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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1895-04-26 · 17 (26.4.1895) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
12 (1895)
Issue
17 (26.4.1895)
Date
1895-04-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Bloches Wochenschrift. Seite 313 Kugel zusammen zu drucken, uns doch ein wenig Abwechslung gewähren wird." Ueberall, wo Israel auf dem Gebiete der Künste ausgetreten ist, hat es sich als ein Bekenner der höchsten Ideale bewährt. Nicht im leichten Lustspiel, in den erschütternden Tragödien haben sich seine Kinder hervorgethan, denn das Judenthum ist ein Tragöde, der im hohen Kothnrnus einherschreitet schon seit dritthalb Jahrtausenden, es spielt eine furchtbare Tragödie, seine eigene Leidensgeschichte. Und wir müssen dieses grausame Spiel weiterspielen, denn unser Ziel liegt noch immer in tiefer, rabenschwarzer Nacht, und die Dämmerung läßt so endlos lange auf sich warten. Kommt sie aber, dann hoffen wir, daß uns die Nachwelt jene Kränze flechten wird, die uns die Mitwelt entzieht. Oesterreichlsch-israeMsche Union. (General-Versammlung am Samstag, den 20. April 1895.) In Anwesenheit zahlreicher Mitglieder und Gäste, unter welchen man u. A. die Herren: Reichsraths-Abgeordneter Dr. Bloch, die Gemeinderäthe Dr. Frieds u n g, Theodor Ritter von Gold sch miedt, Lang und Dr. Mittler, sowie die Cultusvorsteher Landesschulrath Dr. Gustav K o h n und Kammerrath Wilhelm P o l l a k bemerkte, eröffnete der Präsident Herr Dr. G r ü n s e l d die IX. General-Versammlung dieses Vereines, und gedachte in warmen Worten der im Laufe des vergangenen Vereinsjahres verstorbenen Mitglieder, deren Andenken die Versammlung durch Erheben von den Sitzen ehrte. Sodann verlas Secretär Josef F u ch s folgenden Rechenschafts-Bericht: „Geehrte Versammlung! Der Vorstand der „O esterreichisch-israelitischeu Union" beehrt sich Ihnen über seine Thätigkeit im abgelaufenen Vereinsjahre Bericht zu erstatten. Die Ihnen wohlbekannte Affaire D e ck er t, vielmehr die wenig befriedigende Beantwortung einer diesbezüglichen Interpellation im Abgeordnetenhause veranlaßte uns, sofort nach unserer Constituirung anläßlich der letzten General-Versammlung einen seit längerer Zeit gefaßten Plan, die Abhaltung einer Berathung ntit den Mandataren der liberalen Partei, zur Ausführung zu bringen. Unserer diesbezüglichen Einladung sind am 25. Juni vorigen Jahres sämmtliche liberale Vertreter unserer Stadt, sowie ein Kreis hervorragender Männer unserer Gemeinde bereitwilligst gefolgt. Bei dieser Versammlung haben wir den erschienenen Abgordneten klar und präcise unsere Wünsche dahin unterbreitet, die Regierung zu bewegen, ihre stete Jgnorirnng der antisemitischen Bewegung aufzugeben und an maßgebender Stelle eine entschiedene Verurtheilung dieser verhetzerischen Thätigkeit auszusprechen. Leider ist bis nun nach dieser Richtung nichts geschehen und die politische Constellation unseres gegenwärtigen Parlamentes läßt eine solche Stellungnahme der Regierung für absehbare Zeit auch nicht gewärtigen. So blieb uns nichts Anderes übrig, als einer aus dem Schoße dieser Berathung kommenden Anregung zu folgen und eine Organisation der österreichischen Judenschaft zum Zwecke gemeinsamer legaler Selbsthilfe und Selbstvertheidigung herbeizuführen. Zu diesem Behufe haben wir aus den Reihen unserer Mitglieder einen die Thätigkeit des statutarischen Vereinsvorstandes unterstützenden Actionsausschuß gebildet, mit dem speciellen Zwecke, den Antisemitismus und die aus demselbem hervorgehenden, die Judenschaft bedrängenden Uebelstände mit allen gesetzlichen Mitteln abzuwehren und zu bekämpfen. In diese Thätigkeit theilen sich seit dem Sommer vorigen Jahres unter der Leitung unseres Vorstandes drei Comites, von denen das Rechtsschutz-Comito nach Außen hin bereits in Wirksamkeit getreten ist. Diesem Comits fällt die Aufgabe zu, nach sorgfältiger Prüfung jeder Beschwerde legale Abwehr herbeizuführen, wenn seitens unserer Glaubensgenossen unsere Hilfe gegen eine dem Juden als solchen in Wort, Schrift oder That zugefügte oder drohende Unbill angerufen wird. Und diese Abwehr herbeizuführen wird unser Rechtsschutz-Comito mit allen uns durch die Staatsarundaesetze gewährleisteten Rechten und Mitteln bestrebt sein! In diesem Sinne haben wir an unsere Glaubensgenosien durch die größeren Blätter der österreichischen Monarchie, sowie an alle Cultusgemeinden Oesterreichs Aufrufe gerichtet, und die große Anzahl von eingelaüfenen Beschwerden und Zuschriften gibt uns Zeugniß von der Nothwendigkeit des Bestandes einer solchen Institution und läßt uns gleichzeitig der Hoffnung Raum geben, daß sich dieselbe in unserer Judenschaft rasch einleben, und daß sie mit der Zeit ein Factor werden wird, mft welchem unsere Widersacher ernstlich zu rechnen haben werden. Ferner sind wir in der angenehmen Lage, einen Erfolg in der Thatsache zu verzeichnen, daß wir in den Central-Wahlcomites aller Bezirke, in welchen die jüdische Wählerschaft ein größeres Contingent liefert, in unserer Eigenschaft als „Oefterreichifch-israelitische Union" durch Delegirte vertreten und dadurch in der Lage waren, unserem Vereine und dessen Princip.en in gebührender Weise Geltung zu verschaffen. Wir haben auch über Veranlassung der betreffenden Wahlcomit-s bei den letzten Gemeinderathswahlen an alle Wähler jüdischer Consesstou eindringlich die Aufforderung gerichtet, die von einem Theile der jüdischen Wählerschaft gegen unsere Intention geübte Wahlenthaltung aufzugeben und vollzählig an der Wahlurne zu erscheinen. Besonders hervorgehoben zu werden verdient, daß der Vorstand der „Oesterreichisch-israelitischen Union" eine Artion dahingehend einleilete, die Repräsentanten sämmtlicher jüdischer Groß-Gemeinden Oesterreichs zu einer gemeinsainen Berathung über die gegenwärtige Lage unserer Glaubensgenossen und über die geeigneten Mittel zum Schutze ihrer arg bedrohten und immerwährend verletzten staatsbürgerlichen Rechte einzu berufen, und so die Anregung zur Schaffung eines die Judenschaft Oesterreichs repräsentirenden Geineindetages zu bieten. Fast säinuttliche Gemeinden Oesterreichs haben durch ihre Vertretung unsere Einladung sreudigst begrüßt und ihre Delegirten namhaft gemacht. Die intendirte Action konnte jedoch nicht in Vollzug gesetzt werden, nachdem die Vorstände zweier der größten jüdischen Gemeinden, von deren Mitwirkung allein ein ersprießliches Resultat zu erwarten war, aus allerdings wichtigen Motiven ihre Mitwirkung vorläufig abgelehnt hatten, dieselbe jedoch für einen geeigneten Zeitpunkt zusicherleu. Wir glauben nun angesichts der außerordentlichen Wichtigkeit dieser Angelegenheit dieselbe stets im Auge behalten zu sollen und im geeigneten Momente wieder an die Ausführung dieser Idee zu schreiten. Unser „Kalender für Israeliten", den wir im vergangenen Jahre zum dritten Male erscheinen ließen, brachte ein authentisches Verieichniß aller jüdischen Gemeinden Oesterreichs, eine Einrichtung, die sich bei der eingangs dieses Berichtes erwähnten Organisation der gesammten Judenschaft Oesterreichs sehr gut bewährte. Wir benützen diese (Gelegenheit, unserem geehrten Mitarbeiter, Herrn Dr. Eduard M a h l e r, als auch allen jenen Männern, die uns mit werthvollen literarischen Beiträgen unterstützten, unseren besten Tank zu sagen. Wir haben auch in diesem Jahre an arme Schüler der hebräischen Sprach- und Bibelschule, sowie der Talmud-Thora-Schule Handstipendien vertheilt und mit Befriedigung constatirt, daß der von uns angestrebte Zweck einer besseren Frequenz dieser Lehranstalten hiedurch erreicht wurde. Unser Bice-Präsident Herr Dr. Marcus Spitzer hat wie in den Vorjahren, so auch heuer einer Anzahl von Glaubensgenossen seine rechtsfreundliche Unterstützung unentgeltlich zur Verfügung gestellt, wofür wir ihm an dieser Stelle unseren wärmsten Dank zuin Ansdrucke bringen. In dem abgelaufenen Vereinsjahre hielten wir 32 Vorstandssitzungen und 7 Plenar Versammlungen ab, in welch letzteren folgende Herren Vorträge hielten: Am 17. November 1894 Herr Reichsraths -Abgeordneter Dr. Max Meng er: „lieber Steuerreform". Am 22. December 1894 Herr Professor Dr. Ludwig Singer über: „Zwei Socialreformer des Alterthums". Am 12. Jänner 1895 Herr Dr. Jacob Tauber über: „Ezekia, ein Nationalheld". Am 9. Februar 1895 Herr Dr. Heinrich Sieger: „lieber die politische Lage und die Interessen des Judenthums". Am 23. Februar 1895 Herr Gundacar Freiherr von Suttner über: „Die vitalsten Fragen in der gegenwärtigen Politik". Am 20. Mär; 1895 Herr Reichsraths-Abgeordneter Dr. Emil B y k über: „Culturarbeit im Osten". Die am 20. Mär; d. I. abgehaltene Vereins-Versammlung war ausschließlich der Besprechung der diesjährigen Gememeindecathswahlen gewidmet. Es sei hiemit allen diesen Herren für die Liebenswürdigkeit, mit welcher sie sich dieser Mühe unterzogen haben, unser wärmster Dank gesagt. Im Laufe des Vereinsjahres ist Herr Philipp P o p p e r in Folge geschäftlicher Ueberbürdung aus unserem Vorstande ausgetreten. Wir haben an seiner Stelle Herrn Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Philipp Meitner, welcher bei der letzten General-Versammlung die nächstgrößte Stimmenzahl auf sich vereinigte, in den Vorstand cooptirt. In der letzten Zeit ist aus demselben Grunde Herr Gottlieb Bettel he im aus unserem Vorstande geschieden. Außerdem ist Herr Dr. Max L a n d e s b e r g e r, der unserem Vorstände durch eine Reihe von Jahren angehörte, mit Tod abgegangen. Geehrte Versammlung! Der traurige Ausgang der diesjährigen Gemeinderathswahlen darf uns nicht entmuthigen, die Rathlosigkeit und Verzweiflung, welche sich eines großen Theiles unserer liberalen Bevölkerung bemächtigte, darf in unseren Reihen keinen Eingang finden. Wir Juden, die w'r die Mission übernommen haben, allen Gefahren und Mißhandlungen zum Trotze für unsere Ueberzeugung und unsere vieltausendjährige Geschichte einzustehen und zu kämpfen, die wir uns stets und zu allen Zeiten für Freiheit, Cultur und Eivilisation begeistert und geopfert haben, wir dürfen uns nicht zu Jenen gesellen, die, verwirrt durch den letzten Mißerfolg, geneigt sind, Fahnenflucht zu ergreifen und muthlos die Waffen zu strecken. Als leuchtendes Beispiel festen Zusammenhaltens wollen wir, wenn auch nur schrittweise, auf eine Einigung und Richtung aller in der österreichischen Judenschaft liegenden Kräfte zu einem Ziele hinwirken und rastlos arbeiten zu Gunsten unserer gesetzlich gewährleisteten, nunmehr bedrohten Existenz im Staatsganzen.

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