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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-05-03 · 18 (3.5.1895) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
18 (3.5.1895)
Date
1895-05-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Blvch's Wochenschrift. To) reicht nicht hin, ihre Verbrechen zu bestrafen: wer kann dieselben hinreichend beseufzen? Werfen wir ihre Reichen in die Wüste, damit sie den Hunden;itm Truste dienen." Links unten in der Ecke ist ein ..christliches Ehepaar" mit einem Kinde ausgezeichnet, das für die Christen typisch sein soll. Die „kath. Mission" (S. 17) gibt darüber folgende Auskunft: „Tie Caricatnr stellt, wie die beiden kleinen Ueberschristen sagen, die christliche Familie dar. Die Ueberschrift links lautet: „Männlicher und weiblicher Christ." Die Ueberschrift rechts: „Christenkind." Tie obenstehendcn Worte Tien-sin-tschu's beziehen sich auf die Christen im Allgemeinen, ebenso wie diese Caricatnr. Ter Christ ist in cine Tchsenhaut, die Christin in eine Hundehaut gesteckt, das xind trägt als Bastard die Schale einer Schildkröte: aus diese Weise soll der thierische Charakter der Christen ausgedrückt werden." lieber die beiden anderen Caricaturcn, die daneben stehen, sagt die Zeitschrift (S. 17): „Die Bedeutung der mittleren Caricatnr, an sich schon klar, wird noch klarer durch die Inschriften. Die in der Mitte lautet: „Der Herr der Religion des verabscheuten Namens.von Pfeilen durchbohrt." Die Inschrift links lautet: „Barbarenlonig Frankreichs", die rechts: „Barbarcnkönig Englands." Die beiden Könige sind an den Händen gefesselt, um ihre Thnmacht auszudrücken. Die (dritte) Caricatnr ist wiederum klar, und die Inschrift hilft nach: „Die den Missionären bestimmte Todesart." Ter Missionär, nadt an bk Säule gebunden, wird gemartert. Der Henker schneidet ihm die Junge aus und Hunde kommen, sein Blut zu lecken. Die Worte Pao-Tschao's gehen also zunächst die Missionäre an." Aus Russland. j^kaweh laor Valn. (Wir hoffen auf Licht und es kommt nicht!) Diese biblischen Worte enthalten die richtige Bezeichnung für die Stimmung der russischen Juden unter der neuen Negierung. Zwar haben wir uns keine überschwenglichen Hoffnungen von der „neuen Aera" gemacht, zwar haben wir gleich im Voraus die Jnbelgesänge der ausländischen Presse, die tlnS goldene Berge, auf welchen die Freiheit wohnt, versprach, der verdienten Lächerlichkeit preisgegebeu; aber doch regten sich in unserem Herzen bescheidene, ganz bescheidene Hoffnungen auf eine gelinde Besserung unserer, die höchste Noch erreichenden Lage. Aber, ach, die Thatsachen rufen uns ihr zerschmetterndes: Imseiate ogni speranza! zu. Ja, die brutale Logik der Thatsachen muß auch dem unverwüstlichsten Optimisten die Laune verderben, und auch der gläubigste Zukunftstränmer unrff über seine Luftschlösser verächtlich lächeln. Was war, das wird sein! so lautet die Devise unserer neuen Aera, wenigsteus bezüglich der Juden, und ist schon ein Status <i>u> für uns der schrecklichste der Schrecken, so wird noch unsere Angst gesteigert durch die Dehnbarkeit der „bestehenden Gesetze" und durch die sogenaunteu „Erläuterungen" und Ergänzungen, die tmsere geschäftige und „äußerst serupulöse" Administration ihnen anzuhängen und uns „zuzusetzeu" von Zeit zu Zeit für nöthig findet. Die neueste „Erläuterung", wodurch auch der „liberale" Geist der neuen Aera zur Genüge gekennzeichnet wird, lautet folgendermaßen: Ein Eirculär des Kriegsministers (vom 4. April) erläutert, daß den Juden das Reisen in das Don-, Kuban-, Terek- und Kosakengebiet zum Gebrauch von M i n e r a l b ä d e r n, sowie ü b e r h a u p t zum Curgebrauch verboten ist." Nun, was sagen die ausländischen Friedensverkünder, die beim Regierungswechsel iit Rußland vor eitel Wonne und Glückseligkeit zerflossen sind, zu diesem frischen Hauch, zu diesem Frühlingszeichen der neuen Aera? Vielleicht erschnüffeln gar manche Lohn-Lobredner Spuren von echter Humanität und Aufklärung in diesem aller Menschlichkeit hohusprechenden Erlaß? Zwar kennen wir nicht die Motive zu diesem menschenfresserischen Gesetz und unser greiser Kriegsminisrer, ein Haman prima Qualität,'wird sich schwerlich herablassen, sein neuestes Judengesetz (das selbstverständlich mit Zustimmung des jungen „liberalen" Monarchen erlassen wurde) zu motiviren, höchstens wird er zur Unterstützung desselben eilt paar verschimmelte Paragraphen ans der Zeit Iwan des Schrecklichen anführen; und doch wäre eine Motivirung sehr erwünscht. Sollte die neue Aera auch den Curgebrauch als i Seite 83 l „Erploiiatiou" betrachten? Fürchtet die neue Regierung, daß die Hunderttausende von Rubeln, die die Genestina suchenden jüdischen Kranken in den kaukasischen Curorieu znrücklaifen, auf die dortigen „Naturvölker" v e r r n b r e ri '* ch wirken könnten? Qder meint nnier .Kriegsminister. daß ein Contaer der bekanntlich „feingesitteten" Kosaken mir den bekanntlich durch den Talmud arg demoralisirten Juden einen schlimmen Einfluß auf die Kultur und Sinen der Talgfrener ausüben könnte? — Aber diese offieielle Kundgebung der neuen Aera, Pie natürlich die Runde durch die ganze europäische Preise zur Ernüchterung der Zukuufrslränmer machen wird, in kür uns von weniger aetneller Wichtigkeit, als die Tpranuei der Polizei und der unteren administrativen Qrgane. der nur unter der neuert Regierung n o ch m e h r a l s u n t e r d e r alte u ausgesetzt sind, und von der natürlich der Telegravb nichts berichtet. Hier haben Sie ein kleines Pröbchen, einen Fall von Hunderten.' Die Handlung spielt in Riga. Zeit: Der 11. März d. I. An diesem Tage zur Mittagszeit erschienen plötzlich einige Polizei-Eommissäre mit mehreren Schutzmännern am großen Börsenplatz und veranstalteten eine H e tz i a g d aur stimmtliche Juden, die in der Umgegend der Börse «es rvar kurz nach Schluß der Börse« sich befanden. Die Polizisten drangen auch in die umliegenden Cafes und schlevpren alle indische Kausleute die dort mit ihren christlichen Geschäftsfreunden saßen, fort und zur Polizeiverwaliung. Zllahe an vier h n nd e r t I n d e n wurdet: so durch die Straßen zur Polizei geschleppt, unter dem Gejohle der Straßenjngend und zum Erstaunen der christlichen Sradtbevölkernng, die unter den „Eingefangenen" viele bekannte, angeseberie .Kaurleute erblickte. Aus der Polizei angelaugt, mußten die ..Gefangenen" vier Stunden stehend verweilen, bis sie vorgcuommen wurden. Endlich begann das „Verhör": es wurde Jeder über seine Herkunft befragt, diejenigen, die sich als Riga'sche Bürger oder Kanfleuie legitimiren konnten, wurden entlassen, natürlich ohne jede Entschuldigung -tuid Molivirung dieses beispiellosen Gewaltactcs. Diejenigen aber, die als tllicht-lltigenser befunden wurden, wurden sofort, unter Begleitung von Polizisten, zum Bahnhof befördert und gezwungen, mit dem nächsten Zuge nach ihrem betreffenden Heimatsorte zurückzufahren. Unter diesen befanden sich viele Katlfleure erster Gilde, die das .Recht haben, im ganze.': russischen Reiche sich aufzuhallen, und der Rest waren sonstige Handelsleute, die nach dem Gesetze geschäftshalber auf bestimmte Zeit überallhin kommen dürfen - - aber die Riga'sche Polizei kümmerte sich wertig um die Berufung der Leute auf die „bestehenden Gesetze", und die „fremden" Kaufleme mußte«: sofort Riga verlassen, obrvohl ihre Geschäfrs-Angelegenheiten ne für längere Zeit in Riga ztlrückhielte'.t. Arn folgenden Tage geruhte der Gehilfe des Polizeimeisters «der Polizeimeister selbst wie auch der Gouverneur waren zur Zeit abwesend von Riga« einigen Riga'schen Juden, die sich über die unerhörte Willkür beklagten, das Motiv zu dieser Razzia miizutheileu: Illach dem neuen Paßreglement' nämlich muß jeder Jude ausnahmslos, sobald er in einer fremden Stadt ankvmmt, unverzüglich seine Ankunft bei der dortigen Polizei anmelden und sie u«n eine Aufenthalts-Erlaubnis; ersuchen, unbekümmert um die Erlaubnis, die das bestehende Gesetz ihm, sei es als Kaufmartn erster Gilde oder als akademisch Gebildeten, gewährt. Nun hatte die Riga'sche Polizei in Erfahrung gebracht, daß die nach Riga altgereisten Juden diese Bestimmung «die übrigens noch Keinem bekannt war) nicht erfüllten, und um dem neuen Gesetze Geltung zu verschaffen, sah sie sich veranlaßt, diese Razzia in der Umgegend der Börse, wo die meisten zugereisten Juden zu treffen sind, zu veranstalten. Das ist eine kleine Illustration zu dem „freieren Geiste" der jetzt in Rußland herrschen soll l Und was sagen Sie zu dem neuen Paßgesetz, von welchem die ausländische Preffe seinerzeit sagte, daß es „ein wahrhaft liberales und humanes Gesetz" wäre? Ach, diese ausländischen WeißmacherI Als ob ein Gesetz, das unter Alerauder Hl. geschaffen wurde, human j und liberal sein konnte! Für uns russische Juden ist dieses

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