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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-06-14 · 24 (14.6.1895) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
24 (14.6.1895)
Date
1895-06-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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!WW!^RSK Seite 438 Dr. Dloch's Wochenschrift. Nr. 24 Zudustrieritter gerade hier wegen der Schwierigkeit der Controle besonders breit (so hat kürzlich in Münster ein Privatdocent, leider Priester, welcher gar nichts v o m T a l m u d versteht, sich in einem ähnlichen Processe als Sachverständiger aufgedrängt und dann zur Bestätigung seines Gutachtens von einem bekehrten Juden ein von talmudisch-rabbinischer Gelehrsamkeit überströmendes Buch schreiben lasse n, welches er als sein eigenes Werk veröffentlicht hat, um daraufhin Professor zu werden); ich bin aber in diesen Dingen so altmodisch, mich nur da, wo ich vollständig zu Hause bin, als Autorität auszugeben." Der dies schrieb, ist katholischer Priester, ist einer der gefeiertsten Orientalisten, ja, anerkanntermaßen der hervorragendste katholische Kenner des talmudischen Schriftthums! In seine Unbefangenheit war kein Zweifel zu setzen, denn in demselben Briefe betonte Professor Bickell seine zwanzigjährige Freundschaft mit Rohling! Endlich war es nicht ein Schreiben privaten Charakters, sondern an eine amtliche Stelle, an eine Behörde gerichtet, noch dazu an eine Gerichtsinstanz! - Die Glaubwürdigkeit Bickel l's anzuzweifeln, darf Ecker umsoweniger wagen, als er auf der Titelrückseite der ersten Auflage seines Buches schreibt in der Selbstanzeige einer anderen Schrift: „Herr Professor. Dr. Gustav Bickell in Innsbruck ist ihm (Ecker) sicher sympathischer als die Juden und v o r der Gesinnung und der Gelehrsamkeit desselben zeigt er die größte Hochachtung." Und ein Mann von solcher Gesinnung, vor der auch Ecker die „größte Hochachtung" hat, ein Mann von der wissenschaftlichen Bedeutung, der hart erprobten Ueberzeugungstreue (Kundige verstehen uns) und fast sprichi wörtlichen Friedensliebe eines Bickell hätte leichtfertig, ohne die allergewichtigsten Gründe eine so schwere Anschuldigung gegen einen Berufsgenossen, euren Priester-Eollegen und noch dazu — was wir immer wieder betonen — in einem Schreiben an amtliche, an Gerichtsstelle sicherlich nicht erhoben! Am 18. August 1892 erschienen in der Berliner „Jüdischen Presse" Nr. 33 aus zwei Briefen Bickelbs an einen Berliner Gelehrten (vom 1. und 25. Mürz 1885) folgende Sätze mitgetheilt: „Daran, daß Ecker den Judenspiegel unter seinem Namen neu herausgibt, ist nur die kolossale Waghalsigkeit bewunderungswürdig. Denn ftemdes Eigenthnnr ist seine „Beleuchtung" ganz ebenso gut. Dieser Mensch versteht, wie ich genau weiß, auch nicht das M i n d e st e von talmudisch-rabbi nischen Ding en. Als Justus in Münster war, wollte er einmal bei diesem Talmud l e s e n lernen, gab aber den Versuch schon nach wenigen Minuten als undurchführbar Wiederaus, da er verzweifelte, jemals in die Geheimnisse der talmudischen Sprache und Dialektik eindringcn zu können." . . . „Ecker versteht gar nichts von talmudischer Gelehrsamkeit und hat sich das Buch einfach machen lasse n." In den „Acten und Gutachten" findet man ferner, daß Professor Bickell in Innsbruck in einer Unterredung mit dem Wiener Advocaten Dr. E l b o g e n im Beisein eines Herrn Ernst Schmidt zeigte, daß er ans seinem Exemplar des „Judenspiegel im Lichte der Wahrheit" den Namen des als Verfasser genannten Ecker ausgestrichen und an dessen Stelle Brimanus gesetzt habe, und dann hinzfügte: „Denken Sie, wenn die Inden wüßten, daß Ecker undRohling kein Wort vom Talmud verstehen!" Ferner eine vom 12. März 1883 datirte Zuschrift Rohlings an B r i m a n n, welche lautet: Prag, 12. Mürz 1884. Sr. Wohlgeboren Herrn Dr. August B r i m a u n, Kreuzstraße 4 in Münster, Westphalen. Carissime! Ich habe die beiden letzten werthen Schreiben erhalten, war aber kürzlich recht leidend und kam daher nicht zum Schreiben. Da Sie schon am 15. nach D. machen, was sehr gut ist, so will ich dorthin ausführlich schreiben, sobald Sie angelangt sein werden und Ihre Adresse in meinen Händen sein wird. Enthält Dr. E.'s „Beleuchtung des 8pe6,i1n:n" auch die Stelle aus halquthimV Es wäre das sehr gut, natürlich wenn er in 86N8u no8tro spricht (was wohl der Fall sein wird). Si e haben wohl zu diese r „B eleuchtung" mitgewirkt! G u t, r echt g u t. Näheres später re. Herzlichen Gruß. A. Ng. „Sie haben wohl an dieser „Beleuchtung" mitgewirkt! Gut, recht gut." Wie vor dem Wiener Landgericht festgestellt wurde, bezog Brimann von dem „Bonifacius-Verein" in Paderborn ein Jahrgehalt von 3000 Mark, von Rohling ein monatliches Honorar von 100 Gulden — also es wurden ihm die Fälschungen Stück für Stück bezahlt. Interessant ist, daß Rohling in Nr. 38, Seite 3, der Wiener „Tribüne" vom 0. Februar 1883 erklärt: „Dr. Justus selbst ist nicht mit mir identisch, aber seine Sache ist meine Sache," dann in demselben Blatte Nr. 83 vom 25. Mürz 1883 : „Pro s. R o h l i n g ft e T) t für d i e Ehrlichkeit des D r. Justus mit seiner Person ei n", und endlich in dem Buche „Prof. Dr. Rohling's, die Judenfrage und die öffentliche Meinung", das er unter dem Pseudonym Abbö Clemens Victor im Jahre 1887 herausgab *) S. 10: „Brimann . . ist ein überaus ehrenhafter charakterfester Mann, der sich eines ehrenhaften Wandels befleißigt, und eines j e d e n Vertrauens vollkommen würdig! Die „Reichspost" erklärt: „Professor Dr. Jakob Ecker, früher Professor in Münster jetzt Seminar-Professor in Trier, ist ein hoch angesehener Geistlicher." Nim in Münster war er blos Privatdocent und als man dort diesen Biedermau zur Professur vorschlug, hat die königliche preußische Regierung, nach Berathung mit Fachmännern den Antrag zurückgewiesen, gerade wegen der unsauberen Geschichte mit dem berüchtigten „Gutachten". Der Bischof von Trier dagegen, ernannte ihn zum Professor an dem bischöflichen Seminar, welches nicht unmittelbar der Regierung untersteht. Nachstehend lassen wir den Wortlaut der Petition des „Politischen Volksvereines" und der kurzen Rede Dr. Blo ch's folgen : H oh es ' Abgeord netenh aus! Angesichts der gerechten Erregung und Entrüstung, welche sich durch die in der Nummer 2308 des „Deutschen Volksblatt" erfolgte Pnblication des von den Herren Abgeordneten Schneider und Genossen ihrer Interpellation vom 7. d. M. beigelegtcn, aus dein Februar 1893 stammenden Leipziger Flugblattes: ..Die W a h r h eit über das Indent hu m" der österreichischen Judenschast bemächtigte, glaubt das Präsidium des ergebenst gefertigten „P o l i t i s ch e n V o l k s v c r c i n c s", welcher der Förderung der geistigen und socialen Interessen seiner jüdischen Mitglieder gewidmet ist, eine unabweisliche Pflicht erfüllen zu müffcit, wenn er gegen diese feindselige Veröffentlichung hicmit an jener feierlichen Stelle *) Rohling bestreitet zwar die Identität, hat dieselbe aber, was wir vor jedem Forum zu erweisen bereit sind, in Professoren kreisen offen zugegeben, ja sogar mit der Autorschaft geprahlt. Diese Thatsache ist darum nicht ohne Pikanterie, weil Rohling während des Buschhoff-Processes in dem famosen Telegramm an den Antisemitenverein in Crcfeld behauptete: „Kopp ist durch Clemens Victor widerlegt." Hinzugefügt sei. datz Rohling in einer Recension des I u st u s'schen „Indenspiegcl" (Nr. 55 der „Tribüne" vom 24. Februar 1883) schreibt: „Es gibt keinen Hebraisten auf der Welt, dem I u st u s nicht gewachsen wäre: ja schwerlich gibt es einen, der ihm gewachsen wäre; ich sage dies ans bester Erfahrung, weil ich . . . die persönlichen Verhältnisse des Autors kenne."

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