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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-05-31 · 22 (31.5.1895) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
22 (31.5.1895)
Date
1895-05-31
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 412 Dr. Blvch's Wochenschrift. Nr. 22 Lehrers dem Personennamen eine Ausdeutung unterlegen, dann würde ich den Namen Goldstein dahkn deuten, daß seine Gesangstimme dem feinen Gold metalle gleicht und Steine zu erweichen vermag?" Abends vorher überreichte eine aus den Gemeindemitgliedern bestehende Deputation, der die Herren Albert K o h 11, Dr. Norbert Kanitz, Jacob T h e u m a n n und D. Braun angehörten, dem Jubilar einen silbernen Pocal, sowie eine hübsch ausgestattete Adresse, wobei der Sprecher der Deputation, Herr Dr. K a n i tz, der großen Beliebtheit, deren sich der Jubilar unter den Gemcindemitgliedern erfreue, beredten Ausdruck gab. Dem Jubilar sind außerdem eine große Anzahl von Gratulationen und Festgefchenkeu zugekommen. Wien. Der Verein zur Unterstützung armer, kranker Israeliten in Wien (II, Untere Augartenstraße 17') erstattete den Jahresbericht über die sechzehnte Verwaltungsperiode (1894) vom i. Jänner bis 31. December 1831. Wie seit einer Reihe von Jahren hat der Verein auch heuer die im Allgemeinen Krankenhause in Wien in Behandlung befindlichen israelitischen Patienten, die nichtrituelle Kost ablehnen, auf deren Wunsch mit kräftiger, nahrhafter Kost versehen, und verdient daher umsomehr Unterstützung, als viele israelitische Kranke eher die schädlichen Folgen des Hungers ertragen, als daß sie sich dazu entschließen würden, die Spitalskost oder überhaupt andere nicht nach jüdischem Ritus zubereitete Speise zu genießen, wie dies durch eine Erklärung der Abtheilungsvorstände der erwähnten Anstalt bestätigt wird. Der Stand des Vereinsvermögens ist kein günstiger, jedoch hat sich das im Jahre 1833 bestandene Deficit von fl. 2140 um fl. 800 verringert. Wir legen unseren wohlhabenden Glaubensgenossen die Unterstützung dieses humanitären Vereines dringend an's Herz. Wien. (Akademischer Verein „Gamala".) Mittwoch, am 22. Mai d. I. sand ein Discussionsabend statt, bei welchem das Vereinsmitglied med. Ch. Goldstein einige Ghettoschriststeller einer eingehenden Besprechung unterzog. Referent hob hervor, wie viele derselben, ohne vom wahren jüdischen Leben auch eine Ahnung zu haben, dasselbe zum großen Gaudium unserer Feinde nur verunstaltet und verunziert haben. Dagegen hebt sich wohlthuend das Bild derjenigen ab, die mit besten Absichten beseelt, besttebt gewesen, soweit als möglich eine wahrheitsgettcue Darstellung jüdischen Lebens und Wirkens zu liefern. Referent citirte als Beleg für seine Ausführungen Stellen aus verschiedenen Schriftstellern und wurde am Schlüsse von den Anwesenden, unter denen man den bekannten Zionisten Dr. Abraham Salz aus Tarnow bemerkte, mit lebhaftem Beifall belohnt. Der Verein beabsichtigt am 8. Juni d. I. in Khuner's Restaurant eine Montefiore- Feier aus Anlaß des zehnjährigen Todestages dieses großen Juden zu veranstalten. Kn. Wien. (Indisch-akademische Verbindung „Huita^".) Sonntag, den 12. d. M. veranstaltete die jüdisch-akademische Verbindung ..Cnitas" einen zahlreich besuchten Vortragsabend, den unter Anderen Privatdocent Dr. F e i l b o g e u und Pros. Dr. Weiß mit ihrem Besuche beehrten. Der Referent, Herr stuck. phil. Felix Rappaport sprach über das Thema: „Philo und die jüdisch-alexandrinische Cultur." Er entwickelte zunächst in lichtvoller Darlegung die Geschichte der Diaspora und wendete sich daraus zu Philo und der jüdisch-hellenistischen Literatur und Philosophie, aus welcher, wie er überzeugend nachwies, das Urchristenthum seine besten Lehren und Ideen geschöpft hat. Des Weiteren wies Redner aus die merkwürdigen Parallelen hin, die sich zwischen der Diaspora und dem modernen europäischen Judenthume ziehen lassen, und aus denen man das wahre Wesen des jüdischen Volksthumes erkenne, das nicht aus Sprache und Wohnott beruhe, und das, wenn es nicht im Hellenismus ünterging, noch viel weniger im Deutschthum ausgehen werde. Nach Beendigung des Vortrages, der allgemeinen Beifall hervorrief, sprachen Pros. Dr. Weiß und Docent Dr. Feilbogen, lvelch Letzterer, vom Borttage ausgehend, sich in anerkennendster Weise über die Wirksamkeit und die Ziele der ..Unitas'* äußerte und die Hoffnung aussprach, das gesammte österreichische Judenthum werde sich dereinst unter der Devise „Uuitas" vereinigen. Wien. (Die jüdische akademische Verbindung „Unitas“) hat ihr Sommersemester begonnen. Aus dem Rechenschaftsberichte des Gründungspräses, Herrn cand. med. Karl Poll a k, geht hervor, daß die Verbindung während ihres I. Semesters eine reiche Thätigkeit entfaltet hat. Die Mitgliederzahl hat sich seit November aus mehr als den doppelten Status gehoben; für die Agitation und Repräsentation haben das erste Stiftungsfest, ein Discussionsabend, die gemeinsame Maccabäerfeier, ein Damenabend und ein Commers in glücklichster Weise gesorgt. Bei allen officiellen Veranstaltungen der gesinnungsgenössischen Wiener akademischen Vereine war die Unitas“ corporativ, bei dem Commerse der Prager „Maccabaea“ deputativ vertreten. Von den Borträgen, die allwöchentlich im Verbindungslocale gehalten wurden, wollen wir hervorhebcn: „Die jüdisch-nationale Idee und der Fortschritt" (jar. R a p p a P o r t), „Ein Capitel aus der jüdischen Volkskunde" (med. Weine r), „Das Buch Hiob" (jur. H a l p c r n), „Die Juden in Rumänien" (med. Salamovicz), „Die Juden und der Antisemitismus" (ehern. Rappaport). An diese Themata reihten sich zumeist lebhafte Discussionen, so insbesondere an den Vortrag des Herrn Dr. W e i s c n g r ü n: „Die Verachtung des Judenthums". Nachdem den Stiftern und Förderern der Dank der Verbindllng votirt worden war, wurden die neuen Functionäre gewühlt, und zwar die Herren: jur. Richard Rappaport zum Präses, med. A. Weiner, Vice-Präses; med. I. Meisels, erster Schriftführer; teclm. Siegfried R osenba u m, zweiter Schriftführer; chem. M. Stein, Cassier: phil. F. R appapor 1, Bibliothekar; in?. S. K orne r, Hausverweser. Stanislau. Dienstag, am 4. Juni d. I., findet die Trauung von Fräulein Cäcilie K a nn e r, Tochter des Herrn Ch. Es. K a n e r mit Herrn Lazar M a s ch l e r aus Tarnow statt. Lemberg. Am 2. Juni findet im „Hotel Georg" die Trauung von Frl. Franciska Goldstern, Tochter des Herrn Sälomon G o l d st e r n, mit Herrn Dr. Hermann Hirsch statt. Am 4. Juni, 5 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel zu Lemberg die Trauung des Herrn Maximilian Dembitzer mit Fräulein Stephanie Caro, Tochter des Herrn Rabbiners Dr. I. Caro, statt. Pisek. Montag, den 3. Juni, findet in der Pinkas- Synagoge zu Prag die Trauung von Fräulein Wilma Friedländer, Tochter des Herrn Rabbiners Dr. Friedländer von Pisek, mit Herrn Samuel Edelstein statt. Buczaez. Der Verein „Zion" hat photographische Bilder der Colonie ..Lisebon Do Zion“ herausgegeben, welche einen mächtigen Eindruck machen. Auf dem Bilde ist die ganze jüdische Colonie zu sehen, die einfach gebauten Häuser, die jüdischen Arbeiter in bäuerlicher Tracht. Preis des Exemplars 55 kr. Das Reinerträgniß ist für Colonisationszwecke bestimmt. Aufträge sind bereits viele eingelaufen, darunter ein Auftrag aus Hongkong (China). Bestellungen nimmt entgegen Sam. Thal er, Bicepräses des Vereines „Zion", Buczacz, Galizien. Berlin. (Ehrung für Ludwig Bamberger.) Die Universität Gießen hat, wie uns aus Berlin gemeldet wird, Dr. Ludwig Bamberger, der in den Jahren 1842 und 1843 durch drei Semester daselbst studirte und am 24. Juni 1845 dort den Doctorhut erwarb, nebst der Erneuerung des Doctordiploms eine Tabula gratulatoria übersendet. Das Doctordiplom würdigt auch dessen Verdienste in der Währungsfrage mit den Worten: „De ordinanda re nummana optime merito." Prag. (Studentenverein Maccabaea.) Die Reihe der Vorträge im Sommersemester 1895 eröffnete Herr L. Taussig am 11. Mai mit dem Thema: „lieber die Offenbarung des Nationaljudenthums". Redner kennzeichnet den nationalen Gedanken. Er wies ferner auf die gemeinsamen Merkmale und Eigenschaften aller Juden hin und erntete für seine trefflichen Ausführungen, an die sich eine längere Debatte anschloß, reichen Beifall. Diesem Bortrage folgte am 18. d. M. der des Med. E. Sachs über „Jehuda H alevy und seine Zeitgenossen". In kurzen Zügen schilderte der Vortragende die damaligen Verhältnisse in Spanien, ging dann aus die Bedeutung des Dichterfürsten über, der seine Ueberzeugung und Gefühle durch Thaten zum Ausdruck brachte und durch seine Schriften einen mächtigen Einfluß auf die hervorrragendsten Männer des Judenthums im XVIII. und XIX. Jahrhundert ausübte. Die Recitation einiger seiner Gedichte, besonders der berühmten „Zioniden", beschloß den genußreichen Abend.

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