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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-06-14 · 24 (14.6.1895) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
24 (14.6.1895)
Date
1895-06-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 24 Dr. Blvch's Wochenschrift. Seite 439 Verwahrung einzulegen sich gestattet, von »velcher der äußere Anlaß hiezu ausgegangcn ist. Zur Wahrung der Ehre der ö stcrreichisch en Staatsl> ärger jüdischen Glaubens, sowie der Heiligkeit ihrer Glaubens- und Sittenlehre möge es uns gegönnt sein, dem hohen Hanse gegenüber hiemit zum Ausdrucke zu bringen: Daß das bezeichnete, längst vergessene und nun wieder, gerade vor Beginn der Wahlen s n r den Wiener G e m e i n d e r a 1 h hervorgeholte Pasquill sich als ein Ercerpt aus dem sogenannten „Judenspiegel im Lichte der Wahrheit" darstellt', daß rücksichtlich dieses im Jahre 1884 als „gerichtliches Gutachten" ansgetanchtcn Machwerkes eines Doctor Jacob Ecke r in Münster in dem vor dem Wiener Landesgerichte in der Epoche 1884 bis 1885 durchgesührten bekannten Ehrenbeleidigungsprocesse Professor Rohling-Dr. Bloch als der wahre Verfasser d e s a n g e b l i ch e n „Gutachten s" und nachherigen „Werkes" der im Jahre 1885 vor dem Wiener Landesgerichte wegen Verbrechens des Betruges zu einer mehrmonatlichen Kerkerstrafe und zur Landesverweisung vernrtheilte Aron Briman (vulgo I u st u s) enthüllt worden ist; und daß weiters in demselben Processe Rohling-Bloch die s ä m m tl i ch e u, in dem sogenannten „Gutachten" enthaltenen und aus diesen! in das Flugblatt übernommenen Citate durch die in Eid genommenen Sachverständigen und Berufs gelehrten Universitätsprofessor Dr- Theodor Röldecke in Straßburg, Ehrenmitglied der k. f. Akademie der Wissenschaften in Wien, und Theologie-Professor Dr. August W ü n s ch e in Dresden geprüft und als theils ans Fälschung, theils ans gröblichster Entstellung beruhend gerichtlich nachgewiese», demnach nur fabricirt wurden, um mittelst Irreführung, Lüge und Bethörung den Haß und die Feindseligkeiten gegen das Judenthum und dessen Bekenner anzufachen und zu steigern- In der untrüglichen Erkenntnis;, daß auch die jetzige Wiederansgrablmg und Erneuerung all der in dem Flagblatte gegen das Judenthum gerichteten schweren und empörenden Berleumdnngen gleichfalls keinem anderen Zwecke zu dienen bestimmt ist, als die ohnehin schon verderblich aufgestachelten Leidenschaften des constssionellen und Racenhasses ins Ungemessene zu steigen;, sowie in Anbetracht des durch diesen fanatischen Ausbruch der Unduldsamkeit neuerlich tief verletzten religiösen Gefühles der österreichischen Judenschaft, unterbreitet der ergebenst gefertigte „Politische Bolksvercin" die ehrerbietige Petition: Das hohe Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrathes geruhe, Seine Excel lenz den Her r n I u st i z m i n i st e r a u f z u f o r d e r n, gegen die Beröffentlichnng und Verbreitung dieses wider die jüdische Religionsgesellschast gerichteten verleumderischen Pamphlets die Anwendung der b e st e h e n d e n Gesetze a u z u o r d n e n. Wien, 9. Juni 1895. „P o l i t i s ch e r P o l k s v e r e i n Dr. F i a l a, Dr. <5 k r e i n. Reichsrathsabgeordncter Dr. Bloch begleitete tue Petition mit folgenden Worten: „Hohes Hans: Die überreichte Petition eines 600 Mitglieder zählenden „Politischen Volksvereines" betrifft eine infame, in 100.000Exemplaren r erbreitete Hetzschrift, welche in der Sitzung des hohen Hanfes vom 7. d. M. einer Interpellation an die hohe Regierung beigelegt war, und deren Inhalt unerhörte Anklazen und Verleumdungen gegen die jüdische Religiouslehre und das jüdische Religionsschriftthum bilden. Das Pamphlet ist riu kurzer Auszug ans einer Schrift, deren Verfasser im Jahre 1889 vom Wiener Landesgerichte wegen Betrug, beziehungsweise D 0 cn m ente n füls ch u n g zu einer m e h r m 0 n a t l i ch e n H a f t st r a f e verurt h e i l t worden. Mag nun gerade diese Natur des Pasquills und seine Genesis in den Augen Derer, welche das Z e u g n i ß f ä l s ch e n beruflich und parteimäßig betreiben, ein Vorzug sein, so dürsten die traurigen Resultate solcher Schmähproducte, die Ausschreitungen und Excesse in einzelnen Wiener Bezirken und Vororten den Antrag an das hohe Haus rechtfertigen, die vorliegende Petition dem stenographischen Protokolle vollinhaltlich beizudrucken." Dieser Antrag wurde angenommen. Deckrert's Nussaat. Die Drachensaat des Pfarrers Deckert beginnt auszugehen. Noch harren wir der Wirkungen jener Ermahnung, welche das fürsterzbischöfliche Consistorium über Intervention des Ministerpräsidenten au den Hctzpsarrer von Weinhaus zu richten versprach; aber die Wirkungen jener berüchtigten „Eonfercnzreden", in welcher Herr Deckert von der Kanzel ab und mit der vollen Autorität feines geistlichen Berufes die Blutbeschuldignng gegen die Inden erneuerte, haben sich bereits eingestellt. Ein Wort ist nichts und ist Alles! Der Wind kann es verwehen wie das leichte Samenkorn, das irgendwo ans felsigem Grunde verkümmert; fällt es aber auf fruchtbaren Boden, so keimt es und schlägt Wurzel. In die empfänglichen, von Jrrwabn und Aberglauben erfüllten Gcmüther der Kinder und Weiber von Währing hat Pfarrer Deckert die giftige Lehre vom rituellen Kinder morde bei den Inden gesenkt. Die Kinder und Weiber von Währing sind gruseligen Geschichten überaus zugänglich. Erst am jüngsten Sonntag berichtete die „Deutsche Zeitung", daß in Währing Gespenster umgingen und daß die dortige Be völkernng sich in großer Aufregung befinde, weil in einem genau bezeichnete» Hanse Geister ihr Unwesen trieben. Zwei Nächte hindurch seien in diesem Hause die Geschirre von den Wänden gefallen, die Herdringe cmporgeschlcudert und verbogen worden, und ein geifterhaft.S Lärmen hat die Räume durchtost, während auf der gegenüberliegenden Feuer maner bläuliche Lichtreflexe erschienen. Das genannte Blatt sucht diese „Erscheinungen" auf natürlichem Wege zu erklären, aber die Leute in Währing werden an natürliche Vorgänge nicht glauben. Die Gefpensterfnrcht ist die stetige Begleiterscheinung des religiösen Fanatismus, und der Vorfall zeigt nur, wie aufnahmsfähig die Bevölkerung dort draußen für jede Ausgeburt dieses Fanatismus ist. So ist denn auch das Blutmärchen in Währing wiedererstauden und es ist kein Zufall, daß just die Gemeinde, in welcher Herr Deckert seine Hetzpredigten hält, der Schauplatz eines Straßenexecsses war, welcher — wie die Dinge heute liegen — vielleicht nur das Vorspiel eines neuen mittel alterlichen Judenbrennens und Judenmordeus anzusehen ist. Man zeihe uns nicht der Uebertreibung! Solche geistige Eontagien verbreiten sich mit ungeahnter Schnelligkeit von den untersten Schichten der Gesellschaft bis in die obersten, von den ungebildeten Massen in die gebildeten Elassen. Man weiß, was sich am vorigen Freitag in Währing ereignet hat. Der a m t l i ch e P 0 l i; e i b e r i ch t vom 8. d. M. sagt Folgendes: „Gestern 'Rachmiltags mit halb i Uhr ging der in Galizien ansässige Raitale P e r n e 15 , der gegenwärtig in Wien zu Besuche weilt, zu seinen; 'Ressen, den Branntweinschänker Moriz P e r 1; e tz in der Schumanngasse tu Währing, mit sich von diesem zu verabschieden, da er nach Hanfe reifen wollte. An; den; Wege dahin passirte P e r n e tz . der die Nationaltracht. den Kaftan trug, den Kinderspielplatz auf dem Draschest!de. Da der gestrige 'Rachmittag der Währinger Schuljugend ireigegcben war. wimmelte es in; Parke von Knaben and Mädchen. Als nun P e r n e tz vorüberkau;, wurden die Kinder nur ihn aufmerksam und rolgtcn schreiend u n d h ö h n e n d de 11; a h n n n g s l 0 s e n M a n n e. 'Als P er n e t? zu den Häusern kan;, erregte der sonderbare Aufzug Aussehen, und unter den W e i b e r n, die müßig in den Gassen und vor den Greißlertäden herumstanden, verbreitete sich s 0 f 0 r t d a s n n s i n n i g e G e r ü d) t. d a ß d e r p 0 l n i s di e I n d e die K i n d e r a n s i cli gelockt h a b e, u m sie— z u rituellen Z w e ck e n z u g e b r a u ch e n. P e r n e tz ging ruhig weiter, hinter i h in h er di e '))i e n g e, die s i ch d n r di viele Weiber, LR ä d ch e n u n d B n r s ci, nt, d i e z n r A r b c i t gingen, v e r st ä r k t e. D as Gerächt ging von LR und zu Mund und als P e r n e tz am Ziele angelangt in den Laden seines Renen, des Branntweiners Pernetz in der Sctmmannaasse trat, sammelte sich die Menge vor dem Laden an und schrie, daß Pernetz „bei dem Inden Schutz suche". Einzelne Rangen machten den Äniang, indem sie Steine ge g e n die T b ü r e d e s

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