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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-05-10 · 19 (10.5.1895) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
19 (10.5.1895)
Date
1895-05-10
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 353 Nr. 19 Dr. Bloch's Wochenschrift. sMähr.-AVeiftkirchen.l Ueber das bereits erwähnte Hinscheiden der Frau Josefiuc Straß, a,eb. Wolf, Gattin des bekannten Herrn Noä S tr o ß, schr eibt v.uni uns ferner aus Mährisch-Weißkirchen: „Die Verblichene entsran'.mte einer der vornehmsten jüdischen Patricierfamilien und stand in nahen verwandtschaftlichen Beziehungen zu den in Dc'ähren ansässigen Geschlechtern der Auspitz und von Gomperz. Nebst ihrer hohen Bildung zeichnete sich Frau S t r o ß durch Bescheidenheit. Sanftmut!), Wohlthätiglcitsnnn und Religiosität aus und mit diesen Tugenden verband sie unermüdliche Thätigkeit und ftuchtbare Schaffenskraft. So sehen wir denn die Verewigte während ihrer 46jährigen glücklichen Ehe an der Seite ihres Gatten das Werk der Erziehung ihrer Kinder, auf die sie ihre Herzensgüte und Geistesoorzüge überträgt, vollbringen, emsig mitschaffend an der Förderung und dcur Ausbaue des großen Handels- und Fabrikshauses „Noä Stroß", dabei jedoch nicht vergcffend, daß außer der engeren Familie auch eine große, weitere besteht, welche ihre Rechte verlangt. Und über die Alltagspflicht hinaus ließ Frau Josefine Stroß dieser großen Gesellschaft ihre Rechte werden, sie linderte Roth und Elend, still und im Geheimen tbeilte sie reichliche Gaben aus, sie wartete nicht erst, daß sich die Hand des Darbenden ihr entgegenstrecke, in ihrem Heim suchte sie die Armuth auf, nick t fragend nach Glauben, nicht nach Nation, und trockrrcte die um Brcd und Kleid vergessenen Thränen. Groß war daher auch der Schmerz, der sich bei Verbreitung der Todesnachricht kundgab, größer noch die Theilnahme ftitcns der ganzen Stadt mit dem unglücklichen Gatten und den gramgcbcugten Kindern, überaus zahlreich endlich war die Bctheilisung an dem am 29. April stattgesundenen Leichenbegängnisse, Tvusende gaben der Verblichenen das Geleite zur letzten Ruhestätte, der Bürgermeister und die Geme'nderäthe der Stadt, die Direktoren und Profcffcren der rerschicdencn Lehranstalten, Beamte, die vornehmsten Bürger re., Alle waren sie gekommen, um die Todte zu ehren. Am offenen Grabe hielt zunächst der 73jährige Ehegatte seiner treuen Lebensgefährtin rrnen tiefempfundenen 'Nachruf. Kein Äuge blieb trocken, als der Schwergetroffene seinen trotz der schmerzlichen Erregung heroisch und formvollendet gehaltenen Vortrag mit den Worten schloß: „Adonai nothan, adonai lokac-li, jehi sein m adonai meroraeh.“ An diesen Nachruf anknüpfcnd, pries der Vczirksrabbiner Herr Dr. R a b b i n o v i c z Frau Joscfine Stroß als kiscbetb ei-aftl und hob ihre Verdienste um Haus, Familie und Stadt hervor. Tie Verblichene bekleidete mehrere Ehrenämter, unter Anderen auch die Vice-Präsidentschaft des Zweigvereines vom rothen Kreuze, ferner war sie Mitglied des Tamenconiitö's zur Förderung des dcutsücn Kindergartens, zur Weihnackcksbescheerung rc. Am Tage ihres Leichenbegängniffes ließ Herr Noä Stroß sämmtliche Arme der Stadt, Christen wie Juden, Czechen wie Deutsche mit Speirden von ein bis zwei Gulden betheilen. Straftnitz, 29. April 1895. Erhebend ist es, von einem Acte der edlen und nachahmeuswürdigen Wohlthötigkeit berichten zu können. Bekanntlich ist die materielle Sttlluug der Ci ltusbccn teu in Provinzgemeindcn keineswegs beneidenswerrh, umsoweniger, wenn so ein armseliger Cnltusbeamter mit einer zahlreichen Kinderschaar gesegnet ist. Der seit 28 Jahren in der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde angestellte Cantor Herr Jacob F i s ch l ist nun der glückliche Vater von zehn lebenden Kindern. Bei aller Munificenz der Gemeinde konnte der strebsame Familienvater wohl standesgemäß Haus führen, jedoch für seine Töchter keinen Sparpfennig zurücklegen. Vor drei Jahren, als unser Herr Cantor seine älteste Tochter verheiratete, hat die hiesi e Cultusgemeinde, welcher die prekären Verhältnisse ihrer Cultusbeamten nicht unbekannt sind, dafür in der lobens- und anerkennenswerthcsten Weise gesorgt, daß Herr Fisch l die versprochene Mitgift dem Schwiegersöhne auf Heller und Pfennig am Hochzeitstage pünktlich erlegen konnte. In gleich munificenter Weise ging die hiesige Cultusgemeinde vor, bei der am 25. d. M. erfolgten Verheiratung seiner zweiten Tochter mit dem Cantor Herrn Adolf S ch war; in Neir-Verbasz. Der wackere Cultusvorfteher Herr Max Reiß erwirkte in einer Ausschußsitzung einen namhaften Betrag aus der Cultuseaffa zu diesem frommen Zwecke. Er selbst spendete für sich mrd seine Herren Brüder fl. 45 und in ähnlicher hochherziger Weise spendeten alle leistungsfähigen Gcmeiudemitalieder in der Stadt und im Bezirke und sonstige auswärts wohnende Wohlthäter, die Straßnitz ihre Heimatsgemeinde nennen, welche sämmtlich in Ihrem geschätzten, vielgelesenen und weitverbreiteten Blatte belobt und gesegnet zu werden verdienen, da sie einem treuen Familienvater die allerdrückendste Sorgenlast in der liebcnwürdigsten Weise abgenommen haben. Ist. Galatz, 25. April 1895. Gestern Abends fand hier ein C o n c e r t z n E u n st e n d e r i s r a e l iti s ch -r u m ä n i s ch en S chulen statt, wie es unsere Stadt noch nie gesehen und gehört. Präsident des Schulcomitv's ist nämlich Herr Emil Sülze r, Sohn des Professors Salomon Sulzer und Schwiegersohn des allbekannten Herrn Louis Ni e n d l, hier, und war es vorauszusehen, daß das Fest unter der Aegide dieser Familie reussiren wird. Die Bühne des großen Theaters war mit Blumen und exotischen Pflanzen schön decorirt und alle Logen nebst sämmtlichen Sitzen occupft-t! Frau Sigismondo Mendl und Fräulein Gretchen Sulzer spielten Piano, Frau A. Bauer aus Bukarest sang und Herr D. N i c o l o p u l o ans Braila recitirte einige französische Monologe. Alle Minvirkenden ernteten großen und wirklich verdienten Beifall. Professionskünstler konnten es nicht besser geben! Die Elite von Galatz war au »mid complet von 0 bis 11% Uhr. Außer unseren Glaubensgenossen bemerkte man den Präfecten.und Frau, die Familie detz Bürgermeisters, des Generals P a n c o v i c i, des Generals derFlotille Murges cu, Divisionsgencral Condiano-Popescu, Dr. Serfiotti, den türkischen General-Consul, andere Herren Consuln mit ihren Damen und hie besten und angesehensten rumänischen, griechischen und andere Familien. Alle Welt war zufrieden! Der Reinertrag ergab 3000 Francs. Der jüdische Gemeindevorstand überreichte jeden: Dlitwirkenden und Herrn E. Sulzer zur Erinnerung das Programm des Concertes in Golddruck auf blauem Atlas in schönem Rahmen mit der Umschrift: „Dank von 800 Kindern der israelitisch-rumänischen Schule in Galatz." 8p. Feuilleton. Mein Freund Wodakoski. Novelle von Leopold v. Sacher-Masoch. (Schluß.) Nachdruck verboten Es war auf einer Redoute im Landestheater, das in einen großen Ballsaal verwandelt war, wo ich Josepha wiedersah. . . Die ganze Gesellschaft nahm an dem glänzenden Maskenfeste Theil Das lustige Fastnachtstreiben beschränkte sich nicht auf den Saal und die Nebensäle, auf allen Treppen, in allen Gängen, ja in den Logen spielten sich lustige Jntriguen ab. Im Logcngang des ersten Ranges wurde ich von zwei rothen Dominos mit schwarzen Cammtlarven, schwarzen Handschuhen und Cchlcppkleidcrn von gleicher Farbe angcsprochcn. Ich erkannte in der einen Maske sofort Josepha von Odenheim, an dem eigenthümlichcn, ich möchte sagen eisigen Glanz ihrer blauen Augen und an der Art und Weise wie sie ihren Kopf hielt. „Ich kenne Äich", sagte ich leise. „Das sagt Jeder/' gab sie lachend zur Antwort. Nachdem ich ihr jedoch ihren Nonien in das Ohr geraunt hatte, drohte sie mir mit dem Fächer und verschwand in Begleitung ihrer Freundin in dem Maskengewühl. Zugleich faßte Jemand heftig meinen Arm; als ich den Kopf wendete, blickte ich in das bleiche erregte Gesicht Wodakoski's. „War das nicht Josepha?" fragte er rasch. Ich nickte. „Komm', wir wollen ihr folgen." „Ich habe ihr gedroht, sie zu tödten!" „Du bist nicht bei Sinnen. Wenn Du nicht im Stande bist, Dich zu beherrschen, so meide wenigstens jede Gelegenheit, mit ihr zusammenzntreffen. Das Beste wäre, Du würdest Prag verlassen." „Dein gewöhnliches Heilmittel", gab er zur Antwort. ,,Jch muß sie heute Abends noch einmal sprechen, sie soll mich noch kennen lernen." Ich zuckte die Achseln und trennte mich von ihm, ging durch den Saal und blieb in der Nähe einer Säule stehen, wo ich vor dem Gedränge geschützt, ruhig meine Beobachtungen machen konnte. Als die Musik wieder schwieg, hörte ich in meiner Nähe zwei Stimmen, von denen mir die eine bekannt war, sich mit einander - unterhalten. Als der Name meines Freundes genannt wurde, war ich nicht länger im Zweifel, daß es Josepha war, deren tiefe, schöne Stimme von Zeit zu Zeit an mein Ohr drang. Ich entnahm aus abgerissenen Phrasen des Gespräches, daß der Mann, mit dem sie sich lebhaft unterhielt, das schöne Mädchen glühend verehrte, und daß sie sich lebhaft über Wodakoski beklagte. Der dämonische Zug dieser räthselhaften, liebreizenden Frauennatur wurde mir in diesem Augenblicke offenbar, es waren nicht ihre Worte allein, mehr noch der Ton ihrer Stimme, die Erregung, welche in derselben zitterte, welche ihren Verehrer gegen meinen Freund ausstacheln mußten. Josepha schien vollständig entschlossen, diesen Stein, der ihr Spiel verdarb, irgendwie aus dem Wege zu räumen, nöthigenfalls durch ein Duell, in welchem der glückliche Anbeter sie durch eine mörderische Kugel von dem Unglücklichen befreien sollte. Als sie aufstand, ging sie an mir vorüber und ich sah, daß es nicht der Husar, sondern jener andere Herr mit dem schönen, südländischen Typus war, dem sie sich anvertraut hatte. Wie ich erfuhr, war es ein italienischer Sprachlehrer, Namens Valerini.

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