vom Hause gar nicht entfernt h a t. Hermine H ö f l i n g e r wurde auch von den behördlichen Organen im Zimmer frisch und munter angetrofsen. Albertine Höflinge r hatte bei ihrer Anhaltung einen falschen Namen angegeben und wurde wegen Verbreitung falscher beunruhigender Gerüchte und Falschnieldung dem Bezirksgerichte Währung eingeliefert. Der Kaiser in Graz. Anläßlich der Anivesenheit des Kaisers in Graz wurden beim allgemeinen Empfang am 3. Juni auch die Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde vom Monarchen in's Gespräch gezogen und befragte dieser Herrn Dr. M ü h s a m über den israelitischen Tempel. Dr. M ü h s a in erwiderte, daß der Bare desselben nur durch die Lotterie zu Stande gekommen sei, welche der Monarch gnädigst bewilligt habe. Den Vorstand, Herrn Heinrich Pollak, fragte der Kaiser, ivelchen Beruf er ausübe. Herr P o l l a k erwiderte, daß er Weinhändler sei. Darauf fragte der Kaiser: „In steierischem Wein oder auch in anderem?" Herr P o l l a k sagte hieraus, daß auch italienische Weine gekauft werden. Daraus bemerkte der Kaiser, daß Oesterreich wohl stark von italienischen Weinen überschwemmt werde. Am 5. Juni 1895, um 3 Uhr 30 Minuten fuhr Se. Majestät p der n en e n S y n a g o g e auf dem Griesguai, der reich mit Flaggen geziert war. Am Eingänge erwartete der Gesammtvorstand der Cultusgemeinde in tiefster Ehrfurcht Se. Majestät. Der Präsident der Cultusgemeinde Heinrich P o l l a k hielt nit Se. Majestät folgende unterthänigste Ansprache: „Eure Majestät, allergnädigster Kaiser und Herr! Im Namen der allergetreuesten israelitischen Cultusgemeinde von Graz preise ich das Glück und die hohe Auszeichnung, daß Eure Majestät allergnädigst geruhten, unser Gotteshaus in Augenschein zu nehmen. Die Freude, die unser Aller Herz bewegt, wird nur ausgewogen von dem Gefühle der ehrfurchtsvollsten Dankbarkeit für die hohe Gnade, mit welcher Eure Majestät unsere Gemeinde beglücken. Ich stelle die allerunterthänigste Bitte, Eure Majestät geruhen, die Besichtigung unserer Synagoge vornehmen zu wollen." Se. Majestät wurde sodann in den T e m p e l h o f begleitet, woselbst die Schuljugend und weißgekleidete Mädchen Spalier bildeten. Durch die ausgestellten Ehrenpforten, deren erste die Inschrift „Hoch unserem allgeliebten Kaiser" trug, schritt Se. Majestät zu dem Tempeleingange, vor welchem die erwachsenen Mädchen ausgestellt waren. Fräulein Elsa May er hatte die hohe Ehre, Sr. Majestät einen Blumenstrauß zu überreichen. Bei der Ueberreichung sprach die anmuthige junge Dame mit poetischem Schwünge folgende vom Rabbiner Herrn Dr. Mühsam verfaßte Verse: „Die Ehrfurcht hat den Blumenstrauß gewunden — Die Liebe und die Treue ihn gelveiht — Ein dreifach Band die Blüthen fest verbunden: — Verehrung, Dankesschuld, Ergebenheit." Bei dem Eintritte Sr. Majestät in den Tempel stimmte der Chor das „Halleluja" an, und unter Begleitung von acht Herren, welche reichgeschmückte Thorarollen trugen, ging der Rabbiner Dr. M ü hs a m Sr. Majestät entgegen und sprach die vorgeschriebene rituelle Segensformel. Se. Majestät betrat dann den Raum vor der Bundeslade und nahm daselbst auf dem Thronsessel Platz, worauf von dem Obercantor unter Chor- und Orgelbegleitung der

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