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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-05-03 · 18 (3.5.1895) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
18 (3.5.1895)
Date
1895-05-03
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 18 Seite 339 Dr. Bloches WoÄzen7rbrifk. müssen. Raff' Dich doch endlich auf, entsage allen diesen Mädchenbekanntschaften und beginne ordentlich zu studiren, das wird Dich bald auf andere Gedanken bringen und Dir jenen Ernst verleihen, ohne den man im Leben immer haltlos bleibt!" „Ich kann mich nicht loßreißen," rief Wodakoski, „ich kann nicht. Komm', wir wollen zu ihr." „Zu Josepha?" „Ja, ich will sehen, ob der Husar bei ihr ist." Wir gingen also wieder einmal dem Vischehrad zu, und als wir in der Nähe des Hauses, in welchem Frau von Odenheim mit ihrer Tochter wohnte, angelangt waren, postirten wir uns an der Gartenmauer, den Fenstern der leichtsinnigen Schönen gegenüber. Der Winter hatte über den Garten seinen kalten, schimmernden Hermelin gebreitet, über den der Mond sein magisches, dämmerndes Licht ergoß. Ueber uns war der blaßblaue Hinnnel, aus der Ferne klang das dumpfe Geräusch der Stadt zu uns herüber. Die beiden Fenster von Josephas Zimmer waren hell erleuchtet, sie hatte nicht einmal die Gardinen vorgezogcn. Von Zeit zu Zeit tönte fröhliches Lachen in die Stille der Nacht hinab. Endlich ging die Thüre auf und der Husarenofficier im weißen Mantel trat heraus und zündete sich eine Cigarre an. Oben klang das Fenster und Josepha zeigte sich im silbernen Lichte des Mondes. Sie wechselten noch ein Paar Worte, dann zog sie sich zurück und er ging pfeifend die Straße hinab. Mit Mühe nur konnte ich Wodakoski abhalten ihm zu folgen und ihn zur Rede zu stellen. „Was willst Du?', sagte ich. „Am Ende ist die ganze Geschichte harmlos und vor Allem hat er ganz gewiß keine Ahnung davon, daß er nicht der Einzige ist, mit dem sie ihr Spiel treibt. Du würdest Dich nur lächerlich machen." „Du hast Recht", murmelte Wodakoski, „aber wir wollen ihr dafür einen Besuch machen, ich bin neugierig, auf das Gesicht, mit dem sie uns empfangen wird, denn sie wird sofort wissen, daß wir sie sozusagen auf frischer That ertappt haben." Das Gesicht, das Josepha machte, als wir eintraten, war ein ganz anderes, als Wodakoski erwartet hatte. Sie war roth geworden vor Zorn und ihre Augen blitzten drohend. „Du hier?" rief sie, indem sie vom Divan aufsprang und mit energischen Schritten auf Wodakoski losging. „Du hast also spionirt? Schämst Du Dich nicht?" Wodakoski stammelte etwas, was Niemand verstand. „Geh'!" fuhr Josepha fort, „geh' aus der Stelle!" Sie weis ihm mit einer gebieterischen Bewegung die Thüre und Wodakoski ging wirklich. Als ich ihm folgen wollte, sagte sie kurz und befehlend: „Bleiben sie, ich habe mit Ihnen zu sprechen!" Sie öffnete das Fenster, und nachdem sie sich übeizeugt hatte, daß Wodakoski sich wirklich entfernt hatte, nahm sie auf dem Divan Platz und lud mich ein, mich zu ihr zu setzen. „Ich weiß, daß Sie eine recht üble Meinung von mir haben", begann sie gelassen mit einem feinen, ironischen Zug um die vollen, blühenden Lippen. „Ich kann mir ja denken, was Ihr Freund Ihnen Alles zu meinem Lobe gesagt hat. Ich denke nicht daran mich zu vertheidigen. Beurtheilen Sie mich wie sie wollen, aber schaffen Sie mir endlich Ruhe. Wenn Sie noch so schlecht von mir denken, so werden Sie mir doch zugestehen müssen, daß ich ebenso gut wie irgend Jemand das Recht habe, meinen Willen zu haben und frei über mich zu verfügen: Niemals habe ich Ihrem Freunde Hoffnungen gemacht, die Ich nicht erfüllt hätte; ich behandelte ihn als das, was er ist, als einen verliebten Knaben. Sie werden zugeben, daß ich nicht die Frau eines Mannes werden kann, der um ein Jahr jünger ist als ich. Seine Ansprüche mir gegenüber sind also einfach kindisch und lächerlich. Er ist mir längst lästig geworden durch seine thörichte Eifersucht. Ich gestehe es jedoch offen, daß ich ihn jetzt 51t fürchten beginne, er ist ans dem besten Wege, mich zu compromittiren. Ich will ihn unter allen Umständen loswerden, wie es auch sei. Ich bitte Sie also, im Interesse Ihres Freundes auf ihn in diesem Sinne einzuwirken, ihn zu bestimmen, daß er seine Besuche bei mir einstellt und sich wieder seinen Studien, die er immer mehr vernachlässigt hat, widmet. Das Beste wäre, er würde Prag verlassen und in seine Heimat zu seinen Eltern zurückkehren; wollen Sie dies thun?" „Gewiß, denn ich habe ihm bereits wiederholt in diesem Sinne Vorstellungen gemacht." Nachdtm wir noch über gleichgiltige Dinge gesprochen hatten, empfahl ich mich. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Einleitung zu „S e d e r Olam Nabba h" ^Hebräisch). Bon B. Ratner. I. Theil. Wilna, 1894. Neben Josephus Flavius, dessen Geschichtswerke aber in griechischer Sprache geschrieben sind, ist der Verfasser der Chronik „S e d e r O 1 a m Rabbah", in welcher die biblische Chronologie nach dem damaligen Stande der historischen Wissenschaft festgestellt wurde, der erste Geschichtsschreiber oder doch der erste Chrom st der palästinensischen Juden. Wer aber ist recht eigentlich der Urheber jener durch Inhalt und Alter gleich hochinteressanten Chronik? Diese Frage ist ftir den Literarhistoriker eine harte Nuß. Nach dem Zeugnisse des Talmuds (eonk. Jebam. Fol. 82 b, und Nid., 46 b) wurde jene Chronik von R. JosebenChalafta angelegt, und zwar in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts der übl. Zeitr., unlnittelbar nach dem Hadrianisch - Barkochbüischen Kriege. R. Jose war nämlich als Chrouolog das Orakel seines Zeitalters. Ja, selbst sein Sohn, R. Jsmaöl, pflegte ausgesucht zu werden, um von ihm manche geschichtlichen Taten aus den Ueberlieferuugen seines Vaters zu erfahren (eonf. Sakb., Fol. 15a u. Abodah Sarah 8b). Nach der damaligen Gepflogenheit, keine Bücher zu schreiben, hat R. Joso wahrscheinlich sein „S e d e r Olam" nur mündlich vorgetragen, so daß Letzteres erst später, vielleicht gleichzeitig mit der Mischnah, ergänzt und berichtigt, niedergeschrieben worden sein mochte. Es steht darum außer Zweifel, daß das „S e d e r O l a m" in der uns vorliegenden Form zahlreiche Interpolationen und Zusätze späterer Jahrhunderte auszuweisen hat. Zn dieser Trübung des ursprünglichen Textes gesellen sich noch zahlreiche Varianten in den vorhandenen Manuscripten und Druckwerken, die den Forscher oft stutzig machen und ihm das sichere Urtheil in hohem Grade erschweren. Herr .Ratner, der eine erstaunliche Belesenheit in der Talmud- und Midraschliteratur manitestirt, stellt sich nun im vorliegenden Buche die dankeuswcrthe Aufgabe, durch die Vergleichung der besten Handschriften des „Seder C l a m R ab bah", sowie durch stete Reflexion auf die Citate desselben ini Talmud und Midrasch, den ursprünglichem Text, wie er aus der Tradition des R. I 0 s e geflossen ist, zu reconstru'.ren und die späteren Interpolationen und Zusätze als solche zu kenn zeichnen. Die erschöpfende Behandlung und Gliederung des Stoffes, sowie die vielen Berichtigungen von Schreib- und Druckfehlern, die sich im Lause der Jahrhunderte eingeschlichen, erhöhen den Werth des Buches und darf man den weiteren Forschungen des Verfassers mit Interesse entgegensehen. Iglau. Rabb. Dr. I. I. Un g e r. Die Himmelspforte. Vollständiges deutsches Andahtsbuch für Israels Frauen und Jungfrauen. Von Dr. Saul Jsaac ü ä m p f. (Prag, Verlag von Samuel W. Pascheles.) Dieses vom Verleger dem Andenken der Freifrau Bettina von Rothschild gewidmete Buch ist für die öffentliche und häusliche Andacht in allen Verhältnissen des Lebens bestimmt. Es enthält zunächst allgemeine Gebete für Haus und Synagoge, ferner Gebete zu besonderen Gelegenheiten, Gebete für die zarte Jugend, Gebete beim Hinscheidcn und am Grabe theurer Angehöriger, weiter einen „Führer aus dem Wege zu einem religiösen und tugendhaften Leben" und schließlich religiöse Poesien. So bietet dieses wahrhafte Andachrsbuch mit seinen von innigem Glauben und Gottvertrauen erfüllten Gebelen der israelitischen Frauenwelt Anregung und Anleiiung, beu GGnhlen des bedrängten oder freude- und dankerfüllten Herzens Ausdruck zu geben und in der Zuwendung zum Höchsten Beruhigung und Zuversicht zu suchen. Kochbuch. Im Verlage von Samuel W. Pascheles in Prag ist soeben eine vermehrte und verbesserte Auslage des „Kochbuch der e r st e n i s r. K 0 ch s ch u l e" der Marie K a n d e r s in Prag erschienen. Dieses sehr reichhaltige und übersichtliche Buch wird mit allgemeinen Er örterungen über die Kochkunst eingeleitet, daran reihen sich Mitthcilnngen

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