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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-05-10 · 19 (10.5.1895) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
19 (10.5.1895)
Date
1895-05-10
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 257 Dermischtes. Wien. Samstag den 25. iOüri d. 2., feiert Herr Josef 0* o t b st e i n, Obereantor der Wiener israelitischen Cnltusgeineinde, seinen 00. Gebnrts tag, zugleich das 37. Dieustjahr seilles hochverdienstlich cantornlcn Wirkens am Leopoldstädter Tempel. Aoses Gold st ein, der bis heute unerreichte A'ieifterjiiugcr, dessen phänomenal herrliche Tenorstimme ungezählte Tausende voit Zuhörern stets entzückte und den Xiinstier weit über die Gaue unseres Vaterlandes berühmt machten, begeht diesen Freudentag in ungebrochener Frische und Gesundheit. Von Seite vieler einslußreicher Genieindemitglieder hat sich eilt Comitv gebildet, um in festlich tvürdiger, den Jubilar ehrender Form diesen Tag zu feiern. — Es werden sich hierbei selbstverständlich seine Amtscollegeu, die Mitglieder des österr.-ungar. Cantoren-Vereines, insbesondere aber der Gesammt-Vorstaiid der Wiener isr. Cnltusgemeinde, sowie seine zahlreichen auswärtigen Freunde in hervorragender Weise betheiligen. (Trauung.) Sonntag, den 12. Mai, 2 Uhr 'Nachmittags. findet im isr. Tempel zu Trebitsch die Trauung von Frl. Sidonie S u b a k mit Herrn 'Richard X a r p e l e s statt. — Sonntag, den 12. Mai, findet in 2Btcn in dem isr. Tempel in der Seitenstettengasse die Trauung von Frl. Malvine stt e s ch ovsky, Tochter des Fabrikanten S. Res ch o v s k y , mit Herrn Gustav Deutsch statt. — Sonntag, den 12. Mai 1895, 2 Uhr Nachmittags, findet im Saale des „Hotel Stein" in Prag die Trauung von Frl. Paula LR e st i tz nrit Hernr Sigrnund H a r t m a n n statt. — Am Sonntag, den 12. Mai, findet im Funkerhos zu .Königsberg in Preußen die Berniählung des Rabbiners von H o r n, Dr. Adolf Schächte r mit Fräulein Rosa A r o n aus Königsberg in Preußen statt. Wien-Mariahils. (Confirmation.) Sonntag, 12. Mai d.J., 11 Uhr Vormittags findet im Tempel VI., Schmalzhosgasse Nr. 3 die feierliche Confirmation von 18 Mädchen durch den Bereinsprediger, Ehrwürden Rabb. Dr. I. T a g l e i ch t statt. Wien. (Errichtung und Besetzung eines Lehrstuhles am Wiener Beth Hamidrasch.) Der Vorstand des Wiener Veth Hamidrasch hat auf Initiative des Vorstandes der Wiener isr. Cultusgemeinde, geinäß beit Testamentsbestiminungen der Moritz und Rachline Goldberge rischen Stiftung einen Lehrstuhl für Bibelexegese und Didaktik der Religionswissenschaft am Wiener Beth Hamidrasch errichtet und Herrn Rabbiner Dr. Siegmund G e l b h a u s in Wien aus diesen Lehrstuhl berufen. Herr Dr. G e l b h a u s eröffnet Dienstag, den 14. d. M. seine Vorlesungen. Der Lectionsplan ist am schwarzen Brett des Beth Hamidrasch, Tempelgasse Nr. 3, assichirt. — (Verein „Zion".) Samstag, den 11. d. M., veranstaltet der Verein „Zion", Verband österreichischer Vereine für Colonisation Palästinas, einen Geselligkeits-Abend, zu welchem der Vorstand alle Palästina-Freunde einladet. — (Prediger Manheimer - Verein.) Am 17. October d. I. gelangen die Zinsen des Prediger Manheimer-Vereines zur Vertheilung. Anspruch auf diese Unterstützung haben Rabbiner, Prediger und Lehrer in Oesterreich-Ungarn, welche dienstunfähig geworden fiub, oder deren Witwen rtnd Waisen. Die Bewerber müssen in einer Gemeinde, welche mindesteits fünfzig Mitglieder zählt, wenigstens bnrd) zehn Jahre das Amt in tvürdiger Weise verwaltet haben. Beamte großer, notorisch reicher Gemeinden sind ausgeschlossen. Die Würdigkeit der betreffenden Beamten, sowie die Dienstunfähigkeit sind nachzuweisen. Ungestempelte Gesuche sind längstens bis am 30. Juni d. I. an die isr. Genceindekanzlei in Wien unter der Adresse: „Borstand des Prediger Manheimer- Vereines" zu übersenden. — In dem hohen Alter von 95 Jahren starb hier am 30. April Frau Theresia G r a f,' geb. Fleischer, tief betrauert von Söhnen, Töchtern, Enkeln und Urenkeln, sowie von Allen, die sie kannten. Sie war eine muthige, fromme Frau, welche einen schweren Daseinskampf zu führen hatte, und welcher jedes Unrecht, ob auch an Anderen verübt, tief an's Herz griff. Sie erzog ihre Kinder zu gottesfürchtigen Menschen. Sie starb sanft und ergeben, möge ihr die Erde leicht sein! — 2. Mai 1895. Erev Pessach verschied hier im 74. Lebensjahre Herr Juda Weinstein, ein durch Frömmigkeit, talmudisches Wissen und Rechtschaffenheit ausgezeichneter Mann, der sich allgemeiner Beliebtheit erfreute. Schon frühzeitig von seinen! Bater Lob Weinstein, Chasan an der Lazzenhos-Synagoge zu Wien, zum Studium des Talmud angehalten, sandte dieser den kaum sechzehnjährigen jungen Mann nach Preßburg, wo er unter Leitung des berühmten gottseligen Chasan S o f e r eine Zierde der Schule wurde. In den Fünfziger Jahren von unserer Gemeinde für das Amt eines Schochet und Bodeg auserkoren, versah er dasselbe durch mehr als 40 Jahre mit. der größten Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit und konnte mit Recht auf diesem Gebiete als Capacität angesehen werden. Seine coneiliante Natur und die ihm angeborene Herzensgüte erwarben ihm allerseits nur Freunde. Als Schliach Zibur der Spiegelschule (II., Antonsgasse 5) und später auch als Magid erfreute er sich allgemeiner Sympathien. Am ersten Tage Choil Hamoid fand die Beerdigung statt. Einfach, »vie er gelebt, war auch sein Heimgang; des Pessachfestes. wegen durste im Sinne des Dahingeschiedenen kein Nachruf gehalten werden. An seiner Bahre trauerten die Witwe mit sechs Söhnen, denen er zu geachteten socialen Stellungen verhals. Ferner waren erschienen: Herr Rabbiner Lieb e r ni a mt mit den beiden Vorständen der AntonSgasse Svnagoge, den Herren B r od v und Licht me ß; sein greiser College Glück ließ es sich nicht nehmen, ihm die lebte Ehre zu erweisen, ferner erschienen Vertreter der Scknff- und Schönlattrngasse Svnagoge, viele Freunde und Verehrer des Verblichenen. Sein streng religiöser Lebenswandel, sein hoher Familien und Wvhlthätigkeirsfinn werden ihm ein bleibendes Andenken bei allen Jenen sichern, die ihn gekannt. Er ruhe in Frieden. Lemberg. (J. II.) Am 18. April wurde Lalouton Berger zu Grabe getragen, und das Leichenbegängniß, das in den Osterseiertagen stattgesunden hat, zeigte von der hohen Achtung, welche der Verstorbene sich erworben hatte. Auf Veranlassung des hiesigen Cultusvorstandcs fand am 2'.'. April eine Trauerandacht in der Svnagoge des jüdischen Waisenhauses, und Herr Rabbiner I. S ch welkes hielt einen tiefempsundenen 'Nachruf für den Verstorbenen und hat die Momente hervorgehoben, wodurch der Mann die Achtung der hiesigen Gemeinde sich cmwvben hat, indem der Verstorbene sein ganzes Vermögen, circa fl. 140.000 (hundertvierzig tausend), für das Waisenhaus, Spital, Stipendien für jüdische würdige Arme zurückgelassen und seine Schätze für wohlthätige Zwecke gesammelt hat. Die ergreifende Feier, deren schöner, weihevoller Verlauf der vereinigten aufopfernden Wirksamkeit des Cultusvorftandes und des Rabbiners S ch m e l k e s zu verdanken ist, wurde mit einem „El Mule Ruchem" vom Cantor H e i l p e r n geschloffen. Preran. Herr Moritz G r ii n 6 e r g e r, durch 33 Jahre Cantor und Secretär der isr. Gemeinde Prerau, erlag einem schrecklichen Geschicke. Als er zur Ausübung seines Berufes einen Wagen zu besteigen hatte, scheuten die Pferde. Er wurde ans dem Wagen weithin geschleudert, erlitt einen Schädelknochenbrnch und gab innerhalb 24 Stunden seinen Geist auf, ohne das Bewußtsein erlangt zu habe». Seinen jähen Tod beklagt nicht nur die Gemeinde, der er ein treuer und beliebter Cantor war, sondern namentlich seine biedere Frau und sieben, zumeist unversorgte Kinder, die er vermögenlvs, des Vaters und Berathers beraubt, zurückließ. Ungewöhnlich wie der Trauerfall, war auch die EhrMtg, die dem wohlverdienten Manne bei feinem Leichenbegängnisse zu Theil wurde, seitens des Vorstandes, des Rabbinales und der Vereine. Möge dem allgemein betrauerten Diener der Religion die Erde leicht werden und seinen Hinterbliebenen Hilfe von guten Herzen baldigst kommen. Er.-Meseritsch. Der 12. April l. I. war für die hiesige israelitische Cnltusgemeinde ein Freudentag. An demselben wurde nämlich ein neuer, reich mit Gold gestickter Vorhang zur Bundeslade, welchen Frau Fanny Fröhlich in Wien anläßlich ihres vollendeten 81. Lebensjahres ihrer Heimatsgemeiude Gr. Meseritsch spendete, zum erstenmale in Verwendung geuointiteu. Aus dem erwähnten Anlässe fanden sich Freitag den 12. April l. I., dem Geburtstage der Spenderin, der Gesammworstand, sowie die ganze Gemeinde zum Abendgottesdienste in dem Tempel eilt. Die Einweihungsseierlichkeit begann mit der Abstnguug des einleitenden Gebetes Älab tobu und dem Vortrage des MinchaGebetes durch 0bercantor Steiner in Begleittmg von Choralgesang, nach dessen Beendigung von einem Männerquartett „Der Tag des Herrn", unter Leilung des Herrn stack, jur. Otto Müll er, Sohnes unseres verdienstvollen Cultusvorstehers Herrn I. G. Müller, vorgetragen wurde. Sodann bestieg Herr Rabbiner Dr. Weiner die Kanzel, um den hochherzigen Sinn der Spenderin zu preisen, welche bis in ihr 'Alter mit warmer Anyänglichkeit ihrer Heimatsgemeinde zugethan sei. Hieraus wurde vom Cantor ein für diesen Zweck eigens verfaßter Misc-heberaeh in hebräischer Sprache vorgetragen, dessen wesentlicher Inhalt in einem Gebete für das Wohlergehen der edlen Spenderin und ihrer Familie bestand, und ein Psalnt vom Chore gesungen, womit die Feierlichkeit beendet war und der eigentliche Sabbatgotlesdieiift eingeleiret wurde. Sämmtliche Festtheilnehmer verließen in gehobener Stimmung das Gotteshaus, und selbst nachdem die Andacht schon lange vorüber war, umstanden zahlreiche Gruppen die Bundeslade, um den prachtvollen Vorhang aus unmittelbarer Nähe;n besichtigen. Frau Fanny F r ö h l i ch har sich durch diesen hochherzigen Aet ein dauerndes Andenken in unserer Gemeinde gegründet. J. 8. Mährifch-Kromau. Eine allgemeine und aufrichtige Trauer herrschte vorige Woche innerhalb tinserer Gemeinde über den Fall, welcher die Famile unseres hochverehrten Gemeindemitgliedes Herrn I. S. G e i r i n g e r und dessen Frau, der durch ihr geineinnütziges humanitäres Wirken hochverehrten FrauErnnnia Gei ring er, durch den Tod ihres geliebten Sohnes Mario bettoffen hat. Die Eltern, welche erst seit einem Jahre von Wien hieher übersiedelten, erfreuten sich des Glückes zweier liebenswürdigen, gnterzogener. herrlich veranlagten Xinder, eines Töchterchens im achten und eines Söhnchens im zurückgelegten schulpflichtigen Alter, welche die Freude des ganzen Ortes bildeten. Der Xnabe Mario war das Herzblatt Aller geworden und schon begann er die ersten Stufen der geistigen Ausbildung mit jener kindlichen Gewissenhaftigkeit und wahren« eifrigem Stolze zu betreten, als dieser Liebling des Ortes an der ttickischen Dyphtherie erkrankte und trotz aller ärztlichen Kunst und Mühe innerhalb weniger Sttinden hingerafft wurde. 'Man kann sich den Schmerz der Eltern denken, an welchem der ganze Ort die tiefste Theilnahme hatte. Tie ganze Bevölkerung bekundete dies bei der imposanten Bestattung, wobei Bezirks rabbiner Dr. Lazar W e s ch l e r eine dem 'Momente augepaßte Leichenrede hielt, welche, unterstützt durch das vom Cantor F a u st ausgeführte Requiem von sichtlicher Wirkung war und einen tiefen Eindruck auf alle Zuhörer übte. Möge der Himmel die tartgeprüsten Eltern vor jedem fernere:: Leid bewahren.

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