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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-04-26 · 17 (26.4.1895) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
17 (26.4.1895)
Date
1895-04-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 17 Seite 317 Dr. Blvch's Wochenschrift. Alls das Menagerelutum, welches von Seiten der Militärverwaltung dem Cnltnsvorstande angeboten wurde, hat das Bespeisungs- Comits zu Gunsten der Mannschaft verzichtet, obwohl es doch dazu geeignet war, das recht namhafte Deficit zu verringern. Weil nun schon einmal von militärischen Dingen die Rede ist, wollen wir nicht unterlassen zu berichten, daß von dein hiesigen Stations-Commando dem Bürgermeister fl. 150 zur Unterstützung der Ortsarmen aller Bekenntnisse übergeben wurden, welcher Betrag anläßlich des Ablebens Sr. kaiserlichen Hoheit des Herrn Erzherzogs A l b r e ch t als Spendenrest der Officiere geblieben ist. Der Betrag wurde dem Wunsche gemäß an Arme röm.-kath., griech.-kath. und mosaischen Glaubens zu gleichen Theilen vertheilt und den Spendern der Dank votirt. Wie wir erfahren, soll demnächst das Grab des Oberlieutenant- Rechnungsführers Ados Donat, welcher während der Anwesenheit des Kaisers am 9. September 1889 von bis jetzt unerforschten Mördern erschlagen wurde, denn doch mit einem Denksteine geschmückt werden, welcher aber nicht von dem Officierscorps des Regiments, sondern von der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde, die hiezu vom Reichskriegsministerium eine entsprechende Subvention sich erbeten hat, errichtet wird. Dr. Salo R o ß b e r g e r. Stuttgart, 7. April. Die Stelle eines Oberkirchenvorstehers bei der K. Israelitischen Oberkirchenbehörde wurde dem Privatier Herrn M. H. G o l d s ch m i d t, hier, übertragen. Diese Landesbehörde ist damit wieder ergänzt und besteht aus dem Regierungscommissür Director von Fink, dem Regierungsrath Dr. Schmal, dem theologischen Mitglied Kirchenrath Dr. K r o n e r, den Oberkirchenvorstehern Bankier Alexander P s l a u m, Bankdirector Ben; inger, Privatier G o l d s ch m i d t und Fabrikant Elsaß-Cannstatt. Der neuernannte Herr Goldschmidt ist ein wegen seiner philanthropischen Thätigkeit in hiesiger Sladt, wie in der jüdischen Gemeinde hochgeehrter Mann, gehörte seit längerer Zeit dem Borstande des israelitischen Waisenhauses in Eßlingen an und verdient durch sein Interesse, das er jederzeit dem Judenthum widmet, die ihm nunmehr gewordene Auszeichnung. Breslau, 2. April. Der Kaufmann L. Th. Wolfs, der Führer . der hiesigen Antisemiten, hatte sich bei den letzten Stadtverordnetenwahlen als Candidat ausstellen lassen. Sein Gegenkandidat war der Seifensabrikant R o s e n b a u m. Diesen gegen Wolff zu unterstützen, forderten der Vorstand des Vereines „Waldeck" durch einen vom ersten Vorsitzenden Chefredacteur Emil Walter Unterzeichneten Ausruf aus, in welchem es u. A. hieß: „Wer nicht will, daß ein Vertreter jener Partei (der antisemitischen) gewählt wird, die als Richtschnur ihres Handelns nicht das Wohl des Ganzen in's Auge faßt, für welche vielmehr der Haß gegen einen Bruchtheil unserer Bevölkerung die Richtschnur für alle ihre Handlungen ist, und wer nicht will, daß unsere Stadtverordnetenversammlung der Tummelplatz wüster Hetzereien wird, für den kann die Wahl nicht zweifelhaft sein." Hierin erblickte Wolff eine Beleidigung und strengte Klage gegen Walter an. In der heutigen Verhandlung vor dem Schöffengericht wurde zunächst der Ausruf verlesen, während zur Rechtfertigung des Beklagten der Bericht über eine am 26. October abgehaltene Versammlung, des deutsch-socialen Vereins zur Verlesung gelangte. Auf Befragen des Vertreters des Beklagten gab der Privatkläger zu, daß er sich selbst in einer öffentlichen Versammlung dahin geäußert habe, „daß es nothwendig sei, die Stadtverordneten-Bersammlung in Breslau von den Elementen zu säubern, welche die Geschäfte der Stadt im Interesse einer bestimmten Clique führen, dazu bedürfe es eiserner Besen, und als solche eiserne Besen würden sich im Falle ihrer Wahl diejenigen Candidaten erweisen, welche von antisemitischer Seite aufgestellt werden würden". Der Vertreter des Klägers blieb trotz dieses Zugeständnisses bei seinem Anträge, indem er die Meinung verfocht, daß der Wahlaufruf eine persönliche Spitze gegen den Kläger zu erkennen gebe und daß deshalb eine Bestrafung erfolgen müsse. Nach kurzer Berathung erkannte der Gerichtshof auf Fre i s p r ech un g des Angeschuldigten mit der Begründung, daß offensichtlich überall in dem in Rede stehenden Wahlaufrufe nur ein Angriff auf die antisemitische Partei, nicht aber gegen die Person des Klägers vorliege. Es komme dabei gar nicht einmal darauf an, zu prüfen, ob Wahrung berechtigter Interessen vorliege und ob dieselbe innerhalb der gesetzlichen Schranken erfolgt'sei. Inner, 12. April. Eine seitensdes Herrn Justizministers getroffene Entscheidung dürfte für weitere Kreise von Interesse sein. Eine jüdische Strafgefangene, welche im hiesigen Zuchthaus internirt ist, sollte am 9. April ne., also am ersten Pessachtage der Strafkammer zu Breslau behufs Vernehmung vorgeführt werden. In Anbetracht des Festtages wurde unser Cnlrusbcamter, Herr Canror Feibel, welcher gleichzeitig Seelsorger der jüdischen Insassen der Strafanstalt ist, durch die Direction bei der Strafkammer vorstellig, um eine Verlegung des Termins zu erwirken, wurde aber ohne Weiteres mit seinem Anträge abgewiesen. Darauf wandte er sich wenige Tage vor dem Feste unter 'Angabe derselben Gründe direct an den Herrn Jnstizminister mit der Bitte um Verlegung des Termins, und am 8 d. M lraf ein Telegramm von der Staatsanwaltschaft zu Breslau bei der hiesigen Direction ein, des Inhalts, daß der Termin aufgehoben sei. Die Direction gab Herrn Feibel davon sofort Kenntniß. Paris. Rabbiner Weißkopf hat in seiner Gemeinde Vorsorge getroffen, daß die in jüdischen Dingen ziemlich unwissend Heranwachsende isr. Jugend zweimal wöchentlich ordentlichen Religionsunterricht erhalte. — Der Ober-Rabbiner von Frankreich, Ehrw. Z a d o e - K a h n hat in einem an alle französischen Rabbiner gerichteten Rundschreiben gefordert, daß das Interesse an dem jüdischen Geistesleben durch Vorträge und Curse für Erwachsene rege gehalten werden möge. Religion, Ltteratur und Geschichte des Judenthnms mögen in abwechslungsreicher Folge den Inhalt dieser Darbietungen bilden. Die schwungvolle Encyelika enhält eine reiche Fülle beherzigensiverther Anregungen: „Es muß also etwas geschehen, meine Herren und theuren Collegen, um die Lücken einer übereilten und abgestutzten Erziehung auszusüllen, um das allzu Elementare zit entwickeln und das dunkel Gebliebene zu erhellen. Warum sollen wir nicht auch um die jungen Leute und Mädchen besorgt sein, welche das Jünglings-, das Jungfrauen-Alter schon erreicht haben? Warum sollen wir uns nicht an die Männer und Frauen erinnern, welche keine Ahnung haben von den Grundbestimmungen unseres Culius, von unseren lleberlieferungen, unserer Geschichte, unserer Sittenlehre? An Ihnen ist es, meine Herren und theuren Collegen, Ihre segensreiche Thätigkeit auch außerhalb der Synagoge auszuüben und von den Früchten Ihres Wissens alle Mitglieder Ihrer Gemeinde genießen zu lassen. Nach dem Muster der zahlreichen jüdischen Literatur-Bereine, welche im Auslände entstanden sind und blühen, müssen auch in Frankreich Gesellschaften in's Leben gernfen werden, um auch hier die Kenntniß unserer Vergangenheit und Gegenwart, unserer Schriftsteller, unserer Denker, unserer Geschichtsschreiber und ihrer Werke, unserer religiösen Einrichtungen, unserer sittlichen und philosophischen Lehren zu verbreiten. Hierin besteht das wirksamste Mittel, die erschlafften Gemeinde-Mitglieder zur Treue, zu solidarischem Empfinden zurückzuführen. Der Einladung, einer Unteriveisung, einem Vortrage, einer Darstellung über eine der drei großen Fragen, die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft des Judenthums, beizuwohnen, werde man gewiß gerne Folge leisten, zumal Ort, Tag, Srnnde nach Belieben der Mehrheit der Gemeindemitglieder gewählt werden könne. Auch Laien, welche durch Wissen und Geschmack dazu befähigt sind, können aufgefordert werden, diese Last mitzutragen. Ich bin der lieber* zeugung, daß man für das Erschließen des Schatzes unserer religiösen, literarischen und historischen Reichthümer nur Dank ernten würde. Möge der Höchste Ihr Werk segnen und Ihre Anstrengungen mit Erfolg krönen, um die Jrrthnmer §it beseitigen, die Geister zu erleuchten und in den Herzen die Liebe zur Wahrheit und zum Guten zu neuer Gluth anzufachen!" New-Aork, 1. April. Das vor Kurzem aus Long Island errichtete Heim, welches bekanntlich besttmmt ist, jüdischen Arbeiterinnen Rast und Erholung in den Sommermonaten zu gewähren und ihnen durch den ländlichen Aufenthalt frische Kraft zu verleihen, macht erfreuliche Fortschritte. Nach dem soeben zur Ausgabe gelangten Bericht haben während des verflossenen Sommers 164 Mädchen Untrrkunft gefunden. Leider mußten aus Mangel an Raum weitere 30 Petenten abgewiesen werden. Es ist selbstverständlich, daß in diesem jüdisch-humanitären Institut die Speisen nach dem Ritual znbereitet werden, wenn auch dadurch der Ausgabeetat sich bedeutend erhöht. Trotzdem gelang es den verdienten Vorsteherinnen dieses Instituts, die nöthigen Mittel aufzutreiben; sie habe», nunmehr noch zwei weitere Häuser in Mielhe genommen, so daß in dem beginnenden Sommer noch eine größere Anzahl Arbeiterinnen wird ausgenommen werden können.

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