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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-05-31 · 22 (31.5.1895) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
22 (31.5.1895)
Date
1895-05-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 406 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 22 Redner bekämpft beide Gegcn-Ncsolutionen und tritt für jene des Dr. Spitzer ein, welche thunlichst verhindern soll, daß Pater Deckcrt noch einmal in die Lage komine, solche Reden zu halten. Wenn ein jüdischer Priester so sprechen würde, so würde ihn dessen Vorstand davonjagen. Wir wollen sehen, ob die Vorgesetzten des Pater Deckert sich dazu passiv verhalten werden. Unsere Mitbürger wollen wissen, daß der Cardinal- Erzbischof von Wien diese Verhetzungen und Lügen mißbillige und verurtheile. (Beifall.) Architekt Wilhelm F r a e n k e l ist gegen Resolutionen überhaupt, man brauche T h a t e n. Nirgends sei Gnade zu erbitten, sondern lediglich unser Recht zu verlangen und zwar im Parlamente, nicht als Juden, sondern als Staatsbürger. Die liberale Partei sei nicht mehr in der Lage, unsere Rechte zu vertreten. Helsen könne nur eine Verschmelzung der liberalen Partei mit der demokratischen Partei zu einer schon von Fischhof und Walterskirchen an-. gestrebten Volkspartei. (Vielfacher Widerspruch.) Herr Jacob R i p p e r ist ganz einverstanden, daß die Juden für sich etwas thun er hofft auf die neue Thätigkcit dieses Vereines, dessen Präsidenten speciell er unter lauter Zustimmung der Versammlung sein vollstes Vertrauen ausspricht. Ihm sei jeder Schritt jede Resolution, jede Action zur Zusammenfassung der Kräfte willkommen. Er empfiehlt Wanderversammlungen, systematische Organisation, um mitzuhelfen bei der Wiedereroberung Wiens. (Allgemeiner Beifall.) Herr S. B r o d räth als Mann aus dem Volke, als Jude ab, an die Stufen des Thrones zu gehen. Man darf nicht das letzte Mittel ausspielen. Auch sei diese Versammlung nicht berechtigt zu dieser Resolution, da müßten die weitesten Kreise der Juden der Monarchie vorher herangezogen werden. Redner empfiehlt, fest und solidarisch zusammenzuhalten, eventuell einen passiven Widerstand in Sachen des Luxus, der Vergnügungen rc. zu organisiren. (Beifall.) Nachdem noch die Herren Bielitz, Markus und Albert Gutmann gesprochen und mehrfache Anregungen gegeben haben, resumirt der Präsident, Dr. Fialla, die Debatte, indem er zugleich widerräth, die eine Deputation an Seine Majestät anstrebende Resolution anzunehmen — schon um der unermeßlichen Gefahr willen, die ein Mißerfolg in sich schließt — dagegen empfiehlt, die Entsendung einer Deputation an Seine Eminenz zu beschließen, da hiemit keinerlei Gefahr, keinerlei Canossagang, keinerlei Preisgebung des Rechtsstandpunktes, vielmehr nur der Zweck verbunden sei, das Eingreifen der kirchlichen Obrigkeit und etwa auch eine persönliche Kundgebung des höchsten kirchlichen Würdenträgers in Oesterreich zu erwirken. Dr. Fialla erklärt weiters die von Dr. Jakob Kohn beantragte Resolution nicht zur Abstimmung bringen zu können, da Antragsteller noch nicht Mitglied des Vereines' sei, und schreitet nunmehr zur Abstimmung, bei welcher die Resolution des Dr. Spitzer — Deputation an den Fürstcrzbischof von Wien >— mit allen gegen acht Stimmen angenommen, jene des Dr. Hofmann dagegen — Deputation an den allerhöchsten Thron — einstimmig abgelehnt wird. (Allgemeiner Beifall) In vorgerückter Nachtstunde wird die Versammlung, welche in anregendster Weise verlaufen war, geschlossen. Ein jüdisch-deutsches Erben Christi. K o l o m e a, den 15. Mai 1895. Sehr geehrter Herr Rcdacteur! In Nummer 19 Ihres geschätzten Blattes erfuhr das famose Büchlein „Ein jüdisch-deutsches Leben Jesu" durch Seine Ehrwürden Dr. M. G ü d c m a n n eine streng wissenschaftliche Beleuchtung, die wohl in eingeweihten Kreisen das lebhafteste Interesse Hervorrufen dürfte. Weit entfernt, auch nur eine Haarbreite von den wesentlichen Resultaten abzuweichen, zu denen Herr Dr. G ü d em a n n auf Grund seiner eingehenden Erörterungen gelangte, kann ich doch unmöglich mein Befremden über eine unerklärliche, durch keinen Beweis erhärtete Stelle der Recension unterdrücken, welche in folgenden Worten gipfelt: „Der Zauber mit dem Gottesnamen, den der Talmud noch nicht kennt, ist verhältnißmäßig jung, spielt aber in dem Aber- und Zauberglauben des XII. und XIII. Jahrhunderts eine große Rolle." Daraufhin möchte ich zunächst von den zahlreichen Beispielen aus der weitschichtigen, talmudisch-midraschischen Literatur auf folgende Stellen Hinweisen, welche in klarer, unzweideutiger Weise gegen die von Seiner Ehrwürden aufgestellte Behauptung sprechen. * a) Jebamoth 495: „Er sprach den Gottesnamen ans und wurde von einer Ceder verschlungen." b) Succa 58b: „Er schrieb den Gottesnamen auf einen Scherben, senkte letztere in die Tiefe, worauf die Flnth zurücktrat." c) Aboth de Rabbi Nathan XII zu Ende des Abschnittes: „Wer sich mit dem Gottesnamen bedient, wird seines Antheils an künftiger Seligkeit verlustig." d) Jerusch. Joma Jer. III 7: „Samuel ging einst an einem Ort vorüber, da hörte er, wie ein Perser seinem Sohn mit Anrufung des Gottesnamens fluchte und bald darauf bauchte auch Letzterer seine Seele aus." e) Rabb. zu Exodus II 14: „Daraus ersieht mau, daß Moses den Egypter blos durch Anrufung des Gottesnamens getödtet hatte." t) Bababathra 73 a: „Wir besänftigen die brandenden Wogen des Meeres mit Hilfe eines Stockes, auf dem der Gottesname gravirt ist." Vergleiche ferner: Raschi Kiduschin 71a, Sanhedrin 67b, Aboda Sara 17b, Sabbath 81b, Kiduschin 395, Tosephot Chagiga 14b. Aus den angeführten Citaten geht bis zur Evidenz hervor, daß der Glaube an die dem Gottesnameu innewohnende Wunderkraft bereits in dem talmudischen Zeitalter vielfach verbreitet war, was selbstredend im diametralen Gegensatz zu der Ansicht des Herrn Dr. G ü d e m a n n steht. Indem ich Sie um gefällige Aufklärung, eventuell im Wege einer Briefkastcnnotiz, inständigst bitte, zeichnet mit dem Ausdrucke ausgezeichneter Hochachtung Ihr ergebenster Isaak H i r s ch. Geehrter Herr Redacleur! Es freut mich, daß Herr Hirsch meinen Artikel aufmerksam gelesen hat, und ich ersuche Sie, seinen interessanten Brief abdrucken zu lassen. Meine Rechtfertigung ist in dem Briefe selbst enthalten. Ich spreche von dem „Z a n b e r mit dem Gottesnamen, den der Talmud noch nicht kennt," und Herr H. beweist, daß der „Glaube an die dem Gottesnamen innewohnende Wunderkraft bereits in dem talmudischen Zeitalter vielfach verbreitet war." Gerade der Glaube an die Wunderkraft des Gottesnamens schützte davor, ihn zu Zauber zw ecken zu mißbrauchen. Ich müßte das Capitel „über den jüdischen Aber-, Zauber- und Hexenglauben in Frankreich und Deutschland im Xll. und XIII. Jahrhundert" im ersten Bande meiner „Geschichte des Erziehungswesens und der Cultur der abendländischen Juden" hier noch einmal abschreiben, um zu zeigen, was ich mit der von ihm angefochtenen Aeußerung sagen will. Es genüge die folgende Stelle S. 218 anzusühren: „In der That ist in solcher Ausartung und Brutalität der Aberglaube im Judenthum eine bis dahin unerhörte Erscheinung und weder der Talmud, der trotz seiner Dämonologie und mancher von Persern und Anderen entlehnten Superstitionen im Ganzen antisnperstitiös ist, noch die sonstigen bis zu

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