Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 23 (7.6.1895)
- Date
- 1895-06-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 23 Seite 425 Dr. Bloches Wochenschrift. an dessen „Untersuchungen situ altorientalischen Geschichte" (1889 erschienen) reihen und von der kritischen Feder des Bersassers ein ähnlich vortreffliches Werk über die Geschichte Israels erwarten lassen, wie er cs in seiner „Geschichte Babyloniens und Assyriens" geliefert hat. Schon seine „Altorientalischen Forschungen", woselbst über „Das syrische Land Jaudi", „Die politische Entwicklung Altmesopotamiens", „Die Gideon-Erzählungen", gesprochen wird, haben viel Zustimmung und Widerspruch erfahren. Die „Alttestamentlichen Untersuchungen" werden bei genauerem, vorurtheilslosem Stlldium dem Forscher die Ueberzeugung verschaffen, daß deren Ergebnisse ihm von nun an bei der Lecture der Chronikbücher, der „Könige" und eines Theiles der „Propheten" stets vor Angen schweben müssen, um die complicirten Berichte dieser, mit jeder wissenschaftlichen Neugeburt auf orientalischem Gebiete an Werth tvachsenden Werke wirklich beurtheilen, d. h. ihren, historischen Werth schätzen zu können. „Ich stehe dein Alten Testamente nur mit dem Interesse des Philologen und Historikers gegenüber," sagt Herr W i n ck l e r in seiner Einleitung; und das muß auch wohlgemerkt werden. Wer die historischen Bücher der Bibel und die Propheten als ethisch-religiöse Erbauungsbücher zur Hand nimmt, dem sind geschichtliche Schwierigkeiten vollkommen Nebensache; auch für den gebildeten Theologen ist diese Seite der genannten Werke eine zweite — oder erste — jedenfalls für sich zu behandelnde und zu betrachtende Materie. Der oft wiederholte Vorwurf „doppelter Buchführung" wäre hier unangebracht. Noch einmal aber sei es gesagt: nur kritisch geübte Köpfe können W i n ck l e r's Buch mit Erfolg lesen. Die „Beiträge zur Quellenscheidung der Königsbücher" (elftes Capitel, erstes Buch) weisen erstens nach, daß die Erzählungen über Hadad-Adad zwei Quellen entstammen; zweitens wird, gestütztauf kcilschriftliche Berichte, der Bericht über die Eroberung Samarias zurechtgestellt und der Zug Sanherib's nach Juda (H. Kön- 18 13—19,37) eingehend erörtert und das wichtige Resultat zu Tage gefördert, daß unsere Berichte zwei völlig getrennten Quellensammlungen angehören, die schon in den den Verfassern vorgelegenen Werken „Das Buch der Zeitgeschichte der Könige Judas" und „Zeitgeschichte der Könige Israels" Parallel laufen mußten. „Von einem Verfasser, der den Untergang Judas miterlebt hatte, wurden zwei Urquellen zusammengearbeitet, welche Nachrichten sowohl über das Nordwie Südreich enthielten. Er wird die Urgeschichte und die Zeit des Reiches einheitlich dargestellt haben; mit der Theilung des Reiches führte er aber sein Werk in zwei getrennten Theilen weiter, welche er als „Zeitgeschichte der Könige I n d a s" und „Zeitgeschichte der K ö n i g e I s r a e l s" bezeichnte. Das Werk war offenbar rein geschichtlich und ohne bestimmte Tendenzen im Chronikenstile abgefaßt. Noch während des Exils, in der Stimmung, welche sich der Gemüther in der Verbannung bemächtigt hatte, und welche in dem Festhalten an dem durch das Deuteronomium dargestellten Gesetze das Heil und in dem Abweichen von ihm das Unheil erblickte, wurden die Königsbücher in der bestimmten Tendenz abgefaßt, die Richtigkeit dieser Anschauung aus der Geschichte des Volkes zu erweisen. Der Verfasser bediente sich dabei als Leitfaden fiir die geschichtlichen Ereigniffe des, nach der Art, wie es citirt wird, offenbar allgemein bekannten Chronikenwerkes, welches er aus einer andern, nicht nachweislich zusammengesetzten Quelle ergänzt. Diese Quelle war jedoch eine der beiden schon in das Chronikenwerk verarbeiteten. Sie wurde im Wesentlichen benützt, um Nachrichten, welche die offenbar ganz kurz gefaßten und namentlich für die letzte Zeit der Könige Israels nicht viel mehr als den Regierungsantritt und Wechsel der Könige berichtenden „Zeitgeschichten" ausgelassen hatten, nun an geeignet erscheinender Stelle einzuschieben. Es sind diejenigen Mittheilungen, welche bald mehr in dem ursprünglichen Wortlaute, bald mehr in einer ihnen vom Bearbeiter gegebenen Form mitgetheilt werden und in letzterem Falle durch die Formeln „damals" oder „zu der Zeit" eingeleitet zu werden pflegen. Dieselbe Quellenscheidung zeigt sich bei dem Berichte über Ehud (Richter 3). Kostbar ist die Feststellung der Lifte der Könige von Damaskus gelelgentlich der Forschung über „Sohn des Tab-el" (Jesaiah 7, 6). Die Reihe derselben ist folgende: um 950 Rezon, Zeitgenoffe Salomo's; Tab-Rimmon-Tab-el; von etwa 885—844 Bir-idn (Benhadad der Bibel), welcher irrthümlich in Benhadad ersten und zweiten getrennt wird. Der Beginn seiner Regierung fällt noch unter Baacha, Zeitgenoffe von Omri. Ahab, Ahazja, Joram in Israel; Asa, Jostrphat, Joram in Juda; Affurnasirpals in Assyrien. 844—804 Hazael, Zeitgenoffe Jehll's (Tribut an Assyrien 842). 804—774 Mari. 773 Tadel, der Vater Restn's (Zeitgenossen in Assyrien: Assurdan, Assurnirar). 732 Resin, Zeitgenossen Assurnirar und Tiglatpilesar III. 732 wird Damaskus erobert und assyrische Provinz. Resin (2 Kön. 10, 9) hingerichtet. Von Wichtigkeit ist ferner die Untersuchung W i n ck l e rs darüber, ob die Hebräer eine bestimmte zeitliche Rechnungsweise (Chronologie) zur Zeit ihres nationalen Bestehens gehabt haben; die Allffindung der Thatsache, daß sie im eigentlichen Sinne n i e d i e D a t i r u n g s w e i s e nach K ö n i g s j a h r e n anwendeten. „Der Verbleib der zehn Stämme Israels", ein Thema über das, man kann sagen, leider sehr viel Unnützes geschrieben und manch abenteuerliche Fabel erzählt worden ist. beschäftigt auch Winckler in einem kurzen Capitel, zu dem dieBemerkung2 Kön. 17,6 und 18, 11 über die Ansiedlung der weggeführten Israeliten Anlaß gibt. Die betreffende "Notiz muß lauten: „er siedelte sie an am Balich und Chabur. den Flüssen von Gozan und in den Gebirgen Mediens". Die Untersuchung über die „samaritanischen Ansiedler", anknüpfend an 2 Kön. 17, 24—41: „Der König von Assur ließ Leute aus Babel und aus Kutha und aus Avva und Hamath und Sepharvaim kommen und siedelte sie statt der Kinder Israel in den Städten Samarias an", wird durch Heranziehlmg keilinschriftlicher Quellen zu einer besonders ergebnißreichen. Die „Geschichtlichen Bemerkungen zu den Propheten" behandeln die staatliche Existenz Sidons, in welcher Untersuchung die Berichte in Jeremia 25, 22; 27.3;'47, 4 u. Ezechiel 28, 22—26, beleuchtet werden. Die Orakel über Nordarabien in Jesaia 21; es wird bewiesen, daß die Situation nur für die Zeit paßt, da. gemäß Keilschriftberichten, Schamaschschumukin von Babylon gegen seinen Bruder AffurbanipalKrieg ftihrte. Damals hatte Babylon die gesammten umliegenden Staaten, wie Affurbanipal selbst (in seinen Berichten) sagt, Melucha (Arabien), das Westland (Phönizien- Palästina), Gutium (Armenien und Medien) und Elam gegen Assyrien gehetzt. Auch Juda war unter Manasse dabei betheiligt gewesen. Der Bericht der Chronik, wonach Manasse vom König von Assur gefangen nach Babylon geführt, dann aber wieder freigelassen wird, ist unzweifelhaft richtig. Manasse war Assarhaddon und Affurbanipal lehenspflichtig gewesen und hatte beim Ausbruch des Aufstandes die Tributzahlungen eingestellt. 'Nach dem Sturze der Rebellen wurde Manasse zur Rechenschaft gezogen, aber, wie der Aegypter Necho, begnadigt. Ferner untersucht W i n ck l e r den Ausspruch über Hadrach in Sacharin 9, 1—8. Derselbe weist mit zwingender Nothwendigkeit auf die Zeit um 733. Besonders lehrreich ist die Forschung über „das Land Kusch und Jes. 18". Man muß hier vor Allem das durch zwei Jahrtausende geschleppte Vorurtheil beseitigen, nach welchem in diesem Kusch unbedingt Aethiopien genieint sein muß. Alan ist jetzt allgemein überzeugt, daß man in Kusch, dem Stammvater Nimrod's, des Repräsentanten des babylonischen Königsthnms, einen Kasch, die Personification der Babylonien im zweiten Jahrtausend (vor Chr.) beherrschenden und überschwemmenden Kassiten zu sehen hat (Schräder, „K. u. A-T." S. 87); man muß aber annehmen, daß in diesem Kusch Südbabylonien, d. i. Chaldäa oder Kasch zu erblicken ist. Thut man dies, dann ist aller Zweifel über das Orakel Jesaia's behoben. „Es ist der Wortlaut der Warnung, welche Jesaia an Hiskia richtete, als dieser im Jahre 720 geneigt war, sich auf ein Bündniß mit Merodach-Baladan einzulassen; es steht also zu dem erzählenden Berichte (Jes. 39) über dessen Gesandtschaft in einem gleichen Verhältnisse, wie die Rede von Jer. 7 zu Jer. 26, 1—6. Das eine gibt den wirklichen Wortlaut, das andere ist der Bericht darüber aus einer biographisch-historischen Darstellung. Beachtenswerth ist dabei, daß Jesaia von Kasch, dl i. Chaldäa und nicht von Sinear-Babylonien spricht. Merodach- Baladon hatte zwar Babylon besetzt und war König von Babylon, aber seine Hauptmacht bestand in seinen Chaldäern. Das betont Jesaia mit Recht. Sobald Sargon seine ganzen Kräfte gegen ihn kehren konnte, vermochte er Babylon nicht zu halten, sondern mußte sich in feine Sümpfe zurückziehen, wo er sich auch nicht behaupten konnte. Das hat Jesaia vorausgesehen und darum betonte er die Beschaffenheit des Landes; es lag darin die Mahnung für Hiskia. daß sein Bundesgenosse Merodach-Baladan sich nicht aui l^nge Känrpfe im offenen Felde einlaffen, sondern in seine Schlupf