Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 23 (7.6.1895)
- Date
- 1895-06-07
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 432 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 23 H a n d l u n g s - A n g e st c 11t c r", welcher mit Erfolg auch in dm Provinzen den Racenkampf culüvirt, als auch bei den „judenreincn" Turnvereinen, gibt es zahlreiche Angestellte jüdischer Firmen; ist ja doch auch der Obmann des genannten Vereines, der Adjutant, der Lichtcnstein, Pattai, Lueger u. s. f. bei einem Juden in Condition! Gibt es nicht genug anständige jüdische Angestellte aller Branchen, ist es nöthig, sich Leute im Hause zu halten, die nichts Anderes sind als bezahlte Feinde? — Selbstachtung und eigenes Interesse verlangen gebieterisch, daß man mit derartigen Leuten rasch rücksichtslos tabula rasa mache, ein derartiges Vorgehen wird zweifellos von guter Wirkung auch aus jene Angestellten sein, welche cs wohl nicht wagen, sich offen einem judenfeindlichen Vereine abzuschließen, die aber mit den Antisemiten sympathisiren. — Daß die Zahl derselben nicht gering ist, werden Ihnen viele Leser Ihres geschätzten Blattes, welche Angestellte sind, bestätigen können. Ich sage Ihnen für die gefällige Ausnahme dieser Zeilen besten Dank und zeichne Hochachtungsvoll Ein jüdischer A n g e ft c l l t c r.*) Berlin, 28. Mai. Im Militär- und Sanitätsvercin Deutsches Vaterland hat am 22. d. M. Herr Dr. med. Moses einen Vortrag über den „Antheil der Juden an den Befreiungskriege n" gehalten. Der Redner ging zunächst auf den von antisemitischer Seite den Juden gemachten Vorwurf der Vaterlandslosigkeit ein und beleuchtete unter Anführung von Thatsachcn dessen Haltlosigkeit. Jüdische Jünglinge tratm 1813 als Freiwillige in's preußische Kriegshecr, jüdische Aerzte und Wundärzte waren bei der Behandlung der Verwundeten thätig, jüdische Frauen und Mädchen scheutm weder Anstrengung noch Rücksicht; in dieser Zeit der Noth fragte man nicht nach Glaube und Abstammung. Die jüdischen Soldaten zogen ins Feld, gemeinschaftlich mit ihren christlichen Mitbürgern erduldeten sie dieselben Strapazen, schlugen dieselben Schlachten und kehrten in ihre Heimat zurück mit denselben Ehren, demselbm Ruhm und denselben Kriegsthaten wie ihre christlichen Kameraden. Auch amtlich wurde das lobenswerthe Verhalten der Juden im Kriege anerkannt. Etwa fünfhundert Juden nahmen als Freiwillige am Kriege Theil. Unter diesen fünfhundert besindet sich eine ganze Anzahl — aus Berlin allein sechs Officiere — die mit dem eisernen Kreuz decorirt wurden, eine fernere Anzahl wurde zu Officieren befördert. Der eine von ihnen war der Lehrer an der Kriegsschule Major Burg. Das den Juden von amtlicher Seite so vielfach gespendete Lob mußte selbstverständlich zu einer erhöhten Begeisterung anspornen, und so sehen wir denn auch, daß ca. 4000 Juden in den Feldzügen 1864, 1866, 187Q/71 für das Vaterland gekämpft haben- Dr. Moses schloß mit den Worten, daß der Jude, auch lueira ihm von gegnerischer Seite noch so sehr der Vorwurf der Vaterlandslosigkeit gemacht wurde, dennoch stets voll Vaterlandsliebe sei. In der sich daran anknüpfenden Debatte wurde unter allseitiger Zustimmung auf Anregung des Vortragenden beschlossen, so weit es Jeder vermag, Material über das hochinteressante Capitel aus der preußischen Geschichte in den Heimatsortm zu sammeln und dasselbe dem Dr. med. Moses, Greifswalderstraße 217, behufs gründlicher Bearbeitung zu übermitteln. Petersburg, 1. Juni. Wie die „Nowofti" mittheilen, wurden durch einen UkasdesCzarendie Rechte der jüdischen Bevölkerung in Finland wesentlich erlveitert und die Juden den übrigen Ausländern gleichg estell t. Es wurden auch Mischehen zwischen Juden und chrWichen Angehörigen solcher Staaten, in denen die Mischehe rechtlich besteht, gestattet. London. Zwei Hörer des Montefiore College in Ramsgate, die Herren W. H. G r e e n b u r g aus London und H. B a r n st e i n aus Dover sind auf Grund ihrer Studien der semitischen Sprachen in genannter Anstalt von der Universität Heidelberg zu Doctoren der Philosophie promovirt worden. Von den eingereichten Dissertationen handelt die des Dr. Greenburg. „The Text and Arabie Commentary of the Haggadah according to the rite of Yemen“, die des Dr. Barnstein über „The Targum of Pukelos'according to the receiision of the Manuscripts of Yemen and in relation to the Western recensions“. Es ist wohl das erste Mal, daß Studenten, die ausschließlich an einer jüdischen Anstalt studirt hatten, von enter deutschen *) Der Name des Einsenders ist der Redaction bekannt. Universität zu einem regelrechten Doctorexamen zugelassen worden sind. Wer mit dem höheren jüdischen Erziehungswesen hier vertraut ist, wird leicht einsehen, daß dies Ereigniß eine neue Aera für die englische Judenheit bedeutet. Wir gratuliren der Anstalt, die in letzter Zeit viele ebenso ungerechte als gehässige Angriffe erfahren hat, aufrichtig zu dem schönen Erfolge. Vermischtes. Wien. Sonntag, den 9. Juni, halb 3 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung von Fräulein Litt F r ö h l i ch, Tochter des Herrn Karl F r ö h l i ch, mit Herrn Ödön N e m e n h i aus Budapest statt. Geburtstagsfeier. Unser Glaubensgenosse Herr Johann Bodascher feiert am Sonntag, den 9. d. M. in vollster Rüstigkeit im Kreise seiner Angehörigen seinen 70. Geburtstag. (Ferienheim.) Bei der überaus großen Anzahl der sich meldenden Schulkinder reichen die Räumlichkeiten unserer bestehenden Feriencolonien für deren Unterbringung nicht mehr aus, so daß der Verein genöthigt ist, neue Colonien für diesen Zweck in's Leben zu rufen. Der Vorstand wünscht demzufolge 40 bis 50 Kinder unter Aufsicht eines mitkommendeu Lehrers in gesunde Landgegend in Kost und ganze Verpflegung zu entsenden. Bedingung: Waldige Gegend, directe Bahnverbindung, Fahrtdauer höchstens 2 bis 3 Stunden. Genaue Offerten sind zu richten an den Verein „Ferienheim", Wien, 1., Schottenring 23. Groß-Enzersdorf. (Todesfall.) Der Vicepräsident der Floridsdorfer israelitischen Cultusgcmeinde, HcrrMoriz Mandl in Groß-Enzersdorf, hat einen überaus schmerzlichen Verlust erlitten. Am 24. Mai verschied plötzlich dessen Gattin, Frau Josephine M a n d l, eine durch Herzensgüte und Liebenswürdigkeit ausgezeichnete Frau, welche sich allseits der größten Werthschätzung erfreute. Bodenbach a. d. E., 4. Juni. Am 2. Juni 1895 hat sich Fräulein Gisela Pächter, Tochter des Fabriksbesitzcrs und Cultusvorstehers, Herrn Adolf Pächter in Bodenbach, mit Herrn Rudolf M o f a u e r, Chef der Firma A. M o s a u e r's Söhne in Karlsbad, verlobt. Orlau, Schlesien. (Trauergottesdienst.) Im hiesigen israelitischen Bethause fand unter zahlreicher Betheiligung der Glaubensgenossen am 25. Mai l. I., um 10 Uhr Vormittags, für den verstorbenen Gewerken Wilhelm Ritter von Gntmann über Anregung des Herrn Marcus Stern ein Trauergottesdienst statt. Proßnitz, 31. Mai 1895. Des allzuftühen Hinscheideus des berühmten Philantropen Wilhelm Ritter von G u t m a u n wurde auch in unserer Gemeinde höchst ehrenhaft gedacht. Bei der gestrigen Seclenfeicr widmete unser verehrter Herr Rabbiner Dr. Hoff den zweiten Theil seiner Festrede dem edlen Wirken des Verklärten. In seiner bekannten Beredsamkeit beleuchtete Herr Dr. Hoff das geistreiche Wort, welches Wilhelm Ritter von G u t m a n n gleichsam zu seinem Wahlspruche machte: „Der Besitz beglückt nicht, es beglückt nur das Bewußtsein, helfen zu können." Sniatyn, 31. Mai. Am 27. d. M. veranstaltete die hiesige Volksschule der Baron Hirsch-Stiftung einen Maiausflug. Ein Comite, bestehend aus Mitgliedern des localen Schulaufsichtsorganes des Vereines „Kinderfreund" und des Lehrkörpers, brachte dieses schöne Fest zu Stande. Unser christlicher Mitbürger Herr Trichtel stellte seinen am Bräuhause gelegenen, überaus schönen Garten mit weiten Rasenplätzen zur Verfügung. Vor dem Abmarsche aus dem Schulgebäude wurden 50 Paar Hosen (25 von; Vereine „Kinderfteund" und 25 Paar von Herrn I. Schärf gespendet) an die ärmsten Schüler vertheilt. — Die vielen Gäste, damnter Herr und Frau Trichtel, Herr und Frau Dr. Trelowski, einige Herren Lehrer der hiesigen Volksschule u. A. m. hatten ein wahres Vergnügen an den heiteren Spielen der Schuljugend, welche, vom Festcomite mit reichlicher Mahlzeit und passenden Prämien beschenkt, in fröhlicher Stimmung unter den Klängen der Musik die Ausflugsstätte verließ. Es'ist bezeichnend, daß die Schüler nach kaum zweijährigem Schulbesuche sich schon so ziemlich in der polnischen Sprache verständigen.