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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-05-31 · 22 (31.5.1895) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
22 (31.5.1895)
Date
1895-05-31
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 22 Br. Bloch's Wochenschrift. Seite 413 Prag. Am 20. d. Nt. hat hier die Firma Nt. Ioß und Löwe n st e i n das Jubiläum des 25jährigen Bestandes ihres Fabriks-Etablissements gefeiert, und zwar in echt jüdischer Art. Zur Erinnerung an diesen Tag haben die Chefs folgende Spareinlagen eingezahlt, und zwar: auf den Namen jener Arbeiter, welche über 20 Jahre in der Fabrik arbeiten, je, fl. 40, über 17 bis 20 Jahre je fl. 05, über 14 bis 17 Jahre je fl- 30. über 11 bis 14 Jahre je fl. 25, über * bis 11 Jahre je fl. 20, über 5 bis 8 Jahre je fl. 15, über 2 bis 5 Jahre je fl. 10, über 1 bis 2 Jahre je fl. 5. Erwähnensist ferner, daß die Firma von dem Hofrathe M i g e r k a ein höchst -schmeichelhaftes Schreiben erhielt, der die Fabrik Joß & Comp, als eine Muster-Fabrik anerkennt, lieber 300 Telegranuue und ebensoviele Gratulationskarten und Briefe sind der Fmna^aus diesen: "Anlaß zugekonunen; den Firma-Inhabern wurden von ^eite der Arbeiter die schmeichelhaftesten und großartigsten Ovationen gebracht. Der Beamtenkörper wurde voni Ersten bis zum Letzten mit Aufmerksamkeiten und Geschenken von den Chefs bedacht. Prag, 29. Mai. lieber Auftrag der Prager Polizeidirection wurde gestern in der Wohnung eines absolvirten czechischen Mediciners eine Durchsuchung vorgenonnneu, wobei eine Anzahl Zeitschriften antisemitischen Inhaltes, welche der Mechaniker Schneider diesem Mediciner eingcschickt hatte, confiscirt wurde. M.-Ostrau. Am 20. d. M. wurde Herr Samuel Taub, Reälschul-Abiturient, zu Grabe getragen. Ter ganze Professorenkörver, wie auch der hochwürdige Herr Katechet, sämmtliche Schüler gaben dem Dahingeschiedenen das letzte Geleite, und als unser hochwürdiger Herr Rabbiner Dr. Spira in seiner ergreifenden Leichenrede der Mitschüler des Verblichenen erwähnte, ging ein lautes Schluchzen durch die Schaar der Jünglinge, die zumeist Christen sind. Am offenen Grabe wurde ein Trauerchoral von sämmtlichen Schülern gesungen. Szegedin. (Waisenhauseinweihung.) Die hiesige jüdische Gemeinde beging heute am 19. Mai eine überaus erhebende Feier. .Um 3V2 Uhr wurde im Gemeindesaal unter dem Vorsitz des Obmannes des Waisenhauses, Herrn Lichtenb erg M6r, eine Sitzung abgehalten, in welcher durch den Gemeinderath Herrn' Sigismund Streitzenfeld in kurzen Strichen die Geschichte des heute eingeweihten Waisenhauses gezeichnet wurde. Wir erfuhren da, daß der Plan zur Creirung dieser echt jüdischen 'Anstalt vor kaum zwei Jahren von dem Arzte Dr. Georg Goldschmied ausging, indem er der Gemeinde fl. 3000 zu diesem Zweck zur Verfügung stellte. Dieses edle Beispiel erweckte den Eifer anderer wohlthätiger Männer und Frauen, so daß in kurzer Zeit die Kosten des' Baues beisammen waren. Besonderes Verdienst um die Schaffung dieser Humanitären Anstalt erwarben sich: M6r Licbteuberg und Frau, Jacob Th. Vajda und Frau, Ernst Bock de Begavar, Jacob Milko und Frau, Dr. Josef Abeles, Mor Landesberg und Frau, Oberrabbiner Immanuel Löw undFrauu.A. Bei Nennung dieser Namen erscholl ein Hoch auf deren Träger seitens der großen Anzahl der Anwesenden. Sehr wohlthuend wirkte noch''die zur Verlesung gelangte herzliche Danksagung des Ministers an die Herren, die sich um die Anstalt in hohem Grade verdient gemacht haben. Dann begab sich die ganze illustre Gesellschaft in das neue Waisenhaus, wo die Feierlichkeit nach dem Eintreffen des Obergespans Herrn Albert von Kallay und des Herrn Bürgermeisters Leopold von Palfy ihren Anfang nahm. Den Glanzpunkt der Feierlichkeit bildete die Rede des Oberrabiners. Der Obergespan Herr Albert von Kallay sowohl als auch der Bürgermeister Herr Leopold v. Palfy gaben ihrer vollsten Zufriedenheit Ausdruck, versichernd, daß diese Anstalt eine würdige Zierde der Szegediner jüdischen Gemeinde bilden wird. Feuilleton. Master. Eine Episode aus Simon Levi's Leben von M. A. Hokdfchmidt aus dem Dänischen von I. Krank. (Fortsetzung aus Nummer 21.) „Und warum soll er nicht stolz sein? In der Familie ist er der Erste, der Angesehenste, und ich .. . ." „Thut's Dir nicht vielleicht schon leid, daß nicht lieber er geerbt hat?" „Simon, Simon, schweig' lieber!" unterbrach ihn Gitel fast weinend. „Ist das der ganze Segen, den Dir der Reichthum bringt?" „Gitelchen, was Hab' ich da gesagt! Dummheiten! Hör' auf zu weinen, Dein Bruder Simon will Dir doch nicht weh' thuu. Nur sag' kein Wort gegen den Reichthum, Segen soll von ihm ausgehen mit Gottes Hilfe. Und auch wir Zwei sollen's gut haben auf unsere alten Tage. Ja, wer weiß, kommt nicht noch ein Freier zu meiner Gitel! Jetzt wird mir erst klar, warum Du lieber gleich die ganze Summe bekannt machen wolltest. Bist Du erst vergoldet vom Scheitel bis zur Sohle, so kommen sie gelaufen." „Ja, ja, das war der Grund," erwiderte Gitel, lächelnd auf den Scherz eingehend. „Nu, wie alt bist Du bis hundert Jahr, Gitelleben? Siebenundvierzig. Du kannst doch in Emmes noch heiraten und ich laß' mich's 'was kosten." „Laß' jetzt die Späße, Bruder, wir bleiben beisammen; bei Dir will ich sterben." „Red' nicht vom Sterben, Gitelchen! Ja, ja, seitdem ich ansang', älter zu werden, will mich der Gedanke an den Tod ohnehin nicht verlassen. Wir müssen Beide sterben, entweder Du vor mir, oder sich vor Dir; beides ist gleich schrecklich. „So denk' nicht d'ran, Simonche; wir zwei bleiben doch beisammen." „Ja, wenn Du nicht an's Heiraten denkst." „Simon!" „Nu, nu, ich schweig' schon, außer Du bestehst darauf, daß alle Welt von den ganzen 200.000 fl. erfährt." „Also gut, wenn Düs durchaus willst, werd' ich nicht davon reden, gute Nacht, Simon!" „Gute Nacht Gitel, heut' kannst Du erproben, wie man schläft, wenn man reich ist." Der Bruder Windbeutel, von dem Simon, nicht ganz ohne Grund, mit so viel Bitterkeit gesprochen, war ein Mann „von Welt", der, allerdings ganz oberflächlich, moderne Bildung angenommen und dabei vor Allem — und das konnte ihm Simon am wenigsten verzeihen — seinen Namen verändert hatte. Eigentlich hieß er Mordecha'i oder kurz Mortche. Die gewöhnliche Uebersetzung wäre Marcus, da ihm aber auch der Name zu jüdisch klang, verwandelte sich der Mortche in Martin, was Simon für einen Berrath am Glauben hinnahm. „Mein Bruder Mortche-Martin", pflegte er höhnisch zu sagen; aber nur Schwester Gitel gegenüber, denn Simon war ein armer Mann, der seinen Bedenken nie allzu laut Ausdruck gab. Ja, ein Berrüther an der heiligen Sache war er ihm. Ausgerechnet „Martin" mußte er sich nennen! Dazu war Mortche-Martin ein armer Teufel, der aber immer auf verhättnißmäßig großem Fuße lebte. Er war eben eine leichtlebige, sanguinische Natur und ging von dem Grundsätze aus, daß er sich nur über Wasser zu halten brauche, für das Weitere würde schon Gott sorgen. „Reich werd' ich doch mein Lebtag nicht," pflegte er zu sagen; „erben meine Kinder einst auch keine Schätze, so werden sie sich dafür an eine glückliche Jugend erinnern und wissen, wie man mit Welt und Menschen umgeht. Warum sich vor der Zeit graue Haare wachsen lassen?" Wie Martin Alles zu leicht, so nahm Simon Alles im Leben zu schwer und konnte dem Bruder nicht verzeihen, daß er in Folge seiner Philosophie nie etwas für Schwester Gitel gethan, sondern nur ihm allein die Sorge für das alternde Mädchen überlassen hatte; und gingen seine Gedanken den Weg, dann hieß es wohl Gitel gegenüber immer: „Dein Bruder Mortche." Ja, er trieb's auch arg, der Bruder Martin! Im Sommer hatte er sogar — man denke — im Sommer hatte er sogar Marquisen vor den Fenstern. Das empörte Simon am meisten. Rief das nicht um Rache zum Himmel, der solchen Hochmuth strafen mußte?

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