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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-04-26 · 17 (26.4.1895) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
17 (26.4.1895)
Date
1895-04-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 316 werden wird. Inzwischen ist vor einigen Tagen die Concursausschreibung für die Aufnahme in die k. k. Landwehr-Cadettenschule in Wien erschienen. Dieselbe verlangt unter den Do.ummtcn, welche der Bewerber um die Aufnahme in diese Sraatsaustalt vorzulegen hat, als Erstes den Taufschein. Diese Eoucursauoschreibung ist in sämmtlichen amtlichen Provinzblättern publicirt worden. Donnerstag, den 25. d. Mts., hat Abg. Dr. K r o n a- Wetter im Vereine mit anderen Abgeordneten wegen dieser Concursansschreibung die Regierung neuerdings interpelürt. Wie«. (Eine jüdische Wohlthäterin.) Vor Kurzem starb hier Frl. Gabriele Przibram, eine Dame, welche eine wahre Zierde der Wiener Gesellschaft war, welche nicht nur dem literarischen und künstlerischen Leben der Residenz reiche Anregungen bot, sondern auch in wahrhaft vornehmen Sinne die Pflichten der Wohlthätigkeit übte. In ihrem Testamente bedachte Frl. Przibram zahlreiche Freunde und Anverwandte, aber auch ihre Dienerschaft mit reichen Legaten. Ein unvergängliches Denkmal aber setzte sich die Verstorbene durch zwei Legate, jedes im Betrage von 50.000 Gulden, von denen eines der Errichtung einer Bettenstiftung für kranke Kinder in den hiesigen Krankenhäusern, das andere einem Asyle für arme, bttitbe Mädchen gewidmet ist. Beiden Stiftungen ist ausdrücklich die Bedingung beigefügt, daß die Wohlthat derselben in keinem Falle von einem bestimmten Glaubensbekenntnisse abhängig gemacht werden darf. — Das ist jüdische Nächstenliebe! (Ordensverleihung.) Der Kaiser hat zu gestatten geruht, daß der Reichsraths- und Landtags-Abgeordnete Dr. Arnold Rapoport, Edler von Pvrada in Wien den kaiserlich ottomanischen Medschidje-Orden erster Classe; der Director der k. k. pri'v. Allgemeinen österreichischen Bodencredit-Anstalt, Theodor Ritter von Taussig in Wien, den fürstlich montenegrinischen Danilo-Ordeu erster Classe und der cu o. Universitäts-Professor Dr. Adam Politzer in Wien das Officierskreuz des königlich rumänischen Kronen- Ordens annehmen und tragen dürfen. „Dem gefeierte», grotzen Bolksmanne. Unter diesem anspruchslosen Titel läßt sich Herr Dr. Karl Lueger von einem ebenso jungen, als unbekannten Musiker eine Hymne widmen, die den officiellen Titel „Lueger-Marsch" führt und auf dem Titelbilde das gelungene Porträt des gefeierten, großen Volksmannes trägt. Wir wissen nicht, ob es im alten Nom Usus war, die Volkstribunen mit Märschen zu beschenken, aber thay'ächlich bleibt Jedem das Recht unbenommen, Jeden anzucomponiren, so viel und so schlecht als ihm beliebt. Der neue „Lueger-Marsch", der in den Auslagen aller ehrlich arisch denkenden Verleger und Kunsthandlungen zu sehen ist, wird selbstredend reißend verlangt, und dürste in nächster Zeit in weiteren Auflagen erscheinen, wie denn die dem großen Führer geweihte Hymne in Bälde zur Nationalhymne der christlich-socialen Partei avanciren wird. Die groß angelegte Musik beginnt mit einer halb römisch, halb böhmisch klingenden Fausare, geht sodann in ein bereits populär gewordenes Volkslied über und schließt mit einer — man verzeihe das Hane Wort - Meyerbeer entlehnten Phrase. — Speciell das Letztere dürfte ein sehr feiner Zug sein, der die Verehrer des großen Volksmannes von dein Werthe der Hymne und des Componisten überzeugen wird. Wenn ein einziger Mangel sich dringend fühlbar macht, so ist es der, daß der „Lueger-Marsch" bis jetzt noch des Textes entbehrt und daher nur gespielt oder gepfiffen, aber nicht gesungen werden kann. Neutra. Baron Moritz Hirsch, der große Philanthrop, weilte am Montag und Dienstag in Ersekujvar und nahm des jüdischen Feiertags halber die Gastfreundschaft der Frau Wwe. Albert Klein in Anspruch. Während seines Ersekujvarer Aufenthaltes äußerte der Baron den Wunsch, den Rabbiner kennen zu lernen und ihn zu besuchen. Als Rabbiner Richter hievon verständigt wurde, kam er dem Baron zuvor, indem er bei ihm seine Aufwartung machte. Der Baron erkundigte sich bei Rabbiner Richter eingehendst über die Verhältnisse der Gemeinde und der innerhalb derselben bestehenden Wohlthätigkeitsvereine. Der Baron beabsichtigt, das Jagdrecht des Primas zu pachten und war die Besichtigung des Jagdgebietes der Zweck seines Ersekujvarer Aufenthaltes. Bekanntlich ist der Baron ein großer Jagdliebhaber und erfreuen sich seine Jagden eines so guten Rufes, daß der Kronprinz von England alljährlich zu den Jagden des Baron Hirsch nach Ungarn kommt. Während der Baron sich mit dem Rabbiner unterhielt, kam der Sohn des Hauses herein und verständigte den Baron, der mit dem nächsten Zuge abreisen wollte, daß der Wagen vorgefahren sei. Der Baron, aus Rücksicht auf den anwesenden Rabbiner, meinte jedoch lächelnd, „mein lieber Hausherr, Sie scheinen zu vergessen, daß wir heute Feiertag haben und da werden wir den Weg zum Bahnhose schon zu Fuße zurücklegen". Dienstag reiste der Baron ab. Die Ersekujvarer sind ganz stolz darauf, den größten Philanthropen der Jetztzeit zwei Tage lang in ihren Mauern beherbergt zu haben. Vor seiner Abreise dankte der Baron auf's Verbindlichste der Hausfrau und ihren Kindern, die während der Feiertage sämmtliche beisammen waren, verabschiedete sich von jedem Einzelnen auf's Herzlichste und versprach, demnächst die Gastfreundschaft der ihm lieb gewordenen Familie wieder in Anspruch zu nehmen. . Als interessantes Detail möge noch erwähnt werden, daß der Baron ersuchte, mail möge ihm von den Ersekujvarer Mazzos, die ihm so gut geschmeckt haben, 12 Kilo nach Paris nachschicken. Sämmtliche isr. Corporationen wollten beim Baron ihre Aufwartung machen, er war jedoch unpäßlich und konlite dieselben nicht empfangen. An sechs arme Familien, die sich um Unterstützung an ihn wandten, ließ er 150 fl. ausfolgen. Baden. (Ein Jünger Schönerer's.) Bei Gelegenheit einer Gerichtsverhandlung in Wien am 17. April 1895 wurde constatirt, daß der Herausgeber und Redacteur des antisemitischen „Boten aus dem Wienerwalde", Joseph Herzog, bereits wegen Ehrenbeleidigung zu fünf Tagen, acht Tagen und drei Wochen Arrests, ferner auch wegen Wachebeleidigung verurtheilt worden. Gegen seine eigene Geliebte, welche Mutter seines Kindes sei, habe er eine Anzeige gemacht, wonach sie ihn vor vier Jahren, als sie ihre Niederkunft erwartete, zu einer strafbaren Handlung habe verleiten wollen; dieselbe sei deshalb auch angeklagt, aber freigesprochen worden. Eine Beschuldigung derselben delicaten Art, die Herzog gegen einen Arzt erhoben, habe nicht einmal zu einer Anklage geführt. Er sei ein Exaltado, welcher im Curparke in Baden während des Abspielens der österreichischen Volkshymne gegen diese demonstrirte. Vor mehreren Jahren sei Herzog bei einem Straßenexcesse von Burschen derart gestochen worden, daß für sein Leben Gefahr vorhanden >var, und habe die erste Hilfeleistung von zwei jüdischen Aerzten erhalten, denen er damals unaufgefordert gelobte, daß er Juden nicht mehr beschimpfen und verfolgen werde; in welcher Weise er dies halte, gehe aus der gesummten Haltung des „Boten aus dem Wienerwalde" hervor. Horardiotvitz, 20. April fOrig.-Corr.j (Abschiedsfeier.) Anläßlich der Versetzung des k. k. Bezirksgerichts-Adjuncten Herrn I. U. Dr. Josef Chlumecky zum Kreisgerichte Tabor veranstaltete der hiesige Junggesellenclub im festlich beleuchteten Saale des Hotels „zum blauen Stern" ein solennes Abschiedsfest. Der Saal war zum Erdrücken voll; auch waren die Vertreter der hiesigen israelitischen Cultusgenleinde vollzählig erschienen, denn der Scheidende erfreute sich wegen seiner ausgezeichneten Eigenschaften allgemeiner Beliebtheit und Werthschätzung. Von den vielen Toasten, die dem Wohlergehen des vorzüglichen und minutiös gerechten Beamten galten, heben wir den des Herrn I. U. Dr. D. Popper, Advocaten in HoraLdiowitz, hervor, der den Dank der israelitischen Cultnsgemeinde dem jederzeit vorurtheilsfreien und humanen Richter zum beredten Ausdruck brachte. Herr Dr. Chlumecky antwortete mit'einer formvollendeten, geistreichen Rede, in der er die Stellung des Richters im öffentlichen Leben und in der Gesellschaft beleuchtete. Mit lebhafter Befriedigung wurde insbesondere der Passus ausgenommen, in welchem der Redner hervorhob, daß das wahre Menschthum einen Unterschied in der Confessio« und Nationalität nicht kenne, und daß dies umsomehr von dem Richter gelten müsse. Jaraslau. Ueber Ansuchen des Cnltusvorstandes wurde auch heuer fast die ganze Mannschaft der hiesigen Garnison mosaischen Bekenntnisses laut Garnisonsbefehl beordert, dem Gottesdienste am Pessachfeste beizuwohnen und derselben gleichzeitig die Erlaubniß ertheilt, an der rituellen Bespeisung, welche in den hiezu eigens hergerichteten Localitäten des israelitischen Spitales von der Cultusgemeinde unentgeltlich veranstaltet wurde, durch bolle acht Feiertage theilzunehmen. 275 Soldaten und Unterofficiere machten von dieser Begünstigung Gebrauch und es war erhebend zu sehen, lvie die jüdischen Soldaten aller Waffengattungen sich in den zwei großen, hellbeleuchteten und mit dem Bildniffe des Landesvaters geschmückten Sälen versammelten, zuvor das Abendgebet verrichteten und dann regelrecht nach herkömmlichem Brauch und Sitte den Seder äbhielten.

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