Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 19 (10.5.1895)
- Date
- 1895-05-10
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 356 Nr. 19 Dr. Bloches Wochenschrift. cr dem Gefeierten ein stürmisch acclamntcs Prosit. Den Höhepunkt erreichte die gehobene Stimmung, als hiernach der Obmann dem Jubilar im Namen der „Maccabaea" das erste E h r e n d i p l o m des Vereines überreichte. Nicht ohne Rührung sprach hieraus Herr S. Si o h n, ebenso N'ic bei seinem Erscheinen lebhaft begrüßt, für die Veranstaltung des Festabends, sowie für die Ernennung zum Ehrenmitglicde seinen Dank aus. Er erwiderte die Sympathien „aus vollem Herzen und aus ganzer Seele", weil die Bestrebungen der jüdisch-nationalen Studenten in vielen Punkten den seinigen glcichkommen. Mit dem Wunsche, das; die „Maccabaea" blühen und gedeihen möge, ließ er dieselbe hochleben. Von den folgenden Reden seien noch hervorgehobcn die des Herrn Oberrabbincrs Dr. E h r e n f c l d, sowie des Herrn Dr. G r ü n. Für diesmal sei noch erwähnt, daß zum Schlüsse des osficiellen Thciles Med. Gach ans den Oberrabbiner, Med. Weiß auf die anwesenden Damen toastirte. Begrüßungstelegramme liefen ein von den jüdisch-nationalen Verbindungen in Wien und Czernowitz, ferner von den Herren Dr. B e n d i n e r , Pros. W c r t h e i m c r, mehreren Rabbinern ec. Czernowitz. (Generalversammlung.) Sonntag fand, wie bereits berichtet, die Generalversammlung der Filiale der Israelitischen Allianz zu Wien in Czernowitz statt. Der Obmann Cultusvorstand Naftali Tittinger hielt nach Eröffnung der Versamnllung den verstorbenen Mitgliedern Heinrich Wagner und Samuel C h o d r o w e r warme Nachrufe. Dem vom Schriftführer Abraham K a p r a l i k vorgetragenen Rechenschaftsberichte ist zu entnehmen, daß die Filiale 75 armen, aus Rußland vertriebenen Fmnilien die Büttel zur Heimkehr in ihre Vaterstadt gegeben habe. Seit Neujahr hat sich laut Bericht die Lage der Juden in Rußland gebessert, und so kam die Filiale nicht in die Lage, helfend einzugreisen. Die Wahl des Ausschusses ergab folgendes Resultat: Wiedergewählt wurden die Herren: Naftali Tittinger zum Obmann, Abraham Kapralik zum Stellvertreter und Schriftführer, Nathan Rappapvrt zum Cassier. Berlin, 30. April. Der antisemitische Major z. D. v. Hagen in Weimar hatte im September v. I. im dortigen Gewerbeverein die Aeußerung gethan, daß den Juden durch das sogenannte Ko lindregebet, bezw. den Talmud die reservatio mentalis, zu deutsch „Meineid", gegenüber Andersgläubigen gestattet sei, und hatte sich hierftkr auf die Professoren Rohling (!) und Delitzsch berufen. Das „Berliner Tageblatt" hatte demgegenüber bemertt, daß der Major auch den Delitzsch nicht selbst gelesen oder wenigstens nicht verstanden haben dürste, da im Delitzsch gerade das Gegentheil nachgewiesen wird, was Heiw v. Hagen behauptet. Herr v. Hagen sandte in Folge dessen eine ganze Reihe von Berichtigungen aus Grund des famosen tz 11 des Preßgesetzes — durchschnittlich kam alle vier Wochen eine in der Redaction an, in denen er . behauptete, daß er den Delitzsch doch smdirt (!) habe. — Berichtigungen, die natürlich nicht ausgenommen wurden. Herr v. Hagen strengte nunmehr das Berichtigungszwangsverfahren gegen das Blatt an. Heute stand in der Angelegenheit gegen den verantwortlichen Redacteur des politischen Theiles des „Berliner Tageblattes" Termin vor dem Schöffengericht an. Die Verhandlung endete damit, daß die Staatsanwaltschaft selbst die Freisprechung des Angeklagten beantragte, da die Berichtigung des Herrn v. Hagen eben keine Berichtigung im Sinne des $ 11 des Preßgesetzes sei. Der Gerichtshof erkannte dem Anträge des Staatsanwalts, dem sich auch der Lertheidiger Rechtsanwalt Moffe mit eingehender Motivirung anschloß, gemäß auf Freisprechung und legte die kosten des Verfahrens der Staatscassa auf. Dresden, 21. April. Die seinerzeit unter großartigen Hoffnungen und Versprechungen ins Leben gerufene antisemittsche „Deutsche Wacht" hat während der ersten fünf Vierteljahre ihres Bestehens einen Zuschuß von 98.968 10 Mk. erfordert. Es geht das aus dem ersten Rechenschaftsbericht über die Zeit vom l. October 1893 bis 31. December 1891 hervor, bui der Director der Actiengesellschast „Deutsche Wacht", Rcichstagsabgeordneter Zimmermmin, dieser Tage veröffentlicht hat. Da das Actiencapital zur Zeit 179.600 Mk. beträgt, so ergibt sich also für die Herren Acttonäre ein Verlust von reichlich 55 Percent des von ihnen eingezahlten Capitals. Clbiug. (Geheimer Sanitätsrath Dr. S. Cohn.) In der Nacht vom 23. zum 24. April endete im Alter von fast 90 Jahren ein Bürger seine Laufbahn, der sowohl vermöge seiner Charaktereigenschaften zu den hervorragenden Männern seiner Zeit gehörte, als auch durch seine seltenen Kenntnisse, Geschicklichkeit und Pflichttreue, ersprießliche, der Stadt Elbing bedeutende Dienste erwies. Ein freundliches Geschick hat es ihm gegöimt, an jene Grenze des menschlichen Alters zu streifen, die nur Wenige überschreiten, und diese meist unter der Last so vieler und ernster Gebrechen, daß ihnen das Leben wenig mehr der Freude bietet. Nicht so bei dem Verstorbenen. Bis zum Markstein seiner Tage erfreute er sich einer verhältnißmäßig sehr guten körperlichen Gesundheit und ganz wunderbarer geistiger Frische und Regsamkeit, welche ihn, den Studium und Lebenserfahrungen mit einer sehr bedeutenden Durchbildung ans den meisten Gebieten des menschlichen Wissens ausgestattet hatten, zu sicheren und klaren Urtheilen über die irdischen Dinge und Verhältnisse befähigten. Schreiber dieser Zeilen, den Berus und Verehrung des Mannes nicht selten mit ihm zusammenführten, hatte sehr oft Gelegenheit, die für ein solches Alter ganz ungewöhnlichen geistigen Eigenschaften zu bewundern. Cohn, geboren am 24. Juni 1805 zu Altschottland bei Danzig, kam in den letzten der Zwanziger Jahre nach Elbing, wo ihm tüchtige medicinische Kenntnisse in Verbindung mit seinem überaus menschenfreundlichen Wesen sehr bald eine größere Clientel verschafften, welcher sich besonders in Folge der ersten Invasion der Cholera, Anfangs der Dreißiger Jahre, wobei Cohn, durch seine unermüdliche Thätigkeit durch Rath und That gar gar Vielen ein Helfer in der Noth wurde, sehr vermehrte. Die Sjpdt belohnte damals den jungen 27jährigen Arzt wegen der außerordentlichen geleisteten Dienste durch Verleihung des Ehrenbürgerrechtes, was in dieser Zeit selten genug Vorkommen mag. Ein anderes stolzes Verdienst erwarb sich Cohn dadurch, daß hauptsächlich seinen Bemühungen die Gründung des Kaltwasserbades Reimannsselde zu verdanken war, und daß er für Anwendung des Wassers im Heilverfahren nach Prießnitz's Vorgänge durch Wort und Schrift kräftig wirksam war. Vielen Bewohnern der Provinz hat der Aufenthalt in dem schönen, anspruchslosen Curorte, der durch seine landschaftliche Schönheit einen eigenen Reiz aus alle Besucher ausübte, Erholung und Heilung gebracht. Zahlreiche Anerkennungen von Seiten der staatlichen Behörden, wohin seine Ernennung zum Königl. Sanitätsrath und seine Decoration mit hohen Orden gehören, bezeugten ihm, daß seine Thaten auf dem Gebiete der Gesundheitspflege auch nach oben hin wohl bemerkt wurden. Als er sein 60jähriges Bürgerjubiläum am 14. December 1891 in voller Rüstigkeit feiern konnte, überbrachte ihm der Oberpräsident v. Goßler in eigener Person mit dem Glückwünsche das Diplom als Geheimer Sanitätsrath. Im hiesigen ärztlichen Verein erfreute er sich einer großen Beliebtheit, wofür der Verein bei Gelegenheit von C o hn's 50jährigcn Doctorjubiläum auch davon einen schönen Beweis lieferte, daß er ihn zu seinem Ehrenmitgliede ernannte. Nur jene Zeit war es auch, daß er eine wichtige, literarische Arbeit: „Die Elbinger Wechselsieberepidemien" in einer Sitzung des Vereins zum Vortrage brachte. Lieb und freundlich gegen alle Menschen, hat der Verblichene wohl nur Freunde und kaum einen Gegner in dieser Stadt hinterlassen. Sein Andenken wird alle Zeit in Ehren bleiben! London. Nach neuerlicher Berechnung kostete im Jahre 1894 jeder getaufte Jude den englischen Missionsgesellschaften die runde Summe von 60.000 Mark. — Unter dem Titel ,,'1'ran8action8 ok 1he Jewish Historical Society of England“ erscheint der erste sehr interessante Band der Veröffentlichungen zur Geschichte der Juden in England, die der Londoner Verein für jüdische Geschichte heransgegeben hat. — Der verstorbene David James, dessen Witwe kürzlich starb, hatte bedeutende Summen, deren Genuß der Witwe bisher zustaud, für wohlthätige Zwecke hintcrlassen. 200.000 Mark fallen jüdischen Institutionen zu, und zwar besonders solchen, die den Juden des Ostens zu Gute kommen. Auch der öoard ok duardiarm und die Congregatiou der Spanier und Portugiesen erhalten große Summen. Florenz, 26. April. Mit großer Freude theile ich Ihnen mit, daß es der hiesigen Gemeinde gelungen ist, unser» verehrten Rabbiner Dr. Bk a r g n l i e s zum ferneren Verbleiben im Amte zu bewegen, und er somit die Berufung an das Rabbinerseminar zu Breslau, welche an ihn erfolgt war, abgelehnt hat. Es gereicht der hiesigen Gemeinde zur Ehre, daß sie sich zu den größten Opfern für eine bessere und definitive Stellung ihres Rabbiners schnell entschließen konnte. Bukarest. Es ist bekannt, daß nach der rumänischen Verfassung jede Naturalisation sowohl von der Kammer als vom Senat bewilligt sein muß. So ist es möglich, besonders die Eingaben der Juden, die seit zehn Jahren zu Tausenden um Aufnahme in den rumänischen Staatsverband sich bemüht haben, abzuweisen. Kaum 50 Israeliten sind in dieser Zeit natnralisirt worden. Aus Princip und ohne überhaupt darauf cinzngchen, verwerfen die Kammern jede Eingabe eines Israeliten, welches auch seine Verdienste sein mögen. Kürzlich hatte das Parlament lingefähr über zwanzig Eingaben zu entscheiden, alle von Inden ausgehend, welche Grade oder Titel au der Universität erworben haben und Rumänien durch ihr Wissen und durch ihr Leben Ehre machen. Eine einzige ist in Erwägung gezogen worden, nämlich die des Herrn. Bermann Tlutza, Apothekers in Jassy. Unter den Znrückgewiesenen befindet sich auch Herr Herrmann Rubin, Chefredactenr der „Jndtzpcndance ronmaine", eines der ersten Bnkarester Blätter. Melbourne. Nach einer jetzt geschlossenen Uebereinknnft zwischen der jüdischen Gemeinde und dem Schnlrath unserer Stadt soll die confessionelle, jüdische Schule eingehen, dagegen in allen Staats- und Stadtschulen jüdischer Religionsunterricht ertheilt werden. Die Kosten werden durch freiwillige Zeichnungen der Juden aufgebracht und ist schon ein vielversprechender Anfang gemacht. --In Adelaide feierte Rev. A. T. Boas sein 2öjährigeS Jubiläum als EulruSbeamter in dieser Stadt.