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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-05-10 · 19 (10.5.1895) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
19 (10.5.1895)
Date
1895-05-10
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Bloch's WochenschrffL Seite 353 (SchönerianifchesGeldzu7V., Percent.) DerSchönerianer- Verein „Ostmark" gibt an „Volksgenossen" Darlehen, damit sie nicht in wucherische Hände fallen. Ein solches Darlehen erhielt auch ein Steneramtsofficial, der zum Controlor avancirte und behufs Uebersiedelung 600 fl. benöthigte. Die Bedingungen, unter denen er das Geld erhielt, waren folgende: Zuerst mußte er Mitglied der „Ostmark" werden, dann einen Wechsel auf den entliehenen Betrag ausstellcn, welcher von seiner Frau und zwei Bürgen girirt war. Einer dieser Bürgen war Herr I e r z a b e k. Sodann verpflichtete sich der Steueramtseoutrolor, durch 7'/o Jahre wöchentlich 1 sl. 92 kr. einzuzahlen. Das Geld mußte er zu circa 7% Percent verzinsen. Nach Ablauf dieser Frist sollte die „Abtheilung", der er angehörte, aufgelöst und nach Abzug der Darlehenssumme der restirende Gewinn an die Theilnehmer vertheilt werden. Der Steueramtscontrolor hatte durch ungefähr vier Jahre bereits 415 fl. eingezahlt, als er mit mehreren Raten in Rückstand gerieth. Daraufhin wurde der Wechsel eingeklagt und, da der Aussteller nicht zahlen konnte, der Bürge I e r z a b e k zur Zahlung herangezogen. Im Verlaufe des handelsgerichtlichen Verfahrens machte nun in einer Dnplik der Vertreter des Geklagten, Dr. Ignaz Frankel, eine Bemerkung, daß die Umstände, unter denen der Verein „Ostmark" dieses Darlehen gewährte, einem Vorgänge bei unredlichen Creditgeschästen, wie er im Wuchergesetze behandelt wird, glcichkommcn. Auf Grund dieser Bemerkung trat der Vorstand der „Ostmark" gegen den Advocaten und seinen Clienten klagbar auf. Ta jedoch zur Verhandlung, welche auf den 19. v. M. anberauiut war, zur festgesetzten Stunde sich nur der Vertreter der Angeklagten. Dr. Edmund B e n e d i k t, einfand und kein Kläger erschien, ging der Richter mit einem Freispruche vor. Wir verdanken den voranstehenden Bericht der Sorgfalt, mit welcher P o l o n s k i die w'.rthschaftliche Thätigkeit des auch von ihm Zinsen eintreibenden Georg Schönerer verfolgt. _ („Fr- Bl.") Correspon-elym. Wien. Zur Generalversammlung der „Israel.Allianz" erhalten wir folgende Zuschrift: Geehrter Herr Redacteur! In Ihrem Berichte über die diesjährige General-Versammlung der „Israelitischen Allianz" heißt es, daß ich in der betreffenden Sitzung sagte: „Es sei ganz gut möglich, auch für die ungarische Judenschaft eine Art geistiger Centralleitung für Cultuszwecke des Judenthums hier in Wien zn schaffen". — Ich erlaube mir dagegen zu constatiren, daß ich, um eine rege Betheiligung der ungarischen Glaubensgenossen an unserer Allianz zu bewirkeil, wünschte, daß es den Juden Ungarns ermöglicht werde, auch in dieser Beziehung nach B u d a p e st zu gravitireu. Die „Israelitische Allianz" müßte, den staatsrechtlichen. Verhältnissen entsprechend, auf dualistische Grundlage gestellt, daher in eine „Oesterreichischungarische israelitische Allianz" umgewandelt werden. Die in einem Paritäts-Verhältnisse stehenden Centralstellen in Wien und Budapest hätten für eine gemeinsame Leitung zu sorgen, welche Leitung ihre Jahressitzungen abwechselnd in beiden Hauptstädten der Monarchie halten könnte. Hochachtungsvoll Wilhelm Pappenheim. (Jüdische akademische Lesehalle.) Am 2. Mai fand die satzungsgemäße Plenar-Versammlung der jüdischen akademischen Lesehalle unter zahlreicher Betheiligung der jüdischen Studentenschaft statt. Unter den Anwesenden befand sich der Förderer des Vereines, Herr Docent Dr. S. F e i l b o g e n. Der Präses Med. I. Vierer erstattete den Bericht über das abgelaufene Semester; unter Anderem betonte er die Schwierigkeiten, mit denen der Verein zn kämpfen hatte und rühmte die Freigebigkeit einzelner Gönner, welche es ermöglichte, daß nicht nur sämmtliche Ausgaben gedeckt wurden, sondern daß auch ein geringer Ueberschuß zu verzeichnen war. Hierauf legten auch die übrigen Ausswußmitglieder ihren Rechenschaftsbericht ab, welchem eine lebhafte Debatte folgte, an der Herr Docent Dr. S. Feilbogen, ferner u. A. Med. I. Wurzel und Jur. Korn sich betheiligten. Schließlich wurde über Antrag des Jur. W. Herzka dem Ausschüsse das Absolutorium ertheilt, mit besonderer Anerkennung der Verdienste des Präses Med. I. Vierer. Herr Vierer dankte für diese Ehrung und gedachte auch der aufopfernden Thätigkeit seiner Ausschuß-Collegen, der Herren: Med. Jul. Haas, M. Silber, I. Kopetzky, Phil. E. Straßmann und Jur. V. Lichtenstern. (Beifall.) Eine etwaige Wiederwahl lehnte Herr Vierer aus Rücksicht auf feine unmittelbar bevorstehenden Prüfungen ab. Die hierauf vorgenommene Wahl ergab folgendes Resultat; Med. Heinrich Loebl, Präses; Med. Karl Polla k, I. Vice-Prüses; Med. Sigmund Krauß, H. Bice-Präses; Med. Leopold L au f er, I. Schriftführer; Med. Erwin R os en b e r g e r, II. Schriftführer; Techn. Julius Hahn, Cassier; Jur. Wilhelm Herzka, I. Bibliothekar; Med. Adolf Schächter, II. Bibliothekar; Med. Rudolf Landesberg, Zeittingsverweser. Als Ersatzmänner: Med. Marcell Wurzel, Theol. und Phil. Simon Friedmann, Techn. Ernst Walter, Techn. Leopold Herzka. Als Cassa-Revisoren: Techn. Isidor Teichner, Techn. Max Stein, Med. I. Meisels. Als Schiedsrichter: Med. Julius Haas. Der neuernann'e Präses Med. Loebl dankte in seinem und im Namen des neuen Ausschusses für das Vertrauen und gab die Erklärung ab, daß, wenn er auch seinen Vorgänger bei Weitem nicht erreichen könne, er doch bestrebt sein werde, in dessen Sinn zu wirken. Lang-Enzersdorf. Wie weit der Antisemitismus umer den Communalbeamten auf dem Lande bereits um sich greift, zeigt ein Vorfall in Lang-EnzerSdorf. — Dort wurden der Papier!,ändler Alexander Hefter, X., O-ueUengaffe 19, welcher in Lang-Euzersdorf seine Kunden besuchte, sowie Herr M. Podhorza von dem Gemeinde Seeretär ohne jeglichen Anlaß molestirt, auf das Amt geführt, ohne daß er selber in der rage wäre, einen Grund für diese Maßregel anzugeben. — Ter Beamte, der sich schließlich auf's Lächerlichste blamirte, benahm sich den beiden Kautteuten gegenüber mit einem Anstande und mit einer Würde, als wäre Meister Stampiglius bereits Minister-Präsident von Oesterreich. Jedlesee. Sonntag, den 5. d. M., hat hier eine Versammlung stattgefnnden, bei welcher die Herren G e ß m a n u und S ch neider sich prvducirten. Die Ausfälle der Redner in ihren Hetzereien waren derart ordinär, daß die eigenen Parteigenossen angewidert waren. Brau hat keinen ^Begriff, bis zu welcher Maßlosigkeit der Verlogenheit der berüchtigte Stampiglienfälscher in der Provinz sich versteigt. — Meister Stampiglius erzählte der Versammlung in Jedlesee, das; die Mitglieder der Wiener Jounalistik nicht blos gemeine Diebe, sondern auch Raubmörder sind, welche, als solche abgestraft, nunmehr den journalistischen Beruf ansüben und mit den liberalen Ministern verkehren. Die bemakelte Vergangenheit dieser Zeitungsschreiber genirt die Minister der Coaliriou durchaus nicht. — Er erzählte von Rothschilds' Defraudationen, seinen angeblichen 700 Millionen, von den Schwindeleien mit der Valuta- Rcgulirung ohne das; ein Regierungsvcrtreter ihn im Geringsten genirte. Zu den „Juden" d s Parlamentes zählt bekanntlich Herr S.hneider vor Allen K r o n a w e l t e r, „de:u blos die Pajes fehlen, um als polnischer Jude voll zu gelten". Ferner den Obmann des Polenelnbs Z a l e S k i, den geistlichen Abgeordneten P a st o r, den Abgeordneten C; e ch, die Juugczechcn E n g e l und E i m. Als die schlimmsten und die gefährlichsten bezeichnet er die getauften Juden, welche angeblich blos die Taufe nehmen, um die Interessen des JudenthnmS desto wirksamer und ungestörter vertreten zu können. — Das neue österreichische Strafgesetz sei na-h dem Talmud gearbeitet, insbesondere die Bestimmungen über die bedingte Verurtheilung, welche einen Aufschub erfahren kann, wäre ein Ausfluß des talmudischen Geistes. Ein Commentar ist überflüssig. Krakau. (S'n unerhörter Vorfall hat sich am Ist. v. :Vi., d. i. an: Charsamstag, in dem israelitischen Bethaufe in der Krakauer Vorstadt Zwierzyniec zwischen 10 und 11 Uhr Vormittags angesichts zahlrestcher betender Israeliten aus Z w i e r z y u t c c, K r a k a n und anderen Orten zugetragen. Um die bezeichnet Stunde erschien der Fwierzimieeer Gemeiudeschreiber in Begleitting von zwei vollkommen ausgerüsteten Gendarmen und forderte die nichts Böses ahnende, andächtige 'Menge in barschem Tone auf, das Bethans unverzüglich zn verlassen. Verblüfft fragten einige der Betenden den Gemeindeschreiber, warum er diesen Befehl ertheile, worauf derselbe in noch barscherem Tone erwidert, daß er nicht verpflichtet sei, seine Befehle zn motiviren^ und noch einmal die Menge aufforderte, seinem Befehle unverzüglich iiachzukonmen. Als einer der Betenden zu bemerken wagte, daß unter den im Bethanse Anwesenden sich auch der Assessor;Beisitzende) von Zmierzhniee, Gabriel N i ch t h a u s e r, befinde, schrie der Gemeindeschreiber wiithend: „Auseinander, ihr Juden, oder ich lasse von der Waffe Gebrauch machen!!" Schließlich sei noch bemerkt, daß der Gerneindeschreiber nicht einmal die Verrichtung des Gebetes für den Kaiser gestatten wollte, und neuerdings mit der Waffengewalt drohte. Selbstverständlich mußte die wehr- und schutzlose Menge der Gewalt weichen und das Gotteshaus verlassen. Prag, den ö. Mai 1895. (Festabend '»u Ehren des jüd. Schriftstellers S. Kohn.) Die Reihe der Ehrungen, die unserem S ch r i f t st e l l e r 2. K o h n anläßlich seines 7o. Geburtstages in stattlicher Zahl zutheil geworden, fand durch den an: 27. v. Nil. vom S t ndentenve reine „Maccabaea" im Hotel Robitschek veranstalteten Com in er s einen würdigen Abschluß. Der Vereinsobniann, Techn. Krauß begrüßte in warmem Tone die zahlreich erschienenen (vaste, insbesondere den gefeierten I nb i l ar, Se. Ehrw. Herrn Tr. E h r e n f e l d, Dr. Grün, Dr. H i r s ch, Herrn Lehrer Springer :e., hervorhebend, daß derartige Momente, in denen sich jüdische 'Männer trotz der verschiedensten Ansichten in religiöser und nationaler Hinsicht ans allen Classen zusammenfinden, beweisen, „daß es. noch genug Punkte gibt, über die wir gleich denken, daß es noch genug Gefühle gibt, über die wir gleich empfinden, woraus wir den sicheren Schluß ziehen können, daß nicht mehr fern die Zeit, in der wir alle nur eines G ei st es und eines Sinnes fein werden". Redner führte sodann die Motive an, weshalb die iüdifchnationalen Studenten dem Schriftsteller S. K o h n ihre Huldigungen darbringen, indem cr darauf hinwies, daß nicht allein dir makellose Charakter des Jubilars dieselben gerechtfertigt erscheinen lasse, sondern daß vielmehr seine, von jüdischem Geiste durchwehten Schritten die Dankbarkeit und die Anerkennung iin vollsten Maße verdienen. Der Festredner, stuil. m\ P a s ch , gab ein treffliches Bild von der Bedeutung K o h n's als Schrittsteller. Anknüpfend an die Worte B ö r n e's, daß der T'chter der Dröster der Menschheit sei, hob er hervor, daß Mobil rar ott ein Dröster seines Volkes gewesen, dadurcti, daß er in seinen Werken nicht stürm sä'e Feiten desselben geschildert, sondern das ruhige und friedliche Leben des -tlo meisterhaft behandelte. Damit überging er zur Charakterisirung K o h n's als Ghetto-Schriftsteller, wobei er durch eine Blüthenlese die Fni'örergchatt ergötzte. Indem er zum Schluffe betonte, daß das jüdische Volk noch Kraft genug habe, solche Männer aus seiner Mitte hervorgehen zn lassen, brachte

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