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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-06-14 · 24 (14.6.1895) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
24 (14.6.1895)
Date
1895-06-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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.24. Dr. Blocht Jahrgang XII. Centralvrgan für die gesammten Interessen des Indenthums. 0.^==- A. k. PoflfpklrrnNen-Amt l ClearingveiKrhr > Nr. 610.076. Redaclivu und Ndministralion: Wien II. Untere Angartrnstrahe 1 u. lelepkon ^tr. 6535. j --- Wien, 14. Juni 1895. «_^gcbq^g»_> Erscheint jeden Freitag. Wan abvnniri bei allen Pvstanstalten des In- und Auslandes. -- ■ -- ■ ■■-[gj Vexugspreis für Oesterreich:! Halbjätirig l sl. — 8 Kr.! EiilZt'leLeinpIare 25, kr. Mr« Ausland: Halbjährig 5> sl. — >0 Kr. (jlaiizjälirig l0 „ — 2» „ Anzeigen: Diesmal gespaltene Petitzeile 12 kr. Inhalt: — Leitartikel: Die Eckeriade im österreichischen Abgeordnetenhaus,:. — Deckert's Aussaat. — Ein judenreiner Krach. — Zur Reichsrathswahl im Städtebezirk Olmüo-Proßnitz. — Ahasver in seiner wahren Gestalt. — Obdachlose Ferien-Eolonisten. — Trauerfeier für kaiserl. Rath Dr. Bernhard Wötsler. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Aufruf! — Die antisemitischen Patrioten in Graz. — Etwas für den Staatsanwalt. — Deutscher Schulverein. — Der Eigenthniner des antisemitischen „Kikeriki" wegen Dienstmädchenmißhandlung angeklagt. — Enthaftung des „Antisemiten Honoris causa“ David Münzer aus Drobobvcz. — Ein jüdisches Museuln. — Altjüdische Grabsteine in Blauer bei Wien. — Arische Ehrenmänner. — Wieder Einer. — Verhütet Eure Häupter, Ihr Antisemiten Deutschlands. — Ein Baron Rothschild als Secundarar.rt. — Der Mörder Emin Vascha's. — C o r r e s p on d enz en: Wien,Graz,Tarnow, Grulich, Neutitschein, Berlin, Magdeburg, Hünfeld, Grodno, Rom. —Vermischtes: Wien, M.-Kromau. Strakonil;, Jägerndorf, Prag, Prerau, Kanitz, Staremiasto, Lodz. — Feuilleton: Masser. — Literatur. — B r i e f k a st e n. — Inserat e. Die Eckeriade int österreichischen Ndgeordnetrnhaufe. Uilsere Leser kennen bereits aus den Berichten der Tagesblätter die neueste Perfidie des Zeugniß- und Stampiglicnsälschers Ernst Schneider. Im Wege einer Interpellation sollten die Lügen und Verleumdungen, welche vor Jahren der Zuchthaussträfling Justus Brimanus mit Rohling gegen die Juden in die Welt gesetzt hatte und welche jetzt in einem „Flugblatt" wieder aufgewärmt wurden, in das stenographische Protokoll des österreichischen Abgeordnetenhauses eingeschmuggelt und so, mit der Autorität einer parlamentarischen Manifestation umkleidet, der strafgesetz-. liehen Verfolgung entzogen werden. Die Beschuldigungen, für welche R o h li n g'seine Meineide schwur und für welche Schneider seine Geschäftsreisen nach allen Richtungen der Windrose unternimmt, sollten immunisirt werden, aus-den Hallen der österreichischen Volksvertretung hinaus sollte der Feuerbrand des Judenhasses neuerdings mächtig angefacht werden. Der Stampiglienfälscher hat seinen eigentlichen Zweck nicht erreicht, der Abdruck jenes „Flugblattes" im stenographischen Protokoll ist verhindert worden. Die Interpellation selbst mußte freilich Aufnahme finden, und auch damit wäre der Judenhetze ein nicht ungefährliches Agitationsmittel für die urtheilslose Menge in die Hand gegeben, wenn nicht der Abgeordnete Dr. Bloch im Namen und Aufträge des hiesigen „Politischen Volksvereines" mit der in diesem Falle gebotenen Raschheit und Energie dem versuchten Frevel entgegengetreten wäre. Die Interpellation des Stampiglienfälschers war am Schlüsse der Samstagsitzung eingebracht worden, und schon am Beginne der nächsten Sitzung überreicht der Abgeordnete Dr. Bloch eine Petition des „Politischen Volksvereines", in welcher die Verleumdungen jenes „Flugblattes" scharf widerlegt, seine Verfasser als Lügner und Fälscher gebrandmarkt und das Parlament angegangen wurde, den Justizminister zur Anwendung der vollen Strenge des Gesetzes gegen die Verbreiter jenes Pamphletes aufzufordern. Wir geben den vollen Wortlaut dieser Petition, die als eine wackere und überaus wirkungsvolle That des „Politischen Volksvereines" bezeichnet werden muß, weiter unten -wieder. Ihre Bedeutung wird ganz außerordentlich gesteigert durch die Thatsache, daß es dem Abgeordneten Dr. Bloch gelungen ist, die Einverleibung der Petition in das stenographische Protokoll durchzusetzen. Damit ist. der Lüge die Maske vom Antlitz gerissen, damit ist einmal in einem amtlichen parlamentarischen Berichte die Wahrheit über jene Schurken gesagt, welche seit Jahrzehnten mit allen verbrecherischen Mitteln beflissen sind, die Juden der Mordgier des fanatisirten Pöbels zu überantworten. Die wenigen Worte, welche der Abgeordnete Dr. Bloch bei Ueberreichung der Petition zur Begründung des Antrages auf deren Anschluß an das stenographische Protokoll sprach, enthalten eine Brandmarkung S chn e id er's und seiner Genossen, die nicht mehr weggewischt werden kann. Als vor Jahren der Abgeordnete Dr. Bloch dem Stampiglienfälscher die Worte zurief: „Sie gehören in's Zuchthaus", da fand dieser Zwischenruf im stenographischen Protokolle keine Aufnahme. Seit der Sitzung vom letzten Montag aber wird man sich jederzeit auf das Stigma berufen können, welches das stenographische Protokoll diesem Menschen aufdrückt. Die Interpellation verweist auf die Thatsache, daß das Flugblatt „dem gerichtlichen Gutachten Jacob Ecker's entnommen wurde". Zur Genesis dieses berüchtigten „Gutachtens" mögen nachstehende Taten in Erinnerung der Zeitgenossen aufgefrischt werden. In einem Processe gegen den „Westphülischen Mercur", welcher am ir>. Jänner 188:5 einen Auszug ans dem „Judenspiegel" von Tr. Justus publieirte, hat die geklagte Partei Herrn Dr. Ecker als Sachverständigen vorgeschlagen und er wurde am 10. Deeember 188:5 auch einvernommen. Herr Tr. Ecker publieirte sein damaliges Gutachten unter dem Titel „Ter Judenspiegel im Lichte der Wahrheit." (Erste Auslage, Mürz 1884.) Beim Wiener Landesgerichte erliegt nun ein Schreiben von dem katholischen Theologen Professor Bickel an das Gericht, in dem es heißt: . „Hauptsächlich möchte ich betonen, daß ich mich zwar mehr, als christliche Orientalisten gewöhnlich zu thun pflegen, mit talmudisch-rabbinischen Studien beschäftigt habe, aber doch auf diesem Gebiete nur als Schüler und Anfänger, nicht als Autorität aufzntreten mich getraue. Zwar macht sich heutzutage der Schwindel gelehrter

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