Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 12 (1895)
- Issue
- 17 (26.4.1895)
- Date
- 1895-04-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021061-3021079--04502-3028691- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 314 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 17 Dies ist auch das Programm, das wir, wenn Sie uns fernerhin mit Ihrem Vertrauen beehren werden, auszuführen mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln bestrebt sein wollen." Der Rechenschafts-Bericht fand stellenweise lebhaften Beifall und wurde ebenso wie der vom Vorstandsmitgliede Herrn B. Kanitz verlesene Cassabericht einstimmig zur Kenntniß genommen. Herr Gemcindcrath Lang sprach dem Vereinsvorstande, sowie dem Secretär, Herrn Josef Fuchs, den Dank für deren aufopfernde Thätigkeit aus. An den Rechenschaftsbericht knüpfte sich eine kurze Debatte, an welcher sich die Herren Adv. - Cand. Dr. Jacob K 0 h n, Dr. Philipp M e i t n c r, Rcichsraths-Abgeordneter Dr. Bloch und Siegfried Fleischer betheiligten. Bei der hierauf folgenden Wahl wurden Herr Cultusvorsteher Dr. Josef Grünfeld per Acclamation zum Präsidenten und mittelst Stimmzettel die Herren Jacob Jaiteles, B. K a n i tz, Ignaz Konto r, Dr. Jacob K 0 h n, Dr. Philipp Meitner, Adolf R 0 s e n b a u m, N. S ch c f f t e l, Dr. Marcus Spitzer und Ignaz Zucker zu Vorstandsmitgliedern gewählt. Nachdem noch Herr Dr. Marcus Spitzer namens des Vereinsvorstandes den Dank für die Wiederwahl desselben erstattete, hielt Herr Rabbiner Dr. Leopold G 0 l d s ch m i e d t einen mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrag, den wir an anderer Stelle reproduciren. F. Vom Jahrmarkt des Lebens. Die Inden in Böhmen. Die „N. Fr. Pr." läßt sich aus Königinhof, 18. April, schreiben: „Die letzten Wiener Gemeinderathswahlen sind auf die jüdische Bevölkerung in Böhmen nicht ohne Wirkung geblieben. Man besorgt hier ein stärkeres Anschwellen der antisemitisch - deutschnationalen Bewegung, und das könnte leicht auf die politische Stellung der Inden, welche bisher treu an der Seite der deutschen Partei in Böhmen gekämpft haben, eine Rückwirkung äußern. In einzelnen Städten, wie zum Beispiel in Trautenau, soll sich bereits gegenwärtig der Antisemitismus in so vordringlicher Weise bemerkbar machen, daß die dortigen Inden sich zur Abwehr ralliiren und über die Mittel zur Abwehr ernstlich berathen. Aehnliche Stimmungsberichte gehen uns aus Budweis zu. Wenn die Inden in Budweis künftighin die Taktik der israel. Wähler der Leopoldstadt befolgen und von der Wahl sich absentiren, so würde das mit zu der Erfolgen der antisemitisch-deutschnationalen Bewegung in Böhmen zu zählen sein." Der interpretirte Bismarck. Ein ganz besonderes System für die Interpretation der Bismarck'schen Rede an die deutschnationalen Steirer hat sich mit staunenswerther Unverschämtheit die „Ostdeutsche Rundschau" vom 18. April 1895 zurechtgelegt, indem sie sagt, der Zug der deutschen Ostmärker nach Friedrichsruh habe „eine politische Kundgebung gezeitigt, die den Deutschnationalen Oesterreichs nur neuen Muth verleihen, den Lenkern der Geschicke dieses Staates aber mehr als einen deutlichen Wink im eigenen Interesse geben kann — wenn fieser not wollen". Das Organ, welches von den Verbündeten desselben despectirlicherweise das „Blättchen der Drei- Käsehoch-Partei" genannt wird, sagt unter Anderem: „Er (Fürst Bismarck) weiß aus alter Erfahrung ganz genau und hat es auch ausgesprochen, daß eben nicht die Gefühle der Völker, sondern stets die Dynastie schließlich für die Beziehungen zwischen Nachbarstaaten der ausschlaggebendste Factor sind, und empfiehlt deshalb den Deutschösterreichern, welche eine Fortdauer der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Deutschen im Westreiche und im. Ostreiche wünschen, die Pflege der steundschastlichen Beziehungen zur Dynastie als ein durch die Macht der Verhältnisse vorgeschriebenes Mittel politischer Klugheit. Er scheint anzuuehmen, daß dies manchem deutschen Oesterreicher schwer ankommen mag, und er nennt ihn deshalb mit der Versöhnlichkeit eines Mannes, der die Gefahren einer Politik der Leidenschaft wohl kennt, auch jene Momente, die nach seiner Meinung den politisch nothwendigen Anschluß der Deutschösterreicher an die habsburgische Dynastie erleichtern sollen: Er verweist darauf, daß diese Dynastie ursprünglich deutsch ist, daß er in dem gegenwärtigen Kaiser von Oesterreich ein deutsches Herz und Spuren der deutschen Abstammung gesunden habe,, daß es den Deutschöfterreichern also weniger von Seite des Verstandes und juristischer Argumente, als von Seite des Gemüthes möglich sein werde, zur österreichischen Dynastie in innigere Beziehungen zu treten, „als es mitunter in der Vergangenheit geschehen ist". Bismarck, der wiederholt betont, daß nun einmal die Dynastie — so lange sie eben besteht — der mächtigste Factor in auswärtigen Beziehungen ist, verschweigt auch nicht, aus welchem Grunde er den Deutschen Oesterreichs eine gewisse Selbstverleugnung in dieser Hinsicht anempfiehlt: Es sollen einflußreiche Beziehungen sein, welche die Deutschen Oesterreichs mit der habsburgischen Dynastie verknüpfen, und „je stärker der Einfluß der Deutschen in Oesterreich sein wird, desto sicherer werden die Beziehungen des Deutschen Reiches zu Oesterreich sein". Werden die österreichischen Machtfactoren wohl den Sinn der Worte eines Mannes, bei den: sie noch heute wie einst in die Schule gehen können, verstehen? Werden sie es beachten, was es heißt: Das ganze heutige Oesterreich beruht auf einer deutschen Beamtenschaft und aus einer deutschen Heeresbildung? Deutschnationales Interesse wird es wohl nicht sein, ob gewisse österreichische Politiker sich diese Worte hinter die Ohren schreiben oder nicht, wohl aber österreichisches." Unter dem Schlagwort: „Die. Steirer in Hamburg" bringt die „Ostdeutsche Rundschau" vom 19. April folgenden Bericht: „Am Abend des Bismarcktages der deutschen Ostmärker vereinigten sich die Steirer und deutschen Studenten der Ostmark zu einer gemächlichen geselligen Zusammenkunft im Norddeutschen Jugendbunde zu Hamburg. Anwesend waren Mitglieder des Norddeutschen Jugendbundes, des Vereines der deutsch-socialen Reformpartei, des Alldeutschen Verbandes, des Deutschbundes Dr.Friedrich Längeres und des deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes. Der Vorsitzende des Bundes, Herr H. M u t h 0 r st, eröffnete die zahlreich besuchte Zusammenkunft, indem er kurz die Gäste begrüßte und die Ziele des Bundes klarlegte. Der Bund habe es stets als Hauptpflicht betrachtet, mit den draußen stehenden Volksgenossen enge Verbindungsfäden zu knüpfen. Wiederholte laute Zustimmungsrufe bewiesen, daß ein Geist die Versammlung beherrschte. Unter dem Vorsitze des Herrn Architekten Stärk aus Graz sprach dann Herr Doctor von M n h lwerth in zündenden Worten seinen Dank aus. Herr Oberlehrer Dr. Göring verglich den Freiheitskampf der Schleswig- Holsteiner mit dem d e r O st m a r k, den trotzigen Uve Jens Lornsen mit Schönerer; Herr Mühlwerth nahm nochmals das Wort, indem er die Hoffnung aussprach, Helgoland möge nicht das letzte Stück deutscher Erde sein, das den. A n s ch l usi an's Gesamnrtrcich erreiche; Herr Lang Hans gedachte der Wiener Gemeinderathswahlen. Während dann Herr Rud. Roth e 'np i e l e r den Vorsitz übernahm, sprach Herr Schober aus Mahrenberg dem Obmann des Jugendbundes, Herrn M u t h 0 r st, den Dank der Steirer aus; Drei. Löffelm ann überbrachte die herzlichen Grüße des „Heimdall" in Graz; Herr Golla, Schriftleiter des „Deutschen Blattes", verlas die Rede, die Bis m a r ck am Morgen gehalten hatte. Herr S e e f r i e d pries Schönerer, und brausend stieg der Sang: „Wenn Alle untreu werden". Den zahlreichen Leipzigern und Herrn v. Schönerer (?!) wurden Drahtgrüße gesandt. Es herrschte allgemeine Begeisterung und f r e u d i jg e Nebereinstimmun g. Es waren ein paar schöne Stunden reiner Freude. Möge niemals das Gefühl unserer Zusammengehörigkeit erkalten. Heil-Bismarck!" Katholiken und Juden im Jahre 1813. Man berichtet der „Frkf. Ztg.": „Im Jahre 1808 hatte der König von Westfalen den Juden Bürger- und Gemeinderechte verliehen. Der Großherzog von Hessen war einer der ersten deutschen Fürsten, die diesen: Beispiel der Toleranz und Gerechtigkeit folgten. In unseren Tagen der confessionellen Gegensätze, der Reaction und des Antisemitismus klingt es wie ein Märchen, wenn man folgenden Erlaß der katholischen Cultusgemeinde in D a r m st a d t, veröffentlicht in der Großherzoglich hessischen Zeitung vom 13. Januar 1813, liest: „Die Israelitischen Glaubensgenossen der hiesigen Stadt haben aus eigener Bewegung zu dem vorseyenden katholischen K i r ch e n b a u einen ansehnlichen Beitrag aus ihrem Eigenthum bestimmt und den Unterzeichneten übergeben lassen. Wenn diese gleich überzeugt sind, daß die obigen Glaubensgenossen hierbei auf keinen besonderen Dank rechnetet: und nur von dein Wunsche geleitet wurden, nach ihren Kräfte:: eine gute Sache zu befördern, so glauben die Unterzeichneten doch, diesen Dank öffentlich ablegen zu müssen, weil die Handlung selbst nicht blos für ihre Glaubensgenossen, sondern für alle ihre Mitbürger ein so schöner Beweis jener Aufklärung ist, die keinen Unterschied der Religion kennt und in jedem Menschen, weß Glaubens er auch sey, den Menschen ehrt. Darmstadt, den 11. Jänner 1813. Der Vorsteher der katholischen Kirchengemeinde dahier." Ein rumänischer Jude in der Fremde. Die Rectoren der Universitäten in Bukarest und Jassy erhielten Einladungen zu der au: 2. Juni l. I. stattfindenden Einweihung der neuen Baulichkeitei: der Rechtsfacultät in Lille. Interessant ist die Uilterschrift, mit welcher diese Einladungen versehen waren; sie gingen vom Decan Dr. Läon Feder aus, einem gebürtigen Jaffyer Juden. In seinem Geburtslands hätte er nie die akademische Laufbahn betreten können; wird doch in Rumänien den Juden zum größten Theile sogar der Schulbesuch durch allerlei Chicanen erschwert.