Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 21 (24.5.1895)
- Date
- 1895-05-24
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 21 Dr. Bloch's Wochrnschrrfi. Heike 395 „Sie sagten mir ja, nach dem Feuer zu sehen," rechtfertigte sich der Fremde: „Wer sind Sie, und was wollen Sie?" wiederholte Simon Levi, dem ganz unbehaglich zu Muthe wurde. „Ich suche den Commissionär Levi, sind Sie's vielleicht selbst?" „Ja, der bin ich." „Das dachte ich mir, aber können Sie's auch beweisen?" „Beweisen? Wer bezweifelt es denn?" „Ich nicht. — Aber können Sic dennoch durch Documente bestätigen, daß Sie in Friedricia geboren und dort bei einem Herrn Heimann in der Lehre waren?" „Bestätigen? Warum soll ich's bestätigen? Ich will doch nichts haben von meinem alten Principal, Gott laß ihn selig ruhen, und heute ist Sabbath, Hab' keine Zeit, entschuldigen Sie mich!" „Ja, sind Sie also nicht derselbe Simon Levi, der einen Herrn Philipps Philpot gekannt hat?" Jetzt wurde Simon aufmerksam, und cs war, als wenn der elektrische Schlag, der ihn bei Erwähnung dieses Namens erschütterte, auch auf seine Schwester fortwirkte, die plötzlich erwachte, sich aufrichtete und verwundert um sich blickte. „Philipps Philpot?" sagte Simon. „Kommen Sie vielleicht ans Südamerika? Ich bitte, nehmen Sie doch Platz." - „Nein, aus Südamerika komme ich nicht, ich bin der Legationsrath X. und komme vom Ministerium des Acußern. Herr Philipps Philpot ist todt!" „Todt?" rief Levi traurig, „Philipps todt! Nebbich! Borucli dajin emmes! An was ist er gestorben? Hm, hm, Philipps todt!" „Ja und hat Ihnen 200.000 Thaler hinterlassen." „200.000 Thaler? Mir? — Wer sind Sie?" „Ich bin der Legationsrath „Können Sie das beweisen?" „Gewiß, hier ist meine Karte, antwortete lächelnd der Legationsrath. Im Uebrigen können Sie, sobald es Ihnen beliebt, im Ministerium selbst das Nähere in der Angelegenheit erfahren." „Träum' ich?" rief Simon Levi. — „Gitel, hast Du gehört?" „Weiß ich? ich mein'", antwortete Gitel, wie geistesabwesend. „Was hat er also gesagt?" „Er hat gesagt, daß Philipp Philpots gestorben ist und Dir 200.000 Thaler hinterlassen hat." „Dann hast Du also auch gehört, daß er sich Legationsrath nennt und behauptet, aus dem Ministerium zu kommen", setzte Simon mit fast drohendem Blick auf den Fremden hinzu. Dieser lächelte schon wieder. „Sie werden Alles so finden, wie ich eben sagte. Ja Sie sind bei der Summe wahrscheinlich noch zu kurz gekommen durch allerlei Abzüge, welche die dortige Behörde gemacht hat. Aber 400.000 Thaler sind für zwei Erben doch immer ein schön' Stück Geld. Ich gratulire Ihnen. Gute Nacht!" Und damit ging er. Als er fort war, maßen sich die Geschwister mit erstaunten Blicken. Sollte es möglich sein? 200.000 Thaler? Und dabei kein Pfennig davon zu sehen! Endlich erholte sich Simon so weit, von der Sache reden zu können. „Reich, Gitelchen, reich, 200.000 Thaler, weißt Du, was das heißt? Weißt Du, was für eine reiche Maid Du jetzt bist? Nun gewiß, wenn ich reich bin, bist Du's doch auch. Ja, reiche Leute sind wir jetzt! Was heißt reich? Kann ich von jetzt an mehr essen wie sonst? Gott sei gelobt, Hunger Hab' ich nicht gelitten. Kann ich mich strecken und werden drei Ellen hoch, ein Cavalier? Ein schwarz' Seidenkleid sollst Du haben, Gitel. Aber wenn Du's schon hast, was mehr? Es kommt der Tag, wo man uns in die Erd' legt wie den armen Philipps. Was ist Geld! Kann man sich's mitnehmen?" „Ja, ja, etwas muß doch d'ran sein, ein Mann aus dem Ministerium kommt Einem »licht so mir nichts, Dir nichts in's Hans gelaufen!" „Zweimalhunderttausend Thaler — 8000 Thaler jährlich Zinsen zu 4 Percent. — Ein Narr iverd' ich sein! 4 Percent! — Ich will nur annehmcn 5 Percent — macht 10.000 Thaler jährlich — Gitel — das macht 30 Thaler ■für jeden Tag. — Und wenn schon, was weiter! Können die mich g'rad und schön und jung machen? „Aber Hab' ich sie denn schon? Es wird doch nicht Einer aus dem Ministerium kommen, die Leute zum Starren zu halten! Was ist dabei aber Gottes Wille? Gelobt sei er — schützen will er uns Zwei auf unsre alten '^.age vor Kummer und Noth." — — „Ach, Gitel, könnt' ich nur lieber schlafen heute Nacht!" und damit wollte er in seine Schlafkannner — blieb aber plötzlich stehen und sagte: „Und was wird mein Bruder, der Windbeutel, dazu sagen?" „Was wird er sagen? Freuen wird er sich," sagte Gitel. „Ja, freuen! Warum soll er sich freuen — aber sobald er's hört, wird er von den 200.000 Thalern 400.000 Thaler geborgt haben »vollen. Gitelchen, ich leg Dir's aus, ich bitt' Dich, erzähl' nichts von der Erbschaft!" „Aber, Simon, »vie kann so 'was geheim bleiben?" „Geheiin! Wer sagt geheirn? Man soll nur nicht wissen, wie viel. — Ich Hab' 'was geerbt. Hast Du nicht selbst gehört, »vie er sagte, ich bin verkürzt worden. Denk, die Spitzbuben da drüben hätten uns noch mehr behalten und hätten uns — Gott soll mich nicht beim Wort nehmen — um 180.000 Thaler betrogen, so lnieben nur 20.000 Thaler, von denen mein leichtfüßiger Bruder wissen kann." „Er ist viel zu stolz. Dich um ct»vas zu bitten," sagte Gitel, „aber Master mußt Du doch geben, warum nicht lieber ihm als Fremden?" „Stolz, er stolz! Ja stolz ist er! Gegen »ven? Gegen mich, »veil ich ein armer Mann bin, und gegen Dich, die arme Schwester." (Fortsetzung folgt.) Literatur. Die Baraitha von der Herstellung der Ltiftshütte nach der Münchener Handschrift Eod. Hebr. 95. Herausgegeben und aus der rabbinischcn Literatur erläutert von Tr. Heinrich F l e s ch, Hamburg, A. Goldschmidt. Die Herausgabe einer interessanten Handschrift ist immer verdienstvoll, besonders dann, »venn dieselbe von einem gut geschulten Auge gelesen und von einem »vohlunterrichtetcn Kenner erklärt wird. Das ist nun hier der Fall. Die Dractate des Talmud, in »velchen Mittheilungen über die Stiftshütte gnnacht »verden. erfreuen sich gerade keines liebevollen Studiums von Seiten moderner Talmndforscher. Das Thema liegt eben abseits vom praktisch-religiösen Bedürfnis. Die „Baraitha von Herstellung der Stiftshütte" lag de»n Verfasser in drei Editionen vor, »velche au Correctheit zu »vünschen übrig lassen; es war daher richtig, sich an die Duelle zu »venden und die Münchener Handschrift als grundlegende zu betrachten. Was nun den hebräischen Text betrisst, so hat Flesch denselben mit kritischen» Tacke behandelt; seine Emendationen und Eonjlleluren, die in den Fußnoten durch Quellennachweise und »vissenschastliche Motivirungen als noth»vendige ertviesen werden, sind durchwegs einleuchtend. und der nun saubere Text ist lesbar und verständlich. Der Text auch des Münchener Ms. scheint sehr corrumpirt und von einem unsorgfältigen Abschreiber herzurühren-, daS beweist allein die dreimalige Wiederkehr von „pesacli“ für ..pethach* (pag. <), ein Lapsus, der bei der größten Leichtfertigkeit kaum für möglich gehalten »verden sollte. Folgende Textverbesserungen möchte ich noch Vorschlägen: pag. 4 (zur Note 13 und zu pag. 53. Xlese ich für schepipijoth einfach schephophe roth; das heißt ja „Rohre" imb