Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-05-17 · 20 (17.5.1895) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
20 (17.5.1895)
Date
1895-05-17
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021061-3021082--04568-3028760
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 20 Seite 377 Dr. Bloch's Wochenschrift. (WienMariaffilf.) Senntao, den 12. Mai d. I. fand im Tempel in der Schmalzhofgasse das erste Mal die feierliche Confirmation vrn 18 Mädchen in besonders seltener und würdiger We se statt. Das Gotteshaus war vrn einem gewählten Publicum dicht gefüllt und hatten in den ersten 8 anlreihen der Vorstand des Tempel-Vereines, sowie die Ehrengäste, Vertreter der Vethantz-Verene, Herr Religions-Jnspector Tr. L angfel der jc., scwie die Angehörigen der Confirmandinnen Platz genommen. Die Feier verlief in d,r würdigsten Weise und machte auf alle Theilnrl mrr einen erhebenden Eindruck. Zum Schluß erhielt jedes Kind ein litlegraphischcS, künstlerisch ansgesührtes Eedenkblatt, welches der Vereins-Präsident Herr Architekt Fleischer selbst entworfen hatte, in einer geschmackvollen Enveleppe und wird dieses Andenken gewiß dazu beitra .cn, die Erinnerung an diese erhebende Feier für lange Zeit aufrecht zu erhalten. Wien. (Olschbanr.) Die Leser der „Oesterreich. Wochenschrift" dürste es interessiren, über die Abstammung des vor einigen Tagen verstorbenen und mit so großen Ehren zu Grabe geleiteten Notars und Vorstandes des Wiener „Männergesang-Vcreines", Karl Ritter von O l s chbaur, folgende authentische Daten zu erfahren. Unser Gewährsmann, ein in Essig lebender, hochangesehener Mann, zeigte uns nämlich das Porträt seines Großonkels I a s n i g e r's, der als Professor der Chemie in Anfang des Jahrhunderts in Wien wirkte und sich in der Gelehrtenwelt e'nes guten Namens erfreute. I a s n i g e r selbst ließ sich taufen. Derselbe hatte eine Tochter, die sich mit Olschbanr vermalte. Diese war die Mutter des nachmals so verdienstvollen Vorstandes des „Wiener Männergesang-Dereines". Bemerkenswerth ist noch, daß der Urgroßvater Olschbanr's ein äußerst strenggläubiger Jude war. Derselbe lebte in Puchow (Trencsiner Coniitat) und zeichnete sich sowohl durch seine talmudische Gelehrsamkeit als auch durch seine große Wohlthätigkeit aus. — Exhumirung. Nach der am 6. d. M. in Baden erfolgten Exhumirung der Leiche der Frau Rosalia I e l l i n e k fand die Beisetzung derselben in das Grab ihres verstorbenen Gatten, des Oberrabbiners der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, Dr. Adolf Jellinek, am 7. d. am Centralfriedhof in Gegenwart der nächsten Angehörigen statt. Das Denkmal, welches die Gemeinde ihrem verstorbenen Prediger errichten läßt, dürste in zwei bis drei Wochen enthüllt werden. — Jüdische akademische Lesehalle. Samstag, den 18. Mai, findet um 1j.i8 Uhr Abends in dem neuen Vereinslocale, IX., Harmoniegasse 8, der erste Vortrag im Sommersemester statt. Der bekannte Psychologe, Docent Professor Dr. Wilhelm Jerusalem, wird über das Thema: „Liebe und Gerechtigkeit" sprechen. Gäste sind herzlichst willkommen. — Der Literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen, „Moria", hielt am 5. d. einen literarischen Nachmittag ab, der ungemein zahlreich besucht war. Man war allseits gespannt auf den angekündigtcn Vortrag des stuck, für. David Korn, der denn auch den diesbezüglichen 'Erwartungen auf das Glänzendste entsprach. Der Redner hatte sich zum Thema „Die Bestimmung der Inden von heute" gewählt. Er zog geistvolle Parallelen zwischen einst und jetzt und kam unter öfterem Beifall zu dem Schlüsse, daß die heutigen Juden ihre Mission erkennen müssen, „die Mission, durch das »eigene" Wiedererwachen das ganze schlummernde Morgenland aus seiner Schlaftrunkenheit zu wecken". Minutenlang anhaltender Applaus lohnte den Vortragenden, dem ein ungemein sympathisches Organ sehr gut zu statten kommt. Die Präsidentin Frl Natalie P o l l a k dankte im Namen des Vereines in warmen Worten, denen abermals lebhafter Beifall folgte. — Da die große Anzahl der neuen Mitglieder (unter drei Wochen hatten sich 25 Damen angemeldet) vollzählig versammelt war, wurden auf Wunsch der Präsidentin die Tendenzen von Frl. I. Werner auseinandergesetzt. Auch diese erntete Beifall. — Der nächste Nachmittag findet Sonntag, den 19. Mai, statt. — 12. Man Vergangene Woche, Dienstag, ist hier einem verdienstvollen Manne das letzte Geleite gegeben worden, der es verdient, daß wir ihm in diesen Blättern einen würdigen Nachruf widmen. Der Nestor der Preßburger Gemeinde, der nicht nur in seiner Vaterstadt Preßburg, sondern we't über dieselbe hinaus rühmlich st bekannte, einstmalige Präsident der Preßburger orthodoxen israelitischen Cultusgemeinde, Herr Hermann P a p p e n h e i m , der seit einem Decennium hier in Wien im Kreise seiner Familie seinen Wohnsitz aufgeschlagen, ist Montag den 6. d. nach kamn fünftägigenl Krankenlager im hohen Alter von 8 k Jahren in ein besseres Jenseits abberufen worden. Der Todesfall hat nicht verfehlt, nicht nur in Preßburg, wo der Verblichene eine lange Reihe von Jahren als Borstandspräses der israelitischen Cultusgemeinde, als Schulrath der Stadt und des Bezirkes Preßburg ebenso segensreich gewirkt wie auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit und des Armenwesens, sondern auch in Wien bei Allen, die ihn gekannt, besonders bei den zahlreichen seit Jahren hier wohnenden Preßburgern und bei einem großen Theile der Mitglieder und Besucher der Schiffsynagoge und des „Beth Hamidrasch", „Thora Ez Cherjim" die schmerzlichste Aufregung und innigste Theilnahme hervorzurufen Der Verblichene war ein Sohn des in Preßburg noch heute in guleni Andenken stehende R. Wolf P a p p e n h e im und ein Bruder des zu früh verstorbenen ehemaligen Präsidenten und Congreßdeputirten Calman W. Pappenheim. Der Verewigte war ein lebendiges Beispiel, daß Bildung und Frömmigkeit keine Widersprüche seien; er besaß hohe Bildung, beherrschte nicht weniger als fünf Sprachen und war nichts destoweniger ein begeisterter und eifriger Vertheidiger des orthodoxen Judenthums und ein strenggläubiger und überzeugungstreuer Jude. Noch zur Zeit des großen Rabbi Moses S o f.er seligen Andenkens saß er schon im Vorstand der Preßburger vrtbodoxcn Cultusgemeinde und später, in der stürmisch bewegten Z>it des Jahres 1848 spielte er eine große Rolle, indem er als Wortführer der Preßburger Gemeinde deren Interessen bei der Regierung auf das Muthigste vertyeidigte. Der Verblichene war mehrere Decennien der Führer und Sprecher der Martini-Deputation der Preßburger israelitischen Cultusgemeinde bei Sr. Mas. dem Kaiser und bekannt ist, daß ihn Se. Maj. der Kaiser oft mit seiner huldvollen Ansprache beehrte und ihm gegenüber erst vor zwei Jahren anläßlich der Audienz die Aeußernng machte, daß er ihn schon feit seinem Regierungsantritte als Führer der Deputation kenne. Trotz seiner angesehenen und geachteten Stellung war der Dahingeschiedene von großer Bescheidenheit, ein Freund und Rathgeber jedes Bedrückten und Hilfesuchenden, fiiu_ Jeden zugänglich und zuvorkommend. Er besaß einen unverwüstlichen Humor, der ihn in der ernstesten Pericde seines Lebens N'cht verließ. Sein GotteSvertranen, sein strenges Festhalten an dem unverfälschten, traditicnellen Väterglauben hielt ihn in jeder Sffuation aufrecht, Nach dem letzten Willen des Dahingeschiedinen, wurden dessen sterbliche Ueberreste Dienstag Abends 8V4 Uhr nach seiner He'matstadt Preßburg überführt, nachdem zuvor der Herr Vereinsrabbiner Baumgarten im Trauerhause einen sehr ergreifenden, die Trauerversammlung zu Thränen rührenden „Hesped" dem Verblichenen gewidmet. Die Bestattung, zu welcher außer seiner Familie noch zahlreiche Verehrer des Verewigten sich nach Preßburg begaben, fand dcrt Mittwoch, den 8. d., unter ungeheuerer Betheiligung der Preßburger Gemeinde, des Gesammtvorsiaudes, des Lehrkörpers M'.t seinen Schülern und aller dortigen Honoratioren statt. In den Straßen, welche der Sarg passirte, waren die Geschästslocale geschlossen. Nachdem in Abwesenheit des Oberrabbiners Schreiber Herr Rabbinats-Assessor Fried mann, das Vorstandsmitglied Herr Israel Rosen bäum und schließlich ein Sohn des Verblichenen, Herr Wolf P ap p e n h e im, äußerst ergreifende, die Versammlung zu Thränen rührende Nachrufe dem Tahingeschiedenen widmeten, wurde dessen sterbliche Hülle der Mutter Erde übergeben. II. L-r. (Restaurant Tonello in Baden.) Der Restaurateur T on e l l o, dessen seit Jahrzehnten in Wien bestehendes Restaurant sich eines hervorragenden Renommees im In- und Auslande ersteut, wird Mittwoch, den 15. d. M., auch in der benachbarten Thermenstadt Baden eine Restauration eröffnen. Herr Tonello hat die in der AntonSgaffe 13 und Franzensstraße 34 in nächster Nähe des Curparkes gelegene Pension Elisabethhof übernommen und zu einem eleganten Restaurations-Etablissement umgestaltet. Mit seinen prächtigen, mit allem modernen Comfort ausgestatteten und von elektrischem Lichte erhellten Speisesälen und dem daranstoßenden schattigen Garten wird das neue Restaurant Tonello unter den eleganten Pensions- und Speise-Etablissements der Curstadt einen ersten Rang einnehmen, und trotz bürgerlicher Preise auch den bewährten Ruf der Tonello'schen Küche in dem neuen Zweig-Etablissement rechtfertigen. Wien, 15. Mai 1895. (Pfarrer Derkert.) Wie verlautet, wurde gegen den Pfarrer Tr. D eckert anläßlich seiner jüngsten Predigten in Weinhaus die strasgerichtliche Voruntersuchung nach § 302 (Störung der öffentlichen Ruhe durch Aufreizung gegen Religionsgenossenschasten) eingeleitet. Die Voruntersuchung führt Landesgerichtsadjunct Tr. Schober. Tulln. Der hiesige Advocat Dr. Heinr'ch Bloch hat kürzlich seine bisher innegehabten Ehrenstellen als Bezirksschulrath für den jüdischen Religionsunterricht, Obmannstellvertreter der Tulluer Cultusgemeinde zurückgelegt, seinen Austritt aus der isr. Religionsgenossenschast bereits erwirkt und beim Consistorium um die Taufe angesucht! Was denselben zu diesem für uns hier wohnende Juden deprimirenden Schritte veranlaßt, ist ein Räthsel; tvahrscheinlich ist er beinstußt durch seine Gattin, die durch den Verkehr mit der hiesigen Nobelwelt sich schüint, Jüdin zu sein. Ueberhaupt verdient dieser „jüdische" Bezirksschulrath und Obmann der Cultusgemeinde, der sich mit Aufdringlichkeit an obige Ehrenstellen herangedrängt hat, ohne einen Funken vom Judenthum in sich zu haben, öffentlich gerügt zu werden, weil er schon längst die Kirche besuchte, seine Kinder christlich unterrichten ließ, dagegen noch niemals das hiesige Bethaus mit seinem Besuch beglückte. Brün«. Der israelitische Krankenpslege-Berein „Bikur Cholim", dessen Obmann der verdienstvolle kaiserliche Rath Herr David Mandl ist, wurde im Jahre 1880 in's Leben gerufen und ist durch seine humane Wirksamkeit eile Bednrsniß geworden. Er erfreut sich mit Recht der aUge^ meinen Sympathien. Es gibt aber auch kaum einen ähnlichen Verein, welcher wie der unserige seinen Mikgliedern für die Wochenzahlung von nur 10 kr. inr Erkrankungsfalle 7 sl. pro Woche oder eineil Gulden täglich ohne Rücksicht auf die Dauer der Krankheit gewährt, und den Arzt, die Medikamente, Mineralwässer, Bäder und Krankenwärter aus Kosten des Vereines beistellt. Alle 53 Kranken dieses Jahres sind genesen. In den drei Quinqnennien verwendete der Verein für 592 Kranke den namhaften Betrag von ft. 30.154 60. Bei dem Abgänge von 35 Mitgliedern durch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.