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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-05-31 · 22 (31.5.1895) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
22 (31.5.1895)
Date
1895-05-31
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Dr. Bloch's Wochrnschrifk. Seite 401 Nr. 22 Pumpo, der berühmteste Darsteller des „dummen August". Er legt zuerst die Hand auf's Herz und wackelt mit dem Oberleib, welches Liebe bedeutet; nachdem er den Zeigefinger auf die Lippen gelegt hat, zeigt er auf die eigene, gedankenreiche Stirn und schüttelt wehmüthig verneinend das geistvolle Haupt. — Ich weiß wirklich nicht, was die „individuell Bezeichueten" wollen. Lueger mußte doch seine College», die Fleischhauer begrüßen. Zu ihnen fühlte er sich hingezogen. Ich hätte bestimmt geglaubt, daß er ihnen einen sachlichen Vortrag über „Theorie und Praxis der kunstgerechten Herausnahme des Beuschels" halten würde, dem es gewiß an rauschendem Beifall nicht gefehlt hätte. Statt dessen gab er blos antieapitalistisches Hinteres mit antisemitischer Zuwage in abgehackten Sätzen zum Besten. Das clericale Hüferschwanzel seiner Rede trat erst am Schlüsse kräftiger hervor. Nachdem er glücklich geendet, erklirrten die schweren Goldketten aus allen Bäuchen der von den jüdischen Biehcommissionären schmählich an den Rand des Abgrundes gedrängten und in ihrer wirthschaftlichen Existenz bedrohten Fleischhauer, und vielbcringte, feiste Hände klatschten ihm rasenden Beifall zu. Da verlangt man, er hätte die langweiligen, mageren, deutschen Schulmeister begrüßen sollen. Anstaudspflichten! Die gibt's bei unS Antisemiten nicht, die kennen wir nicht. Auch der Wiener Cäsar sagt: „Laßt wohlbeleibte Selcher um mich sein, die Tags gut essen und die Nachts gut schlafen; der Schulmann dort hat einen hohlen Blick, er denkt zu viel, die Leute sind gefährlich . . ." Hast Du die prächtigste und fidelste aller Berichtigungen zu Gesichte bekommen, welche jemals geleistet wurde? Du, die ist geradezu großartig. Ich habe den Wisch just nicht bei der Hand, aber ungefähr so ging die Melodie: „Es ist unwahr, daß ich eine Lustvilla ausgespielt habe, wahr ist, daß die Gewinnerin selbe mit großer Unlust gewann. Es ist unwahr, daß Paulus Meyer bei mir gewohnt hat, er hat niemals bei mir gewohnt, sondern er. hat nur bei mir gewohnt. Ferner ist es unwahr, daß das Blutmordritualmärchen von Ostrowo blos erfunden ist, wahr ist vielmehr, daß es erstunken und erlogen ist. Es ist unwahr, daß ich die Juden verbrennen lassen will, ich habe im Gegentheil meine Zuhörer gebeten, sie nicht anbrennen zu lassen . .." Du, Pumpo, die letzte Wendung ist besonders fein. Wenn nun aber ein Jude auf den Einfall käme, in einer Retourkutsche vorzufahren und zu sagen: „Ich halte den oder jenen nicht für den infamsten, gewissenlosesten, frivolsten, niederträchtigsten und geldgierigsten Volksverführer, Kanzel- und Kirchenschänder, und wünsche nicht, daß ein Nagel eingeschlagen werde, zu welchem er mittelst einer hänfenen Sicherheitsleine in ein bestimmtes Abhängigkeitsverhältniß treten möge. Ich wünsche ebensowenig, daß der oder jener in Weihrauch geselcht werde"? Das käme doch ungefähr auf dasselbe heraus und das könnte doch so ein frecher Semite ganz gut entgegnen. Da wär' ich doch recht begierig zu erfahren, wie ein gewandter, zungenflinker Hetzprediger darauf erwidern würde! Was geht mich Deutschvolkler übrigens die Pfafsheit an! Alle sind sie von Grund aus verjudet und wurzeln tief im alten Geschichtenbuch der Juden. Da hat in den letzten „Unverfälschten" ein herrlicher Aufsatz gestanden, der mir geradezu aus der racenreinen Seele geschrieben war, unsere Stellung zum Christcnjudenthum deutlich machte, und für den herrlichen, altgermanischen Wotanglauben begeistert eintrat. Der Verfasser der „Wurzeln christlicher Vorkunde" kann nur eine Gestalt des alten Testaments halbwegs leiden, den „kräftigen und freimüthigen" Esau. Mit Recht findet er, daß der germanischem Wesen am nächsten kommt, uns am verwandtesten ist. Für ein bissel Essen kann man nämlich von uns Alles haben. Jacob dagegen ist ein „Erzgauner", der an die erhabene Lauterkeit unserer „Aasen und Wauen" (kennt mer) nicht hinanreicht. Wir sind Alle „Adalinge und Freie mit racenreinem Stempfel"! Bemerkenswerth ist, daß der Verfasser vvni Schächten sagt: „eine gar langsame Tödtung, und beruhet in Wahrheit auf rohester Vorstellung: was nemlich mit dem Blute eine Thieres-Seele in den Menschen übergehe; also etwa auch nach göttlicher Offenbarung an Mose!" An der Schöpfungsgeschichte ist auch allerlei zu bekritteln. Ungemein scharfsinnig wird bemerkt: „Hier muß I .... sich hinterdrein erst berichtigen und empfinden, daß es unweise gewesen sei, nur einen Adam, aber doch mit „männlicher" Geschlechts-Ausprägung geschaffen zu haben; welche Eignung er ja, ohne weibliche Ergänzung, gar nicht nützen konnte." Welche tiefe Welt- und Menschenkenntnis, Lebenserfahrung und durchdringende Naturbeobachtung sprechen doch diese wenigen Zeilen aus! Aber nicht minder bedeutend ist die Stelle: „Dürfte einseitige Ahnung weiblicher Geschöpfe irgend welche Glaubhaftigkeit ansprechen, so müßte man folgerichtig vermuthen, daß auch ein Urstier von seiner kühischen Genossin irgendwie verleitet sei." All diese „selbhast" erworbene Weisheit tritt dem jüdischen „Bücherbund" ebenso kraftvoll und männlich entgegen, wie den Bestrebungen des „neuzeitlichen Aufkläriches". Jesu und Baldur sind nach Schönerer und Jro nur eine einzige Person. Jesus ist ein Urgermane, ein Deutscher. Wo er geboren ist? In Berlin? Das „dürre, eingottheitliche Judenthum" bekommt noch ein paar flüchtige, elegante Streishiebe, der Verfasser hat Eile und er vertröstet uns: „Darvon anderes Mal." Im „letz—sten" Augenblicke aber ermannt er sich zu dem ebenso edlen, wie klar ausgedrückten Segensspruche: „Wünschen wir den Juden, daß sie auch staatlich zu eigenlebigem unabhängigem Gemeinwesen wiederum gelangen! Schiedlich — friedlich!" — Ich war geradezu entzückt von der prächtigen Stylübung, die so ganz in meinem Sinne abgefaßt ist, daß sie von mir hätte sein können. Die Mila hat mich auch unaufhörlich gequält, ob i ch das geschrieben habe, ich möge es doch eingestehen. Doch schmücke ich mich nicht mit fremden Federn und sagte ihr stolz und einfach: „Mein letz—stes, selbhastes Aufklärich heißt: nein — ich wünsche eigenlebig zu sein! Lassen Sie mich gefälligst schiedlich, friedlich!" — Da sah sie mich verwundert mit ihren größten Augen an . . . Inzwischen merkte ich, daß ich bereits so dürre geworden war, wie das eingottheitliche Judenthum und bestellte daher einige Cognäcke, die mir Johannes, der tückische Zahlenmensch, nach den üblichen lästigen und zeitraubenden Verhandlungen eben herüberlootst. Daher ich schleunig schließen muß. Servus, Pumpo! U. D. G. Teutobold, „gestempfelter Adaling". Selbstschutz. Täglich kann man beobachten, daß eine Unzahl von Verbrechen und Vergehen in Wort und Schrift straflos begangen werden kann. Man braucht nur eine antisemitische Zeitung in die Hand zu nehmen, sei es eine größere der Hauptstadt, die das Lügen und Verleumden en gros betreibt, sei es eines der zahllosen Winkelblätter, die in den Provinzen ihr Dasein aus den Abdrücken ihrer Wiener Muster fristen. Welche Fülle von Erfindungen, Verleumdungen, Gemeinheiten und Beschimpfungen wird da sichtbar und macht sich behaglich trotz aller Paragraphe des Strafgesetzes breit! Es wäre interessant und des Versuches werth, einmal eine Auslese dieser Gemeinheiten, Lügen und Hetzen wörtlich zu veröffentlichen, nur mit der kleinen Aenderung, daß für das Wort Jude das Wort Czeche, Pole, Slovene rc. gesetzt würde. Wir sind fest überzeugt, daß die Strafbarkeit dann sofort wahrnehmbar würde. Diesem „Liberalismus" der strafenden Gerechtigkeit ist es vor Allem zuzuschreiben, daß die Judenhetze sich heute so schamlos frech vorwagt. Unter solchen Verhältnissen fragt es sich, ob die Juden

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