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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-05-17 · 20 (17.5.1895) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
20 (17.5.1895)
Date
1895-05-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 20 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 373 für uns und unsere Kinder ausgegraben, zur größeren Entfernung von Euch und Zur größeren Freude der Herren Antisemiten! —" Nein, meine lieben, jungen Herren Schwärmer! Solange wir in Europa leben, werden wir nur europäisch sprechen, so wie unsere Vorfahren, die dabei entschieden nicht schlechtere Juden waren als ihr hebräisch plappernden Jünglinge! Und glaubet mir, wer europäisch spricht und dabei j ü d i s ch denkt und handelt, ist ein besserer Jude, als wer hebräisch radebricht und dabei — gar nicht denkt und ditto handelt . . . Aber was verstehen denn wir nicht „euroyamüden" Juden unter Pflege der hebräischen Sprache? Nun wir verstehen darunter dasselbe, was unsere vernünftigen Vorfahren darunter verstanden haben: Die Pflege derselben als Schriftsprache, und zwar auf e i n g e s ch raufte m Literaturgebiete. Wir betrachten die hebräische Sprache nicht als unsere „Muttersprache", das wäre ja eine Uttwahrheit, denn unsere Mütter sprechen ja seit Jahrtausenden kein Hebräisch mehr, wir sehen aber in dieser Sprache die festeste Burg des Jndenthnms, das stärkste Band, das uns an unsere Religion, an unsere Nationalität, an unsere glorreiche Vergangenheit und unsere Mission in der Gegenwart und Zukunft knüpft. Die Geschichte des Judenthums in allen Zeiten, und besonders im gegenwärtigen Jahrhundert, hat uns belehrt, daß in denjenigen Ländern, wo die Juden in ihrer Europäisirnngswuth sich von der hebräischen Sprache gänzlich lossagten, das Judenthnm nur kümmerlich vegetirt — trotz Prachttempeln, Prachtpredigern und Pracht-Bibelübersetzungen; daß dagegen dort, wo die Inden ihre „papierenen Brücken" noch nicht verbrannt haben, dort wo die Kenntniß, Studium und Pflege der hebräischen Sprache weit verbreitet ist, das echte Judenthnm sich noch in voller Blüthe befindet, lind da uns n n s e r e Sprache (denn das ist doch die hebräische Sprache, trotzdem wir sie nicht sprechen) auch außerdem durch ihre erhabenen Schönheiten ganz besonders fesselt, so pflegen wir sie mit großer Liebe, so lehren wir sie gründlich unseren Kindern, damit auch sie sich an diese Säule des Jndenthnms in stürmischen Zeiten klammern können und damit auch ihnen der Hochgenuß, den uns das Studium der herrlichen, hebräischen Literatur gewährt, nicht vorenthalten werden soll. — Kurz, die Pflege des Hebräischen als Schriftsprache ist für uns ein Privat-Ideal, ein Ideal, an welches sich kein vernünftiger Mensch (ausgenommen die enragirten Assimilatoren) stoßen kann. Die hebräischen Schriftsteller bestreben sich also, die hebräische Schriftsprache am Leben zu erhalten, und ihre Bestrebungen sind vom besten Erfolge gekrönt. Es ist ganz unglaublich, wie elastisch und graziös diese „alte, todte, knorrige, ungelenke, wortarme" Sprache unter der Feder der modernen Schriftsteller geworden ist. Man vergleiche nur ein Gedicht des größten hebräischen Dichters des Mittelalters, R. Jehuda Halävh, mit demjenigen eines modernen hebräischen Poeten, und man wird geradezu verblüfft sein, von den riesigen Fortschritten der an und für sich doch ganz unveränderten spräche. Der Classiker und der Moderne arbeiten mit ein und demselben Wörtermaterial, aber während die harte und ungefügige Sprache des Ersteren trotz unserer geneigtesten Nachsicht, trotz unserer üppigsten Phantasie, doch immer uns als etwas Unlebendiges, als etwas Modriges, Skeletthaftes anstiert, entzückt uns die Sprache des modernen Poeten durch ihre lebendige Eleganz, Gefügigkeit und — last not least — außerordentliche Klarheit und Deutlichkeit im Ausdruck*), und auch der objectivste und kühlste Leser muß zugeben, daß er etwas Lebendiges vor sich hat. Und was die hebräische Prosa betrifft, nun die ist überhaupt erst seit hundert Jahren geschaffen, aber in dieser verhältnißmüßig kurzen Zeit, ist sie durch liebe- und verständnißvolle Pflege zu einer Blüthe gelangt, die nur von einer lebendigen (d. h. gesprochenen) Sprache erwartet werden konnte. *) Ein Gedicht eines Hälövy, Gabirol, Jbn-Eirci :c., kann ein gewöhnlicher hebräischer Leser unmöglich ohne' Connnentar verstehen; während Gedichte eines Gordon Lcbensohn und anderer modernen hebräischen Poeten keiner Erläuterung bedürfen. Und dabei sind die modernen Gedichte viel tiefer und gedankenreicher, und auch ihre Poesie muß mHt erst heraus- oder hineingedeutet werden . . . W i e das zu Stande gekommen ist, und welche verschiedenen Mittel zur Fortentwicklung der hebräischen Schriftsprache angewandt wurden und noch angewendet werden sollen, das erheischt eine längere Erörterung, die, um das gewöhnliche Maß dieser Referate einzuhalten, für den nächsten Artikel aufgespart werden muß. Riga. I. Tawjew. Vom Jahrmarkt des Lebens. liegen den Betrug beim Verkauf von angeblichem Kofcher-Fleifch. Verschiedene Fleischverschleißer lassen durch ihre Firmatafel Verkauf von Koscher-Fleisch ankündigen, ohne für die rituelle Schlachtung irgend eine Garantie ztl bieten, ohne sich unter die Aufsicht des RabbinateS zu stellen. Gegen diese Ungehörigkeit ist nun behördlicherseits eingeschritten worden und auf einen Recurs der betreffenden Geschäftsleute erfolgte nachstehende Erledigung: G.-Z. 7801/95. Abschrift.?! o 1 e de s?)! a g i ft r a t i f ch e n Bezirk s a m t e s i m 11. B ezir ke. An. Fleischhauer in Wien. Laut Erlasses der hochlöblichen k. k. n. ö. Statthalterei hat das hohe k. k. Ministerium des Innern mit Erlaß vom 19. Februar 1895, Z. 30.240/94, Ihrem Recurse gegen die Statthalterei-Entscheidung vom 18. September 1894, Z. 57.813, mit welcher Sie in Bestätigung der h. ä. Entscheidung vom 17. Mai 1894, Z. 8822, verhalten wurden, von Ihrer Betriebsstätte jene Tafeln, welche den Verkauf von „Koscherfleisch" anzeigen. zu entfernen, keine Folge zu geben gefunden, weil das Schächten, die Qualificirung des Fleisches als koscher, sowie die Beaufsichtigung des Ausschrottens von Koscherfleisch eine Cultusaugelegenheit der israelitischen Religionsgenossenschaft ist und Sie den bezüglichen Anforderungen der israelitischen Cultusgemeinde in Wien nicht entsprechen. Hiervon werden Sie mit dem Aufträge verständigt, die beanständete Tafel nunmehr sofort zu entfernen, widrigenfalls gegen Sie strafweise vorgegangen und die Entfernung der Tafel von hieraus veranlaßt werden müßte. Wien, am 4. März 1895. Der Bezirksanitsleiter. P. Philipp m. p. Unverfälschte Arier. Im „Grazer Tagblatt" vom 9. d. M. erschien ein Aufruf des deutschnational-antisemitischen Abgeordneten Hoffman» von Welle nhof und seiner Gesinnungsgenossen, in welchem zur Hilfeleistung für Laibach aufgefordert wird. Die Herren Hoff m a n n und Genossen wenden jedoch ihr Mitleid und ihre Menschenliebe keineswegs allen, durch die Erdbebenkatastrophe betroffenen Armen und Elenden zu, sondern sie fordern Beiträge nur für deutschvolklich Gesinnte und solche dentschvolklicher Abstammung. Der slovenische Familienvater, der durch das Erdbeben verletzt, dessen Obdach zerstört wurde, dessen Familie hungert, er mag elend zu Grunde gehen, Herr Hoffmann von Wellenhof und seine „Deutschvolkler" haben kein Herz für ihn. Diese Menschen schänden geradezu des Teutschthum, von welchem unser vaterländischer Dichter so herrlich singt: „Deutsch sein, das heißt die Freundesarme für alle Menschheit aufgespannt!", und sie rechtfertigen das Wort eines anderen vaterländischen Dichters, der da sagt: „Von Humanität durch Nationalität zur Bestialität!" Unsere deutschvolklichen Antisemiten sind bereits bei der letzten Station angelangt.

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