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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-06-07 · 23 (7.6.1895) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
23 (7.6.1895)
Date
1895-06-07
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 23 Dr. Blvch's Wvchenschrist. Seite 431 zu provociren." Fräulein S ch r e i b e r als Zeugin bestätigte den Sachverhalt conform der Anklage. Das Parere eonstatirte eine leichte Verletzung durch einen Stockhieb bei Tr. Kraus. Der Richter erkannte beide Angeklagte schuldig und vernrtheiltc Kern zu achtundvierzig Stunden Arrests, Tr. Kraus zu 20 Gulden Geldstrafe. CorrespoudeilM. Wien. Wir erhalten folgende Zuschrift: Der Uebertritt eines Dr. B l o ch in Tulln zum Christenthum, der Vorstandsmitglied der betreffenden Gemeinde war, ist in einer Ihrer letzten Nummern besprochen. Der Einsender spricht davon, daß B l o ch, der seinen Kindern christlichen Religionsunterricht habe geben lassen, sich in die jüdischen Aemter gedrängt habe. Meiner Meinung nach verdient eine solche jüdische Gemeinde ebensoviel Tadel wie Herr Dr. B l o ch. Wenn sie gute Inden wählen statt Honoratioren, so kann das nicht passiren. Wien (Antisemitischer Ranfexcesr.) Wir haben im heurigen Frühjahre unseren Lesern von einem antisemitischen Rauft erceß Mittheilnng gemacht, welcher sich in Maria-Enzersdorf, im Gasthause des Ignaz Kästner, in Folge eines beim Kartenspiele entstandenen Streites abspielte. Hiebei wnrde der Agent Joses B o s ch wegen seiner Eigenschaft als „Judenknecht" von dein Fuhrwerksbesitzer und antiseulitischen Rädelsführer Franz M o s e r, dem Reffen des Bürgermeisters von MGria-Euzersdorß schwer verl e tz t, indem ihm das "Nasenbein gebrochen wurde, lieber die von dem Vertreter des Josef B o s ch, dem Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Ludwig G r a n n, erstattete Strafanzeige wurde bei der hierüber vor dem Erkenntnißgerichte unter dem Vorsitze des Landesgerichtsrathes Dr- Granichstättcn angeordneten Hauptverhandlung Franz Rc o s e r in Gemäßheit der Anzeige wegen des Verbrechens der schweren körperlichen Beschädigung zu einem Monat Kerker, v e r s ch ä r f t d n r ch eine n F a st t a g, verurtheilt. Wie»». Am 6. Mai 1805 hat die VI. ordentliche Generalversammlung des Vereines zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender unter dem Vorsitze des Herrn k. k. Banrathes und Stadtrathcs Wilhelm S t i a ß n y stattgeiunden, in welcher die ansscheidcnden Vorstandsmitglieder, Herren D. B l o ch, Kanft maun, Acax Fleisch e r, Architekt und Vorstandsmitglied der israelitischer Cultnsgemcindc, Salomon K o h n b e r g e r, Fabriksbesitzer icnd Bethausvorstand der israelitischen Cnltnsgcmeinde, Dr. Arthur K n r a n d a, Hof- und Gcrichtsadvocat, Bicepräses der „Israelitischen Allianz" und Karl T a g l e i ch t, Gemeinderath der Stadt Wien, einstimmig und mit Llcclamation wiedergewählt wurden. Am Ende des Berwaltungsjahrcs 1SVM zählte der Verein 16 Stifter mit einem Gesammt-Stistungsbetrage von fl. 2100.— und 28l Mitglieder mit einem Gesammt-Jahresbeitrag von fl. 1058.— Im Vcreinsjahre 1804 wurden 101 Gesuche um Darlehen überreicht und beträgt die Summe der in diesenr Jahre bewilligten Darlehen st. 4280.—. Seit Bestand des Vereines wurden im Ganzen 21«! Darlehen mit dem Gesammtbetrage von fl. 20.072.— bewilligt, von welchen insgesammt st. 10.842.— rückgczahlt wurden. Der Vorsitzende, Herr Baurath Skia ß n y, nahm Veranlassung, dem Danke des Vereines an den V o r st and d e r i s r a e l i t i s ch er Cult n sg e m e i u d e, sowie an die Redaction der „D e st e r r e i ch i s ch e n W o ch e n s ch r i f t" in beredten Worten Ausdruck zu verleihen. Zum Schlüsse wendet sich der der Verein an alle menschenfreundlichen Glaubensgenossen mit der dringenden Bitte, ihm durch Spenden und Jahresbeiträge die Ausbreitung seiner gemeinnützigen Thätigkeit zu ermöglichen. Wien. (Jsraelitsches Blindeninstitnt.) Der Jahresbericht pro 1804 enthält folgende Taten: Die Anzahl der ordentlichen Zöglinge, welche inl Jahre 1804 im Institute Erziehung und Unterricht genossen, war 44, n. zw. 20 männliche und 15 weibliche. Von diesen traten im Laufe des Jahres 1804 nach vollendeter Bildungszeit 4 Zöglinge ans der Anstalt, dagegen fanden 4 Zöglinge Aufnahme, so daß mit Schluß des Jahres 1804 der Stand der Zöglinge 45 beträgt. Von den Zöglingen sind 7 aus Wien, 2 aus Böhmen, 8 aus Mähren, 1 aus Schlesien, 4 ans Ungarn, 18 aus Galizien, 1 ans der Bukowina, 2 aus Rninänien, 1 ans Frankreich, 4 aus Aegypten, 1 aus Jerusalem. Die Sparkörbchen-Sammlungen im Jahre 1804/04 betreffend, so hat sich die Wohlthäligkeit der glücklichen sehenden Kinder für ihre blinden Altersgenossen durch ihren Sammeleifer neuerdings erwiesen, so daß dieselben in diesem Jahre die Summe von st. 00i!2'58 ergaben. Dem am 12. März dahin geschiedenen geistigen Schöpfer und ersten Präsidenten des Institutes, Herrn Dr. Ludwig August Frankl von Hoch wart, widmet der Jahresbericht tief empfundene Worte des Dankes. Wien. (Indisch-akademische Lesehalle.) Samstag, den 25. Mai fand der zweite Vortragsabend statt, an welchem Herr Univ.-Doc. Dr. S. F e i l b o g e u über das Thema: „Die akademische Jugend und die sociale Frage" sprach. Er nannte einleitend eine Anzahl von Büchern, aus denen sich Anfänger im Lauft eines Jahres eine allgemeine Vorstellung über das Wesen der socialen Frage erwerben könnten und empfahl hierauf für das Studium der grundlegenden Werke der Rationalökonomie eine bestimmte Reihenfolge dieser Werke. Im Lauft des Vortrages betonte er, daß die führenden Geister des Socialismus und des Antisocialismus Juden gewesen seien. Er empftchl den Studenten, sich in allen Lagern Ansichten über die sociale Frage und ihre Lösung zu sammeln, sich, soweit es ihnen möglich sei, wohlverbürgte Dhatsachen über die Lohuverbält nisse einzelner Gewerbszweige zu verschaffen, warnte sie aber davor, sich zu früh einer der bestehenden Parteien anzuschließen und sich das Wohlwollen entweder für die Unternehmer oder die Arbeiter rauben zu lassen. Der Redner schloß mit den Worten, es sei eine unbestreit bare Thatsache, daß kein Volk der Erde die Arbeit so geschätzt hat wie die Inden, welche die Abgabe des Zehnten als Pflicht betrachteten und die schone Vorschrift über das Jubeljahr besaßen. An den sehr beifällig amgenommeneu Vortrag schloß eine lebhafte Dis cuffion, an der sich Prof. Dr. L. Singe r, Prediger Dr. G r ü n, Dr. Jacob K o h n, Dr. K a d i s ch und stiul. mal. Redli ch theil nahmen. In vorgerückter Stunde resumirte Dr. F e i l b o g e n. indem er hervorhob, die Studenten mögen erst wägen und daun wagen, die Inden mögen sich aber davor hüten, durch allzu radicales Auftreten in einer emporstrebenden Partei im Volke den Glauben zu erwecken, die Juden seien ein zersetzendes Element der Gesellschaft. Der Vortrag war sehr zahlreich besucht; unter den Anwesenden befanden sich der vom Auditorium mit stürmischem Beifall begrüßte Vater des Redners, Rabbiner Dr Feilbogen, Docen Dr. K ö u i g st e i n u. A. Freitag, den 7. Juni findet die Fortsetzung der Discussion über den Vortrag des Herrn Docenteu Dr. jur. et phil. S. F e i lb o g c n statt. Gäste sind herzlich willkommen. Akademischer Verein „Gamala". Samstag, den I. d. M. hielt das Vereinsmitglied ötllck. theol. u. ptlil. I. Ber g m a n n einen Vortrag über „I. H. Weiß, sein Leben und Wirken". Ter Vortragende charakterisirte in kurzen Worteil die ganze Periode der hebräischen Literatur, ans der Weiß hervorgegangen, markirte scharf den Unterschied zwischen dein alten, chaotischen Pilpnlstndium des Talmud und der tnoderuen Talmudkritik und überging sodann auf das Wirken des greisen Leetors. Ein besonderes Capitel widmete der Vortragende dem. Hanptlverke Weiß' ..Dmdov wedorsclmw* (Tre Geschichte der Tradition), hob das Originelle in demselben hervor, und keunzeichnete den Unterschied zwischen den ersten und letzten Bänden. Mit dem Wunsche, es möge dem greifen Leetor, der soeben das 80. Lebensjahr überschritten, noch lange gegönnt sein, sein erfolgreiches Wirken fortzusetzen und unsere Literatur mit Erzeugnissen seiner Feder zu bereichern, schloß der Referent seinen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag. — Samstag, den 8. Juni d. M. veranstaltet der Verein „Gamala" im Restaurant Khuner il. Schottenring» aus Anlaß des zehnjährigen Todestages M o s e s M o n t e f i o r e's einen solennen Herrenabend, zu denr Gäste herzlichst willkommen sind. Anfang um 8 Uhr Abends.!<n. Brünn. Wir erhalten folgende bemerkenswerthe Zuschrift: Geehrter Herr Redactcur! Unter den LR aßregeln, welche Herrn Dr. K. S. in Prag in der vorigen "Nummer Ihres geschätzten Blattes behuis wirksamer Bekämpfung der Auliscmitenpest in Vorschlag brachte, vermisse ich eine, von welcher ich mir nicht minder Enolg verspreche als von den Anderen: Die Entfernung der a n t i s e m i t i s ch e u Ä n g e st eilten a u s d e n B u r e a u x u n d W e r k st atten i ü d i s ch e r E t a b l i s s e m e n t s. Es ist unglaublich, wie weit die Duldfanikeiroder besser gesagt die Indolenz der Principalegeht.Beidem judenftindlichen „Vereine österreichischer

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