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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-05-31 · 22 (31.5.1895) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
22 (31.5.1895)
Date
1895-05-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 408 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 22 - Krems. Als die traurige Kunde vom Ableben des Herrn Wilhelm Ritter von G u t m a n n nach Krems kam, fühlte sich der Vorstand der israelitischen Cultnsgemeinde verpflichtet, eine Sitzung einzuberufen, um Anordnungen zu treffen, auf welche Weise diesem Herrn von der Gemeinde der schuldige Dank abznstatten sei. Es wurde beschlossen, zwei Herren vom Vorstande zur Leichenfeier nach Wien zu entsenden, HO Tage das Seelenlicht zu brennen und eine Todten- und Trauerfeier zu veranstalten. In der Sitzung widmete der Vorsitzende dem Verstorbenen einen Nachruf, hob seine Verdienste hervor und sagte am Schluffe: „Der Verblichene war im wahrsten Sinne des Wortes der größte Wohlthäter der Cultnsgemeinde, der uns zu einem würdigen Gotteshause verholfen hat. Ferner hat sich der Verstorbene durch die Förderung des Baues vieler Humanitätsanstalten ein bleibendes Denttnal errichtet." Sonntag hat ein Trauer-Gottesdienst stattgefunden. Herr Doctor Weiß, Rabbiner in Krems, hielt eine Ansprache an die Anwesenden, und Cantor Frank trug einige Psalmen vor. Podium und Altar waren schwarz umflort. Der Vorstand der Kremser Cultnsgemeinde, die Herreil K a r p f e n und Schick, waren beim Leichenbegängnisse in Wien zugegen. Lcipuik, 27. Mai- Ans Anlaß des Ablebens des Herrn Wilhelm Ritter von Gutmann, des edelsten Sohnes der hicrortigen Jsraeliten-Gemeinde wurde gestern in dein hiesigen schwarz decvrirteu, hell erleuchteten Tempel unter sehr zahlreicher Betheiligung der hiesigen Gemeindemitglicder, sowie auch der Repräsentanten der hiesigen Stadtgemeinde ein Trauer-Gottesdienst abgehalten. Herr- Rabbiner Dr. F. Hilel schilderte in warnrcn Worten die außerordentlichen Verdienste des Verblichenen, besonders seinen stets regen Wohlthätigkeitssinn und die besondere Festigkeit, mit welcher er für die Besserung der Stellung seiner Confession eintrat. Aber in seinem Geiste konnte er keine Schranken in Betreff der Confessioncn zwischen Mensch und Mensch und war stets in trüben Zeiten ein eifriger Helfer stiller Menschenliebe, und wie viele Greise, Witwen und Waisenkinder wissen heute noch nicht, durch wen ihnen Trost und Hilfe zukam, denn da galt es nur, zu helfen und zu trösten. Tiefgerührt verließen wir den Tempel und eine stattliche Anzahl der Anwesenden begab sich unter der Führung des Bürgermeisters und Cultusvorstehers, Herrn Herrmann Beck, in das Haus des Herrn Jonas S ch r a m e k, wo einst die Wiege des Verewigten stand, um dort unter der Leitung des Rabbiners Herrn E. Weiß Gebete für das Seelenheil des Verblichenen zu verrichten. . Straßnitz, 26. Mai 1805. In seinem, am gestrigen Sabbathe abgehaltenen homiletischen Vorträge widmete unser ehrwürdiger Herr- Rabbiner Fricdmann den Manen des weithin rühmlichst bekannten Philanthropen Herrn W. Ritter v. G'u t m a n n einen tiefempfundenen Nachruf. In beredten, überzeugenden und zu Herzen gehenden Worten schoberte der Redner den großen Verlust, den durch das Ableben des Oberhauptes des weltberühmten Hauses Gebrüder Ritter v. Gutmann nicht allein die leidtragenden Familienangehörigen und das Judenthnm, sondern auch die gesaniutte Menschheit erlitten hat, ein Verlust, der in unserer an anttsemitifchen Verhetzungen krankenden Zeit umso tiefer zu beklagen ist, da Herr W. Ritter v. Gut m a n n zu den Ausgezeichneten zählte, auf welche die Judenheit zur Abwehr des Antisemitismus mit besonders gerechtem Stolze Hinweisen konnte. Unter sinniger Auslegung passender Citate aus dem Wochenabschnitte und den diesbezüglichen Midraschim that der Herr Rabbiner klar und wahr dar, daß das ganze Leben und Wirken des für die heiligen Interessen des Judenthums begeistcrten und allen Menschen wohlwollenden und nurwohlthuendcn edlen Herrn W. Ritter v. G u t m a n n eine ununterbrochen? Kette von hervorragenden Verdiensten, geschmückt und verherrlicht mit glänzendem lliäuLcli-basebein bildete. Der illachruf machte auf alle Tempelbesucher einen sichtlichen, tiefen Eindruck, aus dem zu erkennen war, daß jeder Einzelne es fühlte und tief empfand. F. Von dem Leichenbegängnisse des Ritter von Gutm a u n haben wir noch nachzutragen die schönen Worte, welche der Hauptcassier Herr Ludwig L a z a r im Namen der Angestellten an der Bahre des Chefs gesprochen und welche aus die Traueroersammlung einen mächtigen Eindruck gemacht haben: „Tie unvergleichlichen Verdienste des, ach, zu früh Dahin - geschiedenen, die ausgezeichneten Eigenschaften des Mannes, den wir beweinen, sind in beredter und ergreifender Weise gerühmt worden; was aber der theuere Todte uns, seinen ihin stets treu ergebenen Beamten, gewesen, das kann nur der empfinden, der unter der liebevollen, fürsorglichen väterlichen Leitung des Seniors unseres Hauses gestanden, und auch nur der vermag die Größe des Verlustes zu ernteffcit, den wir erlitten. Wir glauben unserer Pietät für den Verblichenen nicht besser und würdiger Ausdruck verleihen zu können als dadurch, daß wir an der Bahre unseres unvergeßlichen Herrn und Meisters feierlich geloben, seine edlen Intentionen, seine mnstergiltigen Geschästsprincipien immerdar hochzuhalten, beseelt von denselben, unseren vom Schicksale so schwer heimgesnchten Chefs als treue Mitarbeiter zur Seite zu stehen, um so mit unseren schwachen. Kräften, doch geleitet von den besten Absichten, das Andenken unseres hochverehrten Chefs, des Herrn Wilhelm Ritter von Gutmann, zu ehren. Ein „Lebewohl" können wir Dir nicht zurufen, denn Du lebst in dankbarer Erünlerung in unseren Herzen fort und fort!" Die Familie des Verblichenen veröffentlicht folgende Danksagung: Aus Anlaß des Hinscheidens unseres theueren Familienobcrhauptcs, des Herrn Wilhelm Ritter von Gut in a n n, sind uns aus allen Kreisen Beweise aufrichtiger Theilnahme in so großer Anzahl zugekommen, daß wir uns einsttveilen außer Stande besinden, für dieselben im Einzelnen unseren Dank abzustatten. Wir bitten daher, vorläusig auf diesem Wege unseren herzlichsten und tiefgefühltesten Dank entgegeuzunehmen. Wien, 22. Mai 1895. CorrespondeiiM. Wien. (Antisemitsche Ausschreitungen bei einem Leichenbegängnisse.) Samstags Abends ereigneten sich, wie die „Oicuc Freie Presse" meldet, in Hernals beim Leichenbegängnisse eines Mädchens ungemein widerwärtige Scenen, welche unverkennbar antisemitischen Charakter trugen. In Hernals, Schumanngasse 0cr. 54, war ein 23jähriges Mädchen, Charlotte S ch lv a r z, an Lungcntuberculose gestorben und zur Beerdigung auf den Ccntralfriedhof überführt worden. 0tach dem jüdischen Ritus darf nun am Samstag eine Leiche erst dann vom Hause wcggebracht werden, wenn schon Sterne am Himmel sichtbar sind. Der Leichenwagen kam jedoch etwas früher und hielt vor dem bezeichneten Hause. Nun sammelte sich eine größere Menge um das einfache Geführte an, und bald erhob sich ein wildes Lärmen und Schreien. Man hörte die Rufe: „Hurrah, Hurrah, wieder ein Jnd! Nieder mit den Inden!" und Aehnliches. Endlich rückte der Moment heran, wo die Leiche auf den Wagen gehoben und auf den Centralfried Hof gebracht werden konnte, und auch dieser traurige Act vollzog sich unter den höhnischen Rufen der zumeist ans jungen Burschen bestehenden Menge. Mährisch-Ostrau, 26. Mai. Die hiesige cz e ch i sch e Ha n dw e r k e r g e n o s s e n s ch a f t hatte ohne Zustimmung der deutschen Genossenschafter für heute in's „Narodui Dum" einen H a n dw e r k e r t a g einberufen und zu demselben antisemitische und czechische Abgeordnete und Führer als Referenten eingeladen, von welchen Mechaniker Schneider und B r z e n o w s k y, Dr. S ch a m a n e k, ferner Schuhmacher B i tz a aus Wien eintrafen, während die gleichfalls geladenen Antisemiten Greg o r i g und P o l z h o f e r fernblieben. Sämmtliche hiesigen deutschen Handwerker beschlossen, dieser Versammlung vollzählig beiznwohnen, um gegen jede antiliberale und antiscmitlsche Provocation energischen Protest einzulegen; sie erschienen in der Stärke von 150 Mann, darunter etwa 80 jüdische Handwerker, in der Versammlung unter Führung des Kupferschmiedes L a n g e r und des Glasermeisters F r i e d l ü n d e r. Schon bei der Loyalitätsknndgebung aus den Kaiser, welche der Vorsitzende Z a p l e t a l blos czechisch ausbrachte, verlangten die deutschen Handwerker stürmisch die Wiederholung in deutscher Sprache, welcher Forderung entsprochen iverden mußte. Die Angriffe ans den liberalen Bürgermeister Tr. Johanny, welcher, weil der deutsche Gewerbeverein nicht geladen wurde, absichtlich nicht erschienen war, wurden von den deutschen Handwerkern entschieden znrückgewiesen und unterdrückt. In Folge des energischen, geschlossenen Auftretens der deutschen Hand-

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