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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-06-14 · 24 (14.6.1895) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
24 (14.6.1895)
Date
1895-06-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 24 Or. Bloch's Wochrnfchrrst. Seite 447 Steiner, der sich ebenfalls um das Zustandekommen eines Ausgleichs lebhaft bemühte, fanden nämlich im Bureau des Letzteren Vergleichsverhandlungen statt, an welchen der klügerische Anwalt, Dr. S ch o r n st e i n, sowie der Verhaftete, David M ü n z e r, und dessen Vertheidiger, Dr. Zolles, theilnahmen. Die wesentlichen Bedingungen des abgeschlossenen Ausgleiches waren: eine weitgehende öffentliche Abbitte, Zahlung einer Buße von fl. 600 zu wohlthätigen Zwecken und Ersatz aller Gerichtskosten, die nahezu fl. 4000 erreichen. Nach dem hierauf Dr. Schornstein namens des „Rheinischen Sensenversandthauses" die Anklage zurückgezogen hatte, erfolgte die Enthaftung des David Münzer, welcher folgende Erklärung vor Gericht unterfertigte: E r k l ä r u n g. In den Jahren 1894 bis 1895 hat die Firma M ü n z e r und Co., Seusenhändler in Wien, gegen das Rheinische Senfenverfandthaus A. W ü r t e n b e r g u. C o. in - K ö l n a. Rh. und insbesondere gegen dessen Inhaber Adolf Nt ü nz e r Circularien beleidigenden Inhaltes verbreitet. Die Beleidigten haben gegen die Inhaber der Firma Münzer u. Co., David M ü n z e r und L a z a r M ü n z e r, vor dem k. k. Landesgerichte in Strafsachen zu Wien den Proceß anhängig gemacht. Während des seit einem Jahre anhängigen Protestes hat die Firma Münzer u. C o. für keine ihrer Beschuldigungen irgend einen Nachweis zu liefern vermocht. Die Firma Münzer u. Co. leistet angesichts der vollständigen Grundlosigkeit ihrer Beleidigungen hiemit den Beleidigten öffentlich Abbitte, unter Anerkennung dafür, daß die Beleidigten zufolge dieser Abbitte, und nachdem die Firma M ü n z e r u. C o. für wohlthätige Zwecke einen Betrag von fl. 600, sowie die klägerischen Kosten erlegt hat, von jeder strafrechtlichen Verfolgung abstehen. Oeffentlich verspricht die Firma Münzern. C o., daß sie sich in Hinkunft jedes ähnlichen oder wie immer gearteten Angriffes gegen das Rheinische Senfenverfandthaus A. W ü rt e n b e r g u. C o. oder gegen Adolf M ü n z e r enthalten werde. Wien, am 4. Juni 1895. Münz e r u. Co., ~ Sensenhändler in Wien, I., Rathliausstraße 19. (Ein jüdisches Museum.) Die Gesellschaft für Sammlung ltub Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums veröffentlicht folgenden Ausruf: „Durch die Initiative'von Männern, welche, obwohl verschieden durch Beruf und Stellung, sich in der Liebe zur Kunst und Wissenschaft, sowie in der Pietät für die Vergangenheit des jüdischen Volkes zusammengefunden haben, ist in Wien eine Gesellschaft gegründet worden, welche sich das Ziel gesteckt hat, ein Museum für Kunst- und historische Denkmäler des Judenthums zu schaffen. Es sollen darin die Erzeugnisse der Literatur, Kunst und Wissenschaft, sowie die historischen Denkmäler, welche aus die politische und Culturgeschichte der Inden Bezug haben, gleichviel ob sie von Angehörigen des Judenthums oder denen anderer Völker stammen, gesammelt und aufbewahrt werden. Während in manchen anderen Großstädten, wie London, Paris, Berlin, die öffentlichen Museen auch viele Schätze jüdischer Alterthümer bergen, haben wir in Wien, abgesehen von der kostbaren Sammlung hebräischer Handschriften in der kaiserlichen Hofbibliothek, welche einen alten Ruhmestitel des kaiserlichen Hauses bildet, und der erst jüngst angelegten und rühmlichst bekannten Sammlung „Papyrus Erzherzog Rainer", von werthvolleu Kunst- und historischen Denkmälern, so gut wie gar nichts. Diesem Mangel abzuhelfen hat sich die neugegründete Gesellschaft zur Aufgabe gemacht. Es gibt gewiß im Privatbesitz manche mehr oder minder werthvolle Gegenstände, deren Kunst- und antiquarischer Werth erst in einem Museum durch Zusammenstellung und Vergleichung erkannt und zur Geltung gelangen wird. Die Sammlung und Vergleichung derartiger Objecte soll es dem Forscher ermöglichen, deren Stellung in der Geschichte der Wissenschaft und Kunst 31t bestimmen, und der Blick auf die Ueberreste entschtvundener Jahrhunderte soll den Sinn für die Geschichte des Judenthums wie für die idealen Zwecke desselben wecken. — In der That sind bereits derlei Gegenstände für das zu gründende Museum von verschiedenen Seiten in Aussicht gestellt und ist manches interessante und werthvolle Stück erworben worden. Es ergeht nun die Einladung an alle Freunde und Verehrer der Kunst und Wissenschaft, sowie an Diejenigen, welche Sinn für Alterthümer haben, ihr Interesse an dieser dienen Schöpfung durch Widmung von derartigen Objecten zu bekunden, sowie durch Beitritt als Mitglied das Unternehmen zu unterstützen und dadurch beizutragen, eine Sammelstelle für jüdische Kunst und Alterthümer zu gründen, welche berufen ist, eine empfindliche Lücke in den öffentlichen Wiener Sammlungen auszusüllen und sohin auch Materiale zur Ergänzung der vaterländischen Geschichte zu liefern. Der Vorstand der Wiener israelitischen Cultusgemeinde hat seine Sympathie für die Ziele der Gesellschaft dadurch bekundet, daß er eine namhafte Summe als Gründungsbeitrag gewidmet hat. In Gemäßheit der beifolgenden behördlich genehmigten Statuten wird man durch Widmung von 500 Kronen Stifter und zugleich Mitglied für Lebensdauer. — Der Minimal-Jahresbeitrag für die ordentlichen Mitglieder beträgt 10 Kronen; die Aufnahme erfolgt durch das Curatorium. — Wegen Ertheilung von Auskünften oder Annahme von Beitritserkärungen beliebe man sich an das Präsidium oder an ein Mitglied der Hofrath Gras nach Saybusch begeben. Den communalen Würdenträgern dieses Ortes wird nun hoffentlich der des Curatoriums zu ivenden. Wien, im Mai 1895. Das Curatorium: Der Präsident: Wilhelm S tiaßny, k. k. Baurath; der I. Vicepräsident: Adolf Ritter von Son'nentha l, k. u. k. Hosschauspieler; der 11. Vicepräsident: Dr. "Adam Politzer, k. n. k. Universitäts-Professor; der Cassa-Verwalter: Theodor'Ritter v. G 0 l d s ch m i d t, k. k Baurath; der Schriftführer: Max Fleischer, Architekt; der Cassa Controlor: Sigmund T a u s s i g, k. k. Baurath; Ignaz B r ü l l, Tonkünstler, A. E p st e i n, Privatier, Dr. Kare S. G r ü n h u t, k. k. Hosrath und Universitäts-Professor, Dr. Moriz Güdemann, Oberrabbiner, Dr. David Heinrich M ü l l e r, k. k. Universitäts-Professor, Tr. Adolf Stein, Hof- und Gerichtsadvocat. Attjüdische Grabsteine in Mauer bei Wien. Wir lesen im „Monatsblatt des Wiener Alterthumsvereines" : „Bei der Demolirung der ehemaligen kleineren Kaserne, des alten Schlosses dereinstigenGutsherrschast, eines Baues vom Ende des 1«;. Jahrhunderts, wurden als dort verwendetes Mauermaterial zivei ftagmentirte Grabsteine mit schön eiugemeißelten, hebräischen Inschriften gefunden. Auf Ersuchen des Conservators Dr. I l g entzifferte Herr Universitäts-Professor Dr. David Müller die Texte, aus welchen sich das Vorhandensein jüdischer Einwohner in Mauer im 14. und 15. Jahrhundert ergibt. Die eine Schrift besagt, daß ein Gatte den Verlust seiner Frau, Judith, Tochter des Herrn Chanua, beklagt, welche am zweiten Tage des Monates Jssar des Jahres 162 (seil. 5162) bestattet wurde. In dem anderen stark fragmentirten Epitaphium ist von einem Mädchen, dessen Name mit Schön... anfängt, Tochie des R. Pinchas, die Rede, welches im Jahre 130 (seil. 5120) gestorben war. Ter erstgenannte Stein stammt somit aus dem Jahre 1402, der andere aus 1360 der christlichen Zeitrechnung. Es sind bereits seitens der israelitische» Cultusgemeinde im Vereine mit der k. k. Central-Commission die nöthigen Schritte für die Erhaltung dieser interessanten Jnschriftsteine eingeleitet worden. Zugleich fanden sich noch ein ganz gewöhnlicher, braunglasirter Tops mit Henkel und eine ordinäre Bauernwaffe, die aus einer Sense hergestellt zu sein scheint. (Arische Ehrenmänner.) Der Redacteur eines antisemitischen Blättchens ..Le Commerce“, B r u n, wurde wegen Schwindelei und Fälschung von Unterschriften in Toulouse verhaftet. Die Antisemiten aller Länder sind sich vollkommen gleich. (Wieder Einer.) Das Korneuburger Kreisgericht verfolgt steckbrieflich den 37jährigen Ordenspriester Peter Cizek (?. Bonaventura), zu St. Magdalena in Steiermark geboren, der beschuldigt erscheint, in Asparn a. d. Zaya das Verbrechen der Nothzucht und der Verführung zur Unzucht begangen zu haben. C i z e k, dem der kleine Finger der rechten Hand fehlt, hat sich zu Anfang des Monates Mai in Civilkleidern geflüchtet. Was mag wohl dazu der sittenstrenge Steinwender sagen? Verhüllet Eure Häupter, Ihr Antisemiteu Deutschlands!! Dem „Neuen Wiener Tgbl." wird geschrieben : „Um die Briefe, die der Chef-Redacteur der „Kreuzztg.", Baron H a m m e r st e i n, an Fräulein Flora Gaß (eine jüdische Dame) gerichtet, wieder zu erlangen, reiste er kürzlich nach der Schweiz, wo diese Dame gegenwärtig wohnt. Vom Inhalte der Briese haben außer dem Minister Freiherrn v. Berlepsch auch Freiherr v. Monteussel und ein zweiter conservativer Abgeordneter Kenntniß. Diese Briese Hammerstein's werden im Processe gegen die Frankfurter

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