Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 18 (3.5.1895)
- Date
- 1895-05-03
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 18 Dr. Bloch's WocheuschrM die Gemeinde im Jahre 1847 eine Kirche in Ehrystie Street um 12.000 Dollars ankaufte, die im Jahre 1848 als Synagoge eingeweiht wurde. Im Jahre 1851 wurde die Synagoge verkauft und eine größere in der Zwölften Straße, nahe Broadway errichtet, in welcher die Gemeinde siebzehn Jahre lang ihren Gottesdienst abhielt. Im Laufe diese Jahre waren die „Tempelherren", wie sie von den Orthodoxen genannt wurden, nicht nur zahlreicher, sondern auch wohlhabender geworden, und hatten sich im oberen Theile der Stadt Häuser angetanst. Im Jahre 1868 wurde das herrliche Gebäude an der fünften Avenue und 43. Straße errichtet, das nahezu eine Million Thaler gekostet und hier hat die Gemeinde den höchsten Punkt ihrer Entwicklung erreicht. Nach Dr. Merzbacher's Tode wurde Dr. Samuel Adler ans Alzei (1857) als Prediger berufen. Seine Reden galten als Muster elassisch-deutscher Vorträge. Kurze Zeit darauf wurden neben ihrren auch englische Reden gehört, De Cordowa, Al. H. Myers und James K. Gntheim. Im Jahre 1873 wurde Dr. G. Gottheil aus Manchester als Kanzelredner berufen und Dr. Adler bald darauf veusionirt. In den ersten zwei Jahren hielt Dr. Gottheit abwechselnd deutsche und englische Vorträge; auf Ansuchen des Heranwachsenden Geschlechtes, dem die deutsche Sprache fremd geworden, wird seither nur noch englisch gepredigt. Vor einigen Jahren wurde Dr. Joseph Silvermann, ein Zögling des Cineinati College, als Junior-Rabbi angestellt. Auf Eantor Rubin, der 40 Jahre laug fuugirte, folgte der gegenwärtig allgemein beliebte Vertreter William Sparger. Temple C'manu-El gilt nicht nur als die reichste, sondern ganz besonders als die Mnsterrcformgemeinde Amerikas. Mi Podea. Correfpondelyeu. Wien. Vom Vorstande der Wiener Eultusgemeinde wurde znm Passahfeste an Se. Hochw. Herrn Dr. S ch m i e d l die nachstehende Zuschrift gerichtet: „Euer Ehrwürden! Hochgeehrter Herr Rabbiner! Ein Jahr ist verflossen, seitdem Euer Ehrwnrden Ihre Thätigkeit im Leopoldstädter Tempel anfgcnommen haben. In dieser Zeit haben Sie sich die ungethcilten Sympathien unserer Gemeindeglieder. die unbegrenzte Verehrung Ihrer zahlreichen andächtigen Zuhörer erworben. Der Vorstand gibt hierüber seiner besonderen Befriedigung Ausdruck und verbindet hiermit gleichzeitig seinen aufrichtigen Wunsch, es möge Euer Ehrwürden bcschieden sein, durch viele Jahre zur Ehre Gottes und zum Wohle unserer Gemeinde weiter zu wirken. Anläßlich der ersten Jahreswende Ihrer sehr erfolgreichen Thätigkeit in unserer Mitte, wollen Euer Ehrwttrden beifolgendes Ehrengeschenk geneigtest entgegennehnien. In ausgezeichneter Hochachtung. Der Vorstand der israelitischen Eultusgemeinde." — Die Reichspost wendet sich in ziemlich confuser Weise gegen diejenigen Geschworenen im Processe des Raubmörders Eichinger, welche die Zusatzsrage auf Siunesverwirrung bejahten und daun wieder gegen einige Blätter, die nach ihrer Meiming diese Fälschung des Gewissens verschuldet Hütten. Wer eine Fälschung des Gewissens täglich und stündlich versucht, das ist die antisemitische Schanduro Sudelpresse vom Schlage der „Reichspost", welche Mord, Brand und Todtschlag gegen die Inden ungestraft predigt, welche au dem Leibe oder der Habe der Juden verübtes Verbrechen und Vergehen gar nicht zu kennen scheint oder wo sie von solchen Notiz nimmt, diese als nachahmenswerth und trefflich glorificirt. Das sind die wahren Mitschuldigen des 'Ariers Eichinger, der bloß einen Inden erschlug. Wenn die antisemitische Agitation und die Fälschung der Genüssen ungehindert sich weiter enthalten, so dürfte die Zeit nicht ferne sein, wo derartige Verbrecher gänzlich straffrei ansgehen werden. Die weiblichen Zuhörer bei der Verhandlung im Processe Eichinger waren sämmtlich rassenreiner arischer Abstammung und es ist überflüssig, ein Iveiteres Wort darüber zu verlieren. — (Akademischer Verein „Gamala".) Am 27. April a. c. hielt der akademische Verein „Gamala" eine Bar Kochba-Feier ab. Trotz des schlechten Wetters war.Khnner's Restaurant dichtgefüllt von jüdischen Studenten und Bürgern. Unter den Anwesenden bemerkte man: Lector Fried mann, Docent Dr. S. F e i l b o g e n, die Förderer des Vereines „Gamala": I. Jaiteles, Krämer, Katz, Menzer, die Vertreter der „Kadimah", „Unitas", Jüd.-akad. Lesehalle, der Seite 333 „Libanonia", des Theologenvereines, viele Religionslehrer, jüdische Schriftsteller und Vertreter der jüdischen Presse. Rach einer kurzen Begrüßung durch den Leiter des Abends, Dr. Siegmnnd, und der Abfingung des Gaudeamus" hielt der Schriftführer der „Gamala", Korn, die Festrede. In begeisterten Worten führte er die drangvolle Zeit des letzten jüdischen Freiheilskampfes vor die Zuhörer und zog mit dialektischer Schärfe die Parallelen zur Jetzzeit. Stürmischer Beifall lohnte seine Ansfüyrnngen. Rucy dem Bnndesliede der „Gamala" fesselte stud. tlleol. Preis die Anwesenden durch den Vortrag von Gedichten Rapaport's und Philipps o n' s. Den mit großem Beifalle anfgenommenen Deelamationen, folgte der Vortrag echt jüdischer Lieder und Synagogalmelodien,. welche von dem Eonservatoristen B. Klein nncer lebhaftem Beifalle gesungen wurden. Den Höhepunkt des Abends bildete die Programmrede des Vereinspräfidenten Marcus Ernst. Diese Rede besprach unter der intensivsten Aufmerksamkeit das Programm der „Gamala" in geistvoller Weise. Trotz der körperlichen Indisposition des Redners war dennoch der Eindruck der Rede ersichtlich ein ungemein tiefer. Der Redner wurde von allen Seiten beglückwünscht. Run folgte die Absingung des Bundesliedes der „Kadimah", hierauf die Toaste ans die jüdische Bürgerschaft, die jüdischen akad. Vereine und die anwesenden Universitätslehrer. Prof. Lector Friedmann sprach hierauf seinen Dank aus und führte in einer finnigen Ansprache den Gedanken aus, wie Bar Kochba und Rabbi Akiba, die Führer der an diesem Abende gefeierten Volksbewegung. ohne Festsetzung irgend eines Gedeitktages stets in der Erinnerung Israels leben würden. Docent Dr. Feil bogen sprach seinen Dank für den schönen Abend ans, an dem er Antheil nehmen durfte und versicherte, daß er stets ein treuer Sohn Judas bleiben werde. An den Erfahrungen feines Lebens mögen die Studenten ersehen, daß die Treue an sein Volk in der heutigen Zeit wohl ein Hinderniß, nie aber ein endgiltiges Hemmniß sein könne. Hierauf folgten die Toaste der Präsidien der anwesenden jüdischen Vereine ans die „Gamala", welche für die vielen Sympathiebeweise —- es waren außerdem noch 32 Telegramme und Briefe ans der Ferne gekommen — kaum genug danken konnte. In der gehobensten Stimmung verließen die Gäste die überaus würdig verlaufene und gelungene Feier. —8—. — (Frauen-Wohlthäliqkeits-Verein im YIII. Bez. der Stadt Wien. Am 25. April überreichte das Präsidium dieses Vereines, bestehend aus der Präsidentin Frau Amalia Beck, der Schrfflsührerin Frau Johanna Beck und der Cassierin Frau D rab. dem Herrn Leopold Guttmann eine von de» gesummten Vorstands-Damen gezeichnete knnstvoll ausgesührte Dankadresse für die Bemühungen desselben um den Verein. Herr Leopold Gnttmannn. welcher dem Vereine durch Veranstaltung eines Festes, unter Mitwirkung eines großen Eornita's, ein Reinertrügniß von ca. fl. 1600 zuführte, versprach auch fernerhin, die Interessen dieses humanitären Vereines zu fördern, und seine Kraft demselben zu widmen. Er halte es für die Aufgabe und Pflicht jedes Einzelnen, nach Kräften beizutragen, die Noth der Armen lindern, die Thräuen der Unglücklichen trocknen zu helfen; nur der, welcher diese Aufgabe voll und ganz erkennt, hat Ansvruch auf Achtung uud Werthschätzung seitens seiner Nebeninenschen. — (General-Versammlung des Vereines zur Hebung der Gewerbe in Wien.) Dieser aus ca. 000 Gewerbetreibenden und hervorragenden Industriellen bestehende Verein hielt am 2!>. Avril seine fünfte ordentliche General-Versammlung in Kuhner'ö Reüaurations- Localitäten ab. Unter den Anwesenden bemerkten wir als Vertreter der Israel. Union Herrn Dr. Marcus Spitze r, feruer Herrn Gemeiilderath Ludw. Lang, Prediger Dr. Gelbhaus, Rechtsanwalt Dr. Fialla u. v. A. Der Vorsitzende, Herr Präses Brod, eröfinete die Versammlung mit dem Rechenschaftsberichte des Vereines für das verflossene Vereinsjahr, in welchem derselbe die Ursache der Gründung des Vereines hervorhob und die demselben erwachsende Ausgabe auseinandersetzte. Redner schloß mit dem Appell an unsere großen, hervorragenden Glaubensgenossen, die Existenz dieses großen, mächtigen Vereines nicht länger zu ignoriren und den in allen Branchen vertretenen Mitgliedern dieses Vereines, deren vorzüglichste Repräsentanten der Kunst und des Gewerbes dem Vereine angehören, bei Vergebung von Arbeiten gerechte Würdigung zu Theil werden zu lassen. Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifalle aufgenommen. Von den Anwesenden lebhaft acclamirt, bestieg nun Herr Dr. Heinrich St eg er die Tribüne, um einen längst mit großem Interesse erwarteten Vortrag zu halten. Die Ausführungen des Redners gipfelten zum großen Theile darin, daß nur „Selbsthilfe" das Manco ausgleichen könne, welchees dem jüdischen Gewerbe-