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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-05-10 · 19 (10.5.1895) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
19 (10.5.1895)
Date
1895-05-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 352 Dr. Bloch's Wvchenschrifl. Nr:. 19israelitischen Kinderbewahranstalt verbundenen Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen alljährlich eine große Anzahl christlicher Mädchen herangebildet wird, und daß es namentlich die Klöster sind, welche ihre Angehörigen (Schwestern und Novizen) oder Schutzbefohlenen in diese Anstalt entsenden. Seitdem 27jährigen Bestände der BildungSauftalt wurden an derselben 476 jüdische und 213 christliche Kindergärtnerinnen herangebildet. Da die Kinderbewahranstalt zugleich als Uebnngsschule des Kindergärtnerinuen-Eurses dient, io erscheint es nicht unbillig, wenn an derselben neben vier jüdischen auch einmal eine christliche Kindergärtnerin Bcrwendung findet. In dem fpeciellen Falle wäre cs aber eine eclatamc Ungerechtigkeit gewesen, ein Mädchen', das feit längerer Zeit im Bedarfsfälle in uneigennütziger Weise als Aushilfe eingetreten war, während eine jüdische Hilfskraft nicht zu finden war, von der Verwendung in der Anstalt auszuschließen. Gerechtigkeit ist aber eine jüdische Tugend, den blinden Haß überlasten wir unseren Gegnern. Thatiächlich stellen wir überdies richtig, daß als Leiterin die Tochter der verstorbenen Directorin berufen wurde, die bisher als Kindergärtnerin an der Anstalt thätig war und daher in dieser Stellung ersetzt werden mußte, für welche sich aber unter den wenigen jüdischen Bewerberinnen keine taugliche fand. Für die Aufnahme vorstehender Zeilen bestens dankend, ergebenst Für den Vorstand: Elise Eomperz, Albert I. Fischer, Monatsvorsteherin. Tircctor. Die Hetze gegen die jüdischen Aerzte. Die letzte Sitzung des Wiener Gemeinderathes, in welcher die liberale Partei noch die unzrveifelhafte Majorität befaß, wurde durch eine Hetze gegen die jüdischen Aerzte ausgefüllt. Den Anlaß bot das Referat über die definitive Organisation des Gemeinde-Sanitätsdienstes und den Anfang machte Herr H a w raue k, welcher sich darüber beklagte, daß im städtischen Dienste zu viele jüdische Aerzte angestellt werden und erklärte, daß der jüdische Einstuß auch auf diesem Gebiete zurückgedrängt werden müsse. Dann kam Herr Greg orig, welchem Herr G e ß m a n n tapfer sccundirtc. Herr Gregorig rief, man müsse die christliche Bevölkerung gegen die jüdischen Aerzte in Schutz nehmen, jeder Christ lasse sich ungern von einem jüdischen Arzte behandeln, da er ihm kein Vertrauen entgegenbringe. So ging cs fort mit Grazie durch mehr als eine Stunde. Der heutige Standpunkt der Antisemiten bedeutet schon einen wesentlichen Fortschritt. Noch vor zwei Jahren erklärten die Herren G r e g o r i g, G e ß m a n n und L n e g e r im Landtage, jede alte Kräutlerin verstehe von Medicin mehr als ein diplomirtcr Arzt. Damals ging es unterschiedslos über jüdische und christliche Aerzte. Heute erkennt man die Segnungen der Wissenschaft wenigstens an den christlichen Acrzten an. Aber die Thatsachen sprechen auch gegen die Weisheit dieser edlen Menschenfreunde. Herr Dr. Geßmann hätte gewiß keine Ursache, über die jüdischen Aerzte herzufallen, denn in seinem Vaterhanse haben jüdische Aerzte verkehrt und ihre Geschicklichkeit oft genug bewiesen. Selbst ein so wüthender Judenfresser wie der ehemalige Abgeornete Türk hat einem jüdischen Arzte ein glänzendes Zeugniß ausstellen müssen, und wenn der Vater des Herrn Schönerer stets der Ansicht der Herren Hawranek und G r e g o r i g über die jüdischen Aerzte gehuldigt hätte, wäre Schönerer heute nicht der Führer der dentschnationalen Antisemiten, denn in seiner Jugend rettete ihn ein jüdischer Arzt von einer lebensgefährlichen Krankheit. Dagegen meldet man ans Agram, 4. Mai. Auf Grund eines Einvernehmens zwischen der Negierung und der geistlichen Oberbehörde erfolgte die Ernennung des Dr. Adolph Schwarz, eines Juden, zum Primarius der chirurgischen Abtheilung im Spital der Barmherzigen Brüder in Agram, dem ersten Krankenhause des Landes. Dr. Schwarz ist ein Schüler des Professors W ölt! er und erfreut sich des Rufes als trefflicher Operateur. Der Kampf nur das Staatsgrundgesetz. In der Sitzung von. Samstag, den 4. Mm, beantwvrtM der Landesvenheidigungs-Mnister FZM. Grat Welsershe im b die Interpellation der Abgeordneten Dr. KronawLtte r, Pernerftorfer und Genossen wegen des in der Conenrsausschreibun'g für die Ausnahme in die Landwehr-CadettenschllLe verlangten Taufscheines der Bewerber folgendermaßen: „Grundsätzlich . kann es wohl keinem Zweifel unterliegen, daß die- Bestimmungen des eitirten Staatsgrundgesetzesnicht dahin gedLmet werden können, als würde die Ausstellung beftinintterBedingnngeir, wie solche für die AnfnalMe in Schulen und zur ErlaurMkg von Aemtern allenthalben gestellt werden und werden muffen, der Gleichheit vor dem Gesetze, der gleichen Zugänglichkeit der öffentlichen Aemter oder der Glaubens- und.Gewiffensfreiheit, beziehungsweise der Unabhängigkeit der bürgerlichen und politischen Rechte vom Religionsbekenntnisse widerstreiten. Jnbesondere muß der Armeeleitnng im Sinne der Bestiunnnng des § 5 des Gesetzes über die der Monarchie gemeinsamen Angelegenheiten für die bezüglichen Anordnungen das ausschließliche Ermessen gewahrt bleiben. Was die praktische Seite der Frage betrifft, so wird in den kundgemachten Ansnahmsbedingnngen sowohl für die k. nnd k. Militär-Erziehungsnitb -Bildungsanstalten als speciell für die k. k. Landwehr-Eadettenschule keine dem Geiste und den Absichteil der eitirten staatsgrnndgesetzlichert Bestimmungen irgend zuwiderlatisende Forderung zu finden sein nnd ist insbesondere der Ausschluß eines Religionsbekenntnisses darin nicht enthalten. Die in der Kundmachung lediglich unter den Gesuchsbelegen angeführten Taufscheine haben nur dem Altersnachweise zu dienen und können in bereit Ermanglung auch durch Geburtsscheine ersetzt werden, wie dies thatsächlich fast alljährlich vorkommt und der Umstand zeigt, daß nach gleicher Kundmachung in den beiden letzteil Jahrgängen mehrere Zöglinge israelitischer Confession ausgenommen wurden. Durch diese Erklärung kanir jeder provocirte Zweifel beseitigt erscheinen, uiid ivird übrigeits für die Zukunft auch noch eine bezügliche ausdrückliche Ergänzung veranlaßt. Was die, Ausschließung der Feldrabbiner von der Begünstigung des auf zwölf Gulden beschränkten Schulgeldes betrifft, so wurde letzteres überhaupt nur für Söhne vorl Personen des activen, Ruhe- oder Jnvalidenstandes zugestanden, nicht aber für solche des Reserve-Verhältnisses, welchem die bestehenden Feldrabbiner ausschließlich angehören." Gleichzeitig beantwortet der Minister die an den Minister- Präsidellten gerichtete Interpellation der Abgeordneten G ö tz und Genossen, denselben Gegenstand, die Kundmachung der Bezirkshauptmannschast in Gaya betreffend, indem er diese Interpellation als durch die obigen Ausführungen beantwortet bezeichnet und noch beifügt, daß in der im Veiblatte Nr. 9 zum Normal-Verordnungsblatte für das Heer verlantbarten authentischen Concurs-Ausschreibung für die Aufnahme in die Militür-Erziehnngs- und Bildnngsanstalten, unter den beizubringenden Beilagen, beim Taufscheine ausdrücklich der „Geburtsschein alternativ snbstituirt erscheint. Ein arisches Heiratsgesnch. Folgende Anzeige enthielt das Berliner „Fremdenblatt". In möglichst ausfälligem Druck stand da zu lesen: „Ein Marquis österreichischen Adels, 40 Jahre alt, Beamter bei einer k. k. österreichischen Finanzdirection, sehr solid, sympathisch, gesund, mittelgroß, brünett, beliebt und angesehen, wünscht zu heiraten und beansprucht ein Alter nicht über 10 Jahre, sympathisches Wesen und eine Mitgift von mindestens zwei Millionen Gulden L. W. (respective vier Millionen Mark oder fünf Millionen Francs). Confession und Stand Nebensache. Schulden sind keine vorhanden. Dagegen wird unbedingt be-' ansprucht, daß am Hochzeitstage zur Sicherung der vollen Selbstständigkeit des Bewerbers die Braut ihm mindestens eine Million Gulden ö. W. in mobilen Werthen zum unbeschränkten Eigenthum übergebe. — Im Falle einer Scheidung würde dieser Betrag zurückzuzahlen sein." Der Zusammenhang zwischen Antisemiten und Anarchisten in Frankreich erfährt durch ein jüngst in Paris erschienenes Buch von Charles Malato, einen der wüthendsten Anarchisten: ,,De la commune a l’Anarchie“, eine seltsame Beleuchtung. Das „Freie Blatt" bringt darüber folgende Mittheilungen:

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