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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-05-31 · 22 (31.5.1895) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
22 (31.5.1895)
Date
1895-05-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 400 Vr. Dloch's Wochenschrift. Nr. 22 hat denn das behauptet, Herr Pfarrer? Sie lügen ja unausgesetzt in den Hals hinein! Wir haben von einem Processe gesprochen, den Sie wegen eines Patentes für neue Waggonkoppelungen zu führen hatten, weil der Erfinder, dem Sie das Patent abgekauft hatten, sich durch Sie betrogen erklärte. Und nun machen Sie aus einem „Patente" ein „Patronat"! Sie lügen auf der Kanzel, Sie lügen vor Gericht, Sie lügen in der Zeitung, Sie lügen überall und häufen so Schmutz und Schimpf auf das ehrwürdige Kleid, das Sie tragen. Herr Deckert bezeichnet es ferner als eine Lüge, daß er die Geschichte des Ostrowo-Ritualmordes erfand und daß vor Gericht die Unwahrheit dieser Geschichte nachgewiesen wurde. Mit einer echt jesuitischen Wendung sagt er: „Es wurde nur die Wahrheit der Geschichte nicht nachgewiesen." Wir empfehlen den kirchlichen Oberen des Weinhauser Pfarrers dessen Kampfweise zu genauer Beachtung. Pfarrer Deckert ist von dem Wiener Schwurgericht verurtheilt worden, weil sich der Ostrower Ritualmord als eine von ihm und Paulus Meyer erfundene Geschichte herausgestellt hatte. Die völlige Unwahrheit wurde nachgewiesen durch die Thatsache, daß der Rabbi, welcher den Mord verübt haben sollte, nach urkundlichen Zeugnissen und nach dem Wortlaute der Grabschrift zwei Jahre vor dem angeblichen Zeitpunkte des Mordes in einem Warschauer Krankenhause gestorben war. Und dem gegenüber wagt Herr Deckert heute noch zu erklären, daß nicht die Unwahrheit erwiesen wurde, sondern daß nur die Wahrheit nicht erwiesen werden konnte! Auch für die von Herrn Deckert mit eiserner Stirne in Abrede gestellte Thatsache, daß er geleugnet habe, dem Paulus Meyer eine Zeit lang Unterstand gegeben zu haben, berufen wir uns aus die Proceßakten, die Herr Deckert allerdings nicht so leicht verbrennen kann, wie die von chm so „heißgeliebten" Juden, und insbesondere den einen Juden, „den jeder Christ in seinem Herzen trägt". Der Lügner auf der Kanzel bleibt sich nur selbst getreu, wenn er auch in der Zeitung weiterlügt. Trüge dieser Mensch nicht das geistliche Gewand, es wäre wahrhaftig nicht der Mühe wcrth, sich noch weiter mit ihm zu beschäftigen. Seines heiligen Amtes entkleidet, würde Herr Deckert in den Augen aller ehrlichen Leute, Christen wie Juden, dieselbe Achtung genießen, wie seine beiden Brüder, die wir wiederholt charakterisirt haben, und die seiner so würdig sind, wie er ihrer. Teutobold über die Tsgrsfragen. Schreibebrief des deutsch-nationalen Studenten. XXIX. Wien, im höchsten Wonnemond 2005. Lieber, alter Kumpan Pumpo! Diese verwünschte Judenpresfe hat sich über die Wahl Lueger's zum Bürgermeister noch immer nicht zu Ende geärgert. Es verdrießt sie gewaltig, daß dieser gesinnungsstüchtige Mann glücklich am Ziele seiner Bestreberungen angelangt ist. Wenn ich „Judenpresse" sage, so nehme ich natürlich die Ehrenreichsschmähschnorrpost aus, welche bis aus den Semiten Spitzer-Weimar (!) von rein arischen Preßbengeln hergestellt wird und nicht zur jüdischen Sudelschmutzschandpresse zu zählen ist. — Doch habe ich die Judenblätter stark im Verdachte, daß ihr Aerger blos gemacht und ihr Verdruß nur gespielt ist. Innerlich freuen sie sich und frohlocken gewaltig, daß ihnen der verhaßteLueger auf den koscheren Leim gegangen. Die „individuell Bezeichneten" sind es, die ihn zum Vorsitzendelt wählen ließen, um ihll maultodt zu machen. Er kann sich jetzt weder selber zur Ordnung rufen, noch sich selber anbrüllen, auch nicht mit geballten Fäusten gegen sein empörend vergewaltigendes, ungesetzliches und eigenmächtiges Vorgehen wüthen — ja, die sind pfiffig und haben den grimmen Wüstenkönig mit der „Maxen" gefangen, ihm die oberen Backenzähne ausgebrochen und durch ein bedenklich wackeliges, künstliches Gebiß ersetzt. Als dressirter Löwe hat er sich auch dem Statthalter vorgestellt. Er beneidete vielleicht den böhmischen, der mit zwei Schweifen zugleich wedeln kann. Wenn Lueger jetzt die Zähne fletscht, so ist nicht einmal der Gregorig mehr so dumm, sich vor ihm zu fürchten. Denk' Dir nur, Pumpo, der neue Mann ist jetzt gar kein Judenfresser mehr — verträgt keine Juden — und sie liegen ihm im Magen. Die zehntausend Gulden hat er aus Judenhänden richtig für die Armen entgegengenommen und sich sogar dafür tiefgefühlt bedankt. D a ß er sie genommen, das war schon ganz recht, daraus ist. ihm kein Vorwurf zu machen — aber danken?? Das hätte, was ein wahrer, unverfälschter Judengegner ist, nie über's racenreine Herz gebracht. „Ein echter, deutscher Man mag keine Juden leiden, doch ihre Gelder nimmt er gern!" sage ich, den alten Goethe leicht ändernd. Und weißt Du, Pumpo, was mir gar nicht gefallen wollte? Das mit den Staatsgrundgesetzen! Er will des auf sie geleisteten Amtseideseingedenk sein? Ei Du Judenknecht! Umgehen, vorbeidrücken, suchte danebenschleichen, thun als ob sie nicht da wären — daS ist des echten Antisemiten oberstes Staatsgrundgesetz. Wohin soll denn das führen, wenn die Gesetze nicht blos auf dem Papiere vorhanden sind, sondern nach Geist und Wortlaut auch gehandhabt werden? Ich wage den Gedanken nicht auszudenken . . . Lueger hat dem Statthalter versichert, er sei eigentlich gar kein Feind der Ungarn. Im Gegentheile! hat er nicht ungezählte Wahl-Gulyüs verabreichen lassen? Ist das nicht Beweis genug? Er lernt sogar jetzt eifrig Csürdüs tanzen, um seinen freundschaftlichen Gesinnungen für die ritterliche Nation sporenklirrenden Nachdruck zu verleihen, und gebraucht eine ungarische Schnurrbartwichse, welcher er noch ein wenig Paprika zusetzt. Daß er stets ein Freund der Beamtenschaft und des Lehrerstandes war, brauchte er das erst zu beweisen? De«: Schulmeistern wollte er ihr schweres Amt abnehmen und die Schule der Geistlichkeit in die Hände legen. Und erst die Beamten! Es gab einige in höheren Stellungen, die ihn bis zum — Wahnsinn liebten. Doppelzüngigkeit werfen ihm seine Feinde vor? Die kennenden großen Lueger schlecht und unterschätzen seine Talente, wenn sie ihm blos zwei armselige Meinungen in einem Athem zutrauen. Es bleibt ihm merkwürdigerweise noch freie Zeit genüg, um feinem Lieblingszeitvertreibe, dem Spiele mit Pfändern zu obliegen, welche er jedoch nicht mit Küssen auszulösen pflegt. Da wärmen sie, um ihn nur recht zu ärgern, die ältesten Geschichten wieder auf und nehmen es dem wackeren Volksfreunde gewaltig übel, wenn er der von den Hebräern schamlos ausgesogenen, christlichen Bevölkerung Gelegenheit verschafft, äußerst preiswürdige Herrgötter, weit unter den Selbsterzeugungskosten zu erwerben. Durch seine Vermittlung konnte man ein hübsches, altdeutsches Speisezimmer (schade, daß ich damals die liebreizende Cassierin des Sitzes, die Mila noch nicht kannte!) und ein prachtvolles Schlafzimmer (ich hätte mich, weiß Wotan, sofort mit ihr verlobt) im Barockstyl ungemein günstig erwerben. Auf einen Fünfer bekam man noch vier Gulden und etliche Zehnerln heraus. Ja, der Mann hat schon was für's Volk geleistet; das soll ihm auch immer unvergessen bleiben, trotz aller hämischer Nergelei der „individuell bezeichneten Theile der Gesellschaft". Es ist ihnen auch nicht recht, daß er den Deutschen Schulverein nicht begrüßte. War denn nicht der liberale Herr von Matzenauer dort? Er sprach zwar kein Sterbenswörtlein, nicht „mau" hat er gesagt, aber pantomimisch wird er schon seinen Gefühlen für Deutschthum und Freiheit Ausdruck gegeben haben. In das Ballet „Rund um Wien" ließe sich die hübsche Begrüßungsscene sehr gut einstigen. Die Schutzgöttin des Deutschen Schulvereines, von Fräulein Rathner dargestellt, hält ein langes Lineal in der Hand, an dessen Ende ein Klingelbeutel befestigt ist und wird von Godlewsky bewillkommt. Der letztere Künstler war, wie Du weißt, lieber

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