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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-05-31 · 22 (31.5.1895) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
22 (31.5.1895)
Date
1895-05-31
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 22 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 411 Moriz K arpele s, Dr. Gustav K o h n, Tr. Th. Lieben, Seeretär. Wien. (Auszeichnung.) Der Schah van Persien hat dem Haftieseranten Herrn Jacob Nothberg er in Würdigung seiner Verdienste ans industriellem Gebiete den Sonnen- und Löwcn-Srden Verliehen. Wien. (Dr. Bernhard Wölflcr.i Am 25. d. M. Abends mn 3/4‘J Uhr ist der Berivalker des israelitischen Krankenhauses (Rothschild-Spitalin Währing, kaiserlicher Nath Nied. Dr. Bernhard W ö l s l e r, 79 Jahre alt, gestorben. Mit ihm ist einer der tüchtigsten Acrzte der alten Schule, ein Arzt im idealster! Sinne, ein Menschensreund, ein Bater der Armen im edelrten Sinne des Wortes, ans dem Leben geschieden. Sein ganzes Leben bestand aus einer ununterbrochenen Kette von Acten der Menschenliebe. Eine ganze Reihe humanitärer Institute, in erster Linie das Spital der israelitischen Cnltusgemcinde in Währing, wo er seine Augen zu ewigenl Schlafe schloss, hat seiner Initiative ihr Entstehen, scineul unermüdlichen Wirken ihren Fortbestand zu verdanken. So hat Dr. Bernhard Wölsler die Heilanstalt in Kierling, die Todesco- Stittnng in Baden, wie auch das israelitische Bersorgungshaus in der Seegasse in's Leben gerufen. Im Jahre 1872 wurde Dr. W ö l f l e r von Baron Nothschild in's Ausland geschickt, um die Einrichtung der modernen Spitaler zll stlldiren, und schon ein Jahr später wurde an die Errichtung des israelitischen Spitals in Währing geschritten, das von seinem Verwalter Dr. Wölfl er in mustergiltiger Weise geleitet wurde Dr. Wölsler, der seine Earridre als Leiter des alten israelitischen Spitalcs im IX. Bezirke begann, hat vor zwei Jahren sein fünfjähriges Jnbilämn als Arzt und Spitalsleiter gefeiert, bei welchem Anlasse ihm aus alten Kreisen der Wiener Bevölkerung, in welcher sich der Berewigte großer PoPn larität und Beliebtheit erfreute, überaus zahlreiche und ehrende Beweise aufrichtigster Sympathien zukaureu. Dr. Wölsler erkrankte bereits vor sieben Monaten au einem Unterleibsleiden schwerster 'Art, das jede Hoffnung auf Heilung ausschloß. Bor vierzehn Tagen wurde Tr. W ö l f l c r bettlägerig und der ihn behandelnde Arzt, Primarius Professor S s e r, bereitete schon damals die Aerzte der Anstalt, welchen Dr. Wölsler stets ein wohlwollender Freund und Vorgesetzter gewesen, ans den baldigen Eintritt der Katastrophe vor. Aus zarter Rücksicht für den Kranken wurde dessen Zustand der Außenwelt, wo jeden Augenblick die Auslösung Dr. Wölfler's zu erwarten war, geheim gehalten. Dr. W ö l f l e r war sich in den legten Tagen der Hossunngslosigkeit seines Zustandes vollkommen bewußt geworden: gefaßt sah er dem Tod entgegen: er starb wie ein wahrer Philosoph, einig mit sich und mit der Welt, getröstet von dem Bewußtsein, während seines arbeitsreichen, der leidenden Menschheit, dem Wohle der Aermstcn gewidmet gewesenen Lebens stets nur das Beste augestrebt zu haben. Die Kranken der von ihm geleiteteteu Anstalt sahen in Berehrung und Liebe zu ihm auf und sein Erscheinen ini Krankensaale wirkte stets beruhigend auf seine Pflegebefohlenen ein. Dr. Wölsler hat bis kurz vor seiner Erkrankung eine unerniüdliche Arbeitskraft entwickelt und auch einige bedeutende niedizinischc Werke geschrieben. Sein Hinscheiden hat in Wien allseitige Theilnahme erregt. Dr. Wölsler war wegen seines Humanitären Wirkens in weiten Kreisen hochgeschätzt, er zählte zu der kleinen Schaar jener Männer, die sich mit s elbsti o s er H ingelnin g dem Dienste der Nächstenliebe widmen. Sein Hinscheiden bedeutet nicht nur für die Anstatt, deren Leitung er Jahrzehnte hindurch mustergiltig versah, sondern insbesondere auch für die vielen Armen und Nothdürstigen, denen er werkthätig zur Seite stand, einen unersetzlichen Berlnst. Montag Nachmittags um 2 llhr wurde die Leiche zu Grabe getragen. Der Sarg war im ersten Stockwerke der Anstalt, Währinger Gürtel Nr. 97, ansgebahrt, llnter den Tranergästen waren zu sehen: Herr Eiuil H v r u c r in Bertretung des Baron Albert R o t h s ch i l d, Baronin Charlotte v. K ö n i g s w a r t e r, die Freiherren Hermann und Wilhelm v. K ö n i g s iv a r l e r, der Präsident der Staatseisenbahu-Gesellschast, Ritter v. T a u s s i g, Generaldirector Ritter v. Borken au, Hofrath Angela Ritter von K u h, die Gemeinderäthe S i nt o n, Baurath S t i a ß n v, Ritter v. Goldschmidt und Dr. Stern, die Professoren Dr. Ritter v. Rede r, O s e r und P o l i tz e r, Prinuirius Dr. R o s a n e s, Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, Schriftsteller Emanuel Baumgar t e n, Sanitätsrath Dr. W i t l a c i l, eine Abordnung des Convents der Barmherzigen Brüder, die Mitglieder des Eultnsvorstande-' mit dem Seeretär Dr. Lieben und die Familienmitglieder. 'Nachdem die Leiche auf den Eentraliriedhof gebracht war, hielt in der Eeremonienbatle der israelitischen Abtheilnng Tberrabbiner Doctor Güdemann dem Todten einen warm empfundenen 'Nachruf, in dem er seiner Berdienste »in die Armen und Leidenden der Menfschheit gedachte. Hierauf wurde die Leiche zur Erde bestattet. Betty Paoli's Grabdenkmal. Das vor Kurzem ans dein Ehrengrabe der Dichterin Betty P a o l i am dem Eentralfriedhofe ausgestellte Denkmal trägt folgende, von der Hand der Dichterin selbst herrührende Berse: Die hier im dunkeln Grabesschoße ruht. Nach laugen Kampfes Mühsal und Beschwerde, Wie jedes and're arme Kind der Erde War sie ein Doppellaut von Schlimm und Gut. 'Nichts unterschied sie von der großen Schaar, Behaglich athmend in der Lüge Brodem, Als daß die Wahrheit ihrer Seele Sdem Und daß getreu bis in den Tod sie war. Das Denkmal, eine mächtige, einfach profilirre Pyramide aus carrarischem Marmor, wurde im Austrage der Frau Jda F l e i s ch l v. 'M a r r o w von den Stadtsteinmetzmeistern W n l k a u und Lc e u b r u u n ausgefülirt. Wien. (Jubiläum des Obereantors Josef OZoldstein.) Am 25. d. M. beging der Obercantor der Wiener israelitischen Eultnsgemeiude, Herr Josef Gold st ein, sein «><). Geburtstagsfest in feierlicher Weise. Zn dem Festgottesdieusle im großen Leopoldsrädter Tempel fanden sich nebst zahlreichen Gemeindemitgliederu ein: die Gemeinderäthe Gustav S l m on, Dr. Alfred Stern und Leopold Seiler, die Cultusvorsteher Univ.-Docent Dr. Grünfeld und Salo Cohn, die Bethausvorsteher Dr. Marcus Spitzer, Jacob Moor, Seeretär Dr. Lieben mit den Beamten der Cultusgemeinde, sowie die Collegen des Jubilars aus sämmtlichen Synagogen Wiens. Nachdem Herr Cantor Blatt dem Jubilar einen von ihm verfaßten, seinem Collegen gewidmeten Mischeberach in wirkungsvoller Weise vortrug, hielt Herr Rabbiner Doctor Schmiedl die Festrede. Derselbe sagte: „Aus dem zwölfstüininigen Volke ward ein ganzer Stamm — der Stamm L c v i — dazu auserwählt, auch den gottesdienstlichen Gesang schulmäßig zur höchsten Vollendung zu bringen. Und entsprechend dem nunmehr in der Wissenschaft herrschend gewordenen Lehrsätze von der physikalischen Vererbung wagen wir die Behauptung, daß diese biszurhöchsten Vollendung gebrachte Meisterschaft des gottesdienstlichen Gesanges sich in dem aus dem Alterthnme fortdatirenden Stamm L e v i bis auf unsere Tage fortvererbt hat. So entstanden die berühmten Cmilpoiüsten M ey e rb e e r, Haler» y aus dem Stamm Lev i. Doch was brauchen wir in die Ferne schweifen," fuhr Dr. Schmiedl fort, „da uns das Gute so nahe liegt. Wir haben ja zwei treffende Belege dafür in unserer eigenen Mitte. Unser unsterblicher Salomon S u l z e r, dieser große, gefeierte Meister des religiösen Gesanges, er wird bei der Haskara (der Seelenfeier) an hohen Festtagen ausdrücklich als dem Stamme L c v i angehörig benannt. Und ebenso hier, unser hochgcfeierter Dbercantor Herr Josef G o l d st e i n, der durch 37 Jahre in diesem großen, heiligen Hanse durch den Zauber seines gottesdienstlichen Gesanges die Herzen zu begeisterter Andacht hinreißt, er gehört ebenfalls dem Stamme Levi an. Wie Gott Alles in seiner Schöpfung mannigfach ansstattete, so hat er auch die von ihm begnadeten Meistersanger in zwei verschiedene Kategorien cingecheilt, in Baritone und in Teno r c. Auf die erstere können wir den Psalmspruch anwenden: „Aus den T i e f e n rufe ich Dich an, mein Gott" (Ps. 130, \j; von der zweiten gilt die Bezeichnung : Schir H a m a a l o t h, „die immer höher aufsteigende Scala der Töne". Und so wie S u lz e r's Schir Zion für die erstere Sängerkategorie, für Baritone, geschrieben ist, so schrieb G o l d st e i n feine Schire Jrschurun für die Sängerclasse der Tenore. Und dür,re ich nach dem Vorbilde des bekannten großen Mischnah-

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