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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-05-31 · 22 (31.5.1895) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
22 (31.5.1895)
Date
1895-05-31
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 22 Dr. Blockes Wochenschrift. Seite 409 werter wagten weder Mechaniker Schneider noch der Iungczechc B r z e n o w s k i), ihre antisemitischen Brandreden zu hatten und begnügten sich mit einigen Ausfällen über die Wahlrewrm, die Steuerreform und die Hnndetskammern. Als Brzenowsky die liberale Partei und insbesondere den abwesenden, weil nicht geladenen Abgeordneten des hiesigen Bezirkes, Dr. H a b e r ln a n n, angriss, wurde er von dem Glasermeister fr r i c d l ä n d e r sehr wirksaut Zurückgewiesen. Die ganze Action machte schmähliches Fiasco. Kolin. (Wie die ..Polabske listy, das Srgan der hiesigen altczechischen Partei, einen Unfall, der einem hiesigen angesehenen jüdischen Bürger zngestoßen, registrirt!) letzten Donnerstag unternahm der hiesige Juwelier Herr Gustav F l e i s ch n e r in Gesellschaft einen Ausflug auf dem Rad nach dein nahegelegeneu Srte Konürovic: am der Rückfahrt wurde die Gesellschaft von einem großen Hunde lob aus sie gehetzt?» angefallen und Herr Fleischner nicht unerheblich in den Fnß gebissen. Trotz sofortiger Nachfrage war es den Herren nicht möglich, den Eigenthümer des Hundes festzustellen, denn — die Dorfbewohner verweigerten jede Auskunft; es blieb nichts übrig, als so rasch wie möglich nach Ko litt zurück znkommell und bem Arzt die Untersuchung und Behandlung der Wunde zu überlassen. Um aber in erster Reihe das Thier doch auf dessen Gesundheit zu untersuchen, und weiteren solchen Unfällen vorzubeugen, erstattete Herr F leischner die Anzeige. Bis heute ist zwar weder das bissige Thier, noch dessen Besitzer ernirt, dafür aber bringen in ihrer Rümmer vonr 25. d. M, die „Polabske listyfolgende Rotiz: „S teckbrieflich verfolgter H u n d. Am Donnerstag, den 23. d. Ni. fuhr Herr Gustav Fleischner aus Kolin mit einigen Kameraden auf dem Belociped nach Konürovic: auf dem Rückwege, am Ende des Dorfes, sprang ein großer Hund ans sie und biß H. F. in die Wade. Die Herren s ch ln gen g l eich V ärm und zeigten der Gendarmerie den Vorfall an. — Beniitleidenswerther Hund — der wird's absitzen müssen." So das Sprachrohr unserer vornehmen Bürgerschaft! Glicht unerwähnt will ich das Jnslebentrcten eines Radfahrer- Clubs in unserer Stadt lassen, dessen in der constitnirenden Versammlung einhellig gefaßter Beschluß lautet: ..without .jew.-r. Sb denn dieser Beschluß der Ansporn für unseren Stadtrath war, dem Club auf städtischen Grund eine Fahrbahn in wohlwollender Weise gratis zur Verfügung zu stellen? — Möglich. Heb. P. RoLnau, am 2«;. Mai 1895. L ö b l i ch e R e d a c t i o n! Es ist mir hier eine Geschichte passirt, welche weitere Kreise interessiren dürste. Dies der Vorfall! Er zeigt, wie unerhört die Curgäste seitens der Post in Rcwnau behandelt werden: Ich bin am 19. Mai Früh hier angelangt und wollte meiner Familie schreiben. Da ich weder eine Corespondenzkarte noch eine Marke besaß, eilte ich um 9 Uhr Früh zur Post und sah, daß man schon Pallete heraustrug. In dem Momente, wo ich die Thüre öffnen wollte, hat mir ein einäugiger Weißkopf die Mühe erspart, tritt heraus tmd brüllt will) an, wie ein Löwe: „W a s wollen Sie? Heute i s b a mir S ch a b b e s Ich sage ihm im höflichsten Tone: „Ich bitte um eine Correspondenzkarte", worauf er mich stark anschreit: „Schaun's, daß Sie weiter kommen." Er wartete nicht aus meine Antwort, packte mich bei der Brust und stieß mich hinaus. Dies derBeg i n n meiner Cur in R o n a u'. Ich bin leidend und war über diesen Vorfall so aufgeregt, daß ich 2 Tage zu Bette liegen mußte. Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn durch Ihre hochgeschätzte Zeitschrift unseren leidenden Glaubensgenossen bekannt gegeben würde, welche Behandlung sie in dem antisemitischen Curorte Ro^nau zu getvärtigen haben. Ihre ergebenster Diener Moses Elberger aus Kasperova, gegenwärtig in RoLnau bei Herrn Florian Bokäcz Nr. 441. Gliniany. Am 19. d. M. sollte der Bürgermeister (ein Christ» zunl Schwurgerichte nach Zloczow fahren, und da der Vicebürgermeister krank ist, so fand Ersterer es für unanständig mir, einem Juden die Amtsleitung und Verwaltung auf die Zeit seines Ausbleibens beim Schwurgerichte zu übergeben, und übergab diese Vertretung einem jüngeren von meinen College», versteht sich einen Christen. Als ich dies erfuhr, begab ich mich als Aeltester der Assessoren am 20. d. M. Früh in's Gemeindeamt und bezog den Bürgermeisterstuhl. Mein College Stephan Schulha kam eine Stunde später und ich fragte ihn, was er wünsche; er sagte: Der Bürgermeister habe ihm die Amrsleitung übertragen; ich sagte ihm hierauf: Ent schuldigen Sie, Herr Collega, Ihnen hat der Bürgermeister und mir hat das Gesetz 8 51?andes-Reg.-Blatt Rr. 43 die Vertretung anvertraut. Er übergab mir die Schlüssel, und ich übernahm die im Gesetz vorgeschriebene Vertretung, bis der Bürgermeisterzurückkommt. Veo W o l f. Pest, 7. Mai. (Die Renngewinne des Baron Hirsch Baron Hirsch hat seine Gewinne auf der Rennbahn Ruch in diesem Jahre tvieder den Anstalten für wohlthätige Zwecke in London überwiesen. Tie Summe beträgt 5005 Guineen. Baron H i r s ch hat jetzt bereits biefcii Anstalten im Ganzen 53.35«» Guineen gespendet. Der ungarische, israelitische Handwerks und Ackerbauverein hielt unter dem Präsidium des Reichstags- Abgeordneten Dr. Armin R e u m a u n seine 52. Generalversammlung. Dem vorgelegten Jahresberichte eutnehmen wir, daß im verflossenen Jahre insgesammt 4« >2 Handwerkszöglinge, 13 Gewerbeschul-Stipendisten und 4 Allerbauzöglinge die Wohl thaten des Vereines genossen. In das vom Verein gegründete Lehrlingsheim wurden bis Ende des Jahres l«> interne Zöglinge ailfgenomtnen; außerdem hat das Institut in zwanzig Fällen obdachlos gewordenen Vereinszöglingen provisorische Unterkunft gewährt. Die Ausgaben des Vereines betrugen fl. 12'7 7 rsr>, überdies wurden aus der zur Unterstützung angehender Meister und Oekonomen bestimmten Markus und Babette Pollak'schen Stiftung an fünf einstige Handtverkszögliuge des Vereines zur ersten Einrichtung ihrer Werkstätten Unterstützungeil von je fl. :>oo gewährt. Der Jahresbericht wurde genehmigend zur Kenntniß genommen. In Verbirrdung mit dem Jahresberichte beantragte Paul Teure r, der Verein, welcher auf dem Gebiete des Handwerkes so schöne Resultate erzielte, möge auch die Heranbildung von Ackerbauzvglingen in erhöhtem Maße anstreben und zu diesem Zwecke die Etablirung einer Oekonomie-Anlage initiireu. Der Antrag wurde beifällig ausgenommen. Hienach fanden die Wahlen statt und wurden als neue Mitglieder in den Vereinsausschuß die Herren Arthur Bloch, Marcel R e uschloß, L-tephan Popper mib Emanuel R osen b e r g geivählt. Nürnberg, 19. Mai. Prinz Ludwig von Bayern hat in der letzten Woche, anläßlich der Wanderversammlung bayerischer Landwirthe, unsere Gegend besucht und dabei verschiedene jüdische Etablissements und Fabriken — zur Freude des antisemitischen Bundes der Landwirthe sei's gesagt — mit großem Interesse inspieirt. Zunächst hielt der Prinz in Buch bei dem Fabriksbesitzer Hellmuth, dessen Etablissement er genau besichtigte, worauf er ein von Frau H e l l m u t h ihm angebotenes Frühstück freundlichst annahm. Da der Prinz selbst ein hervorragender Landwirth, so ist die äußerst günstige Beur theilung, die er über die Fabrik aussprach, von doppeltem Werth. Bei dem Festmahl in Fürth saß der Prinz ztvischen dem Bürgermeister und dem Commerzienrath U l l m a n n. Dann besuchte er trotz strömenden Regens die Bronzesabrik von E i e r m a n n und Tabor, die Spiegelbelege von I. Bach, die Spiegelfabrik von I. Wied er er, die Kunstanstalt von G. L ö w e n s o h n, das Exportmusterlager von U ü nt a n n und Engelman n, wo er einen ihm vom Commerzienrath angebotenen Imbiß huldvollst annahm. Und das sind Alles Juden! Was sagen unsere Agrarier dazu? Am 13. d. M. besuchte Prinz Ludwig hier die Musterausstellung der Gebrüder Bing. Auch die Synagoge erfreute sich des hohen Besuches. Am Portal des Gotteshauses von dem derzeitigen Vorstand, Justizrath I o s e p h t h a l, erwartet und von diesem und den Berwaltungsmitgliedern, den Herren F e i stm a n n und F e ch h e i m e r, in den Tempel geleitet, wurde der hohe Gast beim Eintritt von dem Rabbiner, Herrn Doetor Ziemlich, mit einer Ansprache empfangen und durch die Synagoge geführt. Der Prinz interessirte sich lebhaft für die rituellen Einrichtungen, nahm Augenschein von den festlich geschmückten Thorarollen und sprach sein Wohlgefallen über den hellerleuchteten, stattlichen Bau aus. Während der Führung des Gastes brachte der Gesammt-Synagogenchor unter Leitung seines Dirigenten den von Lewandowski componirten Psalm 21 zum Vortrag. Rach herzlicher Verabschiedung begab sich Prinz Ludwig von da in die Lorenzkirche zur Besichtigung derselben. Berlin, 2:;. Mai. Die Folgen der eonservativ antlsemi tischen Hetze gegen die jüdischen Richter konnten nicht drastischer

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