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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-05-24 · 21 (24.5.1895) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
21 (24.5.1895)
Date
1895-05-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 21 Dr. Vloch's Wochenschrift. Seite 393 ralversammlung der „Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden im preußischen Staate" statt. Der Vorsitzende, Herr Leopold L e s s e r, eröffnete die Sitzung mit dem Berichte über das abgelaufene Geschäftsjahr. Die Gesellschaft sei berufen, gerade' in der Gegenwart mit dem Streben nach Erreichung der Ziele, welche sie sich gesteckt, eine der besten und höchsten Culturaufgaben zu erfüllen. Die Gesammtzahl der unterstützten Haudwerkslehrlinge betrage 85, von denen 15 in dem vor vier Jahren in Pankow begründeten Lehrlingsheim untergebracht sind. Der Vorstand habe die Ueberzeugung gewonnen, daß das Heim geeignet sei, der allgemeinen Thätigkeit der Gesellschaft voüen Erfolg zu sichern. Die den Zöglingen im Heim zutheil werdende Erziehung bilde das einzige Mittel, um den schweren Gefahren, welchen die Lehrlinge in der Millionenstadt so leicht ausgesetzt sind, wirksam entgegenzutreten. Mit dem Appell an die Erschienenen, den gesunden Gedanken, den diese Einrichtung in sich trägt, verwirklichen zu helfen, schloß der Vorsitzende seinen Bericht. In der darauf folgenden Discussion bemühte sich Herr Gustav L e v y, welcher schon im vorigen Jahre als principieller Gegner des Lehrlingsheims auftrat, nachzuweisen, daß das Institut den Etat der Gesellschaft verhältnißmäßig stark belaste. Die Bedenken wurden durch die Herren Rechtsanwalt Kraft, I. Boden st ein und S. P i n k u s wirksam widerlegt, namentlich durch die Mittheilung, daß alle Vorbereitungen getroffen seien, um das Heim zu einer von der Gesellschaft völlig getrennten Einrichtung mit gesonderter Cassenverwaltung rc. umzugestalten. (Wie wir erfahren, ist es den Bemühungen der Herren I. Frankel und I. B o d e n st e i n gelungen, einen Fonds von circa M. 80.000 aufzubringeu, darunter M. 30.000 von Frau Johanna Lev y). Nachdem der Cassier, Herr S. P i n k u s, den Cassenbericht verlesen, erfolgten die Borstandswahlen, deren Ergebniß war, daß die Herren Leopold L e s s e r zum Vorsitzenden, Alfred Löwe nb e r g zum Schriftführer, R. Ball und I. F r ä n k e l zu Jnspectoren, M. F i e g e l, Martin Simon und Jakob Pasch zu Revisoren gewählt wurden. Hinzugeftigt sei, daß der in der letzten Nummer Ihres Blattes gegebenen Anregung seitens der Gesellschaft bereits Rechnung getragen wird, indem sie einen Knaben in der „Israelitischen Erziehungsanstalt" zu Ahlem zum Gärtner ausbilden läßt. Wir glauben annehmen zu dürfen, daß etwaige Gesuche jüdischer Eltern Berlins, welche ihren Kindern die gleiche Erziehung angedeihen lassen wollen und einen Beitrag zu den Pensionskosten von der Gesellschaft erbitten, auf Berücksichtigung hoffen können. Wloelawek. (Russisch-Polens Ende vorigen Monates verschied hier im Alter von 94 Jahren unser Oberrabbiner Josef Chaim Caro. Derselbe war einer der größten talmudischen Autoritäten des Landes. Er wechselte Briefe mit den berühmtesten Gelehrten und selbst aus sibirischen Gemeinden am Tomsk und Irkutsk gelangten Anfragen an ihn. Bei der peinlichsten Frömmigkeit bewährte er aber auch eine seltene Toleranz und während des polnischen Aufstandes im Jahre 1864 rettete er durch seine Bekanntschaft mit den Machthabern viele Menschenleben vom sicheren Tode. Seine hagadischen Werke sind über ganz Polen und Rußland verbreitet. Als hebräischer Stylist war er fast unübertroffen, aber auch deutsch schrieb und sprach er musterhaft. Trotzdem wurde er auch von der Chassidim aufrichtig verehrt. Als ein Zeichen modernen Bewußtseins gilt seine letztwillige Verfügung, erst nach der gesetzlichen Frist von drei Tagen bestattet^ sein zu wollen. Bei der Trauerfeier an seiner Bahre sprachen sieben Rabbiner, darunter der berühmte Rabbiner aus Plock. Die erste Condolenzdepesche ivar die des Generals Baron Krüdener aus Warschau. Aus den Städten der Umgegend waren Tausende herbeigeeilt, und das Gedränge während der fünf Stunden dauernden Feier war lebensgefährlich. Am letzten Tage der Trauerwoche hielt der jüngste Sohn des Verblichenen, Dr. Jezechiel Caro, Rabbiner in Lemberg, in der hiesigen Synagoge einen Nachruf; die ganze Gemeinde war erschienen und war von tiefster Rührung ergriffen, als der Sohn den Verlust seines Vaters und Lehrers beklagte. Unter den anderen Kindern folgte auch der Universitätsprofessar und Dekan der philosophischen Facultät in Breslau, Dr. Jakob Caro, tiefgebeugt derBahre des Vaters. Den Heimgegangenen überlebte dessen Gattin, mit der er in mehr als 75jähriger glücklicher Ehe zusammengelebt hat. Der trauernden Familie gehen noch fortwährend Beileidsbezeugungen aus allen Ländern zu; die Werke des Verklärten aber bilden sein unvergängliches Denkmal. v. Vermischtes. Wien, Sechshaus. Bei der am Sonntag, den 5. Mai d. I. stattgeffmdenen constituirenden Generalversammlung des Talmud Thora-Vereines für die Bezirke XU. XIII, XIV und XV wurden folgende Herren in den Vorstand gewählt: Seine Ehrm. Herr Dr. Jonathan Wolf. Obmann, Gottlieb Taussig, 1. Obmann-Stellvertreter, Heinrich Hirschl, U. Obmann-Stellvertreter. Leopold Stern, Schriftführer, Moriz O e st erreich e r, Cassier, David K o h n. Controlor. B- Bandler, II. Controlor. Seit dem Bestände des Vereines haben sich 170 Mitglieder angeschloffen. Wien. 14. Mai. (Antrittsvorlesung.) In den Räumen des Wiener „Beth Hamidrasch" versammelten sich heute um4 Uhr ^Nachmittags die Mitglieder dieses Lehrhauses, um der Antrittsvorlesung des ernannten Docenten für Bibelexegese und Didattik, Herrn Rabbiner Dr. Gelbhaus, beizuwohnen. Auch delegirte Vertretungen der akademischen Vereine „Kadimah" und „Libanonia". sowie andere Gaffe waren erschienen. Herr Dr. Gelb haus, bei seinem Erscheinen von den Anwesenden sympathisch begrüßt, dankte fitr die freundliche Kundgebung, hieß das Auditorium und die Delegationen der akademischen Verbindungen herzlich willkommen und eröffnete seine Vorlesungen mit dem Thema: „Begriff und Wesen der Bibelexegese". Redner weist an der Hand von Beispielen aus dem talmudischen und midraschifchen Schriftthume aui die hohe Bedeutung der noch erhaltenen, wenn auch sehr zerstreuten Reste der Ueberli eierung für die Bibelexegefe hin, welche von den neueren Schriftforschern unbeachtet blieben. Das Auditorium lauschte mit gespannter Aufmerksamkeit den Ausführungen des Redners und spendete ihm am Schluffe reichen Beifall. Wien. (Jubiläum des Obereantors Goldftein). In unserer letzten Nummer haben wir den „Publicistischen Blättern" eine Notiz über das Goldstein-Jubilüum enttrommen, welche leider einen unangenehmen Jrrthum enthielt. Das Jubiläum findet am 25. d. M. statt. Josef G o l d st e i n ist einer der hervorragendsten Tempelsänger der Gegenwart, dessen Tenorsttmme schon Tausende von Zuhörern entzückte. Er begeht sein <10. Geburtsfest im Vollbesitze seiner Stimmmittelund in ungebrochener Kraft. Aus dem Kreise angesehener Gemeindemitglieder hat sich ein Comitä gebildet, um in festlicher, den Jubilar ehrender Form diesen Tag zu feiern. Es werden sich hieran der Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde, sowie Goldstein's zahlreiche, auswärtige Freunde in hervorragender Weise betheiligen. Im Leopoldstädter Tempel wird am kommenden Samstag um halb 9 Uhr ein Festgottesdienst unter der Leitung des Jubilars mit Festpredigt stattfinden und hierauf wird ihm eine Adresse und eine Ehrengabe überreicht werden. Die Cantoren Oesterreichs werden einen ihrer berühmtesten Collegen in besonderer Weise ehren. Wien, 19. Mai. »Im Bet-ha-midrasch, dessen Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Verstorbene war. und dessen Bestand seit 1864 er in hochherziger Freigebigkeit immer gefördert hat, hat Lector Friedmann zu Beginn 1 eines Vortrages über den Wochenabfchnitt durch tief empfundene Worte der Größe des Verlustes Ausdruck gegeben, von welchem das Letba-midrasel, durch das Ableben des Herrn von G u t m a n n betroffen wurde. Vor nicht langer Zeit hat das Bst-ba-midraseb durch den Tod des Dr. Iellinek seinen geistigen Urheber verloren, nun verliert es seinen materiellen Förderer. Wilhelm von Gutmann, der nicht nur Gutmann hieß, sondern auch ein guter Mann war. Lector F r i e d m a n n verglich diese Beiden nach einem alten Mdrasch! mit Sebulion und Jsafchar: Jsafchar war der wissenschaftliche Förderer in Israel zu seiner Zeit, wurde aber hierin von Sebulon materiell unterstützt. Tief ergriffen erhob sich das Auditorium zur Ehrung des Dahingeschiedenen." E. 1!. Wien. (Todesfall.) Am 18. d. Mverschied in Neichenhall, wo er kurz vorher zum Sommerausenthalt eingetroffen war, der Privatier Herr A. I- Hochstein, Schwiegervater des Großindustriellen Herrn H. Goldenberg in Wien, im hohen Alter von 80 Jahren. Der Verewigte erfreute sich wegen seiner Biederkeit und seiner Leutseligkeit bei Allen, welche Gelegenheit hatten, mit demselben zu verkehren, der größten Sympathien, welche auch bei dem in Wien stattgefundenen Leichenbegängnisse durch rege Betheiligung und in großer Zahl eingelangte Condolenzbezeugungen zum Ausdrucke gelangten. Wien. (Ferienheim.) Schullehrer, welcher ^geneigt ist, während seiner Ferialzeit 55 Knaben der Israelitischen Feriencolonie gegen Gehalt und freie Verpflegung auf's, Land zu begleiten und daielbst zu beaufsichtigen, wolle sich gefälligst schriftlich melden im Bureau des „Ferienheinz", Wien, I., ^Lchottenring 23. Wien. (Akademischer Verein „Gamala"). Samstag, den 18. d. hielt das Vereinsmitglied sind. phil. M- Berkowicz

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