Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 21 (24.5.1895)
- Date
- 1895-05-24
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 394 Br. Vloch's Mochenschrrst. Är. 21 einen Bortrag über „Die Geschichte der Juden in Oesterreich" (1. Theil-- Referent nahm das 10. Jahrhundert als Ausgangspunkt, berücksichtigte in ausführlicher Weise alle Grönländer und besonders die Stadt Wien, widmete dem Zeitalter Friedrich des Streitbaren eine besondere Ausführlichkeit, wobei er ab und zu Streiflichter aus unsere jetzigen Berhältnissc warf, die in mancher Beziehung gar nicht besser sind als zu jenen Zeiten. Referent schloß seinen Bortrag mit der Mitte des 16. Jahrhunderts. Samstag, den 25. d- M., 7 Uhr Abends, findet der Bortrag des zweiten Theilcs, der die Geschichte der Juden Oesterreichs vom 16. Jahrhundert bis zu unseren Tagen behandeln wird, statt, wozu Gäste herzlich willkommen sind. Mittwoch, den 15. d. fand ein Discussionsabend über das Thema „Centralismus und Föderalismus" statt. Der Referent, Bercinsmitglied wect. M. Ernst, besprach in längerer Auseinandersetzung die Bedeutung beider genannten Regierungsformcn spccicll für Oesterreich und präcisirte auch seine Ansicht über die Stellung der Nationaljuden zu denselben. An der sich daran knüpfenden Discussion bctheiligten sich viele Mitglieder und Gäste. In letzterer Zeit fand ein Wechsel im Präsidium des Bereines statt. Zum Präses wurde .jar. David Korn, zum Biccpräses meä. Sal. Grünseld, zum Schriftführer meä. CH. Goldstein gewählt. G. Wien. (Jüdische akademische Lesehalle, Wien.) Samstag, den 25. d. M., 7*/* Uhr Abends, findet im Vereinslocale, IX., Harmoniegasse 8, der zweite Bercinsabend statt. Herr Universitätsdoccnt Itt. zur. et vüil. Siegmund Feilbogen wird über das actnclle Thema „Die akademische Jugend und die sociale Frage" sprechen. Es ist zu erwarten, das; dieser Bortrag ebenso zahlreich besucht sein wird, wie der vorhergegangene des Herrn Prof. Jerusalem. Gäste sind herzlich willkommen! Horn. Am 29. April l. I. erfolgte die dccuconstituftung der israelitischen Cultusgemeinde Horn Gliederösterreich), zufolge Erlasses der hohen k. k. Nicderöstereichischcn Sratthalterei in Wien vom .T März 1895, Z. 21570, unter welchen Datum und Zahl auch die Statuten dieser Cultusgcmeinde genehmigt wurden; bei der Neuwahl wurden in den Ausschuß gewühlt, die Herren: Max Wallisch, Obcrhollabrunn; Julius K u r z, Retz; Samuel S t e i n, Rodingersdorf; Johann R a n z e n h o f e r, Oberhollabrunn; David S ch l esinger, Horn; Salomon Deutsch, Hötzelsdorf; Bernhard G r ü n w a l d, Mailberg; Salomon W e i ß m a n, Retz; Bernhard K r a u p a, Eggcnburg. Als Ersatzmänner: Jakob Seidl, Retz; Josef R cusp ie l, Jmmendorf; Moriz Glaser, Horn. Inden verstärkten Cultusausschuß: Leopold Hauser, Weitersfeld;' Jakob König, Retz; Hermann Sch id los, Göllersdorf; Jakob Pi sker, Hardegg; Alois W e ch s l er, Oberhollabrunn; Seligmann S ch lesin g e r, Mold; David Fische r, Eggenburg; Heinrich S ch i mm erlitt, Zicrsdorf^ Karl Spitzer, Haugsdo'rf. Bei der sodann am 14. Mai l. Z. vorgcnommencn Borstandswahl wurde gewählt: Herr David Schlesinger iü Horn als Vorsteher, Herr Alax Wallisch in Oberhollabrunn als Borsteher-Stellvertreter. Herr Salomon Weißman in Retz als 1. Beirath, Herr Salomon Deutsch in Kötzelsdorf als 2. Beirath. Kozlow. <Bar Kochba-Feier.) Am 12. d. M. veranstaltete der Verein „DegelJeschurun" in Ztoczüw eine solenne Bar Kochba- Feicr, welche einen sehr würdigen Verlauf nahm. Gegen 6 Uhr- Abends versannnclte sich ein ansehnliches Publicum im Thentersaale der Herren Mütter und Finkclstein. Herr M ü t 1 e r begrüßte die Versammlung im Namen der Vereinslcitung und entwarf sodann ch kurzen Umrißen ein historisches Bild von den Bar Kochba'schen Kriegen und der Hadrian'schen Schreckenszeit. Hierauf hielt der bekannte hebräische Schriftsteller Herr R. A- Brandes aus Lemberg die F e st r e d c. Unter dem lebhaftesten Beifall des Auditoriums gelang es, auf die enge Verknüpfung von Religion und Nationalität im Judenthum hinzuweisen, indem er Rabbi Akiba als Symbol der ersteren undBarKochba als Symbol der letzteren bezeichnete. Hierauf crircutc uns Herr M. N e i g e r aus Ozy düw mit einer interessanten BiographieRabi Äkiba's, des zweiten Helden des Tages, welcheebenfalls mit Beifall ausgenommen wurde. Ferner hielt noch Herr M a r g u l i es, Lehrer der „Baron Hirsch-Schule" in Sassüw, einen gediegenen deutschen und hebräischen Bortrag, Herr S. Im b er, Bercmssccretär, dcklamirte ein hebräisches Gedicht „Sichron Jakob" aus der Feder seines Bruders N. H. Jmber, und Herr Joachim Neiger aus Kozläw sprach noch über «Die symbolische Bedeutung der Zahl un Judenthum". Zum Schlüsse hielt Herr Brandes eine Gedenkrede für den dritten Helden des Tages, N. Simon ben Jochai. In vorgerückter Stunde schloß die Feier und die Versammelten verließen befriedigt den Saal. virvrs „Oli en“. Lemberg, 17. Mai. II. Auf Initiative des Reichsrathsabgeordneten Herrn Dr. Emil Byk wurde heute unter dessen Vorsitz eineVersarnmlung hiesiger achtbarer Gemeindemitglieder abgehalten, um den in der Stadt Komarno am 15. d. M. durch ein verheerendes Feuer in Roth und Elend gerathenen Einwohnern dieser Stadt (1200 jüdische Familien erlitten hiebei einen Schaden von fl. 000.000 und viele früher vermögende Handelsleute sind zu Bettlern geworden) momentane Hilfe leisten zu können. Ein Hilfscomite wurde gebildet, um Sammlungen einzuleiten und den arnren Komarnoer Familien momentan unter die Arnre zu greifen. Feuilleton Masirr. Eine Episode aus Simon Lcvi's Leben von M. Jt. Ookoschmidt, aus dem Dänischen von I. Krank. Glücklich und friedlich saß Simon Levi Freitag Abends in seinem Stübchen. Er war aus „Schul" gekommen, hatte mit Schwester Gitel, seiner einzigen Hausgenossin, das würzige Mahl eingenommen, dann „gebenscht" und genoß nun, über ein Chumesch (Bibel) geneigt, nach der Woche Last und Mühen so recht die Weihe des Sabbaths, während Gitel sich in der Sophaecke einer Art Halbschlummer überließ. Wie es so dasaß, im verschossenen Sammtflaus, das kleine, etwas verwachsene Männlein mit den klugen, gutmüthigen Augen, malten sich in seinem, von struppigen, grau melirten Haaren umrahmten Gesichte nicht nur Glaube und Gottesfurcht, sondern auch etwas wie Sieg und Triumph. Ja, er fühlte auf's Neue,- wie der Zauber des Sabbaths über die Nichtigkeit und Prosa der Werktage siegte und ihn emporhob über die gemeine Wirklichkeit durch das Licht, das ihm aus dem ewigen Buche, an dessen Studium ertrotz Sorge und Noth immer wieder Trost fand, entgegenleuchtete. Von Zeit, zu Zeit langte er, ohne aufzublicken, nach den „gesottenen Erbsen", die als vielbegehrtes Dessert vor ihm' standen und ohne welche etwas starke Zumuthuugan einen minder widerstandsfähigen Magen ihm die Sabbathfreuden nicht vollzählig erschienen wären. Was fehlte also unserem Simon Levi zum Glücke, so lange jede Woche voll Qual und Last solch stillen Sabbathfrieden im Gefolge hatte? Was konnte Fortuna ihm bringen, falls die launische Göttin etwa zufällig einmal seines Weges kam? Und sie war nahe — ja Großes hatte das Schicksal mit unserem Helden vor; die überraschende Nachricht kam plötzlich und unerwartet. Philipps oder Philpots, sein Jugendfreund, dem er einmal mit Aufopferung seines ganzen armseligen Vermögens in großer Noth beigestanden, war in Buenos-Ayres als reicher Mann gestorben und hatte, nach Abzug einiger Legate, sein ganzes großes Vermögen in gleichen Theilen Simon Levi und einem zweiten Freunde, Ferdinand Carö, der ihm einst das Leben gerettet, vermacht. Der dänische Consul von drüben hatte dem Ministerium des Aeußeren Bericht erstattet, und ein Ministerialbeamter, ein Legationsrath, der gern sehen wollte, wie ein armer Jude aussieht, der plötzlich reich wird, hatte es übernommen, die frohe Botschaft in eigener Person zu überbringen. Als er nun an eben jenem Freitag-Abend an die Thür klopfte, glaubte Simon nichts Anderes, als es sei die Schabbesgoite, die gekommen wäre, die Lichter zu putzen und nach dem Feuer zu sehen, ries „Herein!" hörte, wie die Thür aus- und wieder zuging, ohne vom Buche aufzublicken. Als jedoch die Lichter für einige Augenblicke noch immer unberührt blieben, fragte er einfach, noch immer in sein Buch vertieft: „Nu?" Da nun der Fremde, dem die Situation immer interessanter wurde, das „Nu?" nicht verstand und stillschweigend der Dinge harrte, die nun kommen sollten, wurde Simon bald deutlicher und fragte; „Nu, warum putzen Sie nicht die Lichter?" Der Fremde griff belustigt nach der Lichtscheere, die vor ihm lag und schneuzte die Lichter. „Sehen Sie nach dem Feuer!" sagte daun Simon Levi, die Augen noch immer auf sein Chumesch gerichtet. Der Legationsrath, der sich wie Harun al Raschid inmitten eines pikanten Abenteuers fühlte, wollte sich auch zu diesem Dienste bequemen, aber das Feuer war ausgegangen, und cs von Neuem anzuzünden, das schien ihm doch zu viel. Er sagte daher einfach: „Das Feuer ist ausgegangen!" Diese Stimme! Erschreckt blickte Simon auf. „Was ist das?" rief er entsetzt, als er den Fremden gewahrte. „Wer sind Sie, was wollen Sie hier, was habe» Sie hier zu suchen?"