Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-05-17 · 20 (17.5.1895) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
20 (17.5.1895)
Date
1895-05-17
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021061-3021082--04566-3028758
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr 20 Dr. Blockes Wochenschrift. Sette 375 aber, provocirt worden zu sein. Der Richter bezeichnete es als unglaublich, daß ein gesitteter Mensch sich derart benehmen könne. Der Kläger Dr. Freund wies darauf hin, das Ergebniß der Verhandlung habe gezeigt, daß Antisemitismus das Motiv der Beleidigung sei. — Richter: Das dürfen Sie nicht sagen, Sie machen sich sonst ebenfalls einer Ehrenbeleidigung schuldig. — Dr. Freund erklärte, keinen anderen Grund entdecken zu können. Der Richter fand Wei ßmann schuldig und verurtheilte ihn zu f ü n f G n l d e n Geldstrafe. Gegen das Schächtverbot richtet sich ein Antrag des Thierschutzvereiues in Königsberg i. Pr., den dieser Verein beini gegenwärtig in Bern tagenden internationalen Thierschutzcongreffe eingebracht hat. Begründet ist der Antrag durch die Behauptung, daß der Schächtcrschnitt nach israelitischem Ritus wegen der schnellen und intensiven Blutentziehung eine sofortige völlige Bewußtlosigkeit des zu schlachtenden Thieres zur Folge hat. — Wir wollen bei dieser Gelegenheit noch mittheilen, daß, wie uns von dort berichtet wird, in der kaiserlichen Armeeconservenfabrik in Mainz das Schächten der Thiere eingeführt ist. Correspondeiyen. Wien. Kürzlich berichteten wir, daß der Chef der Wiener Sensenfirma Münzer L Comp. David Münzer auf Antrag des durch Dr. Sigmund Schornstein vertretenen Rheinischen Sensenversandthauses A. Würtenberg und Comp, in Köln wegen Berbreitimg von Schmähschriften verhaftet wurde. Diese in einer Ehrenbeleidigungssache seltene Maßregel wird nun auch vom Oberlandesgerichte unter Hinweis auf die erstrichterlichen Griinde mit dem Beifügen bestätigt, daß die Verhaftung des David M ü n z e r zufolge der gepflogenen Erhebungen und der gesammten Actenlage vollkommen zutreffend erscheine. — Am 1. Mai erschien die 2. Nummer des „Swiatlo", („Hamaor"), Monatsschrift, gewidmet den Angelegenheiten der Volksschulen der Baron Hirsch-Stiftung, Kolomea. Redacteur Wilhelm Grünes. Inhalt: Nach dem Passahfeste (Ein Bild aus der Wirklichkeit) von W. E.; lieber die Zuführung unserer Jugend zum Handwerke und Ackerbaue (2. Artikel); lieber die Aenderung der Lesebücher für die Volksschulen W. E.; Einige Worte über Ambition von Nathan Sperber; Statistik der Volksschulen der Baron Hirsch-Stiftung, Stiftungsvolksschule in Chrzanow von Schulleiter L. Offner; Der Unterricht in der hebräischen Sprache von M. S ch u l b a u m (hebräisch); Correspondenzen re. — Wie wir vernehmen, hat das Curatorium der Baron Hirsch-Stiftungen beschlossen, in der Zukunft nur solche Lehrer sür die hebräische Sprache zu acquiriren, welche noch im jugendlichen Alter stehen und nebst vorzüglicher Qualification für das Hebräische auch genügende profane Studien nachzuweisen in der Lage sind und sich verpflichten, in einem oder längstens zwei Jahren die Reifeprüfung an einer k. k. Lehrerbildungsanstalt abzulegeu. — 14. Mai 1895. Am 4. Mai a. 6. hielt die akademische Verbindung „Kadimah" in Khuner's Reftatkrant den Eröffnungsabend ihres XX V. Semesters ab. Der große Saal war dicht gefüllt mit Gästen, unter denen man die Herren: Landesschulrath Dr. Kahn, Universitütsdocent Dr. F e i l b o g e n, den alten Herrn der „Viadrina" in Breslau, Dr. E h r e n f r i e d, Dr. Engländer und viele Andere bemerkte. Ferner waren anwesend die Vertreter der akademischen Verbindungen „Unitas", „Gamala", „Libanonia", der jüdisch-akademischen Lesehalle und des Vereines der Oesterreichisch-Schlesier, welch letztere vollzählig und in Farben erschienen waren. Um V-9 Uhr eroffnete der Präses der „Kadimah", Dr. M a y e r, den Abend mit einer kurzen Begrüßung der Gäste, worauf das „Gaudeamus" folgte. Dann hielt Dr. Mayer die Festrede, in welcher er unter der größten Aufmerksamkeit der Anwesenden die Tendenzen und das Programm der Verbindung darlegte. Nach dem Bundeslied der „Kadimah", welches nun gesungen wurde, hielt 8tuck. mecl. Krau sz einen beifällig aufgenommenen Toast auf die alten Herren der Verbindung. Hierauf erfreute Dr. Neuberger die Anwesenden durch den Vortrag eines Sololiedes, dem der von stuä. meä. B r o d gesprochene Toast auf die jüdisch-nationalen Verbindungen folgte, der reichen Beifall erntete. Dann sprachen die Vertreter der „Unitas", der „Gamala", der jüdisch-akademischen Lesehalle, der „Libanonia" und des Vereines der Oesterreichisch-Schlesier, der im Namen seines Vereines die von allen Seiten mit Jubel aufgenommene Erklärung abgab, daß nun auch dieser Verein sich zum jüdisch-nationalen Programm bekenne. Allgemeinen Beifall erntete Herr S o f e r für seine warmen, tiefempfundenen Worte zur Verherrlichung Jerusalems und Herr Dr. Feilbogen, der hiernach das Wort ergriff, um zu erklären, es würden ihn niemals äußerliche Rücksichten hindern, sich als Jude zu fühlen und für das Jndenthum einzutreten. Dann legte Dr. E h r e nf r i e d in einer Rede die Unterschiede zwischen den österreichischen und deutschen Verhältnissen dar, begründete damit die Stellung der „Viadrina" und schloß mit einem Hoch auf die „Kadimah", in welches die Anwesenden begeistert einstimmten. In Folge der vorgerückten Stunde wurde nach einer kurzen Rede des Herrn Dr. Engländer und des Herrn Landesschulrathes Dr. K o h n, der in einigen Worten seine Freude über den Math und die Thatenlust der Jugend, sowie seine Zustimmung zu vielen der hier gesprochenen Worte kundgab, der osfieielle Theil des Abends geschlossen, zu dem noch eine große Zahl vor Begrüßungsschreiben von abwesenden Mitgliedern der Verbindung, dann von befreundeten Verbindungen aus Czernowitz, Prag und Graz und von auSnuirtigen Freunden eingelaufen war. An den officiellen Theil des Abends schloß sich nun ein inoffieieller, an dem die meisten der erschienenen Gäste theiluahmen. Olmütz. An der von der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde eröffneten Concurrenz zur Erwerbung von Plänen sür den Tempelbau haben sich mehrere Herren Architekten betheiligt. Die von der Gemeinde concursmäßig festgesetzten zwei Ehrenpreise wurden an die Herren Architekten I. Gärtner <1006 Kronen) und M. M atscher (»500 Kronen) vertheilt. Das von Prof. König überprüfte Project G a r t n e r's gereicht dem genialen Künstler zur Ehre und wird selbes als Grundlage für die Ausführung des definitiven Bauprojektes dienen. Herr G a r t n e r wurde kürzlich, anläßlich des bevorstehenden Tempellaues in Troppau und Debreczin mit dem ersten Preise ausgezeichnet und ist daher zu dem neuen Erfolge herzlichst zu beglückwünschen. Nikolsburg, 9. Mai. (Vertrauenskundgebung.) Die Gemeindevertretung der Jsraelitenstadt Nikolsburg hat in der am 4 Mai d. I. stattgehabten öffentlichen Ausschußsitzung ihrem ReichsrathSabgeordneten Herrn Dr. Leopolo G ö tz für fein thatkräftiges und strammes Eintreten zur Wahrung der Interessen seiner Wähler einstimmig den Tank votirt und beschlossen, dem Herrn Abzeoroneten für sein liberales und eifriges Wirken zur Festigung der staatsbürgerlichen Gleichheit das vollkommene Vertrauen ausznsprechen. Trautenau (Böhmen). Die letzten Wiener Ereignisse, die Erfolge der Antisemiten bei den stattgehabten Wahlen, sind in der Provinz nicht spurlos vorübergegangen. Besonders unter den Juden Nordböhmens, die bis dahin als unbedingte Anhänger der deutschliberalen Partei gegolten hatten, macht sich mit dem Anwachsen der antisemitischen Hochfluth und der lauen Abwehr seitens der Liberalen eine bedenkliche Unzufriedenheit geltend. Diese Stimmung fand auch ihren Ausdruck in einer Mittwoch, den 8. Mai, in Trautenau einberusenen und auch zahlreich besuchten Bertrauensmänner-Bersammlung, in welcher der zu diesem Zwecke dahin entsendete Drd. I. S ch a l i t über das Berhältniß der Juden zu den politischen Parteien im Allgemeinen und über die Tendenzen der jüdischnationalen Partei im Speciellen sprach. Redner führte aus, die Zeit des Bersuchens und Experimentirens für die Inden sei vorüber. Sie habe gezeigt, daß der eingeschlagene Weg ein ganz verfehlter war, daß das totale Aufgehen in den politischen Parteien, ohne dabei seine Selbständigkeit im Geringsten zu wahren, man könnte sagen, dieses charakterlose Märtyrerthum nun seine Früchte zeitige, wenn für Staatsanstellungeu der Taufschein gefordert wird und die liberale Linke erst nach wiederholter Interpellation liberal zu denken sich entschließe. Die ganze jüngste Gesetzgebung müsse einen jeden wahrhaft Freisinnigen mit dem Gefühle des Unbehagens erfüllen und lasse deutlich ersehen, was die Juden nun noch zu erwarten haben. Die Erkenntniß, daß es so kommen wird, daß es so kommen mußte, hat sich schon seit Langem Bahn gebrochen, aber nur den letzten politischen Ereignissen ist es zuzuschreiben, wenn die Anhänger einer selbstständigen jüdischen Partei durch den Zuzug größerer Massen eine Verstärkung erfahren haben, die die Bezeichnung „politische Partei" rechtfertigt. Redner forderte nun die Anwesenden auf, durch reges Aneinanderschließen im gesellschaftlichen, wie im politischen Leben, durch die Gründung einer jüdischen Vereinigung sich die Möglichkeit einer besseren Zukunft zu sichern. „Denn nur im Auftreten als geschlossenes Ganzes, nur als consolidirte Masse werden Sie, wenn vielleicht hier auch keinen positiven politischen Erfolg erzielen, so doch wenigstens Ihren Gegnern die Achtung abnöthigen und werden jeden Augenblick bereit sein, Angriffe auf die Ehre des jüdischen Volkes mit größter Energie zucückweisen zu können." Diesen Ausführungen folgte nun eine längere Discufsion, in der Dr. T a u s s i g gegen die Gründung eines jüdischen Vereines sich aussprach. Ec und mit ihm die Juden Trautenaus hätten jederzeit deutschliberal sich gefühlt und als Deutsche gehandelt. Wozu also die Separation? Herr Dr. Laur hielt als Anhänger der kosmopolitischen Ideen das selbständige Auftreten der Juden als unnütz und verwerflich. Die Juden mögen lieber für das allgemeine Wahlrecht sich erwärmen, als für derlei Ütopieu. Dem Referenten gelang es aber zu beweisen, daß die Separation den Juden aufgedrängt werde und daß die Juden viel mehr Chancen hätten, wenn sie selbst für sich etwas thun, als wenn sie in Erwartung des goldenen Zeitalters die Hände müßig in den Schoß legen. Er erzielte auch den einstimmigen Beschluß der Versammlung, eine jüdische Bereinigung zu begründen, die die Hebung des jüdischen Stammesbewußtseins, die Pflege des jüdischen Zusammengehörigkeitsgefühles und die Vertretung jüdischer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.